Spendenaktion des VkA für flutgeschädigtes Kommunalarchiv

KIEL/OLBERNHAU. Aufgeschreckt durch die Fernsehbilder der Flut im August 2002 und angeregt durch den Aufruf des VdA zu Solidarität und Hilfeleistung entwickelte der Verband schleswig-holsteinischer Kommunalarchivarinnen und -archivare (VKA) eine erfolgreiche Hilfsaktion zur Unterstützung der Rettung durchnässter und verschmutzter Archivalien.
Da die finanzielle und materielle Ausstattung der Kommunalarchive keinen Spielraum für eine Unterstützung aus dem Budget zuließ, sollte durch den Nachdruck einer wertvollen und interessanten Archivalie und dessen Verkauf eine Spende von erhofften 3000 Euro eingebracht werden. Ausgewählt wurde schließlich eine dekorative noch nicht verbreitete Karte Schleswig-Holsteins  von 1630 aus dem Bestand der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, die sich sowohl vom Motiv als auch von der Qualität und vom Format als glücklicher Griff erwies.
Die Hilfsaktion sollte sich dabei auf ein möglichst konkretes Projekt beziehen, so wurde das eher unbekannte Stadtarchiv Olbernhau als Empfänger der Spendensumme ausgewählt. Der Bürgermeister der Kleinstadt im Regierungsbezirk Chemnitz, Dr. Laub, beschrieb die Situation im Archiv als dramatisch. Das Magazin im Keller des Rathauses wurde im August 2002 ohne lange Vorwarnung innerhalb von 20 Minuten komplett geflutet. Nach dem Abpumpen des Wassers wurden die wichtigsten Bestände, darunter auch die Einwohnermeldeunterlagen eingefroren. Die Rettung der Dokumente durch Gefriertrocknung wird voraussichtlich fast 90.000 Euro verschlingen. Hier ist also Hilfe dringend notwendig.

Eine erste Umfrage bei Kommunalarchiven ergab, dass die Idee mit Wohlwollen aufgenommen wurde, zumal durchaus der Aspekt der Imagewerbung für das Archivwesen  gesehen wurde. Dennoch bestand  aus bisherigen Erfahrungen Skepsis über den Verkaufserfolg. Schließlich lagen Zusagen für den Kauf von etwa 350 Stück durch Archive vor. Damit war das finanzielle Risiko für den VKA  tragbar. Da die beteiligten Firmen (Reprografie, Druckerei, Papier) leicht zur Unterstützung zu bewegen waren, lagen die Herstellungskosten bei weit unter 1,- Euro pro Stück. Es wurde eine Auflage von 1.000 Stück bestellt, mit deren Auslieferung an die Archive rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft begonnen wurde.
Es sollte sich zeigen, dass die Archivarinnen und Archivare sich bei den Schätzungen der Verkaufszahlen gewaltig verschätzt hatten. Denn die Presse spielte mit und druckte ausführliche Artikel mit großformatigen Abbildungen der Karte. So kam es, dass die von den einzelnen Archiven zunächst georderten Bestände meist schon am zweiten Tag verkauft waren. Aufgrund der anhaltend großen Nachfrage musste nachbestellt und schließlich sogar nachgedruckt werden: einerseits um eine möglichst große Spendensumme zu erhalten, andererseits um die potentiellen Kunden nicht zu enttäuschen. Insgesamt hat die Aktion nach Abzug aller Kosten eine Spendensumme von ca. 17.000 Euro erbracht und war zu Weihnachten 2002 bereits weitgehend abgeschlossen.

Aber der Erfolg liegt nicht nur in dieser stolzen Summe, sondern auch in der Wirkung in der Öffentlichkeit. Fast 1.500 Bürger haben in Schleswig-Holstein zum Teil erstmals  “ihr” Archiv besucht. Wobei nicht nur der Kauf einer prächtigen Karte, sondern durchaus auch die damit verbundene Hilfsaktion gesehen wurde und zu einem positiven Image beitrug. In zahlreichen Gesprächen konnte Bürgerinnen und Bürgern die Bedeutung und Tätigkeit der Archive dargestellt werden. Aber nicht nur ihnen, sondern auch Kolleginnen und Kollegen, Ratsfraktionen und Firmen wurden auf das Archiv aufmerksam. Erstaunlich war auch, in welchem Umfang “Buten-Schleswig-Holsteiner”, also außerhalb der Landesgrenze lebende Schleswig-Holsteiner, Kenntnis von dieser Karte erlangten. Als Geschenk wird sie sogar unter einigen Weihnachtsbäumen in den USA gelegen haben.
In Olbernhau werden derweil alle Anstrengungen unternommen, die Schäden im Archiv zu beseitigen und auch künftig die Zeugnisse der Vergangenheit vor ähnlichen Katastrophen besser zu schützen.
Das absolut positive Fazit belohnt für den Einsatz und regt zu weiteren Ideen an.
Jutta Briel

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