Bibliothek Germania Judaica in Bedrängnis

Nicht erst beim Besuch von Papst Benedikt XVI. im Rahmen des Weltjugendtages rückte die Kölner Synagoge in die Schlagzeilen der Weltpresse. 1959, als die Fassade von Nazischmierereien besudelt worden war, war ein Zeichen der Kölner Bürgerschaft war gefordert, das dann auf Initiative von Autoren wie Heinrich Böll erfolgte: Die Germania Judaica wurde als privater Verein gegründet – eine einzigartige Bibliothek zur Geschichte und Kultur des Deutschen Judentums. Zu ihrer Gründung 1959 kamen Bundespräsident und Bundeskanzler.

Die Germania Judaica ist heute eine wissenschaftliche Spezialbibliothek zur Geschichte des deutschsprachigen Judentums ab der Frühen Neuzeit. Sie besitzt mit etwa 80.000 Bänden zur Geschichte des deutschsprachigen Judentums die größte Sammlung auf diesem Gebiet in Deutschland und in Europa. Ihre Hauptsammelgebiete sind: Geschichte des deutschsprachigen Judentums vom 17. Jahrhundert bis heute – Antisemitismus – Zionismus und Israel – Darstellung der Juden in der Literatur. Außerdem führten in der Vergangenheit die Mitarbeiter der Bibliothek Tausende Besucher und ehemalige jüdische Bürger durch das Köln der Gegenwart. Seit Aufnahme der Germania Judaica in das Gebäude der Zentralbibliothek der Stadt Köln 1979 hat sich ihre Leserzahl vervielfacht. 

Aufgrund der öffentlichen Anerkennung der Germania Judaica konnte ihre dauernde Förderung in den 1970er Jahren durch die Stadt Köln und das Land Nordrhein-Westfalen gesichert werden. Jetzt hat sich das Land NRW aus seiner Finanzierung zurückgezogen. Wie ein Sprecher erklärte, wolle man die Bezahlung des Personals sicherstellen. Dazu war eine Verlegung der Bibliothek aus der Zentralbibliothek in die Universitätsbibliothek Köln vorgeschlagen worden. Damit würde die Germania Judaica aber nicht mehr als eigenständige Institution wahrgenommen.

Der Rat der Stadt Köln hat schnell gehandelt und 130.000 Euro als Sofortmaßnahme bewilligt, um den Haushalt der Germania Judaica für das Jahr 2006 zu sichern. In Düsseldorf geht man davon aus, dass die Stadt auch in Zukunft dieser finanziellen Verpflichtung nachkommen wird. Kölns Kulturdezernent Georg Quander fordert allerdings, Gespräche mit der Landesregierung. Nur für eine \“Zwischenlösung\“ hält er allerdings den Verbleib der Germania Judaica in der Zentralbibliothek am Neumarkt, wo sie neben dem Heinrich Böll-Archiv und dem LiK Archiv (in dem Informationen zu Kölner Autoren gesammelt sind) präsentiert wird.

Kontakt:
GERMANIA JUDAICA
Kölner Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums, e.V.
Josef-Haubrich-Hof 1
50676 Köln 
Tel. 0221 / 232349 oder 0221 / 221 23792-4 
Fax: 0221 / 2406963
http://www.stbib-koeln.de/judaica/  

Quelle: Thomas Linden, Kölnische Rundschau, 26.8.2005

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