50 Jahre Stadtarchiv Lünen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestand das Archiv der Stadt Lünen aus einer Holztruhe, in der Schriften und Urkunden eher schlecht als recht aufbewahrt wurden. Seit mindestens 50 Jahren aber ist Ordnung in die historischen Dokumente eingekehrt. So lange gibt es mittlerweile das Stadtarchiv.

Im Rahmen des Jubiläums lud Stadtarchivar Fredy Niklowitz Donnerstag zu einem Vortragsabend ins Museum am Schwansbeller Schloss ein. Dort erwartete die Zuhörer unter anderem ein Resümee zum Thema \“50 Jahre Stadtarchiv\“ (AUGIAS.Net berichtete).

\“Dietrich Hermann Bremer, Pfarrer der Stadtkirche, machte sich 1821 erstmals daran, das städtische Schriftgut zu sichten und zu ordnen\“, erzählte Niklowitz aus der Vorgeschichte des Archives. Zweidrittel der Unterlagen schienen \“des Aufbewahrens nicht wert\“, wie der Schriftwechsel mit dem damaligen Bürgermeister auch heute noch belegt. Ein Großteil wurde vernichtet. \“Heute wären die Dokumente für uns von großem Wert\“, sagt Niklowitz. \“Manchmal können wir uns einfach nicht vorstellen, welche Bedeutung Unterlagen für die Zukunft haben können\“, mahnt der Archivar.

Nach dem Tode Bremers habe das Archiv über Jahrzehnte ein unbeachtetes Dasein gefristet. \“Zwischen 1922 und 1928 hütete der für die Registratur zuständige Verwaltungsbeamte Tappe auch das Archiv, das jetzt in eine neue Holzkiste mit Verschlägen umgebettet wurde\“, so Niklowitz. Tappe sei vor allem um den Ausbau der Fotosammlung bemüht gewesen und habe vielen seiner Zeitgenossen Bilder abkungeln können.

Ab 1928 habe sich schließlich der Studienrat und Historiker Josef Lappe um das Archiv gekümmert, es in einen feuerfesten Schrank verlagert. Aus politischen Gründen sei Tappe 1937 in den Ruhestand versetzt worden. Die historischen Unterlagen standen jetzt unter der Obhut von Kulturamt und Stadtbücherei. \“Im Sommer 1943 lagerte man das Archiv wegen zunehmender Bombenangriffe in den Untertagebetrieb der Zeche Minister Achenbach aus\“, weiß Niklowitz.

Zwischen 1946 und 1951 nahm sich Professor Alfons Perlick von der Pädagogischen Akademie Dortmund, die zwischenzeitlich auf Grund von Bombenschäden in Lünen untergebracht war, des Archivs an und ordnete es neu. In der Berufsschule fand sich ein geeigneter Raum. 1951 übernahm Dr. Gerhard Stephan, Studienrat am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, die ehrenamtliche Leitung.

\“Der 1. April 1955 war der Geburtstag des Stadtarchivs, wie wir es heute kennen\“, sagt Niklowitz. \“Hermann Wember wurde der erste hauptamtliche Archivar der Stadt Lünen.\“ Der habe sich um die fachgerechte Unterbringung des Bestandes bemüht und den Umzug in das Untergeschoss des 1960 fertiggestellten Rathauses befürwortet. Nach dessen Tode folgte erst Dr. Wingolf Lehnemann, später dann Adolf Reiß als Archivar. 1985 übernahm Fredy Niklowitz das Amt.

Im Rahmen des Vortragabends, zu dessen Gäste Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick und Professor Dr. Norbert Reimann vom Westfälischen Archivamt Münster zählten, folgten zwei weitere Vorträge: Zum einen referierte Museumsleiter Lehnemann über \“Georg Spormecker und seine Cronica Lunensis\“, zum anderen gab Dr. Wolfgang Bockhorst vom Westfälischen Archivamt Einblick ins Thema \“Lünen und Cappenberg – Aspekte einer Symbiose im Mittelalter\“.

Quelle: WAZ Lünen, 22.4.2005

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