Programm zur Sicherung der elektronischen Einwohnermelderegister vorgestellt

Das Problem einer langfristigen Sicherung der aus den Einwohnermelderegistern zu löschenden Daten ist in Archivkreisen schon lange bekannt. Trotzdem liefen die Bemühungen vieler Archive, diese historisch bedeutsamen Unterlagen langfristig zu sichern, bisher meist ins Leere.

Die Kommunale Datenverarbeitungszentrale (kdvz) Rhein-Erft-Rur hat nun eine Softwarelösung ("EWO Altdaten Archiv") entwickelt, mit der Kommunen den gesetzlichen Anforderungen der §§ 11 und 12 des Meldegesetzes NRW genügen und die Daten den zuständigen Kommunalarchiven zur Verfügung stellen können. Mit EWO Altdaten Archiv bleiben die Daten sicher verfügbar und sind über einen Webbrowser einfach aufrufbar, eine weitere Software wird nicht benötigt. Die Software berücksichtigt, dass sich die zu löschenden Daten im Laufe der Jahre erweitern, und kumuliert diese je Einwohner/-in bis hin zur Übernahme der kompletten EWO-Daten bei der Gesamtlöschung eines Einwohnerdatensatzes. Bei gesetzlichen Neuerungen erfolgt eine fortlaufende Anpassung der Software. Die kdvz bietet das Programm EWO Altdaten Archiv auch über das Verbandsgebiet hinaus an.

Produktflyer: http://www.afz.lvr.de/rundumsarchiv/flyer_ewoaltdatenarchivextern.pdf

Quelle: afz.newsletter@lvr.de, www.afz.lvr.de

Bergbau-Inszenierungen. Filme über den und aus dem Bergbau

Bergbau und Film – beide prägten die Geschichte des 20. Jahrhunderts nachhaltig: der Bergbau und zumal der Steinkohlenbergbau zunächst als ein industrieller Führungssektor und dann als schrumpfende Industrie, der Film als das dominante Medium in dem 20. „Jahrhundert der Bilder“. Heute spiegeln historische Filme vergangene Zustände, Wahrnehmungen und Deutungen wider. Gerade die unbekannte und gefahrvolle Welt des Bergbaus unter Tage entzog sich den Blicken der breiten Öffentlichkeit und war von ihr nur über die Medien erfahrbar. Sie inspirierte immer wieder Filmschaffende zu ihrem Werk, aber auch die Bergbauunternehmen nutzten das Medium zur Selbstdarstellung.

Diese Filme sind nur noch selten zu sehen. Eine Gelegenheit hierzu bietet sich nun im Deutschen Bergbau-Museum Bochum. In der Reihe „Bergbau-Inszenierungen“ präsentiert das Montanhistorische Dokumentationszentrum zwischen dem 12. Februar und dem 15. April 2012 ausgewählte Highlights historischer Spiel- und Dokumentarfilme zum Bergbau.

Den Auftakt der Veranstaltungsreihe bildet am 12. Februar 2012, 11:00 Uhr, der französische Stummfilm „Germinal“, den Albert Capellani im Jahr 1913 nach dem gleichnamigen Roman von Émile Zola drehte. Der Organist Dominik Gerhard wird den Film live musikalisch begleiten. Weitere Highlights sind „Feuer an der Ruhr. Werkstatt für Europa“ (1957), „Kameradschaft“ (1931), „Besuch im Ruhrgebiet“ (1957) sowie vor allem „Die Ruhrkohle“ (1928) als dem ersten umfassenden Dokumentarfilm über den Ruhrbergbau. Dieser Film wird am 15. April 2012, 11:00 Uhr, in Kooperation mit dem Historischen Archiv Krupp der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung präsentiert werden.

Alle Filme werden einleitend kurz vorgestellt und in den historischen Kontext eingebettet. Der Eintritt ist frei.

Alle Termine und weitere Informationen finden sich unter http://www.bergbaumuseum.de/web/bergbau-inszenierungen

Kontakt:
Dr. Stefan Przigoda
Montanhistorisches Dokumentationszentrum
Telefon: +49 (234) 5877 118
Fax: +49 (234) 5877 111
Stefan.Przigoda@bergbaumuseum.de

Deutsches Bergbau-Museum
Am Bergbaumuseum 28
44791 Bochum
http://www.bergbaumuseum.de
http://www.facebook.de/bergbaumuseum

Ausstellung »Jugend im Nationalsozialismus« in Detmold

Am 10. März 1943 wurden die jugendlichen Brüder L. von der Kriminalpolizei in das Konzentrationslager Auschwitz "überführt". Zur Begründung heißt es in den Akten: Die damals jugendlichen Brüder hätten demnach "ihre Arbeit aufgegeben und treiben sich umher. Sie sollen sich angeblich in Milspe-Voerde im Zigeunerlager Wuppermannshof …aufhalten" und dort "eine Bude gebaut haben". Jugendliches Verhalten, das nicht den Vorstellungen der NS-Politik entsprach oder nach den Maßstäben der NS-Ideologie "asozial" war, wurde brutal geahndet. Konfessionelle, politische oder andere Jugendorganisationen jenseits von Hitler-Jugend und Bund Deutscher Mädel wurden verboten und verfolgt. Viele der dort Aktiven bezahlten ihr Engagement mit dem Leben.

Die Ausstellung "Jugend im Nationalsozialismus", die am 30. Januar 2012 mit Prof. Dr. Barbara Stambolis aus Paderborn im Landesarchiv NRW eröffnet wurde, zeigt, wie junge Menschen der Geburtsjahrgänge von ca. 1920 bis etwa 1940 während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes vereinnahmt und verfolgt wurden.

Die Ausstellungsmacher Dietmar Freiesleben und Stephan Druciak vom Historischen Centrum Hagen betitelten die Präsentation zum Thema "Jugend im Nationalsozialismus" mit dem bekannten Zitat aus der Reichenberger Rede Hitlers zur Reichstagswahl 1938 "…und sie werden nicht mehr frei…". Die Wanderausstellung zeigt, welchen Einfluss der Nationalsozialismus auf Kinder und Jugendliche nahm. Sie thematisiert die verschiedenen Lebensbereiche von Jungen und Mädchen und veranschaulicht ihren Alltag – auch in den Ghettos und Konzentrationslagern.

Die Ausstellung wurde mit Exponaten aus dem Landesarchiv NRW angereichert, um besonders die unterschiedlichen jugendlichen Opfergruppen noch mehr in den Blickpunkt zu rücken. Denn das Regime des Nationalsozialismus missbrauchte den zu Beginn des 20. Jahrhunderts virulenten Jugend-Mythos in singulärer Weise. Der Nationalsozialismus inszenierte sich als junge Bewegung und in Formen der bündischen Jugend. Tatsächlich wurden viele Mädchen und Jungen aus rassistischen oder politischen Gründen ausgegrenzt, verfolgt und ermordet, oder die child survivors überlebten völlig verwaist. Heute weiß man, dass das Trauma zwei, drei Generationen danach noch wirksam ist.

Die Präsentation, zu der es umfangreiches archivpädagogisches Be-gleitmaterial gibt, soll zeigen, wo eine Gesellschaft endet, die Werten wie Vielfalt, Toleranz und Demokratie keinen Raum gibt. Die Ausstellung richtet sich sowohl an die Betroffenen-Generation und deren Kinder als auch an Schulen und historisch Interessierte. Jugendgruppen und Schulklassen werden nach Terminabsprache von der Archivpädagogin Heike Fiedler, M.A., in die Geschichte der "Jugend im Nationalsozialismus" eingeführt.

Außerdem bietet das Landesarchiv NRW am Mittwoch, den 7. Februar 2012, eine Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer an, bei der die Ausstellung und die didaktische Vermittlung der Situation von Kindern und Jugendlichen während der NS-Zeit vertieft werden (Anmeldung erbeten).

Die Kenntnis der Geschichte erschließt sich nicht zuletzt aus Zeugnissen derjenigen, die – in diesem Fall – antisemitische Verfolgung als junge Menschen selbst erlebt haben. Kaum etwas berührt mehr als der Bericht derjenigen, die selbst oft nur mit viel Glück dem Holocaust entkamen, aber die Ermordung ihnen nahe stehender Menschen miterleben mussten. Die Detmolder Historikerin Gudrun Mitschke-Buchholz wird am Montag, den 12. März 2012, um 19 Uhr aus Interviews mit antisemitisch Verfolgten lesen.

Die Ausstellung und das Rahmenprogramm reihen sich ein in die zahlreichen Veranstaltungen und Aktivitäten zum 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

Ausstellungsort:
Landesarchiv NRW Abt. Ostwestfalen-Lippe
Willi-Hofmann-Straße 2
32756 Detmold

Öffnungszeiten:
montags 8-19 Uhr, dienstags bis donnerstags 8-16 Uhr,
freitags 8-13 Uhr

Kontakt, auch für Gruppenführungen:
Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-LIppe
Willi-Hofmann-Str. 2
32756 Detmold
Tel.: 05231/766-0
Fax: 05231/766-114
owl@lav.nrw.de
www.archive.nrw.de

Quelle: Dr. Bettina Joergens, Mailingliste Westfälische Geschichte, 23.1.2012

Von Vorlässen, Nachlässen, »älteren Männern« und »überfallenen Akten«

Der Tätigkeitsbericht des Landeskirchlichen Archivs Kassel für das Jahr 2011 informiert u.a. über die Digitalisierung der Architekturzeichnungen aus dem Nachlass F.E. Hoffmann und über die anschließende Massenrestaurierung dieser Architekturzeichnungen durch die Kartenreinigungsmaschine der HAWK (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst) in Hildesheim. Ein weiterer Bericht ist dem Vorlass des Glaskünstlers E. Jakobus Klonk und dem Nachlass seines Vaters Erhardt Klonk gewidmet.

Wichtig im vergangenen Jahr war auch der Bereich Archivpädagogik. Von „älteren Männern“ und „überfallenen Akten“ fasst die Erfahrungsberichte einer Grundschulklasse, die das Archiv besucht haben, zusammen. Hier eine kurze Leseprobe, die für sich steht: „Das gelbe Gebeude hieß Magazin. In Ordnern und Kartons sind sehr alte Sachen gewesen. Bei der Werkbank macht man mit einem riesen Radirgummi alte staubige Sachen sauber. Das Buch, das wir sauber gemacht haben, war von 1749. Es gab auch Bücher, die von Schimmel überfallen wurden. In dem nächsten Raum waren 900 Regale drin und in einem Regal waren 1.255 Kartons und Akten drin. 150.000 Akten sind schon erloschen. Man muss auch manche Sachen wegschmeisen. Aber nicht in den Mülleimer, sondern in den Schredder. Weil sonst andere Leute es einfach raus holen könnten und behaupten, dass es ihnen gehört. Es waren keine Fenster im Raum, weil die Akten sonst verschimmeln könnten. Denn sie brauchen ein bestimmtes Klima.“

Auskunft über die Fachleistungen zu den Produkten „Sicherung und Erschließung von Archivgut“ und „Bereitstellung und Vermittlung von Archivgut“ gibt der Statistikteil am Ende des Berichts.

Zu beziehen über: Landeskirchliches Archiv Kassel, archiv@ekkw.de, 54 Seiten, 5,- € (auch als download unter www.ekkw.de/archiv).

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