»Riss durchs Leben« – Schicksale ukrainischer Zwangsarbeiterinnen

\“Riss durchs Leben. Erinnerungen ukrainischer Zwangsarbeiterinnen im Rheinland\“: Das ist der Titel der neuen Wanderausstellung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Sie führt durch das Leben von zehn Frauen, die vor über 60 Jahren als \“Ostarbeiterinnen\“ in das Rheinland verschleppt wurden und als Patientinnen in der damaligen Landesfrauenklinik und Hebammenanstalt Wuppertal Elberfeld behandelt wurden und dort ihre Kinder entbunden haben. Die Klinik befand sich damals in der Trägerschaft des Provinzialverbandes der Rheinprovinz, dem Rechtsvorgänger des LVR. Heute gehört sie zu den Sankt Antonius-Kliniken in Wuppertal.

\"LVR-Ausstellung

\“Was die Frauen hier unter den Bedingungen der NS-Herrschaft und unter den Bedingungen des Krieges erleiden mussten, sprengt zuweilen die Grenzen unserer Vorstellungskraft\“, so Horst Pankatz, stellvertretender Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland. \“Mitgenommen ohne Rücksicht auf ihren Zustand, bei schwerer Arbeit ausgebeutet, praktisch bis zu den Wehen und kurz nach der Entbindung erneut zur Arbeit geschickt.\“

Entstanden ist die Idee zu der Ausstellung nach dem Deutschland-Besuch einiger ehemaliger Zwangsarbeiterinnen auf Einladung des LVR im Jahr 2006. Ein Jahr später gelang es LVR-Mitarbeiterinnen mit Hilfe der Europäischen Union, der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, Berlin, und der Ukrainischen Nationalen Stiftung für Aussöhnung und Verständigung, Kiew, alle interessierten Frauen in der Ukraine aufzusuchen, um mit ihnen über ihre Zeit als Zwangsarbeiterinnen und ihr Leben danach zu sprechen.

Die Ausstellung bietet Einblicke in die Perspektive der Opfer, die in großer Unmittelbarkeit berichten. Zwar gehört das Thema \“Zwangsarbeit\“ heute zu den besterforschten Gebieten der Zeitgeschichte in Deutschland, zur Lage von Frauen und Kindern unter den Bedingungen der Zwangsarbeit und die Auswirkungen auf die nächsten Generationen liegen bisher jedoch nur wenige Untersuchungen vor.

Die Ausstellung findet im LVR-Landeshaus, Nordfoyer, Kennedy-Ufer 2, statt. Sie ist noch bis zum 31. Dezember 2007 montags bis freitags von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. – Die Wanderausstellung, die aus aufrollbaren Displays besteht, kann ausgeliehen werden (Kontakt: Dr. Bettina Bouresh, bettina.bouresh@lvr.de).

Zur Ausstellung sind ein Buch und eine CD-Rom erschienen, beides über den LVR beziehbar, außerdem eine Mappe mit pädagogischem Begleitmaterial.

Link: Riss durchs Leben – Ausstellungsflyer

Quelle: LVR, Pressemeldung, 6.11.2007

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


  • Um AUGIAS.Net aktuell zu halten, würden wir uns auch über Ihre Mithilfe freuen: Nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf, wenn Sie Neuigkeiten aus dem Archivwesen haben (Nachrichten, Literatur, Links, Termine etc.).
Top