Jüdischer Alltag nach 1945 in Celle

Wie gestaltete sich der Alltag für Juden in Celle nach dem Zweiten Weltkrieg? Eine Antwort auf diese Frage gibt die Ausstellung „Jüdisches Leben in Celle nach 1945“, die jetzt in der Synagoge eröffnet wurde. Tafeln, Fotos und Zeitzeugenberichte dokumentieren den Neuanfang.

Die Materialien für die Ausstellung stammen zum Teil aus Privatbesitz und geben als eindrucksvolle Zeitzeugnisse wieder, dass jüdisches Leben auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges existierte. Über die Anfänge einer neuen jüdischen Gemeinde in Celle nach 1945, die, so Thomas Rahe, wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, eine „Gemeinde auf Zeit”, eine „Transitgemeinde” war und auf ein Leben in einem eigenen jüdischen Staat hoffte, sprach Dorit Schleinitz bei der Ausstellungseröffnung im Namen der bestehenden liberalen jüdischen Gemeinde. Beim Anblick der zwar zerstörten, aber noch vorhandenen Synagoge habe man erkannt, dass die alte jüdische Tradition fortleben müsse. Einer der „Pioniere” neuen jüdischen Lebens in Celle, der sich auch für die Wiederinstandsetzung der alten Synagoge einsetzte, war Israel Mojsze Olewski, bald erster Rabbiner. Arie Olewski, der Sohn des Bruders von Mojsze, Rafael Olewski, war aus Israel gekommen, um anlässlich der aktuellen Gedenktage in Celle (vom 8. April, dem Tag des Bombenangriffs auf den Celler Güterbahnhof bis zur Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen am 15. April) seine persönliche Geschichte zu erzählen. Als Zeichen seines Verbundenseins bereicherte er die Ausstellung um eine Leihgabe, den Tallit (Gebetsschal), den sein Onkel einst bei der Trauung seiner Eltern trug.

Finanziell unterstützt wurde die Ausstellung von der Regionalstiftung der Niedersächsischen Sparkassen. Zahlreiche Zeitzeugen, Berater und Helfer trugen zur Verwirklichung des Projektes bei, so Sabine Maehnert vom Celler Stadtarchiv, das die Dokumentation zusammen mit verschiedenen Partnern organisierte: Darunter die Gedenkstätte Bergen-Belsen, das Kreisarchiv und die Jüdische Gemeinde. Zu sehen ist die Ausstellung in der Synagoge noch bis zum 30. Dezember, dienstags bis donnerstags 15 bis 17 Uhr, freitags 9 bis 11 Uhr und sonntags 11 bis 13 Uhr.

Quelle: Aneka Schult, Cellesche Zeitung, 19.4.2005

Wille wird nicht erfüllt

Eine kurfürstliche Entscheidung sorgte in Oer im 18. Jahrhundert für Unruhe. Wie Heimatforscher Gerhard Clarenbach im Rahmen seiner Archivstudien herausfand, hat der Kurfürst von Köln in einem Prozess eine Anordnung getroffen, die dem letzten Willen der wohlhabenden Witwe Merten widersprach. Eine Vorgehensweise, die dem in Oer tätigen Pfarrer Schmitz (1760 bis 1796) nach eigenem Bekunden \“spanisch vorkam\“. 

Was war geschehen? Im Stadtarchiv Oer-Erkenschwick – in der Abteilung des Kirchenarchivs Oer – gibt es einen Stapel Akten, die sich mit der so genannten Merten-Fundation beschäftigen. In ihrem Testament von 1745 setze die wohlhabende Witwe Merten, geb. Overbeck, ihren Verwandten Kemper aus Herten zwar als Universalerben ein, verfügte aber, dass ihr Vermögen Kempers Sohn als angehenden Priester als geistliche Stiftung zugute kommen sollte. Der Sohn heiratete aber, und so kam die Fundation nicht zustande, und der letzte Wille der Witwe wurde nicht erfüllt … – Die ganze Geschichte in der Stimberg Zeitung (Oer-Erkenschwick) vom 14.4.2005

Kontakt:
Stadtarchiv Oer-Erkenschwick
Christoph-Stöver-Str. 2 / Postfach 1340
Postfach 1340
D-45739 Oer-Erkenschwick
Telefon: 02368-2572

Schweizer uneins über Schutzmaßnahmen bei Firmenarchiven

Die in den neunziger Jahren geführte Debatte um die Geschichte der Schweiz im Zweiten Weltkrieg machte deutlich, dass Firmenarchive nicht nur für die Dokumentation der Geschäftstätigkeit der Unternehmen sehr wichtig sein können, sondern auch für die gesamte Gesellschaft. Der Verein Schweizerischer Archivarinnen und Archivare (VSA) will nun die Diskussion über den Wert der Unternehmensarchive verstärken und konnte aus diesem Anlass 125 Wissenschaftler, Unternehmer und Archivare in Bern zu einer Arbeitstagung begrüßen (Programm). 

Einigkeit herrschte in der Auffassung, dass die Firmenarchive ein wichtiger Teil des nationalen Kulturguts und deshalb schützenswert seien. Umstrittener war hingegen die Frage, wie diese privaten Archive erhalten und der Forschung zugänglich gemacht werden können. Immer wieder werden Akten in den Unternehmen vernichtet oder können bei einem Konkurs oder einer Fusion nirgends untergebracht werden. 

Zudem erhalten Wissenschaftler oft nur sehr beschränkten Zugang zu den Akten. Dem Basler Historiker Mario König, der 1998 im Auftrag der "Bergier-Kommission" die so genannte "Interhandel-Affäre" aufgearbeitet hatte, wurden beispielsweise bei seinen Recherchen in der ehemaligen Schweizerischen Bankgesellschaft zentrale Akten bewusst vorenthalten. Die auf der Tagung anwesenden Firmenarchivare und Unternehmer entgegneten verblüffend offenherzig, dass eine Firma eben wenig Interesse daran habe, dass in der Öffentlichkeit über die "dunklen Seiten" ihrer Vergangenheit berichtet wird.

Akute Probleme entstehen, wenn eine Firma ihr Archiv nicht (mehr) pflegen kann oder will. Die Akten werden dann oftmals den öffentlichen Archiven, den Staats- und Gemeindearchiven, angeboten. Doch diese können aus Mangel an Geld und Lagerraum nur geringe Mengen übernehmen. Dabei stellt sich für die Archivare auch die Frage, welche Dokumente überhaupt erhaltenswert sind. Ein von Peter Witschi, Staatsarchivar Appenzell Ausserrhoden, präsentiertes Bewertungsmodell wurde deshalb allseits dankbar aufgenommen. Zudem widmen sich private Organisationen der Pflege und Rettung von Unternehmensarchiven.

In der Podiumsdiskussion sprach sich Ernst Willi, Konzernleitungsmitglied bei Georg Fischer, gegen staatliche Vorschriften darüber aus, was und wie lange aufbewahrt werden muss. Auch Hans Schüpbach vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz lehnte gesetzliche Vorschriften ab. Die Frage, wie und wo die Firmenarchive als Kulturgüter von öffentlichem Interesse gesichert werden können, blieb in der Diskussion auf der Tagung entsprechend weitgehend unbeantwortet.

Quelle: Stefan Frech, ZT online / Mittelland Zeitung, 18.4.2005 

Zum 60. Jahrestag Kolloquium in Eisleben

Im April 1945 war die damals 24.000 Einwohner zählende Stadt Eisleben mit zusätzlich 14.000 Flüchtlingen belegt, hinzu kamen viele Verwundete und mehr als 2.000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Dr. Marion Ebruy, Vorsitzende des Mansfelder Heimatvereins, sprach darüber während des Kolloquiums, das die Stadt Eisleben gemeinsam mit dem Heimatverein und der Landeszentrale für politische Bildung zum 60. Jahrestag des Kriegsendes veranstaltete.

\"Stadtarchivarin

Sie verwies dabei auf Schreiben an die Stadtverwaltung, in denen sich Eisleber über das Verhalten der Besatzungsmacht beklagten und Schadenersatz erbaten. Aus einem Aktenvermerk der Mansfeld AG geht hervor, dass mehr als 15.000 Kilogramm Feinsilber abgeliefert werden mussten. Eine Empfangsbestätigung \“haben wir trotz unserer mehrfach geäußerten Bitte nicht erhalten\“, zitierte Dr. Ebruy.

Professor Mathias Tullner (Universität Magdeburg) erläuterte die besonderen Bedingungen, die die US-Streitkräfte in Eisleben vorfanden. Es habe Leute gegeben, die vor dem Einmarsch der Amerikaner aktiv wurden, sagte er mit Blick auf die von den Kommunisten Otto Gotsche und Robert Büchner geführte Widerstandsgruppe. \“Das haben die Amerikaner honoriert\“, sagte Tullner, der im Folgenden die Konflikte darstellte, die schon bald zwischen Kommunisten und Besatzungsmacht aufbrachen.

Zeitzeugen berichteten unter anderem über die Internierungen, die die amerikanischen Besatzer im berüchtigten Lager Helfta vorgenommen haben, sowie über weitere, zum Teil sehr emotionale Erlebnisse. Es wurde im Rahmen der Veranstaltung dazu aufgefordert, das Erlebte aufzuschreiben und dem Stadtarchiv zu übergeben.

Kontakt:
Mansfelder Heimatverein e.V.
Stadtarchiv
Andreaskirchplatz 10,
06295 Lutherstadt-Eisleben
Ansprechpartner: Dr. Marion Ebruy
Telefon: 03475-602800

Quelle: Burkhard Zemlin, Mitteldeutsche Zeitung, 14.4.2005

Süße Rübe ziert Wappen

Beim Durchforsten alter Kirchenbücher ist der Heimatverein Osmünder Spritze 1811 e.V. auf zahlreiche bisher unbekannte Zeugnisse aus der 190-jährigen Geschichte des Saalkreises (Sitz: Halle) gestoßen. Eine Sensation nannten die Hobby-Forscher um Ingolf Brömme ein Schreiben aus dem Jahre 1894, das die Schutzmarke von Ferdinand Knauer im Briefkopf führt. Der Pflanzenzüchter gilt als der Urvater der heutigen Zuckerrübe. Als erster Landwirt weltweit zog der Gutbesitzer aus Osmünde Rüben mit sehr hohem Zuckergehalt. Dieser Züchtungserfolg gelang ihm Mitte des 19. Jahrhunderts. Der daraus erzielte Gewinn bildete den Grundstock vieler weiterer Unternehmungen, beispielsweise die Kohleschächte im benachbarten Gröbers.

\"Riesenrübe

Die Schutzmarke zeigt eine Hand, die eine mächtige Rübe mit üppigen Blättern festhält. Lorbeerkranz und Initialen des Namens runden das über 100 Jahre vergessene Wappen ab. Die Entdeckung ist Bestandteil systematischer Nachforschungen zur Orts- und Kreisgeschichte. Dazu nutzen die Osmünder neben dem Staatsarchiv in Merseburg auch das Kirchenarchiv in Landsberg, wo offenbar viele Unterlagen aus Osmünde lagern.

Kontakt:
Osmünder Spritze 1811 e.V.
Ingolf Brömme
Lindenstr. 40
06184 Osmünde

Quelle: Ralf Böhme, Naumburger Tageblatt, 14.4.2005

Kultur- und Heimatverein präsentiert Ergebnisse

Die Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins Weißandt-Gölzau 1990 e.V. haben es sich zur Aufgabe gemacht, das ländliche Leben im 20. Jahrhundert in Weißandt-Gölzau und Umgebung soweit wie möglich zurück zu verfolgen und nieder zu schreiben. Anlässlich des amerikanischen Einzuges im anhaltinischen Weißandt-Gölzau vor 60 Jahren richtete der Verein in diesem Zusammenhang dieser Tage eine Veranstaltung zum Thema \“Frühjahr 1945 – Das Kriegsende in unserer Region\“ aus. Sie fand große Resonanz.

Maik Büchner (36) arbeitete im Rahmen einer ABM an dem Projekt des Kultur- und Heimatvereins mit, wird dies auch nach Abschluss der Maßnahme tun. Dabei seien die Gespräche, die für das Projekt über das Kriegsende 1945 mit Zeitzeugen geführt werden, längst nicht mehr an den Ort Weißandt-Gölzau gebunden. Einwohner aus umliegenden Gemeinden berichteten mittlerweile ebenso und gaben zudem Hinweise auf neue Gesprächspartner. 

Längst blickten die Vereinsmitglieder nicht nur in die Archive der Region. Sie recherchierten u.a. im Landesarchiv, Militärarchiv Freiburg und Bundesarchiv Koblenz, nahmen Kontakt zum US-National-Archiv Washington auf. Von dort wurde ihnen Material über den Einsatz der US-Einheiten in der Region zugestellt. Nur so wurde es möglich, dass die Besucher der letzten Abendveranstaltung mehr über den Todesmarsch von KZ-Häftlingen durch den Ort, über die Einquartierung von etwa 3.000 befreiten KZ-Häftlingen in Prosigk oder über das Kriegsgefangenenlager des Schwelwerkes Gölzau erfuhren.

Kontakt:
Kultur u. Heimatverein 1990
Frau Edith Ruprecht
Dorfstr. 21
Tel. 034978/21230
06369 Klein-Weißandt

Quelle: Sylvia Czajka, Mitteldeutsche Zeitung, 15.4.2005

Nasse Akten werden schockgefrostet

Archive beherbergen größtenteils Einzelstücke, die im Brandfall oder durch Wasserschaden unwiederbringlich verloren gehen können. Aus diesem Grund erarbeitet das Sankt Augustiner Stadtarchiv derzeit einen \“Notfallplan\“. Neben präventiven Maßnahmen hat der Leiter der Einrichtung, Michael Korn, minutiös erarbeitet, wie im \“Fall der Fälle\“ vorzugehen wäre, um zumindest Teile des kostbaren Guts zu retten.

\"Stadtarchivleiter

Bis ins 16. Jahrhundert reichen die Nachbarschaftsbücher, Akten oder Urkunden zurück, die im Untergeschoss des Rathauses aufbewahrt werden. \“Wir haben allein zwei Kilometer Regalfläche für Schriftgut\“, berichtet Korn, seit 2003 Stadtarchivar. Hinzu kommen eine Bildsammlung mit etwa 15 000 Fotos und Postkarten aus hundert Jahren sowie Zeitungen von 1922 bis heute – reiche Beute für zündelnde Flammen. \“Notfallpläne gibt es jedoch in vielen Archiven noch nicht\“, so Korn. \“Dabei ist es sehr wichtig, bei einem größeren Problem innerhalb weniger Stunden reagieren zu können.\“ Für das Stadtarchiv in Solingen, in dem er zuständig war für die Bestandserhaltung, hat er bereits ein ähnliches Konzept entwickelt.

Eine wichtige Rolle spielt die Vorbeugung. Über Brandmelder mit einer Direktschaltung zur Feuerwehr verfügt das Aktenmagazin im Augustiner Rathaus schon lange. Erst seit dem vergangenen Jahr werden hingegen die Klimawerte laufend überwacht, um gute Lagerbedingungen für die historisch wertvollen Unterlagen zu schaffen. Eine Klimaanlage gibt es nicht, dafür sind Messgeräte aufgestellt: Etwa 50 Prozent relative Luftfeuchtigkeit und 16 bis 18 Grad Raumtemperatur bedeuten ideale Bedingungen für die papieren Zeitzeugen. \“Da heißt es, gezielt zu heizen und zu lüften.

\“Um die Akten vor eventuellen Wasserschäden zu schützen, ist über den Regalen ein \“Spritzschutz\“ angebracht, der die dort verlaufenden Rohre umschließt. \“Wenn es ein Leck gibt, soll das Wasser dadurch aufgehalten werden und zur Seite spritzen\“, erläutert der Archivar. Bei akuten Wasserschäden würden Luftentfeuchter aufgestellt, zwischen die Seiten der Bände Löschpapier eingelegt und der Trocknungsprozess durch den Einsatz von Föns beschleunigt. Zur Prävention gehört auch die Lagerung der Schriftstücke in lichtundurchlässigen, säurefreien und alterungsbeständigen Kartonagen. \“Zudem würden sie sich so im Notfall besser transportieren lassen, als wenn die Akten lose in den Regale lägen.\“ Darüber hinaus führen Korn und sein Kollege Michael Becker detailliert Buch über die Bestände und deren Lagerungsort, \“um im Ernstfall zu wissen, was wo ist\“.

Träte dieser doch einmal ein, träfe es das Archiv nicht unvorbereitet. Korn hat eine Prioritätenliste erstellt nach der Wertigkeit der Archivalien. Danach hätten die Akten des alten Amtes Menden die \“höchste Dringlichkeitsstufe\“ und wären als erste zu retten, es folgten die Protokolle des Rates, der Ausschüsse und der Gemeinderäte und an dritter Stelle Fotos und Dias. \“Plakate und Flugschriften\“ stehen an letzter Stelle der Liste.

Mehr als ein mögliches Feuer fürchtet Korn das Löschwasser. \“Wenn die Unterlagen nass werden, haben Schimmelpilze und Mikroorganismen ideale Bedingungen.\“ Um deren Tun zu unterbinden, sieht der Notfallplan vor, die Akten binnen zwölf Stunden in zwei Kühlhäuser in Troisdorf und Köln zu transportieren. \“Es darf kein fleischverarbeitender Betrieb sein, sonst würde die Gewerbeaufsicht einschreiten.\“ Dort würden sie bei minus 18 Grad schockgefrostet. \“Das stoppt das Eindringen des Wassers, die Mikroorganismen könnten sich nicht entwickeln\“, erläutert Korn. Wieder lesbar soll die Unterlagen eine Gefriertrocknung machen, wie sie auch bei der Obsttrocknung angewandt wird: Mittels Unterdruckschränken wird das gefrorene Wasser in einen gasförmigen Zustand überführt.

Mit der Feuerwehr hat Korn Kontakt aufgenommen zwecks eines behutsamen Einsatzes der Löschmittel. Die Devise lautet, sparsam vorzugehen mit reinem Wasser und Pulver sowie Schäume nur bei akuter Gefährdung von Personen einzusetzen. \“Denn die darin enthaltenen aggressiven Säuren würden die Schriften zerfressen, und dagegen gibt es kein Mittel.\“ Vor Ort wäre zudem ein \“Notfallteam\“ des Westfälischen Archivamtes aus Münster. \“Die haben das Know-how und sind drei, vier Mal im Jahr bei Einsätzen in NRW draußen.\“ Das nähere Rheinische Archiv- und Museumsamt hat eine derartige Spezialistentruppe noch nicht.

Verschont gebliebene Unterlagen würden laut Plan in Augustiner Sporthallen zwischengelagert. Um das umfangreiche Material zu transportieren, hat der Stadtarchivar Verbindung zu Baumärkten aufgenommen, die umgehend Verpackungen, Schutzkleidung und Transportgerät liefern könnten, \“da dürften wir auch nachts anrufen\“. Ein Verzeichnis mit allen wichtigen Telefonnummern vom Hausmeister bis zu Speditionen ist daher ein Kernstück des Notfallplans. Einen Testlauf indes wird es nicht geben. \“Der wäre nicht zu organisieren\“, sagt Korn, der den Plan in den nächsten Wochen fertig stellen will. \“Obwohl ich hoffe, dass wir ihn niemals benötigen.\“

Kontakt:
Stadtarchiv Sankt Augustin
Markt 1
53757 Sankt Augustin
Telefon 02241/243-508
Telefax 02241/9274-41
stadtarchiv@sankt-augustin.de
http://www.sankt-augustin.de/stadtarchiv

Quelle: Michael Hochheuser, Kölner Stadt-Anzeiger, 14.4.2005

80 Jahre Pfarrhausarchiv

Einblicke in 500 Jahre evangelisches Pfarrhaus gibt eine Sonderausstellung im Eisenacher Lutherhaus. Anlass für die bis zum 28. August 2005 dauernde Ausstellung ist das 80-jährige Jubiläum der Gründung des Evangelischen Pfarrhausarchivs. Die Sonderausstellung präsentiert insbesondere Bücher, Handschriften und Kunstwerke von Menschen, die aus einem evangelischen Pfarrhaus stammen. So werden zum ersten Mal bisher nicht veröffentlichte handschriftliche Notizen von Albert Schweitzer, ein Eintrag von Friedrich Nietzsche in einem Album, ein Brief von Eduard Mörike an Gustav Schwab und ein Brief von Matthias Claudius an seine Söhne gezeigt. Unter den zahlreichen Gemälden und Grafiken befinden sich unter anderem Werke von Hans am Ende, der zur Künstlerkolonie Worpswede gehörte. Ausgestellt wird auch Porzellan von Johann Joachim Kändler, einst Porzellanmodelleur in Meißen, und ein Kräuterbuch von Hieronymus Bock, Aufseher eines herzoglichen Gartens, aus dem Jahr 1572.

Das Evangelische Pfarrhausarchiv wurde 1925 in Merseburg von dem Pfarrer August Angermann (1867-1948) zum 400. Jubiläum der Hochzeit Martin Luthers mit Katharina von Bora begründet. Mit dem Archiv sollte dokumentiert werden, dass viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Wissenschaftler, Künstler, Unternehmer und Politiker, ihre familiären Wurzeln im Pfarrhaus hatten und haben. Das in den ersten Jahrzehnten schnell gewachsene Archiv verfügt heute über mehr als 40.000 Archivalien, darunter Stammbücher, Briefe, Münzen, Medaillen, Gemälde und Kleinplastiken.

1932 wurde das Archiv nach Wittenberg in das ehemalige kurfürstliche Schloss verlegt. Dem Thüringer Landesbischof Moritz Mitzenheim ist es zu danken, dass das Archiv nach dem Krieg in Eisenach untergebracht werden konnte. Nach dem Wiederaufbau des Lutherhauses erhielt es 1956 hier seinen endgültigen Platz. In der 1996 völlig neu konzipierten ständigen Ausstellung wird die Geschichte des evangelischen Pfarrhauses von der Reformation bis in die Gegenwart dargestellt. Das Archiv selbst wird ständig ergänzt. So sind in den letzten Jahren Nachlässe von Pfarrerfamilien aufgenommen worden. Auch werden Medienberichte über evangelische Pfarrhäuser bis heute ausgewertet und gesammelt. Erfasst werden auch die Namen deutschsprachiger evangelischer Pastorinnen und Pfarrer und deren Kinder, die bedeutende wissenschaftliche, kulturelle oder künstlerische Aktivitäten entfaltet haben. Diese Pfarrhauskartei umfasst bisher 30.000 Namen nebst biografischen Angaben.

Kontakt:
Lutherhaus Eisenach
Lutherplatz 8
99817 Eisenach
Telefon: 03691/29830
Fax: 03691/298331
lutherhaus@t-online.de
www.lutherhaus-eisenach.de

Quelle: ELKTh Online, 7.3.2005

Ausstellung über Feldpostbriefe

Zum 60. Jahrestag des Kriegsendes zeigt das Museum für Kommunikation in Berlin (Link) seit dem 8. April die Ausstellung "Überlebenszeichen" über deutsche Feldpostbriefe. Rund 40 Milliarden Briefe von und an deutsche Soldaten seien zwischen 1939 und 1945 geschrieben worden, teilte das Museum mit.

Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit Studierenden der Humboldt-Universität entstanden ist, wolle die "Feldpost in der Familienerinnerung" thematisieren. Die Exponate zeigten die persönlichen Sichtweisen der Soldaten auf den Krieg. Das Museum, das auch das Feldpost-Archiv im Internet betreibt, verfügt nach eigenen Angaben über die zweitgrößte Sammlung an Feldpostbriefen in Deutschland.

Die Ausstellung ist noch bis zum 8. Mai zu sehen. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und am Wochenende von 11 bis 19 Uhr.

Kontakt:
Museum für Kommunikation Berlin
Leipziger Straße 16
D-10117 Berlin-Mitte
Telefon +49 (0)30 202 94 0
Telefax +49 (0)30 202 94 111
E-Mail: mk.berlin@mspt.de

Quelle: epd-Wochenspiegel 14/2005, 18.

Restaurierungs-Ausstellung auf Reisen

Die in Archiven und Bibliotheken lagernden kostbaren historischen Dokumente sind oft vom schleichenden Verfall bedroht. Viel Interesse wird einer Ausstellung über Papierrestaurierung und -konservierung des Steiermärkischen Landesmuseums in Slowenien, Ungarn und Kroatien entgegengebracht: Die im Vorjahr gezeigte Schau \“Sind sie noch zu retten. Restaurierung und Konservierung von Schriftgut\“ wird von Mai bis September in Maribor (Marburg), Ptuj (Pettau), Celje (Cilli) sowie Ljubljana (Laibach) zu sehen sein. 

Die in Graz konzipierte Schau zeigt häufige Schadenstypen an Archivalien und Bibliotheksgut, erläutert ihre Ursachen und Restaurierungsverfahren. Viel Restaurierungsaufwand wäre zu vermeiden, mancher Schaden mit einfachen Mitteln zu verhindern, wenn Dokumente und Fotografien richtig gelagert und behandelt werden würden. Darüber informiert die Ausstellung ebenso wie über die Digitalisierung wertvoller Archivalien, durch die neue Nutzungsformen geschaffen und so die Originale geschont werden.

Das Steiermärkische Landesarchiv bemüht sich auch um die Vermittlung seines Know-How an Archive in Südosteuropa. Immer wieder lädt man beispielsweise Restauratoren u.a. aus Bosnien-Herzegowina und Montenegro zu Schulungen nach Graz ein, die die spezifischen Methoden der Bekämpfung der Mikroben und der Konservierung erlernen sollen. 

Kontakt:
Steiermärkisches Landesarchiv
Landesarchivdirektor Hofrat Hon.-Prof. Dr. Josef Riegler MAS 
Karmeliterplatz 3, 
A-8010 Graz, Austria 
Telefon: (0316)877-4028 
Fax: (0316)877-2954 
fa1d@stmk.gv.at

Quelle: Kleine Zeitung (Steiermark), 12.4.2005

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