Skandale-Ausstellung im Rathaus Greven

Im zweijährigen Rhythmus schreiben die Körber-Stiftung (Hamburg) und der Bundespräsident einen spannenden Geschichtswettbewerb für Jugendliche aus. Das Thema des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2010/11 hieß "Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte". Dazu haben fünf Schülerinnen des Gymnasium Augustinianum Greven und der Marienschule, Bischöfliches Mädchengymnasium Münster ihre Forschungsarbeiten eingereicht.

Die Themenpalette, die Stefanie Aufderhaar, Franziska Frische, Kathrin Frönd, Lena Knoll und Laura Krebs bearbeitet haben, beleuchtet skandalträchtige Ereignisse aus Greven, Schmedehausen, Ladbergen, Saerbeck und Nordwalde vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur heutigen Zeit. Grund genug, die Leistungen mit einer Ausstellung zu honorieren. Am Dienstag, 24. Mai 2011, wird sie um 17 Uhr im Rathausfoyer durch Bürgermeister Peter Vennemeyer eröffnet. Für das Gymnasium Augustinianum wird Schulleiter Dr. Volker Krobisch ein Grußwort sprechen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

"Wie schon beim Wettbewerb 2008/09 sind fünf Arbeiten eingereicht worden. Das ist ein schönes Ergebnis und vielleicht ein Anreiz, dass am nächsten Wettbewerb 2012/13 noch mehr Jugendliche Interesse zeigen. Da hoffen wir wieder auf Unterstützung durch die Schulen", betonen Dr. Stefan Schröder und Angelika Haves vom Stadtarchiv Greven, die sich neben den Tutorinnen der beiden Schulen als sachkundige Ansprechpartner zur Verfügung gestellt und mit einer Archivführung im vergangenen Herbst erste Anregungen gegeben hatten. Mitte Juli werden die Landessieger aus Nordrhein-Westfalen prämiert. Möglicherweise geht es auch dabei mit Grevener Beteiligung weiter – noch ist alles offen. Im November steht zuletzt noch die Ehrung der Bundessieger durch Bundespräsident Christian Wulff an, der in diesem Wettbewerb die Besten aus bundesweit über 1100 Beiträgen mit rund 3000 Teilnehmern beglückwünscht.

Die Ausstellung kann vom 24. Mai bis zum 17. Juni in den Öffnungszeiten des Rathauses Greven besucht werden.

Kontakt:
Rathaus Greven
Rathausstr. 6
48268 Greven
Telefon: 02571 920-342
Telefax: 02571 920-525
www.greven.net

Quelle: Stadt Greven, Pressemitteilung, 18.5.2011

Der blaue Kobold – Bestandserhaltung. Ein Ratgeber für Verwaltungen, Archive und Bibliotheken

Maria Kobold (Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden) und Jana Moczarski (Institut für Stadtgeschichte Frankfurt/M.) ist ein umfassendes Nachschlagewerk auf dem Gebiet der Bestandserhaltung in Archiven und Bibliotheken gelungen. Sehr schön gestaltet, wird dieses Buch im augenfälligen Querformat ein unverzichtbarer Ratgeber für die alltägliche Arbeit sein. Dass sich eine Archivarin und eine Restauratorin gemeinsam ans Werk gemacht und das Fachwissen beider Berufszweige zusammengeführt haben, trägt gute Früchte in dem außerordentlichen Detailreichtum der vorgestellten Maßnahmen. Doch nicht nur Archive und Bibliotheken sind die Zielgruppen. Die Autorinnen beziehen sich vielmehr auf sämtliche Entstehungs- und Bearbeitungsphasen von Schriftgut und richten sich damit auch an Verwaltungen und Registraturen, denn Bestandserhaltung beginnt bereits präventiv bei der Auswahl geeigneter Materialien und Lagerungsbedingungen im Vorfeld. Andererseits, so heben es Maria Kobold und Jana Moczarski einleitend hervor, erschöpft sich Bestandserhaltung nicht nur in fachgerechter Handhabung und Verpackung von Archivalien, Büchern oder Registraturgut, sondern impliziert als grundlegende Langzeitaufgabe zur Erhaltung unseres Kulturgutes auch die Lagerung und deren ständige Überwachung.

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Abb.: Bestandserhaltung. Ein Ratgeber für Verwaltungen, Archive und Bibliotheken

Die ersten vier Kapitel des Ratgebers Bestandserhaltung befassen sich mit der vorarchivischen und -bibliothekarischen Bearbeitung, der Übernahme und Aufbereitung und schließlich der endgültigen Lagerung und Benutzung von Archiv- und Bibliotheksgut. Drei weitere Kapitel sind der Behandlung von bereits entstandenen Schäden gewidmet, dem Umgang im Leihverkehr und bei Ausstellungen sowie der Notfallvorsorge. Zur einfachen und schnellen Handhabung sind alle sieben Kapitel durch Registermarken am Seitenrand gekennzeichnet. Nach einem Einführungstext in jedem Kapitel fassen Merkkästen die wichtigsten Punkte kurz zusammen, so dass auch der eilige Leser sich schnell orientieren kann.

Danach folgen ausführliche Tabellen. Auch wenn die systematische Gegenüberstellung hier gelegentlich an ihre Grenzen stößt, lassen sich Vor- und Nachteile verschiedener Maßnahmen oder Materialien sowie mögliche Schäden sehr gut nachschlagen. Neben dem Schriftgut in Akten- oder Buchform werden auch alle anderen Archivaliengattungen und Materialien berücksichtigt wie Pergamenturkunden, Siegel, fotografische Materialien, audiovisuelle Medien und digitale Datenträger. Nicht gespart wurde in dem Band mit Illustrationen und Bildern, was zusätzlich zum Blättern einlädt. An der einen oder anderen Stelle werden auf diese Weise Sachverhalte veranschaulicht, die sich eben besser über Bilder erklären.

Sehr hilfreich für Ausstellungen ist z.B. die gezeichnete Anleitung für die einfache Herstellung einer Buchwiege aus Karton. Trifft doch früher oder später jedes Archiv oder jede Bibliothek auf das Problem, dicke Folianten im aufgeschlagenen Zustand lesbar und dennoch schonend in Ausstellungsvitrinen präsentieren zu wollen! Wie elegant und unauffällig diese Lösung sein kann, zeigen Fotos in dem Kapitel. Darüber hinaus hält die Veröffentlichung Musterverträge und -formulare bereit, so zur Benutzung, Archivalienausleihe oder für die Vereinbarung eines Notfallverbundes.

Dass dieses Buch sich als Ratgeber für die alltägliche Praxis bewähren wird, haben die Kolleginnen mit der ansprechenden und sehr übersichtlichen Gestaltung erreicht. Und mehr noch, auch der Anspruch, sich an weniger geschulte Mitarbeiter in kleineren und mittleren Kommunalarchiven und Bibliotheken zu wenden, lässt sich sicherlich erfüllen, denn über ein ausführliches Glossar am Ende des Buches erklären sich viele Fachbegriffe.

Die beiden Autorinnen haben ein grundlegendes Werk verfasst. „Der blaue Kobold“, wie das Buch im Gespräch unter Kollegen bereits getauft wurde, dürfte in Zukunft in keinem Handapparat von Archivaren und Bibliothekaren fehlen. In ihrem Fazit betonen die Autorinnen, dass vielfach weit reichende und teure Schäden an Büchern und Archivalien bereits durch entsprechende Fachkenntnisse der präventiven Konservierung und deren Anwendung vermieden werden könnten. Dies sollte, wenn man die Empfehlungen von Maria Kobold und Jana Moczarski beherzigt, wohl gelingen!

Info:
Maria Kobold und Jana Moczarski: Bestandserhaltung. Ein Ratgeber für Verwaltungen, Archive und Bibliotheken, Herausgeber: Kreisarchiv Hochtaunuskreis, Bad Homburg v.d. Höhe, Archivberatungsstelle Hessen, Darmstadt und Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main, Vertrieb: Hessische Historische Kommission, Darmstadt; 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-88443-058-3, 252 S.

Ingrun Osterfinke (Landeskirchliches Archiv Bielefeld)

Einblick ins Stadtarchiv Gronau

Das vor 20 Jahren in städtischer Regie neu eröffnete Stadtarchiv Gronau hat sich im Laufe der zwei Jahrzehnte zur ersten Adresse für die Geschichte der Stadt entwickelt. Anlass genug, nach zwanzig Jahren eine Bestandsaufnahme der historischen Überlieferung des Stadtarchivs vorzunehmen.

Darum lädt das Stadtarchiv Gronau seine Nutzer und lokalhistorisch Interessierte ein, sich einen Überblick über die Bestände und die Arbeit des Stadtarchivs zu verschaffen. Anhand einer Führung durch die Magazine, der Begutachtung ausgesuchter Dokumente und eines Vortrags über die Aufgaben des Stadtarchivs soll erläutert und anschließend beraten werden, welche Möglichkeiten und Perspektiven die archivische Überlieferung Gronaus der lokalhistorischen Forschung heute bietet.

Die gebührenfreie Veranstaltung findet statt am Dienstag, 17. Mai 2011 um 16.30 Uhr im Stadtarchiv Gronau.

Anmeldungen nimmt die Euregio-Volkshochschule unter der Rufnummer 02562/12-666 oder über das Internet www.vhs-gronau.de entgegen.

Quelle: Stadt Gronau, Pressemitteilung, 13.5.2011

Historische Standesamtsregister jetzt im Stadtarchiv Peine einsehbar

Am 1. Januar 2009 ist bundesweit das neu gestaltete Personenstandsgesetz in Kraft getreten, das grundlegende Veränderungen mit sich gebracht hat (Link). Das Schriftgut aus der Registratur der Standesämter in Niedersachsen wurde nach Ablauf der gesetzlichen Fristen Archivgut und wanderte aus dem Bereich der Standesämter in die Zuständigkeit der Archive.

Seit 1874 wurden Geburten, Sterbefälle und Eheschließungen vom Standesamt am Ort des Ereignisses beurkundet und aufbewahrt. Das neue Personenstandsrecht regelt nun die Abgabe der Bücher nach Ablauf bestimmter Fristen an die zuständigen Archive: Für die Geburtsregister gilt eine Frist von 110 Jahren, für die Eheregister von 80 Jahren und für die Sterberegister von 30 Jahren.

289 Bücher hat nun auch das Stadtarchiv Peine in diesem Zusammenhang jetzt insgesamt mit den dazugehörigen Namensverzeichnissen übernommen; folgende für die Familienforschung maßgebliche Quellen sind jetzt im Stadtarchiv einsehbar:

40 Bände Geburtsregister 1874-1900
79 Bände Heiratsregister 1874-1930
170 Bände Sterberegister 1874-1980

Zukünftig werden jährlich die Folgebände, deren Aufbewahrungsfristen abgelaufen sind, an das Stadtarchiv Peine übergeben.

Alle Registerbände können nach dem Niedersächsischen Archivgesetz ab sofort im Stadtarchiv für Recherchen genutzt und während der Öffnungszeiten persönlich im Benutzerrraum des Stadtarchivs eingesehen werden. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Für die die persönliche Benutzung der Standesamtsunterlagen sind 5,50 Euro pro Tag zu entrichten.

Es werden auch Auskünfte erteilt. Die dafür zu erhebenden Gebühren richten sich nach der Entgeltordnung des Stadtarchivs: Schriftliche Auskünfte aus Unterlagen des Archivs werden nach dem Zeitaufwand berechnet und kosten 16,00 Euro je angefangene halbe Stunde. Fotokopien werden angefertigt, sofern der Erhaltungszustand der Originale es zulässt. Eine DIN A 4 Kopie kostet 0,10 € und eine DIN A 3 Kopie 0,60 €.

Öffnungszeiten:
Mo, Di, Mi, Fr: 08.30 – 12.00 Uhr; Do: 14.00 – 18.00 Uhr

Kontakt:
Stadtarchiv Peine
Windmühlenwall 26
31224 Peine
Tel.: 05171 / 49538
Fax: 05171/49-390
stadtarchiv@stadt-peine.de

Quelle: Stadt Peine, Pressemitteilung, 13.5.2011

Bilder eines an Demenz erkrankten Künstlers im kirchlich-diakonischen Archivzentrum Bielefeld

Vom 6. bis zum 29. Mai 2011 zeigen das Landeskirchliche Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen und das Hauptarchiv der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel die Wanderausstellung „Ich will Freiheit beim Malen!“ mit Bildern des an Demenz erkrankten Künstlers Eberhard Warns (1927-2007). Die Ausstellung ist in den Archiven am Bethelplatz, im kirchlich-diakonischen Archivzentrum, zu sehen.

Eberhard Warns war Pfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen. Nach beruflichen Aufgaben als Gemeinde-, Schul- und Studentenpfarrer war er von 1980 bis 1989 Leiter der Westfälischen Diakonenanstalt Nazareth und im Vorstand der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. 1927 in Wassenberg im Rheinland geboren, wuchs er seit 1930 in Gütersloh auf, besuchte dort die Schule und wurde als 17-jähriger junger Mann als Soldat in den Zweiten Weltkrieg eingezogen. Erst 1947 konnte er Abitur machen, dann folgte das Theologiestudium. Seine erste berufliche Station führte ihn nach Wetter an der Ruhr, dann war er langjährig als Landeswart der Schülerbibelkreise tätig, später wurde er Gemeindepfarrer in Soest. Als Studentenpfarrer und Religionslehrer am Gymnasium hatte er sich besonders der Pädagogik verpflichtet gefühlt. Seine letzte berufliche Station führte ihn schließlich nach Bethel, als Leiter der Diakonenanstalt Nazareth und Mitglied im Vorstand der heutigen v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Im Ruhestand blieb er zusammen mit seiner Ehefrau in Bielefeld wohnen; hier entstanden auch die Bilder, die in der Ausstellung zu sehen sind. Im Jahr 2007 verstarb Eberhard Warns. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof in Bethel.

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Abb.: Else Natalie Warns, dieWitwe des Künstlers, vor einem Bild ihres Mannes bei der Ausstellungseröffnung in Bethel am 6. Mai (Foto: Paul Schulz/Bethel)

Sein umfangreicher Nachlass mit persönlichen Briefe, Fotos, Alben und Familiendokumenten wird im Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen verwahrt. Neben den Bildern von Eberhard Warns werden in der Ausstellung auch Dokumente und Objekte, die v.a. aus den 1940er Jahren stammen, aus seinem Nachlass gezeigt.

Schon kurz nach seinem Ruhestand erleidet Eberhard Warns im Jahr 1990 einen ersten Schlaganfall; seit 1993 machen sich Verhaltensauffälligkeiten und Gedächtnisverlust bemerkbar, zunehmend verliert er das Gespür für Raum und Zeit. Die Anzeichen seiner demenziellen Erkrankung werden immer deutlicher sichtbar: Wahnvorstellungen, Weglaufen, große Unruhe, ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus, er verliert zeitweise seine Sprachfähigkeit. Eberhard Warns bleibt jedoch aktiv. Mit Unterstützung seiner Ehefrau nimmt er weiterhin an Tagungen und Kongressen teil, veröffentlicht, etwa zum Bibliodrama, ein Themenbereich, in dem er und seine Frau sich einen Namen gemacht haben. Nach einer schweren Hirnblutung im Stammhirn im Jahr 2003 entstehen die Bilder, die in der Ausstellung zu sehen sind. Bereits früher, vor allem in den Ferien, hatte Warns gemalt, meistens Landschaften mit gegenständlichen Darstellungen. Daran will seine Frau anknüpfen. Sie regt ihn zum Malen an, allerdings wie aus seinem vorherigen künstlerischen Schaffen gewohnt, zunächst in kleinen Formaten. Nach seinem nächtlichen Ausruf „Ich will Freiheit beim Malen!“ entstehen seine abstrakten, meist sehr großformatigen Werke.

Gegenläufig zu seiner immer mehr voranschreitenden Krankheit entfaltet Eberhard Warns seine künstlerische Ausdrucksfähigkeit immer weiter und entwickelt ein enormes Potential. Während er unter schwerer Unruhe, Wutausbrüchen und Warnvorstellungen leidet, immer orientierungsloser wird und häufig wegläuft, erlebt er an der Staffelei eine innere Freiheit, wird ein ausdrucksfähiger Mensch und findet zu einer sonst kaum mehr vorhandenen körperlichen Energie und Konzentrationsfähigkeit.

In der Künstlerhaus Lydda in Bethel erfährt Warns professionelle Anleitung bei seiner künstlerischen Gestaltung. Er kann seine Begabung immer weiter fortentwickeln und findet neue künstlerische Ausdrucksformen. Das Malen begleitet ihn stets, ob in der Tagespflege, in der Psychiatrie, im Pflegeheim oder bei der Pflege im häuslichen Umfeld.

Die Bilder in der Ausstellung zeigen sieben verschiedene Formate, in denen Eberhard Warns gemalt hat. Häufig entstanden großformatige Bilder im Ausmaß 100×140 cm, mit formatfüllenden Kompositionen. Kräftige Pinselstriche aus Acrylfarben, feine Linien, oft mit Ölpastellkreise, kennzeichnen viele seiner Werke. Hell-dunkel Kontraste dominieren. In seinen Bildern drücken sich Stationen seines Lebens aus: seine Beziehung zu seiner Frau und seiner Familie. Aber auch traumatische Erlebnisse während des Nationalsozialismus und der Kriegszeit als junger Soldat leiten ihn bei seiner Malerei. Hierzu werden in der Ausstellung ergänzende Dokumente aus seinem Nachlass gezeigt. Die Botschaft seiner Bilder wird von vielen Betrachtern ähnlich wahrgenommen.

Else Natalie Warns (geboren 1930) initiierte noch zu Lebzeiten ihres Mannes eine erste Ausstellung. Als Theaterpädagogin selbst mit künstlerischen Ausdrucksformen bestens vertraut, hat sie die Malerei ihres Mannes stets gefördert und ihn ermutigt. Seit der ersten Ausstellung 2004 wurden die Bilder von Eberhard Warns an vielen Orten im In- und Ausland gezeigt.

Else Natalie Warns hat ihren Mann über die vielen Jahre seiner Demenz stets begleitet und gepflegt, unterstützt von ihren vier Kindern und deren Familien. Mit der Ausstellung möchte sie zur Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz anregen und all denen Mut und Hoffnung machen, die privat oder beruflich mit Menschen mit demenziellen Erkrankungen zu tun haben. Ihr Ehemann hat mit der Malerei einen Weg gefunden, trotz der schweren Erkrankung ein positives Lebensgefühl zu behalten und eine neue Ausdrucksform für seine Persönlichkeit zu finden. Sein künstlerisches Schaffen hat ihm geholfen sein Selbstwertgefühl zu behalten und mit seiner Krankheit umzugehen. Der Ehefrau, seiner Familie und seinen Freunden hat die Malerei eine neue Möglichkeit zur Kommunikation eröffnet – wegen des Sprachverlustes auch ohne Worte, im nonverbalen Austausch.

Die Ausstellungseröffnung am 6. Mai in Bethel wurde vorgenommen von Pastor Bernward Wolf (stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Bethel), Kerstin Stockhecke (Leiterin des Bethel-Archivs), Dr. Jens Murken (Leiter des Landeskirchlichen Archivs), Else Natalie Warns (Witwe des Künstlers) und Jürgen Heinrich vom Künstlerhaus Lydda in Bethel.

Ausstellungstitel
Eberhard Warns: „Ich will Freiheit beim Malen!“ Bilder eines an Demenz erkrankten Künstlers

Ausstellungsort
Archive am Bethelplatz
– Hauptarchiv der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel
– Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen
Bethelplatz 2
33617 Bielefeld
Telefon: 0521/144-3506

Ausstellungszeitraum
6. bis 29. Mai 2011

Öffnungszeiten
Mo-Fr 9.00-16.00 Uhr. Zum Abschluss ist die Ausstellung auch am Wochenende geöffnet: Samstag, 28. Mai von 9.30-17.00 Uhr und Sonntag, 29. Mai von 12.00-16.00 Uhr.

Jasskarten aus dem 16. Jahrhundert im Staatsarchiv Nidwalden entdeckt

Während der routinemäßigen Restaurierung eines Gerichtsprotokolls aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts fand die Restauratorin, die im Auftrag des Staatsarchivs Nidwalden arbeitet, ein fast vollständiges und gut erhaltenes Spiel mit 500-jährigen Jasskarten. Die Jasskarten waren in den Buchdeckeln versteckt und dienten der Verstärkung des Einbandes. Funde von mittelalterlichen Jasskarten sind selten. Die ersten Erwähnungen von Kartenspielen in der Schweiz stammen aus dem 14. Jahrhundert. Aus dem 16. Jahrhundert sind nur wenige Jasskarten überliefert.

Die Jasskarten wurden in einem Protokollband des Nidwaldner Elfergerichts gefunden. Der Protokollband umfasst Gerichtsurteile aus den Jahren 1528 bis 1535 und ist somit der älteste Band des Elfergerichts und das älteste Protokoll einer Nidwaldner Kantonsbehörde.

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Es ist nicht unüblich, dass in mittelalterlichen Buchdeckeln spannende Funde gemacht werden. Bis in die frühe Neuzeit war Papier selten und teuer. Die Buchbinder verwendeten zur Herstellung neuer Buchdeckel oft alte, nicht mehr benötigte Schrift- und Papierstücke wieder. Die Buchdeckel können so Fragmente mittelalterlicher Urkunden, Blätter aus handgeschriebenen Bibeln oder eben Spielkarten enthalten.

Die Spielkarten gelangten wahrscheinlich bereits bei der Herstellung des Protokollbandes in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in den Buchdeckel. Vielleicht wurde der Band auch später, im Verlauf des 16. oder zu Beginn des 17. Jahrhunderts, neu gebunden und mit einem neuen Deckel versehen.

Das Bild der entdeckten Spielkarten passt ins 16. Jahrhundert. Es ist vom so genannten "Basler Typ". Damals wurden in Basel Spielkarten massenhaft hergestellt und in den deutschen Sprachraum exportiert. So ist auf einigen der Spielkarten, auf der Schilten-Farbe, das Basler Wappen zu erkennen.

Jassen hat in Nidwalden eine lange und lebendige Tradition. Erstmals wird das Tarockspiel – in Nidwalden "Troggen" genannt – 1572 erwähnt. Dies ist die älteste Erwähnung des Spiels in der Schweiz. Die Landsgemeinde erlaubte damals ausdrücklich drei Kartenspiele: "Die nachfolgend dry Spil als namlichen Trogen, Muntern und Keyssern, die sindt erloupt". Kaiseren wird in Nidwalden heute noch gespielt, und jährlich finden Kaisermeisterschaften statt.

Auch Jassverbote haben eine lange Tradition. Nicht zufällig wurden 1572 drei Spiele vom allgemeinen Verbot ausgenommen. Während Jahrhunderten versuchte die Obrigkeit wenig erfolgreich das als lasterhaft geltende Kartenspielen, das mit Trunk- und Spielsucht verbunden wurde, zu verbieten.

Unter diesem Gesichtspunkt mutet es wie eine Ironie der Geschichte an, dass die ältesten erhaltenen Jasskarten der Innerschweiz ausgerechnet für den Einband eines Gerichtsprotokolls verwendet wurden – und dort nach fast 500 Jahren wieder auftauchen.

Kontakt:
Staatsarchiv Nidwalden
Stansstaderstrasse 54
6371 Stans
Telefon: 041 618 51 51
Telefax: 041 618 51 55
staatsarchiv@nw.ch
www.staatsarchiv.nw.ch

Quelle: Kanton Nidwalden, Amtsmitteilung, 10.5.2011

Archivführer Schleswig-Holstein

Jetzt liegt er vor, der lang erwartete Archivführer Schleswig-Holstein. Für alle, die historisch arbeiten oder Familienforschung betreiben, ist dieses Nachschlagewerk ein unverzichtbares Hilfsmittel. Die Herausgebenden präsentieren es am 31. Mai 2011 um 19.00 Uhr im Landeshaus in Kiel. Gast der Buchvorstellung ist der bekannte Historiker und Krimiautor Christian v. Ditfurth. Er spricht über seine erfolgreiche Arbeit in Archiven und liest aus seinem neuesten Stachelmann-Krimi, bei dem es um einen Mord im Archiv geht. Der Eintritt ist frei.

In Archiven kennt sich der in Schleswig-Holstein lebende Schriftsteller und Journalist Christian v. Ditfurth aus: Für den Historiker und Sachbuchautor gehört das Arbeiten in Archiven zu seinem Handwerkszeug. In seinen Romanen aber wird die Geschichte durch die Recherche im Archiv zum Thriller: Das Archiv wird zum Tatort, der Historiker zum Detektiv. Und in den Magazinen der Archive findet sich der Schlüssel zum Verbrechen. So macht v. Ditfurths ermittelnder Historiker Stachelmann die Erfahrung, dass die Vergangenheit in der Gegenwart fortlebt.

Das 500 Seiten umfassende Archivverzeichnis stellt erstmals rund 150 amtliche und öffentlich zugängliche Archive der Kommunen, der Kirchen und des Landes Schleswig-Holstein sowie einiger privater Träger mit einer Übersicht der jeweiligen Bestände dar. Das ansprechend gestaltete Nachschlagewerk bietet einen aktuellen Überblick, wo überall in unserem Land Archive zu finden sind, und gibt darüber hinaus wertvolle Informationen über die Benutzungsmöglichkeiten und die technische Ausstattung der Archive. Zugleich werden wichtige Hinweise zum Zuständigkeitsbereich bereitgestellt. Herausgeber sind das Landesarchiv Schleswig-Holstein, der Verband schleswig-holsteinischer Kommunalarchivarinnen und -archivare (VKA) sowie das Nordelbische Kirchenarchiv. Das Buch wird als hochwertige Printausgabe und zugleich professionell aufbereitet zur Ansicht und zum kostenlosen Download im Internet bereitgestellt.

Archive sind das öffentliche Gedächtnis unseres Landes. Sie bewahren wohlgeordnet und sinnvoll erschlossen das schriftliche und bildliche Rechts- und Kulturgut über Jahrhunderte. So ermöglichen sie den Rückgriff auf Vergangenes und sorgen für die Sicherung des Gegenwärtigen für die Zukunft. Archive bieten Rechtssicherheit für die Bürgerinnen und Bürger wie für die Behörden und Ämter in Schleswig-Holstein.

Info:
Archivführer Schleswig-Holstein. Archive und ihre Bestände (Veröffentlichungen des Landesarchivs Schleswig-Holstein 100). Hamburg: Hamburg University Press, 2011. 503 S. 34,80 € ISBN 978-3-937816-83-8. Im Buchhandel erhältlich.
Kostenfrei im Internet: http://hup.sub.uni-hamburg.de/purl/HamburgUP_LASH_100_Archivfuehrer

Für Rückfragen steht der Leiter des Landesarchivs, Prof. Dr. Rainer Hering, gern zur Verfügung: Tel. 04621 8618-37
Landesarchiv Schleswig-Holstein
Prinzenpalais
24837 Schleswig

Quelle: Landesarchiv Schleswig-Holstein, Meldung.

Amtseinführung des neuen Präsidenten des Bundesarchivs

Am 3. Mai 2011 führte Staatsminister Bernd Neumann, MdB, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, den neuen Präsidenten des Bundesarchivs, Dr. Michael Hollmann, in sein Amt ein. Neumann begrüßte die geladenen Gäste aus Verwaltung, Justiz und Wissenschaft sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesarchivs. Er betonte, dass das Bundesarchiv als „Gedächtnis unseres Staates“ national wie international hohes Ansehen genießt. Die Erhaltung des Archivguts sei eine unverzichtbare gesamtstaatliche Dienstleistung und eine Investition in die Zukunft. Gerade im digitalen Zeitalter mit seinen flüchtigen Informationen sehe er in der Arbeit des Bundesarchivs einen stabilisierenden und qualitätssichernden Faktor.

Der Kulturstaatsminister hob hervor, dass Dr. Michael Hollmann nach langjähriger Dienstzeit in verschiedenen Abteilungen des Bundesarchivs das Haus kenne wie kaum ein anderer. Seine fachliche und menschliche Kompetenz qualifiziere ihn in bester Weise für die neue Funktion. Er übernehme von seinem Amtsvorgänger, Prof. Dr. Hartmut Weber, der das Bundesarchiv ins digitale Zeitalter geführt habe, ein gut bestelltes Haus mit exzellentem Ruf. Dr. Michael Hollmann ist Nachfolger von Prof. Dr. Hartmut Weber, der nach über elfjähriger Amtszeit als Präsident des Bundesarchivs am 31. März 2011 in den Ruhestand getreten war.

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Abb.: Bundesarchivpräsident Dr. Michael Hollmann und Kulturstaatsminister Bernd Neumann, MdB (Foto: Bundesarchiv)

Das Bundesarchiv stehe nunmehr vor neuen Aufgaben und Herausforderungen: Neben der geplanten Übernahme der Deutschen Dienststelle (WASt) solle die institutionelle Zusammenarbeit mit dem Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen verstärkt werden. Gegen Ende des Jahrzehnts komme außerdem die Integration der Stasi-Unterlagenbehörde (BStU) auf das Bundesarchiv zu. Darüber hinaus solle das Bundesarchivgesetz noch in dieser Legislaturperiode novelliert werden, um es mit dem Informationsfreiheitsgesetz zu harmonisieren. Erklärtes Ziel sei zudem, dass das Bundesarchiv mit der zentralen Pflichtregistrierung deutscher Filme betraut werde. Dies sei ein erster notwendiger Schritt, um die Sicherung des nationalen Filmerbes dauerhaft zu verbessern. Er verbinde die Ernennung von Dr. Michael Hollmann zum Präsidenten des Bundesarchivs mit der Gewissheit, dass das Bundesarchiv all diese Aufgaben meistern werde.

Dr. Michael Hollmann dankte dem Staatsminister für das hiermit erwiesene Vertrauen. Für ihn gehe nun ein beruflicher Traum in Erfüllung. Er freue sich auf eine konstruktive Zusammenarbeit in den kommenden Jahren. Er bedankte sich bei seinen Lehrern, Freunden und Fachkollegen, die ihn bisher unterstützt, gefördert und kritisch begleitet hätten. Insbesondere würdigte er die Leistungen seiner drei Amtsvorgänger, Prof. Dr. Hans Booms, Prof. Dr. Friedrich P. Kahlenberg und Prof. Dr. Hartmut Weber, die er während seiner eigenen Dienstzeit erlebt habe. Er wolle an einer weiteren Integration und Konsolidierung des Bundesarchivs als unerlässliche Voraussetzung für die Übernahme neuer Aufgaben arbeiten. Dabei dürfe die Bewahrung von Archivgut kein Selbstzweck bleiben; alle archivische Arbeit müsse auf die Benutzung hin orientiert sein. Der neue Präsident stellte die Kollegialität, Kompetenz und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter des Bundesarchivs heraus. Unter dem Leitgedanken „Wir im Bundesarchiv“, wie eine frühere Zeitungsartikelserie titelte, habe er die begründete Hoffnung, dass man die bevorstehenden Herausforderungen als Team angehen und erfolgreich bewältigen werde.

Dr. Michael Diefenbacher, Vorsitzender des VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare, überbrachte die besten Grüße und Wünsche des Berufsverbandes an den „neuen Kapitän des archivischen Flaggschiffs“. Die hohen Qualitätsstandards und Innovationen des Bundesarchivs strahlten weit in die Archivlandschaft aus. Er wünsche sich, dass das Bundesarchiv auch weiterhin eine tragende Rolle in der archivischen Diskussion und bei der Vertretung archivischer Belange gegenüber Politik und Gesellschaft spiele.

Abschließend hieß Lothar Pies, Vorsitzender des Personalrats beim Bundesarchiv, Herrn Hollmann im Namen der Belegschaft als neuen Präsidenten willkommen. Man habe einander in langjähriger Zusammenarbeit kennen und schätzen gelernt. Er freue sich auf künftige konstruktive Gespräche. Bei dem anschließenden Empfang in der Hauptdienststelle in Koblenz hatten die Gäste Gelegenheit, das Bundesarchiv sowie seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter näher kennenzulernen. Die Feier zur Amtseinführung wurde durch die Big Band des Koblenzer Görres-Gymnasiums unter der Leitung von Marc Willeke musikalisch umrahmt.

Kontakt:
Präsident des Bundesarchivs
Dr. Michael Hollmann
Potsdamer Straße 1
56075 Koblenz
Tel.: +49 261 505-0
Fax: +49 261 505-226
poststelle@bundesarchiv.de
www.bundesarchiv.de

Quelle: Bundesarchiv, Pressemeldung, 6.5.2011

XI. Lieferung Westfälischer Städteatlas – Stadtmappe Freudenberg wird vorgestellt

Der Westfälische Städteatlas ist Teil eines gesamteuropäischen Vorhabens der Internationalen Kommission für Städtegeschichte. Veröffentlicht wird er durch die Historische Kommission für Westfalen im Landschaftsverband Westfalen-Lippe und das Institut für vergleichende Städtegeschichte in Münster. Auf der Grundlage gemeinsamer Kriterien ist es das Ziel dieses Atlaswerkes, sämtliche Städte des heutigen Westfalen (Regierungsbezirke Arnsberg, Detmold, Münster), die um 1828 den Rechtscharakter einer Stadt, eines Marktes, einer Freiheit etc. hatten, vollständig zu erfassen. Dies geschieht durch eine Kombination von bislang unveröffentlichten Quellen, historischen, aktuellen und thematischen Karten und einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der Stadtgeschichte auf der Grundlage des neuesten Forschungsstandes.

Bisher sind 80 Städte erschienen. Die vorliegende 11. Lieferung beinhaltet die Städte Freudenberg, Horneburg (Datteln), Preußisch Oldendorf, Sundern mit Allendorf, Endorf, Hachen, Hagen und Langscheid und Wattenscheid (Bochum). Jede Stadtmappe enthält eine Reihe neu gezeichneter Karten: In erster Linie handelt sich dabei um die Urkatasterkarte der Stadt aus dem 1. Drittel des 19. Jahrhunderts (1:2500), eine zeitgleiche historische Karte ihres Umlands (1:25000) und eine moderne Stadtkarte (1:5000). Um ein dreidimensionales Bild der Stadt zu vermitteln, wird das Kartenmaterial durch alte Stadtansichten, Pläne und Luftbilder ergänzt. Zu diesem Materialkanon gehört eine zusammenfassende Darstellung der Stadtgeschichte. Neben der verfassungs-, sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklung der Stadt z. T. bis in die jüngste Vergangenheit wird darin vor allem das räumliche Wachstum der Stadt rekonstruiert, dessen Phasen auch in einer besonderen Karte farbig dargestellt werden. Der Textteil wird durch Kartenausschnitte, Zeichnungen und Fotos illustriert.

Mit Freudenberg wurde jetzt eine Atlasmappe vorgelegt, die das Thema Protoindustrialisierung aufgreift und kartographisch umsetzt. Vor 1806 gehörte die Stadt zur Grafschaft Nassau-Siegen und sicherte die Straße von Köln nach Siegen. Andreas Bingener, der bereits die Stadtmappe Siegen bearbeitet hat, hat als ausgewiesener Experte seine vielseitigen Ergebnisse zur Freudenberger Stadtgeschichte ebenso wie seine Kenntnisse zur vorindustriellen Entwicklung des Bergbaus und des Gewerbes in diesem Raum eingebracht. Die Mitherausgeberin Cornelia Kneppe übernahm die Erstellung der Wachstumsphasenkarte, die neue, wissenschaftlich fundierte Vorschläge zur Stadtentwicklung macht. Denn die Entwicklung der nassauischen Burgstadt war bisher bedingt durch verschiedene Brandkatastrophen und Ortsverlagerung weitgehend ungeklärt. Von großer Bedeutung für die Geschichte der Stadt und deshalb auf einer besonderen Tafel thematisiert ist die Entwicklung des vorindustriellen, auf dem Wasser- und Holzreichtum des Freudenberger Raumes basierenden Eisen gewinnenden und verarbeitenden Gewerbes, das Mitte des 19. Jahrhunderts von der Gerberei abgelöst wurde. Dabei wurde zum ersten Mal die Ausdehnung der nur für das Siegerland überlieferten einzigartigen Hauberge kartiert – einer seit dem 15. Jahrhundert bis heute genossenschaftlich ausgeübten Form einer multifunktionalen Waldbewirtschaftung.

Info:
Westfälischer Städteatlas, XI. Lieferung, herausgegeben von der Historischen Kommission für Westfalen und dem Institut für vergleichende Städtegeschichte durch Cornelia Kneppe und Mechthild Siekmann, Altenbeken: GSV Städteatlas Verlag 2010.

Termin:
XI. Lieferung Westfälischer Städteatlas – Stadtmappe Freudenberg wird vorgestellt
Die Stadt Freudenberg lädt zur Präsentation der Stadtmappe Freudenberg im Westfälischen Städteatlas am 14. Mai 2011, um 11 Uhr, in das Rathaus Freudenberg, Mórer Platz 1, Ratssaal, ein.

Programm:

  • Begrüßung durch den Bürgermeister Eckhard Günther
  • Westfälischer Städteatlas – Aufgaben, Ziele, Perspektiven
    Prof. Dr. Werner Freitag, Institut für vergleichende Städtegeschichte
  • Freudenberg – ein geschichtlicher Abriss auf Grundlage der Karten des Westfälischen Städteatlas
    Dr. Andreas Bingener, Autor der Stadtmappe

Kontakt:

Historische Kommission für Westfalen
Geschäftsstelle: Salzstr. 38 / Erbdrostenhof
48143 Münster
Tel.: 0251/ 591-4720
Fax : 0251/ 591-5871
eMail: hiko@lwl.org
www.historische-kommission.lwl.org

Institut für vergleichende Städtegeschichte
Königsstr. 46
48143 Münster
Tel.: 0251/ 83-27512
Fax : 0251/ 83-27535
eMail: istg@uni-muenster.de
www.uni-muenster.de/staedtegeschichte

GSV Städteatlas Verlag
Driburger Straße 45
33184 Altenbeken
Tel.: 05255/ 7373
Fax: 05255/ 7375
eMail: atlas@stadtgeschichte.de
www.stadtgeschichte.de

Womit Hansekaufleute zahlten. Lübecks Münzschätze online

Wer ist auf der Münze unten der etwas grimmig dreinblickende Herr mit dem spitzen Kinn und der prägnanten Nase? Nicht nur diese Frage kann man ab sofort über die online-Münzdatenbank des Archivs der Hansestadt Lübeck beantworten.

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Nach mehreren Jahren Vorarbeit ist es nun soweit: Das Stadtarchiv Lübeck hat seinen online-Auftritt um die Münzen erweitert und macht damit rund 3.000 Kupfer-, Silber- und Goldmünzen für jedermann zugänglich. Viele von ihnen kann man sich jetzt bildlich nach Hause holen und am Bildschirm in allen Einzelheiten betrachten. Und: Zu jeder Münze gibt es exakte Angaben über Größe, Gewicht, Material und weitere genaue numismatische (münzkundliche) Hintergrundinformationen.

Unter den 3.000 Münzen sind filigrane Schönheiten, die in einmaliger Weise die hervorragende Bedeutung Lübecks als Handels- und Wirtschaftsmacht zeigen. Lübeck hat über Jahrhunderte Münzen von unterschiedlichstem Wert und Aussehen geprägt. Die Stadt besaß seit 1226 das vom Kaiser verliehene Recht, Münzen zu prägen, und sie hat davon auch fleißig Gebrauch gemacht. Fast 600 Jahre lang prägte Lübeck auf der Basis dieses Rechts und als freie Reichsstadt ungefähr 39 verschiedene Münzsorten (Nominale) aus.

Das Archiv der Hansestadt Lübeck (AHL) verwahrt eine weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte, jedoch bis dahin weitgehend ungeordnete Münzsammlung. Der Lübecker Münzexperte Dr. Dieter Dummler, Kieferorthopäde im Ruhestand, hat in den letzten vier Jahren in Detektivarbeit diesen Zustand beendet und jede Münze des Archivs bestimmt, eingeordnet und beschrieben. Die Beschäftigung mit der Münzgeschichte (Numismatik) ist ein langjähriges Steckenpferd von Dieter Dummler: Er gilt nicht nur in wissenschaftlichen Kreisen als ausgewiesener Kenner der Numismatik, der mit Begeisterung von „seinen“ Münzen zu erzählen weiß.

Die städtische Münzsammlung hat eine wechselvolle Geschichte. Ihren Grundstock legte der Kaufmann Ludolph Heinrich Müller (1720-1788), der seine Sammlung 1788 dem Rat der Stadt vermachte. Wie die meisten Archivalien der Stadt wurde auch die Münzsammlung im Zweiten Weltkrieg ausgelagert; nach 1945 konnten leider nur ca. 15 % durch Kauf zurück nach Lübeck geholt werden.

Besonders empfindliche Verluste erlitt die Sammlung während der Auslagerung insbesondere bei den Goldmünzen. Heute muss davon ausgegangen werden, dass bedeutende Teile der Lübecker Sammlung durch widerrechtliches Einschmelzen unwiederbringlich verloren gegangen sind. Erst allmählich konnte die Münzsammlung seit den 1950er Jahren wieder neu aufgebaut werden. Eine Bereicherung erfuhr der Rumpfbestand unter anderem durch die Münz- und Medaillenbestände des Museums für Kunst und Kulturgeschichte sowie durch Ankäufe und Schenkungen.

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Abb. 1: Münzen herzustellen war vor dem 19. Jahrhundert reine Handarbeit, hier eine Münzwerkstatt, in dem mit Hammer und Prägestempel gearbeitet wird.

Wer ist nun, wie oben gefragt, der Herr mit Spitzbart, Mantel und Barett? Es ist Lübecks Stadtherr, Kaiser Karl V. (1500-1558), auf einem vergoldeten Taler von 1538!

Info:
Freischaltung der neuen Datenbank am Mittwoch, 11. Mai 2011, 18.30, im Lesesaal des Archivs der Hansestadt Lübeck, Mühlendamm 1-3, 23552 Lübeck, im Rahmen eines öffentlichen Vortrags von Dr. Dieter Dummler, Lübeck, zum Thema "Das Geld und die Zeit"

Kontakt:
Archiv der Hansestadt Lübeck
Dr. Jan Lokers
Mühlendamm 1-3 (neben dem Dom)
23552 Lübeck
Tel.: +49 (0) 451 122 4152
Fax: +49 (0) 451 122 1517
archiv@luebeck.de
http://archiv.luebeck.de

Quelle: Stadt Lübeck, Offene Pressemitteilung und Einladung, 5.5.2011

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