Projekt über NS-Vergangenheit des Auswärtigen Amtes

Die unabhängige Historikerkommission, die im Auftrag des Bundesaußenministers die Geschichte des Auswärtigen Dienstes in der Zeit des Nationalsozialismus untersuchen soll, ist offiziell im Amt. Die Kommission unter Leitung des Marburger Professors für Neuere Geschichte, Dr. Eckart Conze, hat sich zum Ziel gesetzt, zunächst den Forschungsstand zu bewerten und die Fragestellungen der zu leistenden Untersuchungen zu formulieren. Am 11. August 2006 wurde anlässlich eines Zusammentreffens mit Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier ein entsprechender Kooperationsvertrag unterschrieben. Ab sofort unterrichtet die Kommission auf ihrer Internetseite über aktuelle Entwicklungen. Insgesamt 1,4 Millionen Euro wird das Ministerium für die Arbeit der Kommission zur Verfügung stellen. Die Koordination des Projekts und die Mittelvergabe erfolgen in Marburg.

Die Kommission war im Juli 2005 vom damaligen Außenminister Joschka Fischer berufen worden. Im September 2005 fand ein Kolloquium im Auswärtigen Amt statt, an dem 12 weitere Historiker teilnahmen, darunter Vertreter des Bundesarchivs und des Politischen Archivs des Auswärtigen Amts. Die Experten bestätigten die Notwendigkeit einer breit angelegten Untersuchung. Auszuwerten sei sehr umfangreiches Quellenmaterial. Die Kernbestände bildeten die Sachakten im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts, ergänzt durch die Personalakten. Darüber hinaus müssten weitere Archive im In- und Ausland in die Untersuchung einbezogen werden. Anlässlich der Vertragsunterzeichnung kam es nun auch zu einer Begegnung der Historiker mit dem jetzigen Außenminister. \“Die wissenschaftlich-historische Untersuchung der Geschichte des Auswärtigen Amtes", sagte Steinmeier bei diesem Anlass, \“ist eine seit langem anstehende Notwendigkeit. Die mit international renommierten Experten besetzte Kommission wird dazu einen wichtigen Beitrag leisten.\“ Das Forschungsprojekt soll insbesondere den Umgang mit der NS-Vergangenheit nach der Wiedergründung des Auswärtigen Amts 1951 und die Frage nach personeller Kontinuität und Diskontinuität nach 1945 wissenschaftlich untersuchen, wie es auf der Internetseite des Auswärtigen Amts heißt.

\“Bereits jetzt besteht massives Interesse seitens der Öffentlichkeit und der Medien an unserer Arbeit\“, so Kommissionssprecher Conze anlässlich der Freischaltung der neuen Homepage. \“Unsere Arbeit wird weithin wahrgenommen und zum Teil sehr kritisch verfolgt.\“ Insbesondere freue er sich auch über die Tatsache, dass das Projekt aus Marburg koordiniert werde: \“Dass dieses wichtige Projekt an der Schnittstelle zwischen Politik und Zeitgeschichte hier angesiedelt ist, verweist auf die Bedeutung der Philipps-Universität Marburg im Bereich der Geschichtswissenschaften ebenso wie der Geisteswissenschaften im allgemeinen.\“ Neben Professor Dr. Eckart Conze gehören der Kommission an: Professor Dr. Norbert Frei, Universität Jena; Professor Dr. Peter Hayes, Northwestern University/Illinois; Professor Dr. Klaus Hildebrand, Universität Bonn; Professor Dr. Moshe Zimmermann, Hebrew University of Jerusalem.

Bereits im September 2005 war im Rahmen eines Kolloquiums im Auswärtigen Amt, an dem weitere Historiker beteiligt worden waren, über die Fragestellungen der zu leistenden Untersuchungen diskutiert worden. \“Im Vorfeld der Vertragsunterzeichnungen legten wir nun ein detailliertes Konzept vor\“, erklärt Kommissionssprecher Conze, \“und planen, unsere Forschungsergebnisse im Jahr 2009 vorzustellen.\“ Das Konzept der Kommission sieht vor, dass die Kommissionsmitglieder durch eine Reihe ausgewiesener jüngerer Wissenschaftler bei ihrer Arbeit unterstützt werden.

Kontakt:
Professor Dr. Eckart Conze
Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaft, Fachgebiet Neuere und Neueste Geschichte
Wilhelm-Röpke-Str. 6 C
35032 Marburg
Tel: (06421) 28 24611
aa-kommission@staff.uni-marburg.de 

Quelle: Thilo Körkel, Philipps-Universität Marburg, Informationsdienst Wissenschaft, 26.9.2006; Auswärtiges Amt – Unabhängige Historikerkommission,  11.8.2006

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