Geschichte der Flüchtlinge in St. Gallen 1933-1945

2.000 bis 3.000 Flüchtlingen hat der ehemalige St. Galler Polizeikommandant Paul Grüninger illegal über die Grenze verholfen. Das hat ihn seine Arbeit gekostet. Erst viel später – in den 90er-Jahren – hat Grüninger Rehabilitierung erfahren. Die «Grüninger-Flüchtlinge» sind längst nicht alle Frauen und Männer, die in den Jahren 1933 bis 1945 über die Grenze in die Schweiz und den Kanton St. Gallen gelangten – illegal auch sie. «Der Kanton St. Gallen hat mehr als 10.000 Flüchtlinge aufgenommen», sagt Jörg Krummenacher.

Der Journalist recherchiert seit zwei Jahren zur St. Galler Flüchtlingsgeschichte. In seinem Büro stapeln sich Flüchtlingslisten aus dem St. Galler Staatsarchiv (Flüchtlingsakten, Akten der Politischen Polizei), dem Bundesarchiv, den Archiven für Zeitgeschichte in Zürich und München sowie weiteren Archiven. «Vermutlich», so Krummenacher, «hielten sich nochmals einige tausend Flüchtlinge versteckt im Kanton auf. Sie sind auf keiner offiziellen Liste zu finden.» Die Flüchtlinge lebten im ganzen Kanton, gut 3.000 allein in der Stadt St. Gallen. «Im Linsebüel-Quartier gab es kaum ein Haus, in dem keine Flüchtlinge wohnten», sagt Krummenacher. Und: Der «Walfisch» – heute eine Unterkunft für Asylsuchende – war bereits damals eine Flüchtlingsstätte.

Wie viele Flüchtlinge hat der Kanton St. Gallen ab- oder ausgewiesen? Beim Aktenstudium ist Krummenacher bisher auf «einige Dutzend» Rückweisungen durch st. gallische Behörden gestossen. Gut 200 Fälle dürften dokumentiert sein. «Eine Schätzung», sagt der St. Galler Journalist, «die tatsächliche Zahl von Rückweisungen und Ausschaffungen war um ein Mehrfaches höher.» Er geht von «mehreren hundert ausgeschafften und mehreren tausend abgewiesenen Flüchtlingen» aus. Bei seinen Recherchen ist Krummenacher ein brisantes Papier in die Hände gekommen: Ein Brief von Heinrich Rothmund, Chef der Polizeiabteilung des EJPD, an den St. Galler Regierungsrat Valentin Keel, datiert vom 25. März 1939. Rothmund, Bürger von St. Gallen, hält darin fest, dass es nicht möglich sei, die Immigranten, die dank Hauptmann Grüninger oder auch dank Valentin Keel einreisen konnten, wieder auszuschaffen. «Es hat keinen Zweck, solche Leute auszuschaffen und damit dem sicheren Untergang preiszugeben.» Trotzdem haben die St. Galler Behörden in den Monaten nach diesem Brief mehrere Flüchtlinge ausgeschafft. Warum? «Die Ausweisungen erfolgten, nur so kann ich den Brief Rothmunds interpretieren, willkürlich und gegen den ausdrücklichen Willen des Bundes – zumindest zu jenem Zeitpunkt», sagt Krummenacher. In seinem Buch zur St. Galler Flüchlingsgeschichte – es wird Ende 2004/Anfang 2005 erscheinen – zeichnet er den Fall einer Familie nach, die drei Tage vor Erhalt der Ausreisepapiere ausgeschafft, später von den Nazis deportiert und im Konzentrationslager getötet wurde.

Den Brief von Rothmund hat Krummenacher von einem damaligen Flüchtling erhalten. Insgesamt hat er mit 60 Zeitzeugen Gespräche geführt. «Nur dank dieser Begegnungen und Erzählungen ist es einigermassen möglich, die Vorgänge jener Zeit zu rekonstruieren. Würde dies ausschliesslich mit Hilfe von Aktendossiers erfolgen, entstünde ein verfälschtes Bild», ist er überzeugt. Die Zeitzeugen – die meisten waren zu jener Zeit Kinder oder junge Erwachsene – seien in ihren Schilderungen inhaltlich äusserst korrekt, in ihren Erinnerungen überraschend genau. «Fehlerhaft sind sie bei der Nennung von Daten.» Bei der zeitlichen Einordnung ihrer Geschichten stützt sich Krummenacher deshalb auf Akten und Fakten. «Umgekehrt», hat er die Erfahrung gemacht, «ist es ein Irrglaube, Aktenmaterial sei immer fehlerfrei.» Bei seinen Nachforschungen sei er häufig auf Widersprüche gestossen, die sich nur dank Vergleichen unterschiedlicher Quellen hätten klären lassen. Oder sonst eben als Widersprüche stehen blieben – auch im Buch.

Für die «Erstellung eines druckfertigenManuskripts» hat Jörg Krummenacher vom Kanton Geld erhalten: 14 0000 Franken aus dem Lotteriefonds. Seit bald zwei Jahren arbeitet der Journalist die Flüchtlingsgeschichte des Kantons St. Gallen 1920 bis 1950 auf. Das Buch wird Ende 2004/Anfang 2005 im Limmat-Verlag erscheinen.

Quelle: Tagblatt (Schweiz), 19.2.2004

Stiftung Sächsische Gedenkstätten erhält Einsicht in ukrainische Archive

Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten kann künftig in ukrainischen Archiven zu Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges forschen. Die Einrichtung (Link) unterzeichnete am Donnerstag in Berlin eine Rahmenvereinbarung mit dem staatlichen Archivkomitee der Ukraine, die die Erschließung von historischen Dokumenten zu Kriegsgefangenen beider Nationen regelt, wie das Bundesinnenministerium in Berlin mitteilte.

Ziel des Projekts sei es, Schicksale von deutschen und sowjetischen Gefangenen anhand von nun zugänglichen Akten aufzuklären und die Umstände der Gefangenschaft zu untersuchen. Ähnliche Abkommen gibt es den Angaben zufolge bereits mit Russland und Weißrussland.

Kontakt:
Stiftung Sächsische Gedenkstätten
Dülferstraße 1
01069 Dresden
Tel. +49 351 4695540
Fax. +49 351 4695541
E-Mail. info@stsg.smwk.sachsen.de
http://www.stsg.de/

Quelle: Freie Presse Online, 19.2.2004

Dokumente zur Geschichte des Deutschen Frauenrings

Drei Umzugskartons prallvoll mit Unterlagen hat der Deutsche Frauenring in Braunschweig jetzt dem Frauenarchiv übergeben: Protokolle, Briefe, Fotos, Satzungen, Veranstaltungsprogramme und mehr. Die gesamte schriftliche Historie eines Vereins, der seit mehr als 50 Jahren politische und soziale Frauenarbeit in Braunschweig leistet.

„Ein wunderbarer Schatz“, urteilt Lena Kreie, die seit Juli vergangenen Jahres vom Frauenarchiv beauftragt ist, historisches Material zur Geschichte Braunschweiger Frauen zu sammeln und zu sichten. „Wir würden uns freuen, wenn unsere Unterlagen das Interesse von Geschichtsforschern wecken könnten. Sicherlich lässt sich an unserer Vereinsgeschichte exemplarisch die Entwicklung eines Frauenvereins von der Nachkriegszeit bis heute aufzeigen“, meint Marlene Ruschmeier, Vorsitzende des Ortsrings.

Die Kartons des Frauenrings sind die erste geschlossene Sammlung, die das Frauenarchiv in die Hände bekommt. Bislang hatten sich nur einzelne Braunschweigerinnen vom Aufruf des Frauenarchivs angesprochen gefühlt. „Wir haben die Hoffnung, dass das andere Frauenvereine anspornt, sich ebenfalls von ihren Dokumenten zu trennen. Schließlich sind sie nicht verloren, denn über das Stadtarchiv ist ein Zugriff jederzeit möglich“, betont Lena Kreie.

Seit Anfang des Jahres sitzt dort Olaf Piontek, im Auftrag des Frauenarchivs mit der Erfassung der Dokumente betraut. Er wird die Daten zur Sammlung des Frauenrings bald ins Computersystem des Stadtarchivs einspeisen. „Von Seiten der Technischen Universität gibt es bereits Anfragen, da sich das Material für Magister- und Doktorarbeiten anbietet“, freut sich Dr. Christa Karras, Vorsitzende des Frauenarchivs.

Die Braunschweiger Ortsgruppe des Frauenrings wurde 1946 gegründet. Die Initiative ging von Martha Fuchs aus, damals Ministerin für Wissenschaft und Volksbildung, später die erste und bisher einzige Oberbürgermeisterin der Stadt Braunschweig. Die erste Sichtung des Materials – über Jahrzehnte sorgsam gehütet von der heute 89-jährigen Erika Obermann – hat bereits spannende Einblicke in die Nachkriegszeit offenbart. „In den Unterlagen finden sich aus dieser Zeit interessante Hinweise, wie denn ein solcher Stadtfrauenverein einzurichten und zu führen sei“, berichtet Lena Kreie. Sie seien den Frauen damals von der britischen Militärtverwaltung an die Hand gegeben worden, „da man wohl der Überzeugung war, dass diese ein wenig Nachhilfe in der Organisation demokratischer Frauenvereine gebrauchen könnten“. Ziel sei es gewesen, „die Erziehung der Frauen zu steigern, um es ihnen als Bürger möglich zu machen, ihren Beitrag zum allgemeinen Wohle zu leisten“.

So ein Stadtfrauenverein sollte selbstverständlich unparteilich sein und keiner Sekte angehören. „Neben diesen hochgesteckten Zielen“, so Lena Kreie, „gab es auch ganz praktische Hinweise für die Arbeit.“ Bei jeder Zusammenkunft sollte zum Beispiel eine halbe Stunde der Unterhaltung vorbehalten sein, bei der die Mitglieder an Teetischen so verteilt werden sollten, dass sie sich untereinander besser kennen lernen konnten. Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass entscheidend immer der Mehrheitsbeschluss sei. Die Ideen der britischen Besatzung prägten auch die Satzung des Niedersächsischen Frauenrings, der folgende Ziele festschrieb: Heranbildung der Frau zur Staatsbürgerin und stärkere Einschaltung in das öffentliche und soziale Leben, kameradschaftliche Zusammenarbeit von Mann und Frau unter gleicher rechtlicher Stellung und gleicher Wertung ihrer Arbeit, Pflege eines gesunden Familienlebens und des Gefühls für menschliche Würde, Verwirklichung eines dauernden Friedens sowie Gedankenaustausch und Verbindung mit den Frauen des Auslands.

Über die Jahre hat der Frauenring die Frauengeschichte Braunschweigs durch Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen entscheidend mitgeprägt. Olaf Piontek wird also eine Menge zu tun bekommen. Bis Mitte 2005 wird er im Archiv arbeiten. Finanziert werden seine und Lena Kreies Arbeitsstunden von der Stiftung Nord/LB-Öffentliche. „Ohne deren Förderung wäre diese Arbeit nicht möglich“, dankt Vorsitzende Karras den Geldgebern des Projekts.

Kontakt:
FrauenArchiv Braunschweig
Petritorwall 3
38114 Braunschweig
Telefon und Fax: 0531 /  1 89 57
info@frauenarchiv.de
www.frauenarchiv.de

Deutscher Frauenring e.V.
Vorsitzende: Renate Schulze
Honrothstraße 21
38118 Braunschweig
Telefon (0531) 50 08 72
 
Quelle: Braunschweiger Zeitung, 19.2.2004

Zentralarchiv der deutschen Fastnacht

Rechtzeitig zu den närrischen Tagen lohnt sich sicherlich einmal ein Blick zur ernsthaften Seite des bunten Treibens. Das am 1. (sic!) November 1984 eröffnete Zentralarchiv der deutschen Fastnacht hat seinen Sitz in Kitzingen und ist hier in dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Marktturm untergebracht:

Das Zentrale Fastnachtsarchiv in Kitzingen ist eine Einrichtung des Bundes Deutscher Karneval e.V. (BDK), der Dachorganisation von rd. 4.000 Karnevalsgesellschaften, Fastnachtszünften und Faschingsgilden in der Bundesrepublik Deutschland. Es hat die Aufgabe, alle schriftlichen, bildhaften und gegenständlichen Unterlagen und Zeugnisse über fastnachtliche Aktivitäten im deutschsprachigen Raum zu sammeln, zu sichten, zu ordnen, karteimäßig zu erfassen und zu verwahren.

Dem Zentralarchiv angegliedert ist eine Dokumentationszentrale für fasnächtliches Brauchtum in Europa, eine vom BDK im Auftrage der europäischen Nationalverbände unterhaltene Einrichtung.

Die Bestände beider Archive sind in elf Sammlungsgruppen geordnet:

  1. In der Fachbücherei werden buchmäßige Schriften und Verlagsproduktionen über fastnachtliche Braucherscheinungen zusammengetragen.
  2. In der Fachschriftensammlung sind kleinere Veröffentlichungen aus Presse, Fachliteratur und Untersuchungsvorhaben erfaßt.
  3. Im Festschriftenbestand werden alle erreichbaren Veröffentlichungen über örtliche fastnachtliche Traditionen zusammengefaßt.
  4. Im Zeitungsarchiv sind Presseberichte über bedeutsame Fastnachtsvorgänge abgelegt.
  5. In der Bilddokumentation werden Bilddarstellungen aller Art aufbewahrt.
  6. In der Plakatsammlung sind werbemäßige Drucksachen fastnachtlicher Veranstaltungsträger zusammengefaßt.
  7. Im Sachfundus werden fastnachtliche Requisiten und Produkte gegenständlicher Art gelagert, wie Plaketten, Mützen, Kostüme, Zeremoniengegenstände und dergleichen mehr.
  8. Im Musikarchiv sind Notenunterlagen und Tondokumente der Fastnacht verwahrt.
  9. Im Medienmagazin werden Filme, Tonaufnahmen und Videoaufzeichnungen gesammelt.
  10. Die Verbandsunterlagen umfassen die registraturmäßigen Ablagen aus der Arbeit der Verbände, Vereine und freien Brauchtumsträger.
  11. Im historischen Archiv werden alle Originaldokumente des Zentralarchives zusammengeführt, die aus der Zeit vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges stammen. 

Älter noch als das Zentralarchiv ist das Museum des Bundes Deutscher Karneval. Es wurde 1963 begründet und 1966 eröffnet. Sein Sitz ist ebenfalls in Kitzingen.

Kontakt:
Zentralarchiv der Deutschen Fastnacht
Postfach 10
97302 Kitzingen
Geschäftsstelle: Marktstraße 32
Telefon 0 93 21 / 2 33 55
eMail: info@karnevaldeutschland.de

Keramische Werke-Archiv wieder in Hermsdorf

Das Archiv der Keramischen Werke Hermsdorf ist wieder in Hermsdorf, ausgenommen der Lohn-, Gehalts- und Personalunterlagen. Vor wenigen Tagen war das letzte Material aus dem Zentralarchiv der Jenoptik in die Holzlandstadt geholt worden (Bericht). In einem ehemaligen Kindergarten und teilweise im städtischen Bauhof lagern jetzt insgesamt 600 Kartons in Palettenabmaß. Sie seien zunächst vorsortiert worden, da sie lediglich mit Nummern versehen waren, berichtet Bürgermeister Gerd Pillau. Im Großteil der Kisten befindet sich das historische Archiv. Hinzu kommen kartonweise Fotoarchiv, die Patentsammlung, Material des Finanzwesens, das Verwaltungsarchiv und Konstruktionsunterlagen.

Im Amtsblatt war die Bildung einer Arbeitsgruppe angekündigt worden, die sich näher mit den Unterlagen beschäftigen soll. Dafür hatte man Interessenten gesucht. Neben dem Verein für Regional- und Technikgeschichte, der AGO und dem Hermsdorfer Institut für Technische Keramik (HITK) hätten sich sechs Privatpersonen gemeldet, die sich auch mit den Keramischen Werken auskennen. Mit ihnen gehe man nun an die Detailsichtung, sagt Pillau. Dabei sei auszuwählen, was ins Stadtarchiv komme, was der Verein für Regional- und Technikgeschichte übernehmen werde und was aussortiert werden solle. Das HITK wolle sich insbesondere um die Patentsammlung kümmern.

Am 8. Februar 1996 seien 592 laufende Meter Ordner an das Zentralarchiv der Jenoptik übergeben worden, erinnert der Bürgermeister. Dies sei im Zuge der Privatisierung der Tridelta geschehen. Archivierungsvorschriften hätten die damalige Übergabe vor allem der Personal- und Finanzunterlagen an den Rechtsnachfolger Jenoptik gefordert, erklärt Pillau.

Die Stadt wolle in Vorbereitung auf die 750-Jahr-Feier 2006 seine Geschichte damit auch die Industrieentwicklung in einer Chronik dokumentieren. Deshalb habe man um die Rückgabe des Archivs gebeten. So sei ein Vertrag mit der Jenoptik, deren Archivverwaltung und der Stadt abgeschlossen worden, schildert der Bürgermeister. Erste Unterlagen, darunter als ältestes Material Fotos aus den 20er Jahren und Sinterprotokolle, seien im November und Dezember des vergangenen Jahres transportiert worden.

Kontakt:
Stadtarchiv Hermsdorf
Eisenbergerstr. 56
07629 Hermsdorf
Tel.: (036601) 2701
Fax: (036601) 2703

Quelle: OTZ Stadtroda, 18.2.2004

Stadtarchiv Beeskow öffnet seine Türen

Zum Tag der offenen Tür wird am 21. Februar in das Stadtarchiv in der Kupferschmiede ein Beeskow eingeladen. Es besteht die Möglichkeit, sich einen Überblick über den Medienstand zu verschaffen, Recherchen zu ausgewählten Themen durchzuführen, Ausstellungen anzuschauen oder sich von den Ansprechpartnern Auskünfte einzuholen. Gern genutzt werden vor allem die Tageszeitungen, die bis zum Jahr 1837 zurückgehen.

„An diesem Tag bieten wir als zusätzliches Angebot kopierte Zeitungen als Geschenk zu bestimmten Anlässen an“, lädt Leiterin Ines Pöschke ein. „Besonders würden wir uns freuen, wenn Bürger Materialien der Heimatgeschichte, die sie noch zu Hause haben, mitbringen.“

Höhepunkte bilden die Vorträge von Hans-Jürgen Richter zu „Ergebnissen aus der Arbeit im Stadtarchiv“ bereits am 20. Februar um 19 Uhr und einen Tag später ab 16 Uhr mit Kurt Zahn zu „Die Biberstein. Herren von Beeskow und Storkow. Fluch oder Segen?“

Die Bibliothek ist 21. März bis 15 Uhr offen. 

Kontakt:
Stadtbibliothek / Stadtarchiv Beeskow
Mauerstraße 28
15848 Beeskow
 
Quelle: Märkische Oderzeitung, 18.2.2004

Zehn Jahre Ernst Barlach Stiftung

Der Bildhauer, Grafiker und Schriftsteller Ernst Barlach (1870-1938) lebte und arbeitete von 1910 bis zu seinem Tod in Güstrow. Danach verblieb der umfangreiche Nachlass des deutschen Expressionisten im Atelierhaus am Heidberg und war in der Folgezeit den Wechselfällen der jüngeren deutschen Geschichte unterworfen. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands gründete sich im Jahr 1994 die Ernst Barlach Stiftung, die die Hinterlassenschaft des Künstlers von dessen Erben erwarb. Damit konnte die Stiftung den größten zusammenhängenden Werkbestand Barlachs – rund 300 Plastiken, mehr als 1.000 Zeichnungen und Grafiken und ein Großteil seiner Manuskripte – der Öffentlichkeit zugänglich machen und wissenschaftlich auswerten.

Zum 10jährigen Jubiläum präsentiert die Stiftung nun eine Reihe von Sonderausstellungen. Den Anfang machte am vergangenen Sonntag die Schau „Im Anfang war das Wort…“. Sie erhellt die bisher nur in Umrissen bekannte Beziehung zwischen Barlach und dem Maler und Grafiker Hans Ralfs (1883-1945), dessen Holzschnittzyklus „Evangelium Johannis“ von 1925/26 bei Forschungsarbeiten im Archiv der Stiftung entdeckt wurde. Es ist das einzig bekannte Exemplar der Folge, die 31 großformatige schwarzweiße Holzschnitte umfasst. Vom 4. Juli zeigt die Stiftung die Erwerbungen der vergangenen zehn Jahre, darunter Plastiken, Zeichnungen, Druckgrafik, Autografen und Handschriften, und beschäftigt sich vom 7. November an unter dem Titel „Bauen für Barlach“ mit den baulichen Entwicklungen ihrer Häuser.

Info:
Geöffnet ist die Ausstellung „Am Anfang war das Wort…“ bis zum 1. Mai täglich außer montags von 11 bis 16 Uhr, und anschließend bis zum 2. Mai täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Kontakt:
Ernst Barlach Stiftung Güstrow
Heidberg 15
D-18273 Güstrow
Telefon: +49 (0)3843 – 822 99
Telefon: +49 (0)3843 – 824 87

Quelle: Kunstmarkt.com, 18.2.2004

Archive als schwarze Löcher

Schätzungen zufolge haben über 200.000 neue Diplomarbeiten und Dissertationen die Regale deutscher Universitätsarchive beschwert, ohne dass jemand aus dem Wissen Nutzen ziehen konnte. Der Wirtschaft gingen so Erkenntnisse im Wert von mindestens 1,8 Mrd. Euro verloren, rechnete eine Consultingfirma aus. Ein Fall für gutes Wissensmanagement.

Deutsche Unternehmen würden das brachliegende Potenzial der jungen Absolventen liebend gern nutzen. Doch die häufig vorhandenen innovativen Ansätze lassen sich nur schwer auffinden. Bis heute werden Diplom- und Magisterarbeiten in vielen Uni-Bibliotheken nicht einmal katalogisiert. Sie enden vielmehr als Bausteine meterhoher Stapel in den Fachbereichen. Ärgerlich für interessierte Firmen, frustrierend für Hochschulabgänger. Denn ihnen fehlt es meistens am Know-how, um ihre Ansätze zielgerichtet bei Firmen anzubieten.

Besonders im IT-Bereich braucht die Wirtschaft Ideen junger Hochschulabgänger. 80 Prozent der Firmen wünschen sich kreative Absolventen für ihre offenen Stellen. Das zeigt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Hausarbeiten über Spezialthemen könnten der Wirtschaft Impulse geben und den Einsatz neuer Technologien forcieren.

Quelle: Wiener Zeitung, 16.2.2004

Das Ende der DDR und die Archive

Die Referate einer Tagung zum „Ende der DDR“ sind in einem Sammelband veröffentlicht, den Dagmar Unverhau herausgegeben hat. Sie ist bei der Birthler-Behörde beschäftigt und leitet dort die Abteilung „Archivwissenschaftliche Aufarbeitung“. Die Tagung, die vom 27. bis 29. November 2002 in Berlin stattfand, wurde von der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU) veranstaltet.

Beitragen möchte man zur „Vergangenheitsvergegenwärtigung“ und zur „Sicherung einer Zukunft der Vergangenheit“. Im Mittelpunkt stehe hierbei die Annäherung an die archivalischen Grundlagen der DDR-Forschung wie auch der Erinnerungspolitik. Die Autoren schreiben in 28 Texten zu vier Themenkreisen: die Überlieferung der DDR-Staatspartei SED und ihrer Machtinstrumente, besondere Probleme archivischer Vergangenheitsvergegenwärtigung, Formen der Erinnerung und wissenschaftliche DDR-Forschung. Die Dokumentation einer Podiumsdiskussion schließt den Band ab.

Info:
Dagmar Unverhau (Hg.): Hatte „Janus“ eine Chance? Das Ende der DDR und die Sicherung einer Zukunft der Vergangenheit. LIT Verlag, Münster 2003. 448 S., 19,90 €.

Quelle: Die Berliner Literaturkritik, 16.02.04

Aus dem Magazin-Regal ans Licht eines Museums

Gar nicht häufig genug kann man von Wiesbadener Archiven lesen. Die lokale Presselandschaft ringt geradezu um die Berichterstattung aus dem städtischen Archivwesen, was diesem wohl nur recht sein dürfte. Vor wenigen Tagen berichtete das Tagblatt über die Bestände des Stadtarchivs, nun zieht der Kurier nach:

Wann in Wiesbaden ein Stadtmuseum stehen wird, bleibt einstweilen zwar offen. Deswegen ist es aber keineswegs zu früh für Überlegungen, wie man bei der Einrichtung des Hauses vorgehen könnte. Die Einbindung des Stadtarchivs drängt sich in diesem Zusammenhang auf. Nicht nur, weil es einige der dort lagernden Dokumente zweifellos verdient hätten, aus der Verborgenheit der Magazin-Regale ans Licht eines Ausstellungsraumes befördert zu werden: Zu je 2.000 Metern summieren sich erschlossene und noch unerschlossene Akten, Urkunden, Pläne, Plakate, Fotos und Bücher, die die letzten knapp 700 Jahre der Wiesbadener Vergangenheit illustrieren. Auch das lokalgeschichtliche und sammlungssystematische Know-how der Stadtarchiv-Mitarbeiter kann den Museumsleuten später nur nutzen. Gute Gründe für den jungen Förderverein Stadtmuseum, einen Rundgang durch das „Gedächtnis der Stadt“ zu unternehmen.

Die Urkunde zur Verleihung der Stadtrechte an Sonnenberg aus dem 14. Jahrhundert ist das älteste im Stadtarchiv aufbewahrte Dokument, erklärte Archivleiterin Brigitte Streich. Exemplarisch stellte die promovierte Historikerin ihrem Publikum die gesamte Bandbreite dessen vor, was die nach vielen Umzügen heute ein wenig versteckt „Im Rad“ residierende Einrichtung beherbergt. Dazu gehören eine prachtvolle alte Handschrift, eine Speisekarte, auf der astronomische Menü-Preise die Entstehungszeit der Inflation verraten, ein Plakat von der „Interallierten Pferdesportwoche“ 1919 oder auch eine gut und gerne vier Zentimeter dicke Mappe mit den Vorgängen um Straßenbenennungen.

Im Stadtarchiv wachsen Sammlungen von Karten, Plänen, Zeitungsausschnitten und Fotos. Sorgsam gehütet wird eine Kartei mit den Namen von 1.500 Zwangsarbeitern. Neben Nachlässen von Vereinen und Persönlichkeiten von zeitgeschichtlicher Bedeutung lagern im Stadtarchiv viele nüchterne Aktenstapel aus der Stadtverwaltung, die gesetzlich verpflichtet ist, ihre Schriftstücke sämtlich dem Archiv zu überlassen. Den größten Ausstoß produziert das Sozialamt. Während im so genannten „guten“ Magazin ein Blick auf systematisch signierte Kisten, die unter anderem Protokolle sämtlicher Sitzungen von Magistrat und Stadtverordneten beinhalten, vorbildliche Ordnung offenbart, harrt der noch unerschlossene, unsortiert und unausgewählt, bisweilen in Umzugskartons verstaute Teil der Dokumente im „bösen“ Magazin „der Auswertung“, seufzt Streich im Gedanken an die chronische Personalknappheit in ihrem Haus.

Mindestens ebenso schmerzlich leidet die Arbeit der Stadtarchivare auch unter stellenweise großen Lücken in den Beständen. Weil historisches Bewusstsein sich nur langsam entwickelte, wurde der Besitz früher nicht eben sorgfältig gepflegt, diente bisweilen sogar als Heizmaterial und wurde buchstäblich verfeuert. Löcher rissen zudem Brände und die Vernichtung von Akten nach 1945 durch die Amerikaner.

Unterdessen treibt Streichs Kollege Thomas Weichel die Verwirklichung seiner Vision eines digitalen Multi-Media-Archivs voran, das um vieles benutzerfreundlicher wäre und nicht nur Museumsleuten, Wissenschaftlern, sondern auch Normalbürgern schnellere Antwort auf ihre Fragen liefern könnte. Grundsätzlich darf jeder die Dienste des Stadtarchivs nutzen, der berechtigtes Interesse nachweisen kann, solange die Bestimmungen des Datenschutzes nicht verletzt werden. Einige Filmschnipsel, darunter jene der von einer Wiesbadener Firma produzierten „Mainzelmännchen“, sind bereits erfasst. Auch den Spielmann-Atlas zur Wiesbadener Stadtentwicklung gibt es Dank Weichels Engagement komplett in digitalisierter Form.

Kontakt:
Stadtarchiv Wiesbaden
Im Rad 20
65197 Wiesbaden
Telefon:  0611 / 31-3329, 31-3747, 31-5429 
Fax:  0611 / 31-3977 
E-Mail:  stadtarchiv@wiesbaden.de

Quelle: Wiesbadener Kurier, 17.2.2004