Umzug des Wiener Hofkammerarchivs?

Auch wenn es offiziell noch keine Bestätigung gibt: Der Auszug des alt ehrwürdigen Hofkammerarchivs in der Wiener Johannesgasse scheint fix zu sein. Geplant ist demnach die Übersiedlung in neue Räume in Wien-Erdberg. Laut \“Wiener Zeitung\“ ist bereits durchgesickert, dass die Absiedlung im Juli über die Bühne gehen soll. Das Hofkammerarchiv ist Teil des Österreichischen Staatsarchivs.

Tatsächlich gab es auch auf APA-Anfrage am Montag im Hofkammerarchiv eine Bestätigung – allerdings nur inoffiziell. Die Planungen seien bereits sehr konkret, noch heuer sollte die Übersiedlung erfolgen. Offizielle Aussagen dazu dürften auf Grund einer Weisung der Generaldirektion aber nicht gemacht werden, hieß es. An anderer Stelle hieß es heute, dass die historischen Räumlichkeiten in Zukunft für Ausstellungs-Zwecke verwendet werden sollen.

Staatsarchiv-Generaldirektor Lorenz Mikoletzky war vorerst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Gegenüber der \“Wiener Zeitung\“ hat er sich zu der Angelegenheit knapp geäußert: Es sei noch nichts klar, er wolle sich derzeit offiziell nicht dazu äußern.

Für Kontroversen und mögliche Verzögerungen könnten aber noch Denkmalschutz-Auflagen sorgen. In der \“Wiener Zeitung\“ vom Samstag wird dazu die Wiener Landeskonservatorin Barbara Neubauer zitiert: \“Nach dem vom Bundesdenkmalamt ergangenen Bescheid ist eine Veränderung undenkbar. Die vom Bundesdenkmalamt bescheidmäßig festgestellte Unterschutzstellung umfasst das Objekt mit seinem Inhalt.\“

Demnach sind das noch vorhandene Direktionszimmer Franz Grillparzers mit den Räumlichkeiten des Archivs, den Regalen und den historischen Faszikeln als \“untrennbare Einheit\“ verbunden und geschützt. Das Wiener Hofkammerarchiv wurde bereits 1578 urkundlich erwähnt – unter \“alte Kammerregistratur\“. 1848 erfolgte unter Grillparzers Leitung die Übersiedlung in das eigens konzipierte Haus in der Johannesgasse.

Die Hofkammer wurde vor allem nach den Reformen Maria Theresia (1717-1780) zur zentralen Finanzbehörde der habsburgischen Erblande, also zu einer Art von \“Superministerium\“. Neben der Finanzverwaltung war die Hofkammer bis 1848 auch für die Bereiche Wirtschaft, Handel, Bergbau, Bauten, Kredit, Geldwesen und Verkehr zuständig.

Quelle: derStandard.at, 25.4.2005

75jähriges Jubiläum des Deutschen Bergbaumuseums Bochum

Über 600 Festgäste kamen zur Jubiläumsfeier des Deutschen Bergbaumuseums Bochum ins Schauspielhaus. Erstmalig verlieh Museumsdirektor Prof. Dr. Rainer Slotta bei der Feierstunde eine Verdienstmedaille: Ex-OB Ernst-Otto Stüber wurde für seine "vielfältige Unterstützung" ausgezeichnet.

"Hier fühle ich mich beinahe wie ein richtiger Schauspieler", begann Ministerpräsident Peer Steinbrück seine Rede auf der Bühne des Schauspielhauses. Der Spot auf das Rednerpult war die beherrschende Lichtquelle beim offiziellen Teil der Jubiläumsfeier – während der Saal im Dunkeln versank, nahmen Gratulanten und Museumsangehörige die Gelegenheit wahr, sich in der eindrucksvoll-festlichen Atmosphäre des Schauspielhauses zu präsentieren.

Einblicke in die bewegte Geschichte seines Instituts, das am 1. April 1930 gegründet worden war, gab Rainer Slotta, seit 1987 Direktor des Museums. Dabei hob er das Jahr 1973 hervor, in dem über dem Anschauungsbergwerk das Fördergerüst der Dortmunder Zeche Germania (wieder) aufgebaut worden war; heute ist der 62 Meter hohe Turm eines der Wahrzeichen Bochums.

Staatsministerin Dr. Christina Weiss, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, hob die Bedeutung des Bergbaus als "kulturprägende Kraft" hervor. Seit 1977 steht das Deutsche Bergbaumuseum auf der "Blauen Liste", und erhält Fördergelder von Bund und Land.

Die Planungen für einen Erweiterungsbau des Bergbaumuseums sind abgeschlossen. Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz sagte, der Anbau solle 2008 "mit einer spektakulären Aktion" eröffnet werden. In seiner Festrede "Der Fortschritt von gestern", die der Philosophie-Professor Hermann Lübbe hielt, bezeichnete der Wissenschaftler das Museum mit seinem umfangreichen Archiv als "zentrales Gedächtnis des Bergbaus".

Quelle: Jonas Hintze, WAZ Bochum, 24.4.2005

50 Jahre Stadtarchiv Lünen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestand das Archiv der Stadt Lünen aus einer Holztruhe, in der Schriften und Urkunden eher schlecht als recht aufbewahrt wurden. Seit mindestens 50 Jahren aber ist Ordnung in die historischen Dokumente eingekehrt. So lange gibt es mittlerweile das Stadtarchiv.

Im Rahmen des Jubiläums lud Stadtarchivar Fredy Niklowitz Donnerstag zu einem Vortragsabend ins Museum am Schwansbeller Schloss ein. Dort erwartete die Zuhörer unter anderem ein Resümee zum Thema \“50 Jahre Stadtarchiv\“ (AUGIAS.Net berichtete).

\“Dietrich Hermann Bremer, Pfarrer der Stadtkirche, machte sich 1821 erstmals daran, das städtische Schriftgut zu sichten und zu ordnen\“, erzählte Niklowitz aus der Vorgeschichte des Archives. Zweidrittel der Unterlagen schienen \“des Aufbewahrens nicht wert\“, wie der Schriftwechsel mit dem damaligen Bürgermeister auch heute noch belegt. Ein Großteil wurde vernichtet. \“Heute wären die Dokumente für uns von großem Wert\“, sagt Niklowitz. \“Manchmal können wir uns einfach nicht vorstellen, welche Bedeutung Unterlagen für die Zukunft haben können\“, mahnt der Archivar.

Nach dem Tode Bremers habe das Archiv über Jahrzehnte ein unbeachtetes Dasein gefristet. \“Zwischen 1922 und 1928 hütete der für die Registratur zuständige Verwaltungsbeamte Tappe auch das Archiv, das jetzt in eine neue Holzkiste mit Verschlägen umgebettet wurde\“, so Niklowitz. Tappe sei vor allem um den Ausbau der Fotosammlung bemüht gewesen und habe vielen seiner Zeitgenossen Bilder abkungeln können.

Ab 1928 habe sich schließlich der Studienrat und Historiker Josef Lappe um das Archiv gekümmert, es in einen feuerfesten Schrank verlagert. Aus politischen Gründen sei Tappe 1937 in den Ruhestand versetzt worden. Die historischen Unterlagen standen jetzt unter der Obhut von Kulturamt und Stadtbücherei. \“Im Sommer 1943 lagerte man das Archiv wegen zunehmender Bombenangriffe in den Untertagebetrieb der Zeche Minister Achenbach aus\“, weiß Niklowitz.

Zwischen 1946 und 1951 nahm sich Professor Alfons Perlick von der Pädagogischen Akademie Dortmund, die zwischenzeitlich auf Grund von Bombenschäden in Lünen untergebracht war, des Archivs an und ordnete es neu. In der Berufsschule fand sich ein geeigneter Raum. 1951 übernahm Dr. Gerhard Stephan, Studienrat am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, die ehrenamtliche Leitung.

\“Der 1. April 1955 war der Geburtstag des Stadtarchivs, wie wir es heute kennen\“, sagt Niklowitz. \“Hermann Wember wurde der erste hauptamtliche Archivar der Stadt Lünen.\“ Der habe sich um die fachgerechte Unterbringung des Bestandes bemüht und den Umzug in das Untergeschoss des 1960 fertiggestellten Rathauses befürwortet. Nach dessen Tode folgte erst Dr. Wingolf Lehnemann, später dann Adolf Reiß als Archivar. 1985 übernahm Fredy Niklowitz das Amt.

Im Rahmen des Vortragabends, zu dessen Gäste Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick und Professor Dr. Norbert Reimann vom Westfälischen Archivamt Münster zählten, folgten zwei weitere Vorträge: Zum einen referierte Museumsleiter Lehnemann über \“Georg Spormecker und seine Cronica Lunensis\“, zum anderen gab Dr. Wolfgang Bockhorst vom Westfälischen Archivamt Einblick ins Thema \“Lünen und Cappenberg – Aspekte einer Symbiose im Mittelalter\“.

Quelle: WAZ Lünen, 22.4.2005

Dokumente des Komponisten Arnold Mendelssohn (1855-1933) entdeckt

Die Sensation im Pappkarton: Auf dem Dachboden der Bonner Familie Spitta lagen jahrelang unsortiert Partituren und Dokumente des bedeutenden Komponisten Arnold Mendelssohn (1855-1933). Nur: Kaum jemand wusste von dem Schatz, der im Hause des ehemaligen Hilfspredigers der Kreuzkirche aufbewahrt wurde. Später kaufte der Kirchenmusiker Johannes Geffert die Sammlung und lagerte sie im Archiv der Kreuzkirche. Da blieb sie, noch immer unsortiert und ungesehen. Erst jetzt kommen die Dokumente wieder ans Licht.

Zum 150. Geburtstag von Arnold Mendelssohn, eines Großneffen von Felix Mendelssohn-Bartholdy, haben Karin Freist-Wissing, Kantorin an der Kreuzkirche, und ihr Kollege, der Organist Stefan Horz, bisher verschollene oder unbekannte Kompositionen Mendelssohns ausgegraben. Sie werden am 18. Juni in der \“Großen Mendelssohn-Nacht\“ in der Kreuzkirche aufgeführt, zusammen mit Werken seines Großonkels und seiner Großtante Fanny Hensel. Arnold Mendelssohn war von 1880 bis 1883 Musiker an der Kreuzkirche und Akademischer Lehrer an der Universität.

Unter den Raritäten, die am 18. Juni erklingen, ist seine \“2. Sinfonie in C\“, die er 1922 in Darmstadt komponierte und 1924 in Hamburg uraufführte. Seitdem war sie nie mehr zu hören. Grund: Mendelssohns Werke wurden nach seinem Tod 1933 von den Nazis verboten und gerieten dadurch in Vergessenheit. Freist-Wissing will sie nun erstmals wieder präsentieren.

Das bedeutet viel Arbeit. Die Originalpartitur der \“Sinfonie in C\“ liegt im Staatsarchiv in Berlin, die Kreuzkirche besitzt die einzige handgeschriebene Kopie. Sie war vor Jahren einem Musikliebhaber in Duisburg geliehen worden, bei dem sie achtlos im Bücherschrank stand und jetzt hervorgekramt wurde. Nun werden die Noten von Mitgliedern des Sinfonieorchesters der Kreuzkirche für die einzelnen Stimmen abgeschrieben und in einen PC übertragen. Ungenauigkeiten, die der Kopist einfügte (\“Dur- oder Moll-Akkord?\“), werden mit – per Fax aus Berlin geschickten – Seiten der Originalpartitur verglichen. Am Mittwochabend probte das Orchester erstmals die Sinfonie, die Karin Freist-Wissing \“spätromantisch\“ nennt, die manchmal aber auch an \“unheimlich dramatische Filmmusik\“ erinnere. Die Rechte an dem Werk hält die Kreuzkirche, da keine Nachkommen Mendelssohns bekannt sind.

Zu den Sonderheiten, die Karin Freist-Wissing und Stefan Horz präsentierten, gehören auch Skizzen zu Mendelssohns Oper \“Der Bärenhäuter\“, die er in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts nach einem Märchen der Gebrüder Grimm verfasste. Durch eine Indiskretion seines Freundes Engelbert Humperdinck (\“Hänsel und Gretel\“) wurde Siegfried Wagner auf den Stoff aufmerksam und vertonte ihn 1897 ebenfalls. Mendelssohns Oper wurde erst 1900 uraufgeführt. Nur als Fragment vorhanden ist die Ouvertüre zu einer Oper namens \“Schneewittchen\“. Sie wartet auf kongeniale Ergänzung.

Quelle: Dietrich Brockschnieder, Kölnische Rundschau, 22.4.2005

Tagung zum Ersten Weltkrieg im Alpenraum

Vom 28. bis zum 30. April widmet sich an der Freien Universität Bozen eine internationale Tagung den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs in den Alpenländern. Auf der Tagung, die vom Südtiroler Landesarchiv gemeinsam mit der im Landesarchiv angesiedelten Arbeitsgruppe Regionalgeschichte organisiert wird, werden 28 Historiker aus sechs Staaten zu neuen alltags- und mentalitätsgeschichtlichen Themenbereichen referieren.

Lange war die Erforschung des Ersten Weltkrieges eine Domäne der Militär- und Politikgeschichte. Die meisten zeitgenössischen Historiker waren gleichzeitig auch Offiziere und interessierten sich von daher vor allem für die großen militärischen Schlachten an der West- und Ostfront. Auch in Tirol dominierte die traditionelle Militärgeschichte. Über den so genannten \“Dolomitenkrieg\“ sind zahlreiche Publikationen erschienen. Andere Aspekte der Kriegsgeschichte wurden hingegen vernachlässigt, beispielsweise die Situation der Frauen und Kinder an der \“Heimatfront\“, die der Kriegsflüchtlinge und Kriegsgefangenen oder die Auswirkungen des Krieges auf die psychische und körperliche Verfassung des Menschen und die Entstehung und Entwicklung der Kriegserinnerung nach 1918.

Die Tagung \“Der Erste Weltkrieg im Alpenraum\“ wird am Donnerstag, 28. April, um 14 Uhr eröffnet. Im Eröffnungsvortrag spricht Holger Afflerbach, der derzeit an den Universitäten Düsseldorf und Atlanta lehrt, zum Thema \“Vom Bündnispartner zum Kriegsgegner – Ursachen und Folgen des italienischen Kriegseintrittes im Mai 1915\“.

Kontakt:
Landesarchiv Südtirol
Armando-Diaz-Straße 8
I-39100 Bozen
Tel.: 0471 / 411940
Fax: 0471 / 411959
Landesarchiv@provinz.bz.it

Quelle: ÖJ Österreich Woche, 19.-25.4.2005

Poe und Flaubert im alten Rittergut

Im Museum für Westfälische Literatur Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg (Link) wird noch bis zum 19. Juni eine Sonderausstellung über den Mindener Buchverlag J.C.C. Bruns gezeigt. Der Verlag hat vor rund hundert Jahren erstmals die Werke von Flaubert oder Edgar Allan Poe in deutscher Sprache herausgegeben.

Entsprechend lautet der Titel der kleinen Ausstellung über das Wirken vor allem von Max Bruns als Literaturvermittler: \“Weltliteratur aus Minden\“. Angeregt wurde die Ausstellung von Walter Gödden, dem wissenschaftlichen Leiter von Haus Nottbeck, realisiert in Zusammenarbeit mit dem Kommunalarchiv Minden und dem Hause Bruns. Die Bedeutung des Mindener Verlags für den Literaturbetrieb in Deutschland sei immens gewesen, sagt Gödden. \“Das ist eine anerkennenswerte Leistung, dass jemand damals in Minden den Draht zur literarischen Szene in Berlin hält und die besten Buchgestalter verpflichtet, die er kriegen kann.\“

Die Exponate hat Archivarin Anne Kathrin Pfeuffer, die den Nachlass von Max Bruns aufgearbeitet hat, zusammengestellt. In vier Vitrinen sind nach Sprachgruppen geordnet aufwändig gestaltete Bücher zu sehen. Eine Wandvitrine ist den großen und bekannten Bruns-Werkausgaben von Poe, Flaubert und Baudelaire gewidmet. Tafeln an den Wänden informieren über die Geschichte des Buch-Verlags, der 1929 aufgegeben wurde, über die Autoren und das Verleger-Ehepaar Max und Margarete Bruns, deren eigene Bücher ebenfalls zu sehen sind.

Kontakt:
Kulturgut Haus Nottbeck
Museum für Westfälische Literatur
Stromberg
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde
Tel: 02529 / 94 94 57
Fax: 02529 / 94 94 58
info@kulturgut-nottbeck.de
www.kulturgut-nottbeck.de

Quelle: Ursula Koch, Mindener Tageblatt, 21.4.2005

60 Jahre nach der Stunde Null

Aus dem vielfältigen Veranstaltungsangebot, das in diesen Wochen zum Thema Kriegsende 1945 besteht, stellt die WAZ einige für das Ruhrgebiet vor:

Bochum: Eine ganze Veranstaltungsreihe plant die \“Initiative 8. Mai\“. 30 Bochumer Organisationen bewerben gemeinsam 30 Veranstaltungen. Das Gesamtprogramm steht im Internet unter www.bo-alternativ.de/achter-mai. Am 8. Mai gibt es in der Evangelischen Christuskirche ein \“Konzert zum Tag der Befreiung von Europa\“. Dort erklingen Arthur Honeggers \“Symphonie Nr. 3 Liturgique\“ (1945/46) und Frank Martins \“In Terra Pax\“ (1945).

Bottrop: In der Stadt ist bis zum 13. Mai die Ausstellung \“Bottrop im Mai 1945 – Stunde Null?\“ zu sehen. Für diese Präsentation haben Bottroper Schüler in Archiven recherchiert und Zeitzeugen befragt. Für den 8. Mai ruft die \“8. Mai-Initiative-Bottrop\“ zu einer Menschenkette gegen das Vergessen auf.

Dorsten: Dauerausstellungen zu jüdischem Leben und jüdischer Kultur in Westfalen gibt es im \“Jüdischen Museum Westfalen". Der Trägerverein \“Altes Rathaus\“ lädt am 8. Mai um 17 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung ins Alte Rathaus am Markt ein. Dort referiert Klaus Naumann vom Hamburger Institut für Sozialforschung zum Thema: \“Kronzeugen der Opfergesellschaft? Die Kriegskinder zwischen Klage und Anklage\“.

Dortmund: Am Sonntag, 1. Mai, um 11 Uhr erklären Mitarbeiter des Stadtarchivs die Ausstellung \“Widerstand und Verfolgung 1933-1945\“ in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache.

Duisburg: Zu einer Gedenkfeier auf dem Waldfriedhof lädt die Stadt Duisburg am 12. Mai ein. Auf dem Friedhof liegen über 3.500 Gefallene, Bombenopfer, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Opfer begraben.

Essen: Den Nazi-Terror der Pogromnacht 1938 und die Bombennächte der letzten Kriegsjahre hat die Alte Synagoge äußerlich überstanden. 60 Jahre danach gibt es in der Gedenkstätte zwei Dauerausstellungen, die sich mit jüdischem Leben und Widerstand gegen das Nazi-Regime beschäftigen. Im Essener Rathaus-Foyer ist ab dem 9. Mai die Fotoausstellung \“Barrieren brechen\“ zum deutsch-polnischen Verhältnis seit 1945 zusehen.

Gelsenkirchen: Die \“Demokratische Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt für Menschenrechte und Demokratie\“ plant am 8. Mai gleich elf Veranstaltungen. Unter anderem gibt es Informationen zu kirchlichen Widerstandskämpfern und Führungen durch die Dokumentationsstätte \“Gelsenkirchen im Nationalsozialismus\“ und das jüdische Gemeindezentrum. Das genaue Programm hat das Institut für Stadtgeschichte

Haltern: Am 8. Mai wird im Marienhof eine Gedenktafel enthüllt, die an Zwangsarbeiter erinnert. Mit dabei sind ehemalige Zwangsarbeiter aus den Niederlanden, unter ihnen auch Peter Versteyne, der das Schicksal niederländischer Zwangsarbeiter in Haltern als Buch aufgearbeitet hat.

Hamm: Die Stadt Hamm zeigt bis 29. Mai in Zusammenarbeit mit der polnischen Partnerstadt Kalisz im Gustav-Lübcke-Museum eine deutsch-polnische Ausstellung. 50 Fotografen aus beiden Städten illustrieren den Kriegsalltag im Deutschen Reich und im besetzten Kalisz.

Herne: An jüdisches Leben in Herne vor dem Holocaust sollen Gedenktafeln erinnern. Die erste Tafel wurde im März aufgestellt.

Recklinghausen: Das Kriegsgeschehen steht im Mittelpunkt einer Ausstellung im Vestischen Museum. Dort sind Bilder und Dokumente aus den letzten Kriegswochen im Vest Recklinghausen ausgestellt.

Wattenscheid: Im Familienbildungszentrum Gertrudenhof bietet die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands ein Gesprächscafé für die Kriegs- und Nachkriegsgeneration an.

Quelle: David Mache, WAZ, 21.4.2005

Neues Internet-Angebot des Düsseldorfer Stadtarchivs

Seit seiner Gründung im Jahre 1912 verwahrt das Stadtarchiv Düsseldorf als städtische Dienststelle die Unterlagen und Dokumente, die aus rechtlichen oder historischen Gründen auf Dauer aufgehoben werden müssen. Außerdem hat es, wie es in der ersten Dienstanweisung vom 12.6.1912 heißt, \“das Material für die geschichtliche Entwicklung unserer Stadt, soweit es für die Verfassung und Verwaltung, das geistige und namentlich das wirtschaftliche Leben und den Kulturstand in ihr von Bedeutung ist, zu sammeln und aufzubewahren.\“

Soeben freigeschaltet wurde die Homepage des Düsseldorfer Stadtarchivs. Das Netz-Angebot des Stadtarchivs Düsseldorf ist in zwei Bereiche unterteilt:

Die Bestände der Dienstbibliothek des Stadtarchivs sind weitgehend im Online-Katalog – Gesamtkatalog Düsseldorfer Kulturinstitute (GDK) erfasst. Die Bibliothek ist eine Präsenzbibliothek.

Aktuell ist in Düsseldorf die Ausstellung zu sehen: \“Als der Krieg zu Ende ging – Düsseldorf am 17.04.1945\“. Die Ausstellung zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in der Stadt Düsseldorf, im Rathaus, Marktplatz, läuft noch bis zum 29. April 2005.

Kontakt:
Landeshauptstadt Düsseldorf
Stadtarchiv (Amt 41/203)
Heinrich-Ehrhardt-Straße 61
40468 Düsseldorf
Tel. +49-(0)211-89-95742
Fax +49-(0)211-89-29155
stadtarchiv@stadt.duesseldorf.de

Öffnungszeiten des Lesesaals:
Di.-Do. 8.30 bis 15.30 Uhr, Fr. 8.30 bis 12.30 Uhr

Dokumentensammlung zum Völkermord an den Armeniern

Die türkische Politik versucht krampfhaft, den Völkermord an den Armeniern unter dem Tuch des Vergessens zu halten. Deutsche Dokumente heben es an. Eine besondere Rolle kommt dabei dem Potsdamer Pfarrer Johannes Lepsius (1858-1925) zu. Er hatte die Deutsche Orient-Mission und das Armenische Hilfswerk gegründet. In mehreren Büchern und weiteren Sammlungen dokumentierte er die armenische Tragödie. Im Februar dieses Jahres ist das Lepsius-Archiv an der Hallenser Luther-Universität erstmals umfassend veröffentlicht worden. 

Orginalschreiben von Lepsius finden sich auch im gerade erschienenen Band "Der Völkermord an den Armeniern 1915/16 Dokumente aus dem Politischen Archiv des deutschen Auswärtigen Amtes" (zu Klampen Verlag). Herausgeber Wolfgang Gust, früher beim "Spiegel" tätig, vermittelt durch bislang häufig unbekannte Quellen ein erschütterndes Bild vom Leiden und dem Tod der Armenier im untergehenden Osmanischen Reich. 

Das wurde 1915 von der ursprünglich reformorientierten Bewegung der Jungtürken regiert. Diese zettelten in den Nächten zum 24. und 25. April 1915, ausgehend von Konstantinopel (Istanbul), landesweite Verhaftungen der armenischen Elite an. Ausgenutzt wurden dabei die schwelenden Spannungen zwischen muslimischer türkischer Mehrheit und christlicher armenischer Minderheit, die bereits 1894/96 in offene Gewalt umgeschlagen waren. Als Vorwand diente eine armenische Erhebung in der mehrheitlich von ihnen bewohnten Stadt Van nach türkischen Drangsalierungen. 

Was sich anschloss, zielte auf die systematische Ausrottung der Armenier. Deren Siedlungsgebiete verteilten sich über das gesamte Land, mit besonderer Konzentration im Osten. Die Armenier wurden – wenn nicht sofort getötet – vielfach gefoltert und zu Tausenden aus ihren Dörfern und Städte meist zu Fuß auf irrsinnige Märsche bis in die Wüste Syriens getrieben. Ohne ausreichende Versorgung mit Nahrung und Wasser in unwirtlicher Umgebung war es nur eine Frage der Zeit, bis die Menschen erschöpft zusammenbrachen. Wer diese Torturen doch überlebt hatte, wurde in Lager zusammengepfercht, erschossen oder anderweitig zu Tode befördert. 

Deutschland, mit den Türken im Ersten Weltkrieg gegen Russland verbündet, ließ die Schlächter gewähren. Dabei war die kaiserliche Reichsregierung bestens über die Vorgänge informiert. Konsuln und Botschafter kabelten ständig neue Schreckensmeldungen nach Berlin durch, hinzu kamen Berichte von Offizieren, Beamten, Lehrern und Missionaren. Zwar kämpften auch Armenier auf russischer Seite gegen die Türken. Doch die Massaker richteten sich gegen Zivilisten. Von etwa zwei Millionen Armenier im damaligen Osmanischen Reich verloren rund 1,5 Millionen ihr Leben. Eine genaue Zahl wird nie zu ermitteln sein.

Info:
Wolfgang Gust (Hg.): Der Völkermord an den Armeniern 1915/16. Dokumente aus dem Politischen Archiv des deutschen Auswärtigen Amts,
Springe 2005, 704 S., ISBN: 3934920594, 39.80 EUR(D)

Quelle: Steffen Honig, Volksstimme (Magdeburg), 20.4.2005

Unbefristete Anstellung für Brucker Archivarin

Im Jahr 1074 wurde Bruck an der Leitha als Ort \“Aschirichesprucca\“ erstmals urkundlich erwähnt und 1239 zur Stadt erhoben. Die Bezirkshauptstadt hat derzeit über 7.300 Einwohner

Seit vergangener Woche steht fest, dass das Stadtarchiv Bruck a.d. Leitha weiterhin von Dr. Petra Weiß betreut werden wird. Mit den Stimmen von SPÖ und Grünen wurde im Gemeinderat ein unbefristetes Dienstverhältnis für die Historikerin abgesegnet. Zuvor soll Weiß für ein Jahr beim Verein „Netzwerk Geschichte“ angestellt werden.

Für den künftigen Arbeitsbereich der Archivarin soll nun eine Arbeitsplatzbeschreibung erstellt werden. Vorrangig sei dabei die Archivarbeit, für die SPÖ ist jedoch klar, dass das Archiv „in weiterer Folge ein höheres Potenzial haben soll, als nur Achivgut aufzuarbeiten“. In erster Linie wichtig, dass das Archiv wissenschaftlich und von der Bevölkerung genutzt werden kann. „Das Archiv soll keine Verwaltungseinheit werden, wo nur einmal im Monat die Akten abgestaubt werden“, so Kulturstadtrat Norbert Payr. „Auch die Vernetzung mit anderen Einrichtungen ist wichtig“, so Stadtchefin Christa Vladyka.

Von Seiten der ÖVP gab es für die unbefristete Anstellung keine Zustimmung. „Wir verkennen nicht die Bedeutung des Archivs“, betont Stadtrat Klaus Köpplinger, aber: „Hier wurde ohne große Not eine Vollanstellung konstruiert“. Er habe jedoch Bedenken, ob die Auslastung für eine derart lange Zeit gegeben sei. Immerhin koste das die Stadt einige hunderttausend Euro.

Link: Bruck a.d. Leitha

Quelle: Susanne Müller, NÖN Niederösterreichische Nachrichten (Bruck a.d. Leitha), 20.4.2005

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