Patronin gegen Seuchen: Heilige Corona

Sie war erst 16 Jahre alt, als die Märtyrerin in der Spätantike grausam hingerichtet wurde, und Legenden ranken sich in Asien, Afrika und Europa sie: Die heilige Corona hat mit dem gleichnamigen Virus, das derzeit die Welt in Atem hält, nicht nur diese grenzüberschreitende Internationalität gemeinsam. Sie gilt laut Ökumenischem Heiligenlexikon als Schutzpatronin gegen Seuchen. Doch vieles an ihrer Existenz bleibt ebenso wie beim Erreger der tückischen Epidemie im Dunkeln.

Hl. Corona, Glasfenster im Straßburger Münster,
um 1270. Quelle: Joachim Schäfer –
Ökumenisches Heiligenlexikon

Das Heiligenlexikon erzählt über Corona (lateinisch „die Gekrönte“ und damit ein Hinweis auf den allgemeinen Begriff „Märtyrerin“) nur Vages: Sie sei im Jahr 161 oder aber 287 geboren – wo, ist unbekannt. Noch als Teenager wurde sie die Ehegattin des Soldaten Victor, der sich während der Christenverfolgung weigerte, seinen christlichen Glauben zu widerrufen und deshalb hingerichtet wurde. Die junge Witwe sei unter den Römer-Kaisern Antoninus Pius oder Diokletian ebenfalls den Martertod gestorben, und das laut dem Lexikon auf ausgesucht brutale Weise: nämlich indem sie gebunden an zwei gebeugte Palmen bei deren Emporschnellen zerrissen wurde.

Die griechische Legende von Victor und Corona siedelt deren Martyrium in Damaskus an, sie war aber darüber hinaus in vielen Varianten verbreitet. Deshalb wird neben der syrischen Hauptstadt als Todesort auch Antiochia in der heutigen Türkei, Alexandria in Ägypten, Sizilien oder in Marseille angegeben. Verehrungstraditionen gibt es in der griechischen, der lateinischen und der äthiopischen Kirche; in Nord- und Mittelitalien galt Corona schon im 6. Jahrhundert als Vorbild an Glaubenstreue. Reliquien von ihr und Victor finden sich in Castelfidardo bei Osimo an der Adriaküste bei Ancona, wo es schon früh eine dem Paar geweihte Kirche gab. Durch die Kaiser Otto III. und Karl IV. gelangten Reliquien auch nach Aachen bzw. Prag.

Corona-Wallfahrten gibt es in Niederösterreich in St. Corona am Wechsel, seitdem 1504 dort in einer hohlen Linde eine Corona-Statue gefunden und daraufhin eine Kapelle errichtet wurde, wie das Heiligenlexikon weiter mitteilt. Auch in St. Corona am Schöpfl bei Altenmarkt (NÖ) sowie in Wien sei die Verehrung verbreitet. Dass die österreichische Münzeinheit bis 1924 nach der Heiligen „Krone“ hieß, ist wohl dem Umstand zuzuschreiben, dass Corona nicht nur Schutzpatronin gegen Seuchen ist, sondern auch in Geldangelegenheiten, bei der Schatzsuche und sogar in der Lotterie um Hilfe angerufen wird.

In der Tageszeitung „Der Standard“ (Ausgabe 11. März 2020) ist die heilige Corona „Kopf des Tages“. Einleitend heißt es dort: „Zufälle gibt es bekanntlich nicht – schon gar nicht mag man von einem solchen sprechen, wenn das Ökumenische Heiligenlexikon justament die Heilige Corona als Schutzpatronin vor Seuchengefahr ausweist.“

Quelle: Katholische Kirche Österreich, Aktuelles, 11.3.2020; kathpress; Ökumenisches Heiligenlexikon

Bruderschaft der Vagabunden – Alternativkultur der 1920er Jahre

Der Band „Künstler, Kunden, Vagabunden“ bildet den Auftakt der Reihe BIBLIOTHEK DER ARCHIVE, die außergewöhnliche Schätze zutage fördern und damit gleichzeitig die wertvolle Arbeit der sie behütenden Archive vorstellen will. Herausgeber der Reihe sind der Editionswissenschaftler Bernd Füllner und der Literaturwissenschaftler Christoph Steker.

Die »Bruderschaft der Vagabunden«, eine anarchistisch, später auch kommunistisch orientierte Bewegung von Landstreichern und Vagabunden, verschafft sich Ende der 1920er Jahre aus dem gesellschaftlichen Abseits heraus weithin Gehör: Im »Verlag der Vagabunden« erscheinen ihre Schriften, die eine »Philosophie der Landstraße« entwerfen und propagieren. Ihr künstlerischer Anspruch äußert sich in den Werken der »Künstlergruppe der Bruderschaft der Vagabunden«, gegründet vom »König der Vagabunden« Gregor Gog (1891-1945) sowie den Malern Hans Tombrock (1895-1966), Hans Bönnighausen (1906-1988) und Gerhart Bettermann (1910-1992). In diesem Umfeld erscheint auch die Zeitschrift „Der Kunde“ bzw. „Der Vagabund“ mit sozialkritischen Artikeln, autobiografischen Berichten, Liedern und Gedichten, Zeichnungen und programmatischer Prosa. Materialreich und in Farbe lässt dieser Band die durch die Zäsur von 1933 verdrängte vagabundische Kultur wieder lebendig werden und erinnert in einem breiten Panorama an das Leben und Wirken derer, für die das Unterwegssein einmal ein alternativer Lebensstil gewesen ist.

Neben Texten von Gregor Gog, Jo Mihàly, Artur Streiter und Rudolf Geist versammelt der Band „Künstler, Kunden, Vagabunden“ zahlreiche Arbeiten der Vagabundenkünstler sowie Reaktionen und Kommentare von Briefpartnern und Freunden der Bewegung wie Martin Buber, Hermann Hesse, Else Lasker-Schüler, Thomas Mann und Stefan Zweig.

Herausgeberinnen des Bandes:

Walter Fähnders, Jahrgang 1944, ist Professor für Neuere Germanistik an der Universität Osnabrück. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Literatur und Kultur sozialer Bewegungen, europäische Avantgarde, Literatur der Moderne. Zu seinen neueren Publikationen zählen: Avantgarde und Moderne 1890–1933 (2. Aufl. 2010); Projekt Avantgarde (2019); als Herausgeber bzw. Mitherausgeber: Die Epoche der Vagabunden. Texte und Bilder 1900–1945 (2009); Metzler Lexikon Avantgarde (2009); Annemarie Schwarzenbach: Orientreisen (2010, Neuausgabe 2017); Ruth Landshoff-Yorck: Die Schatzsucher von Venedig (2013, Neuausgabe 2019).

Hanneliese Palm, Jahrgang 1953, leitete von 2005 bis 2018 das Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt in Dortmund, das Schrift-, Ton- und Bilddokumente zu allen Bereichen des kulturellen, insbesondere literarischen Umfelds der Arbeiterbewegung in der zeitgenössischen und modernen Literatur sammelt. Sie veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur Geschichte des Instituts sowie zur Entwicklung der Arbeiterliteratur und zu einzelnen ihrer Autoren.

Christoph Steker, Jahrgang 1984, ist Programmleiter im C. W. Leske Verlag und arbeitet als freiberuflicher Lektor in Köln. Er studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte in Köln und Prag. Neben Beiträgen in wissenschaftlichen Sammelbänden zählt zu seinen Veröffentlichungen die Monografie Böhmische Erinnerungsräume in W. G. Sebalds »Austerlitz« (2015).

Info:
Hanneliese Palm, Christoph Steker (Hrsg.):
Künstler, Kunden, Vagabunden. Texte, Bilder und Dokumente einer Alternativkultur der zwanziger Jahre,
mit einem Beitrag von Walter Fähnders
(Bibliothek der Archive, Band 1, Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, Dortmund),
C. W. Leske Verlag, Düsseldorf 2020,
240 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, ISBN 978-3-946595-08-3, 28,00 €

Quelle: Mailingliste geschichtskultur-ruhr, 17.3.2020

Nachlass des Bildhauers und Keramikers Richard Kuöhl

Kreisarchiv Stormarn erwirbt Nachlassteile

Das Kreisarchiv Stormarn hat einen wichtigen Teil aus dem Nachlass des Bildhauers und Keramikers Richard Kuöhl erwerben können, der lange Zeit in Kupfermühle gelebt und gearbeitet hat. Urkunden, Schriftstücke und Fotos erlauben bisher unbekannte Einblicke in die Biografie des umstrittenen Künstlers.

Dem Bildhauer Richard Kuöhl (1880-1961) begegnet man in Bad Oldesloe auf Schritt und Tritt: Von ihm stammen der Gänselieslbrunnen vor dem Rathaus, die Figur des Jünglings vor der Stormarnhalle oder die Trauernde auf dem Alten Friedhof. Auch der Keramik-Schmuck am U-Bahnhof Ahrensburg-Ost ist von Kuöhl. Mit Stormarn war er eng verbunden – Kuöhl hatte 1931 die Schäferkate in Kupfermühle als Sommersitz erworben, und hier wohnte und arbeitete er ab 1943, nachdem sein Hamburger Atelier zerbombt worden war. Zudem betrieb er eine Werkstatt im ehemaligen Gericht der Kreisstadt.

Kreisarchivar Stefan Watzlawzik zeigt Fotoalbum aus dem Nachlass von Richard Kuöhl, 2020

Neben den ästhetischen Skulpturen hat Kuöhl aber auch im Auftrag der Nationalsozialisten gearbeitet. So stammt von ihm das 76er-Denkmal am Dammtor, das 1936 eingeweiht wurde und als kriegsverherrlichend gilt. Das macht den Künstler zu einer umstrittenen Figur, dem nach Kriegsende seine Arbeit für nationalsozialistische Auftraggeber vorgeworfen wurde – so hatte er unter anderem nationalsozialistische Hoheitszeichen entworfen. Am Dammtor führte das dazu, dass zu Kuöhls 76er-Denkmal 1985 ein Gegendenkmal von Alfred Hrdlicka errichtet wurde.

Kuöhl, Richard: Rohlfshagen/Kupfermühle im Garten seines Hauses „Schäferkate“ anlässlich seines 80. Geburtstages mit einer Vogel-Keramikplastik in der Hand, 1960

Neue Erkenntnisse über Kuöhl

„Wir erhoffen uns aus den Dokumenten neue Erkenntnisse über Richard Kuöhl“, erklärt Kreisarchivar Stefan Watzlawzik. „Aufgrund der ausführlichen Unterlagen kann sich bald jeder selber ein Bild von dem Künstler machen.“ Denn nachdem der Nachlass in den nächsten Monaten erschlossen wird, soll er digitalisiert und online zugänglich gemacht werden. Damit könne Kuöhls gesamte Biografie von der Geburt bis zum Tod nachgezeichnet werden. Watzlawzik erwartet auch Erkenntnisse zu der Zeit der Anfeindungen, die Kuöhl nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte.

Noch lagert der Archivschatz in zwei Kisten und einem Köfferchen, in denen sich neben der Geburtsurkunde und weiteren offiziellen Dokumenten auch Briefe und Aufträge an Kuöhl befinden, Entwurfszeichnungen für seine Arbeiten und viele Fotoalben, die den Künstler bei der Arbeit zeigen. „Auf einem Foto ist dokumentiert, wie Kuöhl die „Trauernde“ bearbeitet“, erklärt Watzlawzik. „Das Ganze muss jetzt im Rahmen eines Praktikums oder als Auftragsarbeit erschlossen werden.“ Der Kreisarchivar hofft auch auf Stiftungen oder Spender, die das Projekt unterstützen wollen.

Kleiner Koffer aus dem Nachlass von Richard Kuöhl im Kreisarchiv Stormarn, 2020

Mit der Erschließung kommt eine spannende Aufgabe auf den Verantwortlichen zu, denn Kuöhl war ein bekannter Mann. Vor allem seine Zusammenarbeit mit dem Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher bot ihm bei der Gestaltung zahlreicher öffentlicher Bauten und Plätze eine Plattform für sein künstlerisches Arbeiten, die bis heute sichtbar ist. Die Finanzbehörde am Gänsemarkt, die Davidwache auf der Reeperbahn, das Krematorium auf dem Ohlsdorfer Friedhof oder Chilehaus und Hummelbrunnen tragen in Form von Baukeramiken seine Handschrift. Auch in Bremen sind Werke von Kuöhl erhalten, der ursprünglich aus Meißen stammt.

Sammlung im Museum Hoisdorf

Im Stormarn-Lexikon (www.stormarnlexikon.de) erscheint jetzt ein Artikel zu Richard Kuöhl, in dem es unter anderem heißt, dass Kuöhl 1905 und 1906 auch Spielzeugtiere entwarf, die von Dresdner und Meißener Kunsthandwerkerstätten ausgeführt wurden. Tierfiguren von Richard Kuöhl kann man neben rund 40 weiteren Exponaten auch im Stormarnschen Dorfmuseum in Hoisdorf besichtigen. Sie stammen großteils aus dem Nachlass von Kuöhls Tochter, die in Hoisdorf gelebt hat. Andere Kleinfiguren sind von der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn als Dauerleihgabe ins Museum gekommen, darunter ein Hase und ein Springbock aus Bronze.

Ein Privatsammler hat dem Kreisarchiv auch den umfangreichen Nachlass Kuöhls angeboten, und Watzlawzik griff sofort zu. „Dass man eine so komplette Sammlung bekommt, ist äußerst selten“, erklärt er. Oft würden Sammlungen bekannter Persönlichkeiten aufgelöst und die Stücke einzeln verkauft.

Der Kreisarchivar überlegt schon über die zukünftige Nutzung. „Mit der Sammlung hat jeder die Möglichkeit, seine umstrittene Person selbst beurteilen zu können.“ Denkbar sind beispielsweise auch Schulprojekte, bei denen die Schüler auf Spurensuche geschickt würden, um anhand der Unterlagen den Künstler und seine Wirkung auf das Stadtbild bis heute zu erarbeiten.

Kontakt:
Kreisarchiv Stormarn
Mommsenstr. 14
23843 Bad Oldesloe
Tel.: 04531 / 160-1691
s.watzlawzik@kreis-stormarn.de
www.kreisarchiv-stormarn.de

Quelle: Kreis Stormarn, Pressemitteilung, 10.3.2020

Der Blick der Staatssicherheit

Fotografien aus dem Archiv des MfS

Die Fotografie galt im Ministerium für Staats­sicher­heit als „wichtige Waffe“, die von den MfS-Mitarbeitern in vielfältiger Weise eingesetzt wurde. Wenn sie Oppositionelle beschatteten, Flucht- und Protest­aktionen untersuchten, Dienst­gebäude, Straßen und Plätze über­wachten, ihre eigene Arbeit oder gemein­same Aktivitäten dokumen­tierten – der Griff zur Kamera war oft Teil ihres Auftrags. Wohl weit mehr als zwei Millionen Foto­grafien, darunter auch beschlag­nahmte Auf­nahmen, bilden das visuelle, bis heute kaum erforschte Erbe des MfS. Der von Dr. Philipp Springer (BStU) edierte Bildband „Der Blick der Staatssicherheit“ (Leseprobe) gewährt mit über 330 Abbildungen Einblicke in die Bilderwelt der Staats­sicherheit, analysiert Entstehung und Funktion der Fotografien im Repressions­system des MfS, stellt einzelne Foto­grafen vor und präsentiert unerwartete Blicke auf den Alltag in der DDR.

Abb.: Vorschriftsmäßig geordnetes Regal in der Zelle einer Untersuchungshaftanstalt, o.D., o.O., Foto im vorgestellten Band, S. 100f. (BStU, MfS, BV Karl-Marx-Stadt, Abt. XIV, Nr. 17, S. 31, Bild 4)

Info:
Philipp Springer
Der Blick der Staatssicherheit. Fotografien aus dem Archiv des MfS
Herausgeber: Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
328 Seiten, 335 teils farbige Abb.
25,5 x 19 cm, Klappenbroschur
Erscheinungsdatum 27.2.2020
ISBN 978-3-95498-529-6
29,00 €

Quelle: BStU, Pressemitteilung, 5.3.2020

10. TAG DER ARCHIVE in Deutschland

Zum zehnten Mal hat der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. die Archive in Deutschland dazu aufgerufen, ihre Pforten am ersten März-Wochenende für die Allgemeinheit zum TAG DER ARCHIVE zu öffnen. Dem Ruf sind mehrere hundert Archiveinrichtungen im ganzen Bundesgebiet gefolgt. Rund um das Wochenende am 7. und 8. März 2020 wird ein abwechslungsreiches Programm mit Führungen für Groß und Klein, Vorträgen, Workshops und Ausstellungen geboten werden (zur Veranstaltungsübersicht).

Als Rahmenthema für den Aktionstag wurde „Kommunikation. Von der Depesche bis zum Tweet“ gewählt. Das Motto verdeutlicht bereits, dass sich Weniges in der jüngeren Vergangenheit so radikal gewandelt hat, wie die Art, wie wir kommunizieren. Waren vor 200 Jahren noch ausgedehnte Briefwechsel ein wichtiges Mittel, empfangen wir in der heutigen Zeit täglich eine Vielzahl elektronischer Kurznachrichten, Mails und Videobotschaften.

Bundesweit werden die Archive am Aktionstag diesen Wandel greifbar machen und vergangene wie aktuelle Kommunikationsformen aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen. Wie immer steht es aber jedem Archiv offen, sich auch unabhängig vom Motto am TAG DER ARCHIVE zu beteiligen. So können lokale Rahmenbedingungen berücksichtigt werden oder andere Anlässe bzw. Kooperationen mit dem Aktionstag verbunden werden.

Link: www.tagderarchive.de

Kontakt:
VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e. V.
-Geschäftsstelle-
Wörthstraße 3
36037 Fulda
Telefon: +49 (0) 661 / 29 109-72
Telefax: +49 (0) 661 / 29 109-74
info(at)archiv.net
www.vda.archiv.net

Quelle: Aufruf des VdA-Vorsitzenden zum TAG DER ARCHIVE 2020

meinDigitalesArchiv.de

Neue Informationsplattform für die Sicherung persönlicher digitaler Daten

Themen wie der persönliche Digitale Nachlass und die Sicherung privater digitaler Materialien zu Lebzeiten bewegen immer mehr Menschen. Das wirft viele Fragen auf und grundlegend neu sind diese in der digitalen Gesellschaft nicht.

Worauf sollte man achten, wenn man seine privaten digitalen Daten für sich selbst oder andere bewahren will? Die jüngst veröffentlichte Website meinDigitalesArchiv.de macht hierzu konkrete Vorschläge. Expertinnen und Experten aus den Bereichen Bibliothek, Archiv und Museum haben die Ratschläge anschaulich aufbereitet. Auswahlkriterien für persönliche Erinnerungen in digitaler Form sowie Methoden zu deren Strukturierung werden auf meinDigitalesArchiv.de genauso angesprochen wie heute gängige Speicherkonzepte mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen.

Bislang wurden die zahlreichen technischen und organisatorischen Aspekte der digitalen Langzeitarchivierung vorwiegend in wissenschaftlichen Fachkreisen, in Behörden, Unternehmen und Gedächtnisinstitutionen diskutiert. Doch längst sind digital gespeicherte Erinnerungen auch aus dem Alltag von Privatpersonen nicht mehr wegzudenken. Ein von Fachleuten getragenes Informationsangebot für die breite Öffentlichkeit fehlte in Deutschland bislang.

Als Webangebot für alle ist meinDigitalesArchiv.de mehr als eine Faktensammlung. Neben praktischen Handlungsempfehlungen und Informationen zu geeigneten Software-Tools erzählen Geschichten aus dem Alltag fiktiver Personen, wie der persönliche Umgang mit digitalen Daten aussehen könnte. Die Beschäftigung mit einem vordergründig komplexen Thema soll auf diese Weise alltagsnah und für Laien verständlich vermittelt werden.

Hintergrund:
Erarbeitet wurde die Informationsplattform meinDigitalesArchiv.de von einer Gruppe von Bibliothekar/innen, Archivar/innen und Museumsexpert/innen sowie Vertreter/innen anderer Informationsberufe, die sich in Deutschland und Österreich seit 2016 intensiv mit dem Thema „Personal Digital Archiving“ (PDA) befasst. Organisiert hat sich die Arbeitsgruppe „Personal Digital Archiving“ in nestor, dem deutschen Kompetenznetzwerk für Langzeitarchivierung (www.langzeitarchivierung.de).

URL der Informationsplattform: https://meinDigitalesArchiv.de

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Achim Oßwald TH Köln,
Institut für Informationswissenschaft,
Tel.: 0176 5386 4974,
achim.osswald@th-koeln.de

Martin Iordanidis,
Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz),
Tel.: 0221 400 75-220,
iordanidis@hbz-nrw.de

Kontakt:
Deutsche Nationalbibliothek
nestor-Geschäftsstelle
Sabine Schrimpf
Adickesallee 1
60322 Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 1525-1761
Fax: +49 69 1525-1799
s.schrimpf@dnb.de
https://www.langzeitarchivierung.de
http://www.dnb.de

Quelle: Sabine Schrimpf (DNB), Mailing, 13.2.2020

Vortragsreihe zur Mülheimer Geschichte 2020

Seit mehr als zwanzig Jahren bietet die Stadt Mülheim an der Ruhr, zunächst organisiert vom Museum, mittlerweile vom Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr, eine Vortragsreihe zur Mülheimer Stadtgeschichte an. Die Veranstaltungen im Vortragssaal an der Von-Graefe-Straße 37 stoßen in der Regel auf ein großes Besucherinteresse. Zahlreiche ortsgeschichtliche Forschungsfelder werden in den Vorträgen, die über eine große thematische Bandbreite verfügen, nicht selten auf der Basis vorheriger Archivstudien präsentiert.

Neun Vorträge sind im Jahr 2020 zur Mülheimer Geschichte zu erleben. Dabei ist Ende Mai der Eppinghofer Siedlungsplan Grundlage für die „Ahnenforschung“ und die Besitztümer der Familien. Das Schicksal der jüdischen Familie Mildenberg steht im Juni auf dem Plan. Eine Zeitreise auf den Spuren der Vorfahren ist spannender als ein Krimi, lautet die Ankündigung für den Septembervortrag. Tersteegens Humor wird im Oktober bewertet. Seine Forschungen zum Maler Arthur Kaufmann und das junge Rheinland stellt Gerhard Ribbrock vor. Wie die Soldaten sich im Zweiten Weltkrieg ernährten und welche Mülheimer Firmen darin involviert waren, ist im Dezember zu hören. – Zusätzliche, außerhalb der Reihe präsentierte Vorträge ergänzen das Programm im Oktober zum deutsch-französischen Krieg und die Reichsgründung 1871 sowie im November zum Generalstreik gegen den Kapp-Putsch 1920. – Die Veranstaltungen sind grundsätzlich kostenfrei.

Reihe zur Mülheimer Geschichte 2020

12. März 2020, 19.00 Uhr
Prof. Dr. Horst A. Wessel: Der Widerspenstigen Zähmung? Mitnichten! Eine Mülheimerin schüttelt gesellschaftliche Fesseln ab und erlangt Weltruhm: Clärenore Stinnes (1901-1990)

16. April 2020, 19.00 Uhr
Dr. Thomas Emons: Die Geschichte der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft unter Einbeziehung der SWB-Gründung 1951

14. Mai 2020, 19.00 Uhr
Ulrich Rädeker: Von der Kneipen-Stammtischrunde zur Bürgergesellschaft – 150 Jahre Bürgergesellschaft Mausefalle

28. Mai 2020,  19.00 Uhr
Klaus Jacobi: Von der Ahnenforschung zum historischen Siedlungsplan:
Eppinghofen 1556 bis 1821

18. Juni 2020, 19.00 Uhr
Bernd Hammerschmidt: Die Familie Mildenberg in Lengerich und Mülheim:
Verfolgung – Emigration – Wiedergutmachung

24. September 2020, 19.00 Uhr
Dr. Sandor Krause: Mülheim im 17. und 18. Jahrhundert – Namen, Familien, Höfe

22. Oktober 2020, 19.00 Uhr
Prof. Dr. Ulrich Kellermann: Tersteegens Humor – eine bisher unbeachtete Seite des Mülheimer Mystikers

19. November 2020, 19.00 Uhr
Dr. Gerhard Ribbrock: Arthur Kaufmann (1888-1971) und Das Junge Rheinland

10. Dezember 2020, 19.00 Uhr
Dr. Daniela Rüther: Die „Gesellschaft für Nährwerterhaltung“ im Zweiten Weltkrieg – Ein Krimi um Soldatenverpflegung

Zusätzliche Vorträge

Donnerstag, 8. Oktober 2020, 19.00 Uhr
Vor 150 Jahren: Der deutsch-französische Krieg und die Reichsgründung 1871 im Spiegel der Mülheimer Stadtgesellschaft. Vortrag von Hans-Werner Nierhaus

Donnerstag, 5. November 2020, 19.00 Uhr
Vor 100 Jahren im Ruhrgebiet: Der Generalstreik gegen den Kapp-Putsch. Vortrag von Dr. Peter Berens

Kontakt:
Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr
Haus der Stadtgeschichte
Von-Graefe-Straße 37
45470 Mülheim an der Ruhr
Telefon (Sekretariat): 0208/455 4260
Telefon (Lesesaal): 0208/455 4268
Fax: 0208/455 58 4260
stadtarchiv@muelheim-ruhr.de
www.stadtarchiv-muelheim.de

Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera 1/2020

Unter dem Titel „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“ berichtet das Stadtarchiv Gera vierteljährlich über aktuelle Entwicklungen und historische Themen rund um eigene Arbeit. Im 1. Informationsbrief 2020 des Stadtarchivs Gera werden zentrale und auch abseitige Ereignisse der Geraer Stadtgeschichte thematisiert.

In der ersten Ausgabe 2020 wird u.a. auf eine im Museum für Naturkunde gezeigte Ausstellung über den weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Geraer Zeichner, Lithographen, Drucker und Verleger Walter Müller (1845-1927) hingewiesen.

Der zweite Beitrag widmet sich der Vorstellung der archivalischen Quellengattung des „Heimatscheins“ anhand eines ausgewählten Beispiels. Der auf den 24. April 1894 datierte Staatsangehörigkeitsnachweis diente seinem Besitzer als Belegdokument für dessen Gemeindezugehörigkeit.

Abb.: Heimatschein des Holzbildhauers Richard Alfred Horn aus dem Jahr 1894 (Stadtarchiv Gera)

Im dritten Aufsatz wird auf die vor 115 Jahren begonnene Eingemeindungspolitik der Stadt Gera eingegangen. Durch die letzten Eingemeindungen im Jahr 1994 erreichte die Fläche der Stadt Gera 1994 eine Gesamtgröße von 151,9 qkm, d.h. 15.190 Hektar. Seit den ersten beiden Eingemeindungen vor 115 bzw. 108 Jahren hatte sich die Grundfläche des Geraer Stadtgebietes somit fast verzehnfacht.

Im vierten Beitrag der „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“ 1/2020 wird schließlich der Frage nachgegangen, ob einer der beiden oder gar die beiden Schriftsteller Christlob Mylius (1722-1754) und Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) möglicherweise einst in Gera weilten.

Kontakt:
Stadtarchiv Gera
Gagarinstraße 99/101
07545 Gera
Tel. 0365/838-2140 bis 2143
stadtarchiv@gera.de
www.gera.de/stadtarchiv

Postgeschichtliche Sammlung für das Stadtarchiv Hilchenbach

Mitte Februar 2020 trafen sich die Hilchenbacher Stadtarchivarin Verena Hof-Freudenberg, ihr Vorgänger Reinhard Gämlich und die Pressebeauftragte der Stadtverwaltung, Annette Branß, in Kreuztal-Eichen bei Manfred Hofmann, um dessen umfangreiche postgeschichtliche Sammlung abzuholen. Die Übergabe der insgesamt 15 Kartons war schon lange abgesprochen und von Manfred Hofmann sorgsam vorbereitet worden.

Abb. Reinhard Gämlich, Manfred Hofmann und Verena Hof-Freudenberg (von links) bei der Übergabe der Briefmarken- und Kartensammlung (Foto: Stadt Hilchenbach)

Der Philatelist hatte bereits als kleiner Junge Hitler-Marken vor den Amerikanern versteckt, wohl ahnend, sie vielleicht nicht behalten zu dürfen. Doch tatsächlich hat er neben diesen Marken Sammlerstücke, die noch erheblich älter und wesentlich seltener sind. Reinhard Gämlich entdeckte beispielsweise eine Postkarte vom „Juckelchen“, der Müsener Grubenbahn, und ist total begeistert: „Dieses Bild vom Juckelchen habe ich noch nie gesehen. Das ist ein ganz seltenes Stück.“ Annette Branß erkannte auf einer alten Ansichtskarte den damals noch kahlen Krackertsberg in Dahlbruch, auf dem sie heute wohnt.

Abb.: Erzbahn „Det Juckelche“. Briefmarkennachlass Hofmann (Foto: Stadt Hilchenbach)

Weitere Entdeckungen waren Postkarten vom Haus Waldheim in Hillnhütten, das baugleich mit der Wilhelmsburg in Hilchenbach ist, alte Ansichten der Grube Stahlberg, dem heutigen SMS Gelände, weitere von Hilchenbach, Dahlbruch, Müsen, Grund, Vormwald und anderen Stadtteilen Hilchenbachs. Eine der ältesten Karten stammt zeigt Müsen im Jahr 1898, womit sie nur fünf Jahre nach dem großen Brand entstanden ist. Dies ist umso erstaunlicher, da die erste Postkarte aus den Vorgängerstaaten Deutschlands erst 1870 eher zufällig entstanden ist.

Manfred Hofmann hat nicht einfach nur gesammelt. Sorgfältig hat er die kostbaren Stücke in säurefreie Hüllen verpackt und detailliert beschrieben. Von ihm angefertigte  Landkarten zeigen welche Orte zu welchem Zeitpunkt zu Hilchenbach gehörten. Es finden sich immer wieder genau Beschreibungen der verschiedenen Marken und Stempel. „Die erste Postleitzahl von Hilchenbach war die 626 unter den Preußen.“ erklärte der Sammler zu einem Stempel aus der Zeit um 1850. Noch älter ist ein Fahrschein für die Postkutsche: Am 18. September 1843 war der Pfarrer per „Schnellpost-Cours“ von Kreuztal nach Hilchenbach gereist.

Die Stadtarchivarin Verena Hof-Freudenberg versprach, diese außergewöhnliche Sammlung sicher unter klimatisch optimalen Bedingungen unterzubringen. Manfred Hofmann braucht sich keine Sorgen über den langfristigen Verbleib seiner Sammlung zu machen, denn nach dem Archivgesetz NRW § 5 ist, was einmal zu Archivgut erklärt wurde, „unveräußerlich“ und „dauerhaft“ aufzubewahren. Somit sind die Schätze des Eichener Philatelisten nun allen Interessenten im Stadtarchiv Hilchenbach in der Wilhelmsburg zugänglich. Es gibt bereits erste Ideen zu einer Ausstellung im Stadtmuseum.

Kontakt:
Stadtarchiv Hilchenbach
Fachbereich 1 – Bürgerdienste
Archiv (in der Wilhelmsburg)
Markt 13
57271 Hilchenbach
Telefon: 02733 288-260
Fax: 02733 288-288
V.Hof-Freudenberg@Hilchenbach.de

Quelle: Stadt Hilchenbach, Aktuelles, 19.2.2020

Rhein-Kreis-Geschichte im Spiegel von Biografien

„Kreisgeschichte im Spiegel der Biografie“ – so lautet der Titel des neuen Bandes, den das Archiv im Rhein-Kreis Neuss veröffentlicht hat. Er wurde kürzlich im Kreiskulturzentrum Zons vorgestellt. „Das Buch fügt unserem Wissen über die Geschichte des Kreises, der Kreisverwaltung und seiner Spitzenvertreter viele neue Aspekte hinzu, die bislang unbekannt waren“, so Landrat Hans-Jürgen Petrauschke vor den 90 Besuchern des historischen Abends zur Präsentation.

Abb.: Landrat Hans Jürgen Petrauschke (l.) und Archivleiter Dr. Stephen Schröder bei der Buch-Präsentation in Zons (Foto: Stefan Büntig/Rhein-Kreis Neuss)

Auf 460 reich bebilderten Seiten versammelt die Publikation 30 biografische Porträts der Spitzenakteure auf Kreisebene, welche von insgesamt 15 Autorinnen und Autoren erarbeitet wurden. Berücksichtigt sind alle Landräte und Oberkreisdirektoren, die im hiesigen Raum seit der Einrichtung preußischer Kreise im Jahre 1816 ordentlich ernannt bzw. vom Volk gewählt wurden.

Archivleiter Dr. Stephen Schröder: „Wer das Buch aufmerksam liest, der wird nicht nur viel Neues über die behandelten Akteure, ihren beruflichen Werdegang und ihr persönliches Schicksal erfahren, sondern auch tiefe Einblicke in die Geschichte des Kreisgebietes erlangen, wie sie so – quellengestützt, thematisch breit und zugleich einordnend – in einem Band bislang nicht dargeboten wurden“.

Das Buch, das auch ein ausführliches Orts- und Personenregister enthält, ist zum Preis von 18,90 Euro im Kreiskulturzentrum Zons, in den Kreishäusern in Neuss und Grevenbroich sowie im regionalen Buchhandel erhältlich.

Info:
Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Neuss, Band 2:
Kreisgeschichte im Spiegel der Biografie. Die Landräte und Oberkreisdirektoren des Rhein-Kreises Neuss und seiner Rechtsvorgänger von 1816 bis zur Gegenwart, Herausgeber: Rhein-Kreis Neuss – Der Landrat – Archiv im Rhein-Kreis Neuss / Stephen Schröder, Bonn 2019, 460 Seiten, 18,90 €

Kontakt:
Archiv im Rhein-Kreis Neuss
Schloßstraße 1
41541 Dormagen
Telefon 02133 5302-10
Telefax 02133 5302-291
kreisarchiv@rhein-kreis-neuss.de

Quelle: Rhein-Kreis Neuss, Kreisportrait, 31.1.2020

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