Womit Hansekaufleute zahlten. Lübecks Münzschätze online

Wer ist auf der Münze unten der etwas grimmig dreinblickende Herr mit dem spitzen Kinn und der prägnanten Nase? Nicht nur diese Frage kann man ab sofort über die online-Münzdatenbank des Archivs der Hansestadt Lübeck beantworten.

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Nach mehreren Jahren Vorarbeit ist es nun soweit: Das Stadtarchiv Lübeck hat seinen online-Auftritt um die Münzen erweitert und macht damit rund 3.000 Kupfer-, Silber- und Goldmünzen für jedermann zugänglich. Viele von ihnen kann man sich jetzt bildlich nach Hause holen und am Bildschirm in allen Einzelheiten betrachten. Und: Zu jeder Münze gibt es exakte Angaben über Größe, Gewicht, Material und weitere genaue numismatische (münzkundliche) Hintergrundinformationen.

Unter den 3.000 Münzen sind filigrane Schönheiten, die in einmaliger Weise die hervorragende Bedeutung Lübecks als Handels- und Wirtschaftsmacht zeigen. Lübeck hat über Jahrhunderte Münzen von unterschiedlichstem Wert und Aussehen geprägt. Die Stadt besaß seit 1226 das vom Kaiser verliehene Recht, Münzen zu prägen, und sie hat davon auch fleißig Gebrauch gemacht. Fast 600 Jahre lang prägte Lübeck auf der Basis dieses Rechts und als freie Reichsstadt ungefähr 39 verschiedene Münzsorten (Nominale) aus.

Das Archiv der Hansestadt Lübeck (AHL) verwahrt eine weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte, jedoch bis dahin weitgehend ungeordnete Münzsammlung. Der Lübecker Münzexperte Dr. Dieter Dummler, Kieferorthopäde im Ruhestand, hat in den letzten vier Jahren in Detektivarbeit diesen Zustand beendet und jede Münze des Archivs bestimmt, eingeordnet und beschrieben. Die Beschäftigung mit der Münzgeschichte (Numismatik) ist ein langjähriges Steckenpferd von Dieter Dummler: Er gilt nicht nur in wissenschaftlichen Kreisen als ausgewiesener Kenner der Numismatik, der mit Begeisterung von „seinen“ Münzen zu erzählen weiß.

Die städtische Münzsammlung hat eine wechselvolle Geschichte. Ihren Grundstock legte der Kaufmann Ludolph Heinrich Müller (1720-1788), der seine Sammlung 1788 dem Rat der Stadt vermachte. Wie die meisten Archivalien der Stadt wurde auch die Münzsammlung im Zweiten Weltkrieg ausgelagert; nach 1945 konnten leider nur ca. 15 % durch Kauf zurück nach Lübeck geholt werden.

Besonders empfindliche Verluste erlitt die Sammlung während der Auslagerung insbesondere bei den Goldmünzen. Heute muss davon ausgegangen werden, dass bedeutende Teile der Lübecker Sammlung durch widerrechtliches Einschmelzen unwiederbringlich verloren gegangen sind. Erst allmählich konnte die Münzsammlung seit den 1950er Jahren wieder neu aufgebaut werden. Eine Bereicherung erfuhr der Rumpfbestand unter anderem durch die Münz- und Medaillenbestände des Museums für Kunst und Kulturgeschichte sowie durch Ankäufe und Schenkungen.

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Abb. 1: Münzen herzustellen war vor dem 19. Jahrhundert reine Handarbeit, hier eine Münzwerkstatt, in dem mit Hammer und Prägestempel gearbeitet wird.

Wer ist nun, wie oben gefragt, der Herr mit Spitzbart, Mantel und Barett? Es ist Lübecks Stadtherr, Kaiser Karl V. (1500-1558), auf einem vergoldeten Taler von 1538!

Info:
Freischaltung der neuen Datenbank am Mittwoch, 11. Mai 2011, 18.30, im Lesesaal des Archivs der Hansestadt Lübeck, Mühlendamm 1-3, 23552 Lübeck, im Rahmen eines öffentlichen Vortrags von Dr. Dieter Dummler, Lübeck, zum Thema "Das Geld und die Zeit"

Kontakt:
Archiv der Hansestadt Lübeck
Dr. Jan Lokers
Mühlendamm 1-3 (neben dem Dom)
23552 Lübeck
Tel.: +49 (0) 451 122 4152
Fax: +49 (0) 451 122 1517
archiv@luebeck.de
http://archiv.luebeck.de

Quelle: Stadt Lübeck, Offene Pressemitteilung und Einladung, 5.5.2011

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