Rolle der Archivare im Nationalsozialismus

Vor sieben Jahren wurde auf dem Historikertag in Frankfurt die Verstrickung der Geschichtswissenschaft in den Nationalsozialismus erstmals breit thematisiert. Seither war klar, dass auch zahlreiche Archivare mindestens schuldhaft in die NS-Verbrechen verstrickt waren, etwa durch die Plünderung west- und osteuropäischer Sammlungen im Zweiten Weltkrieg und die Unterstützung des Rassenwahns. Auf dem 75. Deutschen Archivtag, der diese Woche in Stuttgart stattfand, beschäftigte sich die Archivarszunft zum ersten umfassend mit der eigenen Rolle im \“Dritten Reich\“.

Den meisten Archivaren gelang ein \“weitgehend unbeschadeter Übergang\“ über die Zäsur 1945 hinweg, so Astrid M. Eckert (Washington). Sie stellten sich selbst als \“unpolitische Fachleute\“ dar, obwohl der Berufsstand \“durch systemkonforme Dienste seinen Anteil am Erhalt der nationalsozialistischen Herrschaftspraxis\“ hatte (Eckert). Bestraft wurden später gleichwohl nur sehr wenige. Verglichen mit dem Historikertag 1998 hielten sich die Emotionen jetzt in Stuttgart in Grenzen – trotz der Schatten, die auf die deutschen Archivare der Jahre 1933 bis 1945 fielen. Tatsächlich gibt es bei den heute aktiven Archivaren erheblich weniger persönliche Schüler-Beziehungen zu NS-belasteten Kollegen als noch vor sieben Jahren bei den Historikern. Hinzu kommt, dass heute die Archive weit weniger politisiert sind als in der Zwischenkriegszeit – nicht zuletzt dank ihrer föderalen Struktur.

Link: www.archivtag.de

Quelle: Sven Felix Kellerhoff, Die WELT, 30.9.2005

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