Mannheimer Hofjuden des 18. Jahrhunderts

Das Stadtarchiv Mannheim – Institut für Stadtgeschichte und der Verein der Freunde des Stadtarchivs Mannheim e.V. freuen sich, ihre neue gemeinsame Publikation der Öffentlichkeit zu präsentieren: Britta Waßmuth, „Im Spannungsfeld zwischen Hof, Stadt und Judengemeinde Soziale Beziehungen und Mentalitätswandel der Hofjuden in der kurpfälzischen Residenzstadt Mannheim am Ausgang des Ancien Régime“. Die Dissertation von Britta Waßmuth greift mit den „Mannheimer Hofjuden des 18. Jahrhunderts“ ein Thema auf, das sowohl für die Mannheimer Stadtgeschichte als auch für die überregionale Geschichtsschreibung von großem Interesse ist.

Mit Lemle Moses erlangte zu Ende des 17. Jahrhunderts erstmals ein in Mannheim wohnhafter Jude den Status eines kurpfälzischen Hoffaktors. Nachdem die Stadt 1720 von Kurfürst Karl Philipp zur Residenz erhoben wurde, stieg die Zahl der Hofjuden in Mannheim an. Insgesamt lebten zwischen 1720 und 1778 in Mannheim 27 Hoffaktoren, mehr als die Hälfte aller bekannten kurpfälzischen Hofjuden. Karl Philipp brauchte Hofjuden für Finanztransfers, ohne die in Mannheim niemals das Schloss hätte erbaut werden können. Die Mannheimer Hofjuden konnten ihrer Rolle als Finanziers des Kurfürsten aber nur durch enge Vernetzung mit anderen wichtigen jüdischen Familien in Deutschland gerecht werden. Wichtige Kontakte bestanden nach Wien, München, Stuttgart, Frankfurt, Hannover und Berlin.

Der kurpfälzische Hofjude Elias Hayum (1707-1766) (Abb. Stadtarchiv Mannheim)

Abbildung: Der kurpfälzische Hofjude Elias Hayum (1707-1766) war zunächst Mitarbeiter des Stuttgarter Hofjuden Josef Süß Oppenheimer und siedelte erst 1740 – nach dessen Hinrichtung im Jahr 1738 – nach Mannheim um

Die Hofjuden standen „im Spannungsfeld zwischen Hof, Stadt und Judengemeinde“: tief in ihrem jüdischen Glauben verwurzelt, hatten sie als wichtige Finanziers des Kurfürsten direkten Zugang zum Hof und gehörten als Wirtschaftselite zu den reichsten Einwohnern der Stadt. Das eröffnete ihnen Chancen, führte aber auch zu Konflikten. Die Autorin lotet in ihrer interessanten Untersuchung, die auf einem breiten Quellenstudium basiert, sehr genau aus, wie sich Rahmenbedingungen, Lebensumfelder und individuelle Orientierungen auf das Handeln, die Handlungsspielräume und die sozialen Beziehungen zwischen Bürgertum und Adel sowie zwischen Juden und Christen auswirkten.

Britta Waßmuth: Im Spannungsfeld zwischen Hof, Stadt und Judengemeinde. Soziale Beziehungen und Mentalitätswandel der Hofjuden in der kurpfälzischen Residenzstadt Mannheim am Ausgang des Ancien Régime

Das Ansehen der Hofjuden bei der christlichen Stadtgesellschaft entsprach dem der jüdischen Oberschicht der Stadt. Es kam nur dort zu Neid und Anfeindungen durch die Stadtgesellschaft, wo Elemente der höfischen Lebensweise zu offensichtlich adaptiert wurden. Denn dies stand – nach Meinung der christlichen Mehrheit – einem Juden nicht zu.

Innerhalb der jüdischen Gemeinde jedoch war das Ansehen stark vom Eintreten für die eigene Gemeinde, von der verwandtschaftlichen Einbindung in diese und erst nachrangig vom Lebensstil abhängig. Viele der vermögenden und einflussreichen Hofjuden übernahmen wichtige Funktionen innerhalb des jüdischen Gemeindeverbands, wurden zu Vorstehern gewählt und riefen Stiftungen ins Leben. Ihre Nachkommen gingen im Mannheimer Großbürgertum auf, verschwägerten sich mit anderen aufstrebenden jüdischen Familien und gehörten damit zu den Mitbegründern der ältesten Bankhäuser in Mannheim (Ladenburg, Hohenemser u.a.).

Info:
Britta Waßmuth: Im Spannungsfeld zwischen Hof, Stadt und Judengemeinde. Soziale Beziehungen und Mentalitätswandel der Hofjuden in der kurpfälzischen Residenzstadt Mannheim am Ausgang des Ancien Régime. (Sonderveröffentlichung des Stadtarchivs Mannheim – Institut für Stadtgeschichte Nr. 32). 296 Seiten zzgl. 16 Seiten in Farbe. Ludwigshafen 2005. pro MESSAGE. ISBN 3-934845-30-4. 24,00 EUR.

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