Ende einer Nachkriegs-Odyssee: Halberstädter Urkunden in Lübeck aufgetaucht

Am 22. März 2011 übergab der Leiter des Archivs der Hansestadt Lübeck, Dr. Jan Lokers, sechs Urkunden Halberstädter Provenienz an Frau Prof. Dr. Ulrike Höroldt, Leiterin des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Beide zeigten sich glücklich, dass damit die Odyssee von wertvollen Archivstücken, die am Ende des Zweiten Weltkriegs entfremdet worden waren, ihr Ende gefunden hat.

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Abb.: Die wieder aufgetauchten Halberstädter Urkunden

Die Vorgeschichte der Übergabe ist spannend und zugleich nicht untypisch für die Geschichte der Archive im Zweiten Weltkrieg: 2008 erhielt das Archiv der Hansestadt Lübeck einen Anruf eines betagten Privatmannes in Lübeck-Travemünde, der dem Archiv mehrere mittelalterliche Urkunden kostenlos anbot. Bei der Übergabe stellte es sich heraus, dass es sich tatsächlich um Urkunden aus den Jahren von 1362 bis 1538 handelte. Wie aber kamen diese in Privatbesitz?

Als junger Mann hatte der Anbieter gegen Kriegsende die Stücke von Personen angekauft, die in einer im Salzbergwerk Stassfurt (heute in Sachsen-Anhalt gelegen) untergebrachten Flugzeugwerft arbeiteten. Dorthin waren auch die Unterlagen des Preußischen Provinzialarchivs Magdeburg ausgelagert worden. Auf eine nicht geklärte Weise kamen diese Personen an Urkunden des Provinzialarchivs, wobei aus den Siegeln nach Aussage des Abgebenden zum Teil Kerzen hergestellt worden seien.

Eine längere Nachforschung über Inhalt und Herkunft der Stücke begann, die schließlich damit endete, dass die Urkunden als Teile des Bestands des Stifts Unser Lieben Frauen zu Halberstadt, heute Bestand U 7, des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt, Abt. Magdeburg identifiziert werden konnten. Nach dem Krieg waren diese als fehlend festgestellt worden.

Die Nachricht aus Lübeck über das Auftauchen der verloren geglaubten Urkunden löste in Magdeburg natürlich große Freude aus. Wegen der angespannten Haushaltslage der beiden Archive (auch mit Dienstreisen ist in diesen Zeiten sparsam umzugehen!) konnte ein Austausch erst jetzt stattfinden. Dass Urkunden und Siegel (soweit noch vorhanden) in einem sehr guten Zustand sind, vergrößerte die Freude noch. Das glückliche Ende einer Odyssee!

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Abb.: Prof. Dr. U. Höroldt, Magdeburg, und Dr. Jan Lokers, Lübeck, bei der Übergabe der Urkunden in Lübeck

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