Ausstellung »Studentenproteste in Berlin 1967/68«

Die jüngere Geschichte der Alternativbewegung reicht zurück in die Mitte der sechziger Jahre. Sie hat ihre Ursprünge in den Aktivitäten des von der SPD 1961 ausgeschlossenen Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS). Er war die Keimzelle der Studentenbewegung, aus der sich wiederum alle weiteren sozialpolitischen Bewegungen und Proteste entwickelten. 

Die studentische Protestbewegung nahm ihren Anfang an der Freien Universität Berlin (FU), von hier breitete sie sich über die gesamte Bundesrepublik aus. Die FU war im bewussten Gegensatz zur als unfrei und undemokratisch bezeichneten Universität Unter den Linden im sowjetisch besetzten Sektor der Stadt als freiheitliche Reformuniversität 1948 gegründet worden. In allen beschlussfassenden Gremien waren die Studenten mit Sitz und Stimme vertreten. Damit unterschied sich die FU grundsätzlich von allen westdeutschen Universitäten. Die Auseinandersetzung um das „Berliner Modell“, das den Studierenden der FU weitgehende Mit- und Selbstbestimmungsrechte einräumte, begann mit dem Studentenkongress gegen die Atomrüstung im Jahre 1959. 

Blick in die Ausstellung Studentenproteste in Berlin 1967/68 (Abb.: Landesarchiv Berlin)

In den folgenden Jahren weitete sich die studentische Protestbewegung weiter aus. Neben dem Widerstand gegen die politische Bevormundung durch das erstarrte Universitätssystem protestierten die Studenten gegen die Ausgrenzung „kritischer“, vor allem marxistischer Denktraditionen, gegen die Verdrängung der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik, gegen den Krieg der USA in Vietnam, gegen die Unterdrückung der Bevölkerung in Persien (Iran) und in anderen Diktaturen, gegen die Große Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und vor allem gegen die Notstandsgesetzgebung. 

In West-Berlin herrschte zu dieser Zeit eine radikale Trennung der Gesellschaft. Einerseits lebten in der Inselstadt Zehntausende junger Zugezogener aus Westdeutschland, die sich auf diese Weise dem Bundeswehrdienst entzogen hatten und die in der anonymen „Frontstadt“ etwas erleben wollten, sowie eine größere Zahl junger Flüchtlinge aus Ost-Berlin und der DDR, wie beispielsweise Rudi Dutschke und Bernd Rabehl, durch die das eher provinzielle Milieu eine erhebliche Belebung erfuhr. Auf der anderen Seite standen die alteingesessenen West-Berliner, die Trümmerzeit, Blockade, Luftbrücke, den Mauerbau erlebt und in all den Jahren dem Kommunismus „widerstanden“ hatten, für die es unerträglich war, dass sich die Proteste der Außerparlamentarischen Opposition (APO) verstärkt gegen eine Schutzmacht der abgeriegelten Stadt – die USA – richteten. 

Die am 13. Dezember 2007 eröffnete Ausstellung des Landesarchivs Berlin „Studentenproteste in Berlin 1967/68“ widmet sich vornehmlich jenen Jahren, die besonders durch den Tod des Studenten Benno Ohnesorg während der Demonstrationen gegen den Schah von Persien am 2. Juni 1967 und durch das Attentat auf den Studentensprecher Rudi Dutschke am 11. April 1968 gekennzeichnet sind. Am Anfang des Jahres 1967 stand zudem die Gründung der Kommune I, die eine neue alternative Lebensform praktizierte, die grundlegende Elemente des bürgerlichen Normen- und Wertesystems in Frage stellte und den Alltag wie auch die zwischenmenschlichen Beziehungen nachhaltig veränderte. Zum Ende des Jahres 1969 löste sich die Kommune I bereits wieder auf, und im Frühjahr 1970 folgte nach wochen- und monatelangen Fraktionskämpfen die bundesweite Selbstauflösung des SDS. Danach begann das Abdriften einzelner SDS-Mitglieder in die so genannten K-Gruppen, in marxistisch-leninistische bzw. maoistische Gruppierungen. Das Frühjahr 1970 wurde zugleich auch die Geburtsstunde der Roten-Armee-Fraktion (RAF). Damit begann ein qualitativ neuer Abschnitt des gewalttätigen Protestes auch gegen Menschen, der zwar aus der studentischen Protestbewegung hervorgegangen war, aber mit ihr nichts mehr gemein hatte. 

Anhand von Flugblättern, Handzetteln und Plakaten der studentischen Gremien, Verbände und der Kommune I sowie von Akten über Gerichtsprozesse gegen Mitglieder der APO beleuchtet die Ausstellung vor allem die Ereignisse am 2. Juni 1967 und um den 11. April 1968 sowie die Proteste der Studenten gegen die verkrusteten Strukturen an den Hochschulen und Universitäten, den Vietnamkrieg und die Notstandsgesetze sowie die Anti-Springer-Kampagne. Bereichert wird die Schau durch Fotografien und einmaliges Filmmaterial zu den Ereignissen der beiden Jahre. 

Info:
Studentenproteste in Berlin 1967/68 
Eine Ausstellung des Landesarchivs Berlin in Zusammenarbeit mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin 

Dauer der Ausstellung: 
14. Dezember 2007 bis 18. April 2008 

Öffnungszeiten: 
Mo + Fr 9.00 – 15.00 Uhr 
Di – Do 9.00 – 18.00 Uhr 

Kontakt:
Landesarchiv Berlin 
Eichborndamm 115-121 
13403 Berlin 
Tel.: 030 – 90264 – 0 
Fax: 030 – 90264 – 201
info@landesarchiv-berlin.de

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