Archivischer Bildfundus aus Bingen

Die Hoffnung, dass ausgelagerte Archivalien wieder nach Bingen kommen, hat Archivleiter Horst-Dieter Kossmann. Viele Dokumente sind ausgelagert und derzeit nur auf Mikrofiche einzusehen. Fleißig genutzt wird das Stadtarchiv Bingen aber auch so und manch interessanten Fund kann man hier machen.

Und Horst-Dieter Kossmann hat selbst dazu beigetragen. Im Rahmen seiner Archivpflege-Tätigkeit hat er von 1977 bis heute 70.000 Reproduktionen von historischen Abbildungen zu Bingen und seinen Vororten angefertigt oder anfertigen lassen. Ein ungeheurer Fundus, der durch so manche zum Teil noch zu hebende \“Schätze\“ ergänzt wird, wie dem großen Glasdia-Archiv des Binger Bauschul-Direktors Tölg oder dem Nachlass des 1988 verstorbenen Heimatforschers Hans Hammer, der über 3.000 Bilder und Dias von Bingen gesammelt hat.

Kontakt:
Stadtarchiv Bingen am Rhein
Postfach 1751
55387 Bingen am Rhein
Telefon: 0 67 21-99 34 15
Telefax: 0 67 21- 184 116
stadtverwaltung@bingen.de
www.bingen.de   

Quelle: Hilke Wiegers, Allgemeine Zeitung, 24.2.2005

Werkstatt Frauengeschichte in Altena

Männer machen Geschichte. Frauen kommen in historischen Werken hingegen selten vor oder gar nicht zu Wort. Deshalb gibt es in Altena jetzt die Werkstatt Frauengeschichte. Beim ersten Treffen im Kreisarchiv wurde deutlich, dass das Ganze keine allein wissenschaftliche Geschichte sein soll. Altenaerinnen sollen aufgefordert werden, in ihren Familienalben (und ihren Erinnerungen) zu kramen, um zu erzählen oder aufschreiben, wie sie im vergangenen Jahrhundert gelebt haben. Wer keine Alben oder kein Interesse an Alben hat, sowieso lieber in Archiven recherchiert, ist bei Karin Müller in der Landeskundlichen Bibliothek und bei Gabriele Aschöwer im Kreisarchiv und bei Monika Biroth im Stadtarchiv in den richtigen Räumen.

Für die VHS-Mitarbeiterin Marlies van Gemert, die zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten Anette Wesemann und den Frauen der Kreisbehörde die Werkstatt ans Laufen bringen will, ist es bereits der dritte Versuch, dauerhaft einen Kreis von an ihrer Geschichte interessierten Frauen zusammenzubringen. Dass Recherche aber auch außerhalb des heimischen Wohnzimmers für Laien möglich ist, versprechen Karin Müller von der Landeskundlichen Bibliothek, Monika Biroth vom Stadtarchiv und Gabriele Aschöwer vom Kreisarchiv, die zur ersten Orientierung Broschüren mit Bestandsübersichten verteilten.

Kontakt:
Märkischer Kreis
Kulturamt/Kreisarchiv,
Bismarckstr. 15,
58762 Altena
Tel: 02352/966-7056
Fax: 02352/966-7166

Quelle: Westfälische Rundschau, 23.2.2005

Die Zürcher Herrschaften bei der Thurgauer Kantonsgründung

Mit der Mediationsakte hat sich Zürich 1803 seine ehemaligen Herrschaften vom Thurgau fast widerstandslos wieder zurückgeholt. Als bislang unterbewertet bezeichnet der Thurgauer Kantonsarchivar André Salathé, dass der Thurgau 1803 seine Zürcher Herrschaften kampflos abgegeben hat. 

Der Zürcher Obervogt Sigmund Spöndli war am 11. Juni 1803 vom Zürcher Kleinen Rat beauftragt worden, als Delegierter nach Frauenfeld zu reisen, um dort die Wiederinbesitznahme der ehemaligen Zürcher Herrschaften auf dem Thurgauer Kantonsgebiet in die Wege zu leiten. Spöndli liess in den Zürcher Herrschaften auf Thurgauer Gebiet (Schloss Wellenberg, Hüttlingen, Pfyn, Weinfelden, Steinegg und Neunforn ) ein exaktes Inventar erstellen. Am 4. Juli 1803 wurde das Papier in Frauenfeld unterzeichnet, wobei Spöndli mit dem Zusatz «alt Obervogt» unterschrieb. André Salathé erklärt, dass es damals ganz wichtig war, dass den Klöstern ihre Selbständigkeit wieder gegeben wurde. Mit dem Anspruch von Zürich auf seine Herrschaften war der Thurgau in seiner Startphase erst recht in großen Schwierigkeiten. Der Thurgau selbst hatte kein eigentliches Vermögen, weil die Klöster wieder selbständig waren. Eigentlich hatte der junge Kanton Thurgau nur das Schloss Frauenfeld im Grundvermögen. Insofern sei die Geschichte mit den Zürcher Herrschaften zwar nur ein Teil der Probleme damals, aber wichtig und bislang in der Thurgauer Geschichtsschreibung unterbewertet.

Kontakt:
Staatsarchiv des Kantons Thurgau
Regierungsgebäude
CH-8510 Frauenfeld
Tel. 052 724 24 30
Fax 052 724 28 97
http://www.staatsarchiv.tg.ch 

Quelle: Stefan Borkert, Tagblatt.ch, 24.2.2005

Prüfer steigt Tiroler Landesarchiv aufs Dach

Nach einem Prüfbericht des Landesrechnungshofes (LRH) ist das Landesarchiv Tirol zu teuer und soll Mitarbeiter einsparen. Der LRH-Chef Klaus Mayramhof hält den Abbau von \“zehn bis 20 Prozent\“ der gegenwärtig 30 Mitarbeiter \“für realistisch\“. Dies umso mehr, als die Aufgaben des Archivs zu wenig konkret seien. Bei Forschungs- und Buchprojekten herrsche freie Themenwahl, kritisiert Mayramhof. Er rechnet vor, dass das Landesarchiv 2003 einen Abgang von 2,36 Millionen Euro aufgewiesen habe, wovon die Hälfte Personalkosten gewesen seien. 

Mayramhof sieht überdies eine "Zweigleisigkeit\“ von Landesarchiv und Landesmuseum: Beide führen eine Bibliothek über die Tiroler Geschichte, und beide sind als publizistische Archive des Landes tätig. Der Direktor des Landesarchivs, Richard Schober, stellt sich schon darauf ein, den Gürtel enger zu schnallen. Als Beamter müsse er sich dem Sparappell beugen, hofft aber auf Hilfe der Politik. Der zuständigen Landesrätin Elisabeth Zanon geht es darum, \“das Gedächtnis unseres Landes bestmöglich zu erhalten", gleichwohl sei eine Aufgabenteilung zwischen dem Archiv und dem Museum Ferdinandeum denkbar.

Kontakt:
Tiroler Landesarchiv
Michael-Gaismair-Straße 1
A-6010 Innsbruck
++43(0)512/508-3500, 3502 oder 3503
++43(0)512/508-3505
landesarchiv@tirol.gv.at

Quelle: Tirol Online, 24.2.2005

Münsteraner Uni-Archivar Kohl verabschiedet

Der langjährige Leiter des Universitätsarchivs Münster, Prof. Dr. Wilhelm Kohl, hat nach 26 Jahren seine Tätigkeit beendet und ist am 16. Februar 2005 vom Rektor der Universität Münster verabschiedet worden. Kohl, seit 1969 Honorarprofessor der Universität Münster, war ehemals Leiter des Staatsarchivs Münster und übernahm nach seiner Pensionierung 1978 das Amt des Universitätsarchivars an der WWU Münster

Prof. Kohl hat als Wissenschaftler sowohl die Landes- als auch die allgemeine Geschichte und besonders die Kirchengeschichte um wichtige Themen bereichert. Prof. Kohls Nachfolgerin als Leiterin des Universitätsarchivs Münster ist Dr. Sabine Happ, die zuvor lange Jahre in den Universitätsarchiven Bonn und Heidelberg tätig war. 

Kontakt:
Universitätsarchiv
Leonardo-Campus 21
48149 Münster
Tel.: (02 51) 83-3 20 99
Fax: (02 51) 83-3 17 77
uni-archiv@uni-muenster.de 

Quelle: upm – Mediendienst der Universität Münster, 16.2.2004

Mitteilungen aus dem Bundesarchiv 1/2004

Die \“Mitteilungen aus dem Bundesarchiv\“ erscheinen seit 1993 in der Regel mit drei, ab 2004 mit zwei Heften pro Jahr und werden nun auch online mit ihren zentralen Themen präsentiert. Heft 1/2004 der Mitteilungen aus dem Bundesarchiv ist kürzlich erschienen. Einige Beiträge dieses Heftes können auf www.bundesarchiv.de/Aktuelles/Aus dem Archiv gelesen und als pdf-Datei heruntergeladen werden (Link). Einzelne Exemplare dieser Ausgabe können noch unter koblenz@barch.bund.de bestellt werden.

Mitteilungen aus dem Bundesarchiv
12. Jg. – Heft 1/2004

Zu diesem Heft 3

Perspektiven
Auch ein Leitbild hat nur Bestand, wenn es sich verändert
Hartmut Weber 4

Ereignis
Hohe Auszeichnung für den bisherigen Leiter der Abteilung Militärarchiv
Generalmajor Dieter Henninger, Amtschef Streitkräfteamt 5

Vortrag
Die Reichskanzler der Weimarer Republik. Zwölf Lebensläufe in Bildern Rede bei der Ausstellungseröffnung
Bernd Braun 7

Beiträge
Der Zentrale Kaderdatenspeicher des Ministerrates der DDR. Zur Erschließung und Rekonstruktion einer bedeutenden zeithistorischen Quelle durch das Bundesarchiv und die Universität Jena
Ulf Rathje, Dietmar Remy 14

Die überregionale Erschließung personenbezogener Quellen zu Angehörigender Wehrmacht, Luftwaffe und Waffen-SS
Christoph Rass 26

Beiträge aus den Abteilungen

Abteilung B
Aus der Arbeit der Projektgruppe Rationalisierung der Bewertung in der
Abteilung B
Annette Meiburg, Kerstin Oldenhage 32

Erwerb und Bestandsbildung der Zeitgeschichtlichen Sammlungen – ein Überblick
Annegret Neupert 35

\“Archivwesen\“ im Bundesnachrichtendienst und Bestand B 206 im Bundesarchiv. Von Quellen-/Methodenschutz und dem historischen Interesse
Elke Ursel Hammer 42

Abteilung DDR
Findbuch zum Bestand DP 3 – Generalstaatsanwalt der DDR (1949-1990)
Simone Walther 45

Bewertung und Erschließung als Teamarbeit: Arbeitsbericht über die Anfertigung eines Findbuches zum Bestand DH 1 – Ministerium für Bauwesen
Gisela Haker 58

Abteilung MA
Erschließung des Bestandes Pers 14 – Generale und Admirale der Nationalen Volksarmee
Albrecht Kästner 61

Alain-Fournier und das Bundesarchiv-Militärarchiv
Ludger Borgert 62

Stiftung
Verwendung von Mitteln aus dem Restvermögen des FDGB zur Erschließung von Unterlagen gewerkschaftlicher Provenienz
Petra Rauschenbach 65

Nachrichten
Ausstellungen und Veranstaltungen in der Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte
Wolfgang Michalka 69

Das Museum als außerschulischer Lernort: Schüleraktivierung in der Erinnerungsstätte
Markus Bultmann 73

Neuerscheinungen der Edition \“Kabinettsprotokolle der Bundesregierung\“
Ralf Behrendt, Christoph Seemann 75

Publikationsfindbücher zu Beständen des Bundesarchivs
Martina Scheid 75

\“Unbekannte Archive\“: Deutsches Kabarettarchiv
Achim R. Baumgarten 77

Anhang
Statistik 2003 78

Info:
Mitteilungen aus dem Bundesarchiv. Koblenz: Bundesarchiv.
ISBN ISSN 0945-553; ISSN 0945-5531

Dr. Tilman Koops

Homepage www.bundesarchiv.de

Bier-Reinheitsgebot älter als geglaubt

Das bayerische Reinheitsgebot für Bier ist als die älteste, noch immer gültige Lebensmittelvorschrift der Welt im Jahr 1516 von Herzog Wilhelm IV. erlassen worden. Historiker haben jetzt festgestellt: Bayerns wichtiges Biergesetz ist eigentlich 60 Jahre älter. In Regensburger Archiven wurde ein Beleg entdeckt, der zweifelsfrei bestätigt: Die Stadtoberen der Donaumetropole beschlossen schon 62 Jahre früher einen Ehrenkodex für alle Bierbrauer in Stadt und Land. Er diente mehr als ein halbes Jahrhundert später den Wittelsbacher Herzögen als Vorlage für ihr Reinheitsgebot.

Die Sorge um den Bierpreis und die mangelnde Qualität des goldgelben Gerstensaftes waren es, die den Regensburger Stadtrat bereits Anfang des 15. Jahrhunderts umtrieben. Immer wieder hatten die Herren in den Schenken und Gastwirtschaften arges und böses Bier trinken müssen, von regelrechten Bierpanschern war die Rede. Diese ersetzten damals das gute Gerstenmalz durch billigen Hafer oder auch Rosskastanien und mischten heimlich Kräuter, Wurzeln und allerlei Gewürze bei.

Kontakt:
Spitalarchiv der St. Katharinenspitalstiftung Regensburg
Am Brückenfuß 1-3
93059 Regensburg
Telefon: 09 41 / 8 30 05 – 187
Fax: 09 41 / 8 43 68
E-Mail: spitalarchiv@spital.de

Quelle: Mittelbayerische Zeitung, www.donau.de, 17.2.2005

Umzug des Stadtarchivs Bad Oeynhausen

Es ist vollbracht. Nach Monaten des Umzugsstresses hat das Stadtarchiv Bad Oeynhausen gestern an der von-Moeller-Straße seine Türen geöffnet. In neuen lichtdurchfluteten Räumen ist Platz für Ahnenforschung und Ortsgeschichte. Ein paar Kisten hier, einige Kästen dort, weitere Akten noch wieder an einem anderen Ort. Lange Jahre verteilte sich das Archiv über viele Standorte in der Stadt. Die Zeiten sind nun vorbei. Das Stadtarchiv unter der Leitung von Rico Quaschny hat in den ehemaligen Räumen der Stadtbücherei eine neue – dauerhafte und große – Heimat gefunden. Seit 1978 gibts das hauptamtliche Archiv der Stadt. Damit übernahm Bad Oeynhausen eine Vorreiterrolle: denn erst 1989 wurde eine derartige Einrichtung vom Land vorgeschrieben.

Fotos, Plakate, Postkarten oder Drucksachen lagern im Keller und im Erdgeschoss der von-Moeller-Straße. Und stehen dort interessierten Heimatforschern offen: "Bis zu 1.300 Nutzungen im Jahr", bilanziert Quaschny. Und jetzt, wo der neue Standort größer und schöner ist, finden vielleicht noch mehr Besucher den Weg: Auf jeden Fall wird es auch im Herbst wieder einen Tag der offenen Tür geben. Doch solange muss niemand warten. Ab sofort ist das Stadtarchiv zu den gewohnten Zeiten geöffnet.

"Hier ist nun eine sachgerechte und konservierende Lagerung sichergestellt", lobte auch Dr. Norbert Reimann, Direktor des Westfälischen Archivamts in Münster. Dadurch sei die Aufbewahrung der Schätze gewährleistet. Denn Ortsgeschichte sei längst ein weicher Standortfaktor. Dem schloss sich auch Dr. Monika Schulte vom Kommunalarchiv in Minden an: "Wer keine Geschichte hat, hat keine Zukunft", betonte sie.

Vor allem Material aus den Nachkriegsjahren hat Rico Quaschny im Archiv zusammengetragen. "Die Zeit vor 1945 ist leider sehr lückenhaft", bedauert er. Nur wenige Unterlagen hätten die Besatzungszeit unbeschadet überstanden. "Gut erhalten sind nur die Sachen, die in den Außenstellen lagerten. Im Rathauskeller haben nur wenige Dokumente überlebt."

Nicht nur mehr Platz und mehrere Arbeitsbereiche sollen die Besucher locken, auch kürzere Wartezeiten auf die Akten kündigt Quaschny an: "Vielleicht kommen dann ja noch mehr Besucher zu uns."

Quelle: nw-news.de, 22.2.2005

Edition der Documents Diplomatiques Français 1964

21. Februar 2005 Documents Diplomatiques Français 1964. Band 1: 1. Januar bis 30. Juni, Band 2: 1. Juli bis 31. Dezember. Documents Diplomatiques Français 1965. Band 1: 1. Januar bis 30. Juni. Herausgegeben vom Ministère des affaires étrangères. Commission de publication des documents diplomatiques français. Verlag Peter Lang, Brüssel 2002 und 2003. LI und 710 Seiten, XLIV und 651 Seiten, LI und 882 Seiten, je Band 41,20 [Euro].

Zeitlebens blieb für Charles de Gaulle die Nation das Maß aller Dinge; und so hegte er auch keinen Zweifel daran, daß die "internationalen Beziehungen von den Staaten bestimmt werden müssen". Neben den Errungenschaften der Revolution von 1789 war es dieses Grundaxiom internationaler Beziehungen, aus dem die "französische Jahrhundertgestalt" (Klaus Hildebrand) für Frankreich das Recht ableitete, die führende Rolle in der Europäischen Gemeinschaft zu spielen. Denn Staaten gab es dort seinem Verständnis zufolge nur zwei: Frankreich und die Niederlande. Deutschland hingegen, so erklärte er dem niederländischen Botschafter im März 1965, sei geteilt; Italien habe seine Einheit erst im 19. Jahrhundert erworben; Belgien erscheine ihm ein künstliches Gebilde zu sein, und über Luxemburg verbäte sich diesbezüglich jedes Wort.

Diese und andere luzide Einsichten finden sich in Halbjahresbänden 1964 und 1965 der Documents Diplomatiques Français (DDF), die einmal mehr beweisen, welch interessanten, ja spannenden Lesestoff große Akteneditionen bieten können. Auf gut 2200 Seiten präsentieren die 849 Dokumente aus dem Archiv des Pariser Außenministeriums ein facettenreiches Themenspektrum von der großen Politik über die Außenhandelsbeziehungen bis zur Raumfahrt und belegen eindrucksvoll den Anspruch der "Grande Nation" auf Weltgeltung.

[…]

Neue Aufschlüsse über die Motive, die im Vorfeld zur Entscheidung über die "Politik des leeren Stuhls" geführt haben, erlauben die Quellen leider nicht. Überhaupt vermag die Auswahl der durch knappe Einführungen, eine sparsame Kommentierung, ein regestenartiges Dokumentenverzeichnis und einen Personenindex erschlossene Dokumente nicht voll zu überzeugen. Offenbar legten die Herausgeber mehr Wert auf die Berichterstattung der Diplomaten aus dem Ausland denn auf den Denkrahmen der Pariser Zentrale. Selbstreflexionen oder Aufzeichnungen der Beamten im Quai d\’Orsay finden sich nur selten, Weisungen des Staatspräsidenten an das Außenministerium gar nicht, obwohl er die Außenpolitik als seine eigene Domäne ansah. Dieser Verzicht ist um so bedauerlicher, als die Edition vor allem dann besonders tiefe Einblicke in die "arcana imperii" bietet, wenn sie de Gaulle zu Wort kommen läßt.

Desungeachtet stellen die Documents Diplomatiques Français ein unverzichtbares Instrument für die Erforschung der französischen Außenpolitik dar. Zu wünschen wäre ihnen eine Beschleunigung des Erscheinungstempos, denn der vom Archivgesetz vorgegebenen Dreißigjahresfrist hinken sie arg hinterher.

Quelle: Ulrich Lappenküper, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2005, Nr. 43 / Seite 8

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