Konrad von Marburg, die Heilige Elisabeth und der Deutsche Orden

In einer Ausstellung im Hessischen Staatsarchiv in Marburg wird das Leben und Sterben Konrad von Marburgs dargestellt. Der im Juni 1215 erstmals urkundlich erwähnte und am 30. Juli 1233 ermordete Magister Konrad von Marburg gehört zu den schillerndsten Figuren der Geschichte des deutschsprachigen Raumes in der ersten Hälfte des 13. Jh. Er war als Kreuzzugsprediger für seine Sprachgewalt ebenso berühmt wie für seine Rigorosität als Ketzerverfolger berüchtigt. Als er im Frühjahr 1226 zum Beichtvater der Landgräfin Elisabeth von Thüringen bestellt wurde, errang er rasch eine sehr weitgehende Dominanz über die junge Fürstin. Er initiierte nach ihrem Tode im November 1231 ihre Heiligsprechung, sorgte aber auch dafür, dass entgegen Elisabeths letztem Willen ihr Franziskus-Hospital in Marburg nicht an den für seine Krankenpflege berühmten Johanniterorden fiel, sondern an den Deutschen Orden, der auch die zwischen 1235 und 1283 erbaute Elisabethkirche errichtete.

Die Ausstellung zeigt in sieben Vitrinen und auf acht Stellwänden Konrads Werdegang als Kreuzzugsprediger und Ketzerverfolger. Sie illustriert das komplizierte Verhältnis zwischen ihm und seinem Beichtkind Elisabeth. Seine Rolle bei Elisabeths Heiligsprechung wird ebenso beleuchtet wie seine Beteiligung an der Übereignung des Franziskus-Hospitals an den Deutschen Orden. Schließlich wird aufgezeigt, wie der Deutsche Orden das Andenken an Elisabeth bis zum Ende des 16. Jh. pflegte. Ausstellungsleiter Dr. Wolfhard Vahl betont allerdings, dass die Quellenlage verhältnismäßig dürftig ist. Fest steht aber, dass Elisabeth weder selbst Urkunden ausgestellt noch ein eigenes Siegel besessen hat. Aus diesem Grunde steht im Mittelpunkt der Ausstellung die Überlieferung aus dritter Hand. Dazu zählt vor allem die Kurzbiographie Elisabeths von 1226 bis 1231, die Konrad von Marburg 1232 zur Einleitung ihres Heiligsprechungsverfahrens verfasste. Schmuckstück der Ausstellung ist jedoch die Heiligsprechungsurkunde Elisabeths, von denen es insgesamt elf Exemplare gibt. Gezeigt werden unter anderem aber auch Originalurkunden ihres Ehemanns Ludwig IV. aus der Zeit der 20er Jahre des 13. Jahrhunderts sowie zahlreiche Reproduktionen. Die Ausstellung im Hessischen Staatsarchiv in Marburg wird am Mittwoch, 21.2.2007 um 18 Uhr im Landgrafensaal eröffnet und ist bis zum 2.11.2007 zu besichtigen. 

Kontakt
Hessisches Staatsarchiv Marburg,
Friedrichsplatz 15
35037 Marburg 
Tel.: 06421 / 92 50 – 0 
Fax: 06421 / 16 11 25 
poststelle@stama.hessen.de 
www.staatsarchiv-marburg.hessen.de

Quelle: Pressemeldung Hessisches Staatsarchiv Marburg; Susanne Schmidt, Oberhessische Presse, 17.2.2007

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