Gründungsdirektorin für das NS-Dokumentationszentrum München berufen

Der Münchner Stadtrat hat in seiner Vollversammlung am 17. Dezember 2008 beschlossen, Frau Dr. Irmtrud Wojak als Gründungsdirektorin für das NS-Dokumentationszentrum München zu berufen. Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers dankte den beteiligten Gremien: „Durch die Wahl von Frau Dr. Wojak als Gründungsdirektorin ist ein weiterer bedeutender Meilenstein auf dem Weg der Realisierung des NS-Dokumentationszentrums gelegt worden.“ Diese Personalentscheidung wurde in Abstimmung mit allen Projektbeteiligten getroffen. Das NS-Dokumentationszentrum München entsteht in Trägerschaft der Landeshauptstadt München mit Unterstützung des Freistaats Bayern und der Bundesrepublik Deutschland. Derzeit findet der Realisierungswettbewerb für den Neubau am Königsplatz statt. Baubeginn ist voraussichtlich 2011.

Die künftige Gründungsdirektorin begreift den Aufbau des Dokumentationszentrums als große fachliche und bildungspolitische Herausforderung: „ Es ist eine einmalige Chance historischer Aufklärung und des Erinnerns für die Zukunft – Auseinandersetzung mit unserer Geschichte in bestem Sinne.“ Zu ihren Aufgaben wird vor allem die Entwicklung der künftigen Einrichtung sowie die Ausarbeitung der Ausstellungskonzeption gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Team im Kulturreferat gehören. Zudem wird sie die gesamte Bauphase begleiten.

Die Historikerin Dr. Irmtrud Wojak, die seit März 2008 beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen, einem der weltweit größten Archive über Opfer des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs, den Bereich der Forschung leitet, hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Wissenschaftler am kurz zuvor für die Forschung geöffneten Archiv arbeiten können. Sie baute Kontakte auf zu wissenschaftlichen Einrichtungen und Gedenkstätten im In- und Ausland, legte erste Grundlagen für die Erschließung der Dokumente und richtete eine wissenschaftliche Bibliothek ein. Sie stellte die inhaltliche Qualität der beim ITS vorhandenen Dokumentation über die NS-Verfolgung dar und zeigte Perspektiven für die Forschung auf. Dazu fand unter anderem auch ein gemeinsamer Workshop mit dem US Holocaust Memorial Museum (USHMM) Washington statt. „Ich danke Frau Dr. Wojak für ihren außergewöhnlichen Einsatz für den ITS und wünsche ihr für ihre neue Aufgabe viel Erfolg“, sagte ITS-Direktor Reto Meister. 

Das geplante NS-Dokumentationszentrum in München werde auch die Zusammenarbeit mit dem ITS suchen, kündigte Dr. Irmtrud Wojak an. „Ich kann mir vorstellen, dass wir die Bestände des ITS im Hinblick auf die Fragestellungen des NS-Dokumentationszentrums gemeinsam auswerten und nutzbar machen.“ Mit dem Dokumentationszentrum will die Landeshauptstadt München gemeinsam mit dem Freistaat Bayern und dem Bund einen Lernort für die Zukunft gestalten. „Die Generation der Zeitzeugen wird uns nicht mehr lange begleiten. Dies bedeutet einen Paradigmenwechsel für die Forschung und Lehre über den Nationalsozialismus“, so Dr. Irmtrud Wojak. „Ich habe Respekt vor der Aufgabe und freue mich auf diese überaus interessante Herausforderung.“ 

Die 45-Jährige war vor ihrer Arbeit für den ITS als wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin beim Fritz Bauer Institut in Frankfurt, Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, tätig. Sie ist Autorin der Bücher „Eichmanns Memoiren“ und „Exil in Chile“ sowie des umfassenden Katalogs der von ihr 2004 konzipierten Gedächtnis- und Wanderausstellung „Auschwitz-Prozess 4 KS 2/63 Frankfurt am Main“, die auch in Berlin und München gezeigt wurde. Ab dem 27. Januar 2009 ist die Ausstellung für ca. fünf Wochen in der Portikus- und Wandelhalle des Niedersächsischen Landtags in Hannover zu sehen. Zuletzt verfasste Dr. Irmtrud Wojak eine Biographie des hessischen Generalstaatsanwaltes Fritz Bauer, mit der sie sich zugleich an der Leibniz Universität Hannover habilitierte.

Kontakt
Kulturreferat der Landeshauptstadt München
Abteilung Bildende/Darstellende Kunst, Film, Literatur, Musik, Geschichte, Wissenschaft
Projekt NS-Dokumentationszentrum
Burgstrasse 4
80331 München
Fax: 089 / 233 – 2 85 00
www.muenchen.de/kulturreferat

Internationaler Suchdienst (ITS)
Große Allee 5 – 9
34454 Bad Arolsen
Tel.: 05691 / 629 – 0
Fax: 05691 / 629 – 501 
email@its-arolsen.org

Quelle: Presseinformation NS-Dokumentationszentrum München, 18.12.2008; Pressemeldung ITS – Internationaler Suchdienst, 18.12.2008

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