Medienpaket über den Widerstandskämpfer Kurt Gerstein

Wie der Filmverleih Concorde in München mitteilt, steht die deutsche Fassung des Films „Der Stellvertreter“ von Konstantin Costa-Gavras seit dem 2. April 2003 als Video zur Verfügung. Der Film, der 2002 auf der Berlinale erstmals vorgeführt wurde und im Mai 2002 seine deutsche Uraufführung erlebte, sorgt nach wie vor für großes Aufsehen. Im Mittelpunkt steht die Person des westfälischen bekennenden Christen Kurt Gerstein, der als SS-Offizier in Belzek und Treblinka die Judenmorde miterlebte und unter Lebensgefahr versucht hat, die Spitzen der Bekennenden Kirche in Deutschland, katholische Würdenträger und über die schwedische bzw. schweizer Botschaft und den holländischen Widerstand das Ausland darüber zu informieren. Weiterhin hat Gerstein versucht, Lieferungen tödlichen Zyklon-B-Gases zu sabotieren. Die historische Gestalt Gerstein – dargestellt von Ulrich Tukur – steht im Mittelpunkt des Films des französisch-griechischen Regisseurs, der als Meister des Polit-Thrillers bekannt ist. Anders als in dem Stück von Rolf Hochhuth, das die Vorlage für den Film gab, hat sich Costa-Gavras bemüht, der historischen Gestalt Gerstein gerecht zu werden. So kam es zu einer Zusammenarbeit mit dem Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen in Bielefeld, das den Nachlass Kurt Gersteins verwahrt und parallel zum Film eine Ausstellung erarbeitet hat, die seit dem Jahr 2000 als Wanderausstellung im In- und Ausland rege nachgefragt ist.

Ein Jahr nach der Berlinale 2002 und der französischen bzw. deutschen Uraufführung (letztere in Bielefeld) steht der Film nun auch für die kirchliche Bildungsarbeit zur Verfügung, aus der es schon immer wieder Anfragen gab. Der Concorde Filmverleih hat zusätzlich auch eine DVD herausgegeben, die neben dem Film auch ein sog. „Making of …“ enthält mit verschiedenen Dokumentationen zur Rolle des Papstes Pius XII., zur Judenverfolgung und mit Informationen zum Film und zu den Schauspielern.
Damit kann nun ein attraktives Medienpaket geschnürt werden:

  • Video und DVD sind über den Fachhandel bzw. die Firma Concorde Home Entertainment, Rosenheimer Straße 143b/XI, 81671 München, zu beziehen.
  • Die Ausstellung und der dazugehörige Begleitkatalog können beim Landeskirchlichen Archiv Bielefeld, Altstädter Kirchplatz 5, 33602 Bielefeld, angefordert werden;
  • Der Begleitkatalog: Bernd Hey/Matthias Rickling/Kerstin Stockhecke, Kurt Gerstein (1905-1945). Widerstand in SS-Uniform, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2000 ff, ISBN 3-89534-328-5, ist auch im Buchhandel erhältlich.
  • Außerdem haben die Evangelische Stadtakademie Bochum und der Förderkreis Kurt Gerstein eine didaktische Arbeitshilfe mit Materialien zur Biographie Gersteins und zum genannten Film erstellt: Jürgen Schäfer/Ingo Stein/Rudolf Tschirbs, Kurt Gerstein (1905-1945). Anpassung und Widerstand, Bochum 2002, zu bestellen bei der Evangelischen Stadtakademie Bochum, Klinikstraße 20, 44791 Bochum oder beim Förderkreis Kurt Gerstein in der Evangelischen Schülerinnen- und Schülerarbeit in Westfalen, Ergster Weg 59, 58093 Hagen.
  • Ferner sei auf die erste wissenschaftlich präzise deutsche Biographie Gersteins hingewiesen: Jürgen Schäfer, Kurt Gerstein – Zeuge des Holocaust. Ein Leben zwischen Bibelkreisen und SS, Luther-Verlag, Bielefeld 1999, ISBN 3-7858-0407-5, hingewiesen.

Die Evangelische Kirche von Westfalen, die sich immer für die Anerkennung Kurt Gersteins als eines bedeutenden evangelischen Widerstandskämpfer eingesetzt hat, sieht in dem Film einen weiteren Schritt auf diesem Wege. Die Betrachter des Films können sich gerade im Vergleich mit den genannten Arbeitsmaterialien nun selbst ein Bild Kurt Gersteins als historischer Figur und filmischer Gestalt machen. Auch wenn das Geschehen im Theaterstück Hochhuths und im Film, das um das Versagen der katholischen Kirche, des Vatikans und Papst Pius XII. angesichts der Judenmorde kreist, mit der historischen Gestalt Kurt Gersteins nichts zu tun hat, so hat doch Rolf Hochhuth den Versuch Gersteins, den apostolischen Nuntius in Berlin zu alarmieren, konsequent weitergedacht. Insofern sind sowohl das Theaterstück als auch der Film Medien, die zur Stellungnahme herausfordern, und nicht ein „schlampig recherchiertes Stück eines mittelmäßigen Theaterautors“, wie die Zentralausgabe des epd Nr. 32 vom 14. Februar 2003 den Präsidenten der päpstlichen Historikerkommission Walter Brandmüller zitiert. Hochhuths Stück hat sich längst auf den Bühnen der Welt bewährt, und ebenso hat der Film von Costa-Gavras neben Kritik auch große Anerkennung gefunden.

(Prof. Dr. Bernd Hey, Landeskirchliches Archiv Bielefeld)

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