Geschichte der Glocken im Landkreis Lüneburg

In mühevoller zweieinhalbjähriger Kleinarbeit hat Willi Sgodzaj aus Scharnebeck die Geschichte der Glocken im Landkreis Lüneburg aufgearbeitet. Er fotografierte in allen Glockentürmen des Landkreises die Klangwerke und katalogisierte sie anschließend. Eine Fülle von Ordnern und Karteikarten, gefüllt mit unzähligen Daten und Bildern, zeugt von seiner mühseligen Arbeit, die er gerne allen Interessierten in Buchform zur Verfügung stellen würde. Seine Recherchen führten ihn nicht nur ins Deutsche Glockenarchiv in Nürnberg, sondern auch ins Archiv des Landeskirchenamtes Hannover oder in sämtliche Pfarrarchive des Landkreises. Eine große Erleichterung für seine Arbeit bedeutete es, dass bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts und nach dem Ersten Weltkrieg der Lüneburger Glockenexperte Hermann Wrede die Glocken in Stadt und Landkreis umfassend untersuchte und seine Ergebnisse veröffentlichte. Aus der Zeit um 1200 stammen die ältesten Glocken, die sich im Landkreis Lüneburg erhalten haben. Bei ihnen handelt es sich um drei romanische Glocken im Bardowicker Dom. Im Gegensatz zu vielen anderen Glocken, haben sie die Kriegsjahre schadlos überstanden und landeten nicht auf dem so genannten \“Glockenfriedhof\“ im Hamburger Freihafen und von dort in der Verhüttung. Denn Glocken, von denen es unter anderem die Kirchenglocken gibt, die in Friedenszeiten die Gläubigen zum Gebet rufen, die Verstorbenen auf ihrem letzten Gang begleiten, zu Weihnachten die christliche Botschaft verkünden und das Neue Jahr einläuten, waren in Kriegszeiten genauso wie Rats-, Stunden-, Pest- und Richtglocken Objekte der Begierde und wurden zerschlagen und eingeschmolzen. Viele kunstvoll gefertigte Glocken gingen somit für immer verloren. Rund 80 000 kirchliche und weltliche Glocken wurden allein im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten vernichtet. Unterteilt wurden die Glocken in sofort einzuschmelzende \“wertlose Glocken\“, oder in Glocken, die einen geschichtlichen, wissenschaftlichen oder Kunst-Wert besaßen, und erst einmal zurückgestellt wurden. Glocken, die der Zerstörung entgingen, konnten nach dem Ende des Krieges wieder zurückgekauft werden. 

Quelle: Kai Werner Lievenbrück, Landeszeitung Lüneburg, 23.12. 2006

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