Wanderausstellung zu Migration und Integration in OWL in Bethel eröffnet

Entgegen dem allgemeinen Trend in Deutschland überaltert die Gesellschaft in Ostwestfalen-Lippe nicht. Der Regierungsbezirk Detmold wird nach einer Expertenprognose im Jahr 2020 die im Bundesdurchschnitt jüngste Bevölkerung haben. Dies liegt am hohen Migrantenanteil in OWL – rund 25 Prozent der Bevölkerung.

Migration und Integration wurden besonders seit dem Zweiten Weltkrieg prägend für die Region. Zu diesem Thema haben 15 kommunale, kirchliche und diakonische Archive aus Ostwestfalen-Lippe die Ausstellung „OWL – Heimat für Fremde?“ konzipiert, die vom 25. April bis zum 8. Juni 2012 im kirchlich-diakonischen Archivzentrum in Bielefeld-Bethel zu sehen ist.

Albert Henz, Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, erhofft sich von der Ausstellung weiterführende und helfende Impulse für eine gelingende Integration und Migration. „Ostwestfalen bietet hierfür anregende Erfahrungen. Die Ausstellung lässt erkennen, dass stabile Arbeits- und Lebensverhältnisse, das Abrufen der Potenziale in kultureller und demografischer Hinsicht, sowie eine aktive Bildungspolitik Faktoren für das Gelingen des Integrationsprozesses sind.“

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Abb.: Haben die Ausstellung eröffnet (von links): Pastor Albert Henz, Pastor Ulrich Pohl, Kerstin Stockhecke und Dr. Jens Murken (Foto: Schulz/Bethel)

Zu den beteiligten Archiven gehört das Landeskirchliche Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen ebenso wie das Hauptarchiv der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Für Bethels Vorstandsvorsitzenden Pastor Ulrich Pohl ist die Ausstellung „ein lehrreicher Beitrag, um Integrationsprozesse nachvollziehen zu können“. Jeder Mensch müsse in seiner Individualität, mit seinen Fähigkeiten und mit seiner persönlichen Geschichte von der Gesellschaft akzeptiert werden und die Chance erhalten, gleichberechtigt an ihr teilhaben zu können. „Integration und Inklusion tragen wesentlich zur Vielfalt unserer Gesellschaft bei“, so Pohl.

Die Ausstellung behandelt das breite Themenfeld von Migration und Integration in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei wird der gesamte zeitgeschichtliche Kontext der Migration in den Blick genommen: nicht nur die Migranten, auch die Bedingungen der „Aufnahmegesellschaft“ vor Ort in OWL werden vorgestellt. Es geht um die Erziehungsgeschichte zwischen der einheimischen und der eintreffenden Bevölkerung: Ostdeutsche Flüchtlinge und Vertriebene und ihre allmähliche Selbstorganisation; alliierte Militärangehörige und die Fraternisierung; jüdische Zuwanderung und Gemeindebildung nach dem Holocaust.

Schwerpunktthemen der Ausstellung sind unter anderem die erste Generation der Gastarbeiter in der Region, jugoslawische „Gastarbeiterinnen“ in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, Kirchenasyl sowie die „Griechenbetreuung“ des Evangelischem Gemeindedienstes in Bielefeld.

Für das gemeinsame Projekt haben die beteiligten Archive ausschnitthaft zusammengetragen, was ihre Quellen über die Geschichte der Migranten in OWL aussagen. Die Ausstellung „OWL – Heimat für Fremde?“ wird nach der Eröffnung in Bethel an verschiedenen Orten in OWL gezeigt. Das Ausstellungsprojekt wendet sich auch an Schulen und wird archivpädagogisch begleitet. Gefördert wird das Projekt durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen.

Die Ausstellung „OWL – Heimat für Fremde?“ ist vom 26. April bis zum 8. Juni montags bis freitags, 9-16 Uhr und nach Vereinbarung, im kirchlich-diakonischen Archivzentrum, Bethelplatz 2, in Bielefeld-Bethel zu sehen.

Zur Ausstellung ist das Buch erschienen:
Michael Hallerberg/Fabian Kindt/Arbeitskreis ostwestfälisch-lippische Archive:
Heimat für Fremde? Migration und Integration in Deutschland vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart mit Beispielen aus Ostwestfalen-Lippe
(Schriften des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen; 16)
Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2011
ISBN : 978-3-89534-926-3
272 S. – 25,0 x 17,0 cm, gebunden, Hardcover
14,90 Euro

Kontakt:
Archive am Bethelplatz
Bethelplatz 2
33617 Bielefeld

Quelle: EKvW, Pressemitteilung, 26.4.2012

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