H.C. Andersen-Fund aus der Kiste

Der dänische Historiker Esben Brage stieß im Oktober im Landesarchiv für Fünen auf ein vergilbtes Heft, das sich ganz unten in einer Kiste befand. Eigentlich suchte er nach dem Stammbaum der örtlichen Familie Plum. Der Name auf dem Heft hat jedoch nichts mit Familie Plum zu tun. Stattdessen steht in altertümlicher Schrift „Hans Christian Andersen“ darauf. Nach Meinung von Andersen-Spezialisten handele es sich bei dem Schriftstück um ein bisher unbekanntes Frühwerk des gebürtigen Odensers Hans Christian Andersen. Der Text wurde von der dänischen Zeitung „Politiken“ veröffentlicht.

Die Erzählung mit dem Titel „Talglicht“ wurde wohl vor etwa 190 Jahren geschrieben. Andersen erzählt darin die Geschichte einer Kerze, deren wahres Wesen verkannt wird und die erst nach so manch schlechter Erfahrungen ihren Platz im Leben findet. Typisch für Andersen geht es auch in dieser frühen Erzählung um die Suche nach dem wahren Wert und dem Gefühl der Sehnsucht.

Das Motiv des sozialen Aufstiegs, das in den späteren Werken immer wieder vorkommt, ist auch schon in „Talglicht“ eingebunden. Ejnar Stig Askgaard, Andersen-Experte vom Stadtmuseum in Odense, spricht in „Politiken“ von einem „Sensationsfund“.

Anscheinend ist das Heft aber kein Originalmanuskript, sondern eine Abschrift der Geschichte, die Andersen einer gewissen Frau Bunkeflod gewidmet hat. Dieses Werk von Andersen sei nicht der Anfang von Andersens Märchenproduktion. Der etwas ungelenke Stil deute eher auf eine Art Übung während Andersens Lateinschulzeit hin, sagt Johan de Mylius, Professor am Andersen-Center der Syddansk-Universität.

Quelle: Tagesspiegel, 14.12.2012

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