Urkunde von Papst Coelestin III. von 1196 im Vorarlberger Landesarchiv

Diener der Diener Gottes.

Mit der sogenannten Intitulatio Celestinus episcopus servus servorum Dei (Bischof Coelestin, Diener der Diener Gottes) führten die päpstlichen Kanzlisten ein offizielles Schreiben des Pontifex Maximus im Mittelalter ein und gaben damit den Aussteller und seine Funktion an. Diese besonderen päpstlichen Mitteilungen in Form von litterae (von lat. Brief) aus Rom geben der Nachwelt bis heute einen Eindruck von den oftmals ganz profanen Entscheidungen eines Papstes im Hochmittelalter.


Abb.: Papst Coelestin III. (rechts) und Kaiser Heinrich VI. aus dem Geschlecht der Staufer (um 1165 bis 1197) in einer Abbildung aus dem Liber ad honorem Augusti des Petrus de Ebulo, ca. 1196 (Bildrechte: Wikimedia Commons)

Am 9. Februar 1196 gibt Papst Coelestin III. (etwa 1106 bis 1198) dem Kloster Bregenz (Mehrerau) das Recht, in der Kirche von Bregenz (ecclesia de Brigantia), welche dem Kloster unmittelbar zugehört (que ad vos inmediate[!] noscitur pertinere), den Gottesdienst durch Brüder aus dem Kloster zu besorgen. Jedoch beschränkt der Papst die Anzahl auf drei Brüder gleichzeitig. Auch ist dieser Dienst in der Bregenzer Kirche nur auf die Dauer einer Nichtbesetzung des Seelsorgers in der Kirche vorgesehen. Ebenso bezieht sich die Zugehörigkeit der Pfarre Bregenz nur auf die eine Hälfte der Grafschaft Bregenz, welche bei der Gründung des Klosters Mehrerau im Jahre 1095 von den Grafen von Bregenz als Grundbesitz diesem beigegeben wurde.


Abb.: Urkunde von Papst Coelestin III., 9. Februar 1196 (Bildrechte: Vorarlberger Landesarchiv)

Die vorliegende Urkunde wird als litterae cum serico klassifiziert, da das päpstliche Siegel, die sogenannte Bleibulle, an rot-gelben Seidenfäden befestigt ist. Litterae cum serico sind graphisch etwas feierlicher ausgestattet als jene mit Hanffäden (litterae cum filo canapis). Die Unterschiede in der Siegelbefestigung und graphischen Ausgestaltung entsprechen dem verschiedenen rechtlichen Gehalt der Urkunden: Mit den litterae cum serico wird eine Gnade gewährt, also etwa ein Rechtstitel verliehen oder bestätigt. Das Vorarlberger Landesarchiv verwahrt in seinen Beständen alle bekannten Formen von päpstlichen Urkunden, wie bspw. Bullen, Seiden- und Hanfschnurbriefe oder auch verschiedene Formen von Breven.

Quelle: Vorarlberger Landesarchiv, Urk. 776 (Kloster Mehrerau).

Literatur:

  • Horst Fuhrmann, Die Päpste. Von Petrus zu Johannes Paul II. München 1998.
  • Thomas Frenz, Papsturkunden des Mittelalters und der Neuzeit (Historische Grundwissenschaften in Einzeldarstellungen 2). Stuttgart 2000.
  • Volker Reinhardt, Pontifex. Die Geschichte der Päpste von Petrus bis Franziskus. München 2017.

Kontakt:
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Quelle: Markus Schmidgall, Vorarlberger Landesarchiv, Archivale des Monats Mai 2021

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