Historische Bildungsarbeit und Erinnerungskultur in Brandenburg

Konzepte zur Historischen Bildungsarbeit präsentierten Dr. Susanne Freund, Professorin für Archivwissenschaft am Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam, und Dr. Petra Haustein, Grundsatzreferentin für Kultur und Zeitgeschichte des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, am 21. April 2009 in der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Berlin. Anlass war ein Studien- und Informationsprogramm für unabhängige Journalistinnen und Journalisten aus der Republik Belarus, die – auf Einladung der Stiftung – Stätten der Erinnerungskultur in Berlin und Brandenburg besuchten und sich über Bildungsprogramme zur Vergangenheitsbewältigung informierten.

Für die Identitätsbildung und -entwicklung einer Nation ist es wichtig, wie sie mit der eigenen Vergangenheit umgeht. Denn eine offene und kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist ein wichtiger Baustein einer funktionierenden Demokratie. In Deutschland wird in diesem Jahr an mehrere historische Daten erinnert. Im Mittelpunkt steht das Gedenken an den Fall der Berliner Mauer vor 20 Jahren. Susanne Freund erläuterte in diesem Zusammenhang von ihr initiierte Studierendenprojekte zu zeithistorischen Themen sowie ihr generelles Lehrkonzept zur Historischen Bildungsarbeit von Archiven, die als Institutionen der Geschichtskultur einen Bildungsauftrag zu erfüllen haben. Prof. Dr. Susanne Freund ist davon überzeugt, dass junge Menschen durch die quellenkritische Arbeit anhand von authentischen Quellen in die Lage versetzt werden, sich ein eigenes historisches Urteil zu bilden. Damit Archive wirklich Stätten der Erinnerung werden, müssen sie sich aktiv an der Vermittlung von Geschichte beteiligen. Eine besondere Rolle spielen dabei die Medien, die über Schülerprojektarbeiten oder Zeitzeugenbefragungen informieren. Sie tragen damit wesentlich dazu bei, dass ein breites Publikum auf archivische Bildungsprogramme aufmerksam wird. So hat zum Beispiel das Projekt \“Stolpersteine\“ von Gunther Demnig durch die Medien eine enorme Resonanz erfahren. Beteiligt sind hieran i. d. R. Schulklassen, die mit Hilfe der Archive Biographien recherchieren, Patenschaften übernehmen und so in vielen Städten die Verlegung von Stolpersteinen in Erinnerung an die Opfer des Holocaust ermöglichen.

Das Stolperstein-Projekt ist auch ein Element des Konzepts zur Erinnerungskultur 1933 bis 1990 in Brandenburg, das von der Landesregierung jetzt vorgelegt wurde. Petra Haustein erläuterte die Intention der Landesregierung, auf diese Weise die Diskussion um klare moralische, gesellschaftlich verhandelte Leitlinien für eine demokratische Erinnerungskultur zu fördern. Kulturministerin Professor Dr. Johanna Wanka bezeichnete die \“Aufarbeitung unserer Vergangenheit\“ jüngst als \“gemeinsame Aufgabe von Gesellschaft, Kommunen und Land\“. Das Konzept \“Geschichte vor Ort\“ umfasst eine erste Bestandsaufnahme. Petra Haustein illustrierte in ihrem Vortrag die inhaltlichen Schwerpunkte und zeigte thematische Bezüge zwischen Erinnerungsorten bzw. Ausstellungsvorhaben, Archiven und zeitgeschichtlichen Museen auf. Mit dem Konzept zur Erinnerungskultur will die Landesregierung \“blinde Flecken\“ im Zeitraum 1933 bis 1990 aufarbeiten und interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gedenkstätten, Archiven und Museen im Hinblick auf diese offenen Fragen anregen, sich zu engagieren und mit zu diskutieren.

Die Kurzreferate von Prof. Dr. Susanne Freund und Dr. Petra Haustein stießen auf großes Interesse der insgesamt 15 belarussischen Journalistinnen und Journalisten und führten zu einer angeregten Diskussion über die Vermittlung von Informationen und die Rolle und Funktion der Medien bei der Gestaltung der Erinnerungskultur. Fragen nach der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlich-sozialen Entwicklung in Deutschland nach der Wiedervereinigung wurden ebenso diskutiert wie die besondere Bedeutung von Denkmälern als Geschichtsträger. Zentraler Punkt waren die Gegensätze zwischen Deutschland und Belarus bei der Aufarbeitung und Vermittlung der Geschichte im eigenen Land.

Kontakt
Fachhochschule Potsdam
Prof. Dr. Susanne Freund
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Quelle: idw, 6.5.2009

Geschichte der Stadt Billerbeck wird geschrieben

Das Institut für vergleichende Städtegeschichte erstellt durch die großzügige Unterstützung des Unternehmers Wolfgang Suwelack eine Geschichte der Stadt Billerbeck. Ab Juli 2009 werden unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Freitag (Professur für westfälische Landesgeschichte an der WWU Münster) zwei Doktoranden in Verbindung mit Fachwissenschaftlern der Region eine große Stadtgeschichte Billerbecks schreiben, die zugleich wissenschaftlich fundiert und verständlich sein wird.

Die Geschichte Billerbecks ist bislang nur in kurzen Zusammenfassungen dokumentiert, die zudem aus den 1950er Jahren stammen. Erstmals sollen daher nun zentrale Etappen der Geschichte von Wigbold, Stadt, aber auch der Bauerschaften vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert untersucht und dargestellt werden. Der Schwerpunkt wird auf dem 19. und 20. Jahrhundert liegen; wichtig erscheint insbesondere der Zusammenhang von katholischen Lebenswelten und kleinstädtischen Strukturen: Billerbeck war und ist als Stadt des Hl. Ludgerus bekannt.

Diese Rahmenerzählung wird durch wichtige Einzelaspekte ergänzt. Zu denken ist an Billerbecker Lebensbilder, an Kirchen und Kapellen, an Denkmäler, aber auch an Bauernhöfe, Adelssitze und Gewerbebetriebe. Das Format der Stadtgeschichte soll jedoch nicht nur der Dokumentation der Heimatgeschichte dienen, sondern darüber hinaus Fragestellungen der modernen Geschichtswissenschaft aufnehmen und Spezifika der Stadtentwicklung exemplarisch herausarbeiten. Karten und Abbildungen werden dabei die beschriebenen Entwicklungsprozesse veranschaulichen.

Das auf drei Jahre ausgelegte Projekt wird am 20. August 2009 in Billerbeck öffentlich präsentiert. Dort werden die Autoren das wissenschaftliche Konzept näher erläutern.

Kontakt:
Prof. Dr. Werner Freitag
Institut für vergleichende Städtegeschichte – IStG – gGmbH
Königsstr. 46
48143 Münster
Tel.: Vermittlung (0251) 83-275-12
Fax: (0251) 83-275-35
istg@uni-muenster.de
www.uni-muenster.de/Staedtegeschichte

»Wir brauchen Informationswissenschaftler als Ökokrieger«. Bericht zur »Berufsfeldtagung« des Fachbereichs Informationswissenschaften der FHP

Am Freitag, den 24. April 2009 veranstaltete der Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam – unterstützt vom Career Service der FH – seine erste Tagung im gerade eröffneten neuen Hauptgebäude. Die ca. 100 Teilnehmer (Praxis- und Verbandsvertreter, Fachkollegen aus der Ausbildung und Studierende) waren beeindruckt vom Gebäude und dem „Aula Magna“ genannten großen Hörsaal. Sie waren aber vor allem gekommen, um gemeinsam mit Experten aus den verschiedenen Fachgebieten (Archivwesen, Bibliotheken, Informationsmanagement der Unternehmen) über die sich dramatisch ändernden Anforderungen an zukünftige Absolventen der fünf Studiengänge des Fachbereichs zu diskutieren.

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Abb.: Aula Magna im neuen Hauptgebäude der Fachhochschule Potsdam

Die Tagung bezog sich auf eine Vorläuferveranstaltung vor 18 Jahren, bei der es sich schlicht um die Neuordnung der deutschen Dokumentations- und Archivlandschaft in der Nachwendezeit drehte. Auch jetzt empfanden alle Teilnehmer – nach der Internetexplosion – einen großen Orientierungsbedarf in allen drei Berufsfeldern. Damals war kurz zuvor der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation (jetzt DGI) die relativ hohe Zuwendungsförderung durch das Bonner Forschungsministerium (BMFT) gestrichen worden und die postgraduale Ausbildung der Dokumentare war in Gefahr. Gleichzeitig ging es um die Nachfolge der Archivschule Franz Mehring in Potsdam und um die Zukunft der Archivwissenschaft als universitärem Lehrfach, als im November 1991 in Werder bei Potsdam dazu ein „Berufsbild-Kolloquium“ stattfand, zu dem die Deutsche Gesellschaft für Dokumentation, der Verein deutscher Archivare und der „Studienkreis ‚Rundfunk und Geschichte‘“ eingeladen hatten. Initiator war Wolfgang Hempel, SWF Baden-Baden (jetzt Ehrensenator der FH Potsdam), in Abstimmung mit dem damaligen Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Hinrich Enderlein. Inhaltlich ging es aber vorwiegend um die Erneuerung des Berufsbildes der Archivare und Dokumentare („Medienarchivare“). Im Vorwort zur Publikation der Tagungsskripte und Diskussionsprotokolle schreibt der damalige Vorsitzende des VdA, Norbert Reimann (nunmehr Honorarprofessor der FH Potsdam), im Jahre 1995: „Selten, wenn überhaupt jemals zuvor und danach, dürften Grundsatzfragen des Archivwesens in Deutschland derart umfassend, intensiv und auf vergleichbar hohem Niveau diskutiert worden sein.“

Eines der Ergebnisse des damaligen Kolloquiums war schließlich die Gründung des Fachbereichs „Archiv-Bibliothek-Dokumentation“ jetzt „Informationswissenschaften“ der Fachhochschule Potsdam, der im Wintersemester 1992/93 den Studienbetrieb aufnahm.

Ein solcher historischer Moment lässt sich nicht wiederholen, aber die Erinnerung daran zeigt die Potsdamer Tradition auf und weist auf die Verantwortung, die sich darauf gründet: Potsdam als Standort der ersten und bisher einzigen nicht verwaltungsinternen Archivausbildung und einzigen akademischen Archivwissenschaft, als Standort von IID (der Ausbildung zum wissenschaftlichen Dokumentar) und IZ (der zentralen informationswissenschaftlichen Informationsquelle mit der Datenbank INFODATA), als erstem spartenübergreifendem Bibliotheksstudiengang, als integrativem Konzept der Informationswissenschaften… Auch drehte es sich nicht um die Schaffung von etwas gänzlich Neuem wie 1991, sondern „nur“ um eine Neupositionierung nach einer erfolgreichen Bewährungsphase. Anlässlich der Einführung neuer Studiengänge und vor allem anlässlich der Umstellung auf das Bachelor/Master-Modell des Bologna-Prozesses ergibt sich die Notwendigkeit, einmal wieder intensiver in die berufliche Zukunft unserer Berufsfelder zu schauen. Die Rede von der Krise in den Informationswissenschaften ist fast so alt wie das Fach selber, aber der Blick in die internationale Diskussion zeigt, dass wir in der Tat an einer Art Scheideweg stehen könnten. Information und Wissen, Informations- und Webtechnologie sind so weit verbreitet, dass es immer dringlicher wird, das Profil zu schärfen. Die Informationswissenschaftler Elisabeth Mezick und Michael Koenig von der Palmer School in Long Island, New York sehen „difficult times ahead for traditionally definded LIS programms, particularly for those that do not possess political ca-pital; have a vocational, rather than a scholastic focus; and are unable to develop creative solutions in a changing en-vironment.“

Auf der diesjährigen Tagung ging es um vergleichbare Fragen der Neuorientierung der Fächer. Die Veranstaltung begann mit drei Impulsreferaten, die meist mehr Fragen aufwarfen als sie Antworten zu geben bereit waren. Prof. Dr. Marc Rittberger, geschf. Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF, in Frankfurt a.M.) und langjähriger Präsident des Hochschulverbands Informationswissenschaft (HI), bezog deutliche Position im Hinblick auf die langjährige Tradition und die aktuell äußerst guten Aussichten der Fachinformationslandschaft. In einer wachsenden Wissen(schaft)sgesellschaft wie Deutschland sie darstellt, ist es selbstverständlich, dass auch die Wissenschaftsinfrastruktur an Bedeutung gewinnt. An seiner eigenen Einrichtung, dem Informationszentrum Bildung, konnte er anschaulich zeigen, dass sich das Berufsfeld ändert und entsprechend der gesellschaftlichen Entwicklung neue Arbeitsgebiete und Herangehensweisen an die Informationsarbeit entstehen: so ist jetzt nicht mehr nur klassische intellektuelle Inhaltserschließung der Forschungsliteratur und ihre Bereitstellung in Datenbanken gefragt, sondern naturgemäß auch ergänzende Strategien wie die Nutzerpartizipation durch Web 2.0, die Einführung komplexer Suchmaschinentechnologien sowie die Erschließung und Aufbereitung von Datenbeständen und multimedialen Informationsträgern. Die Forschungsinfrastruktur wird aber auch zunehmend mit Instrumenten der empirischen Forschung zur Beratungsinstanz für „Evidence Based Policy“ der Politik und Administration. So spielen die Informationsspezialisten seines Instituts sicher eine führende Rolle bei den nächsten Erhebungen zu den PISA Folgestudien und zu Hochschul- und Wissenschaftsevaluationen mit szientometrischen Methoden.

Der nächste Referent, PD Dr. Matthias Ballod (Uni Koblenz/Uni Halle), machte darauf aufmerksam, dass es in unserer informationsüberfluteten Welt immer dringlicher wird, allen Verantwortlichen und Mediatoren klar vor Augen zu führen, dass das Finden von Antworten im lebenslangen Lernen kein einfacher Prozess ist, sondern der begleitenden und vermittelnden Betreuung von Informations- und Medienspezialisten bedarf. Als Germanist liegt ihm die Lehrerausbildung und der gesamte Bildungszyklus am Herzen, und er forderte die interdisziplinäre Erforschung dessen, was Bibliothekare schon seit einigen Jahren als ihr wichtigstes Aufgabengebiet deklariert haben, nämlich die Frage, wie Informationskompetenz in die Gesellschaft kommt. Anschaulich und mit starken informationswissenschaftlichen Bezügen zeichnete er das Modell einer Informationsdidaktik, wie sie auch Einzug in die informationswissenschaftliche Ausbildung halten sollte. Bei diesem neuen Forschungs- und Lehrgebiet handelt es sich darum, „Wissenskommunikation“, „Informationsgestaltung“ und „Lernen mit neuen Medien“ mit der klassischen Informationswissenschaft – er nennt sie „Informationsökonomie“ – zu verknüpfen. Sein Vortragstitel machte das Ziel deutlich: „Von der Digitalisierung zur Didaktisierung“.

Dr. Ulrich Kampffmeyer von der Unternehmensberatung Project Consult in Hamburg ist in der Fachwelt bekannt für seine provokanten, visionären Thesen. So fragte er unverblümt „Wer braucht noch Archivare und Records Manager“, um sogleich die Frage selber zu beantworten: Informationsspezialisten werden mehr denn je gebraucht! Allerdings nicht erst am Schluss des Workflows (am Ende des Information Life Cycles: im Kellergewölbe des Archivs), sondern am Anfang des Geschäftsprozesses und mitten drin im Geschehen. Vor allem machte er darauf aufmerksam, dass er als „digital immigrant“ den „born digitals“ der kommenden Web 2.0 Generation mit ganz anderen Ansätzen begegnen muss, als dies bis jetzt in Berufsfeld und Ausbildung als State of the Art angenommen wird. Seine Position wird in der Formulierung seines Schlussstatements besonders deutlich: „Wir brauchen engagierte Öko-Krieger um die zunehmende Umweltverschmutzung der Welt mit Informationsmüll in den Griff zu bekommen!“. So provozierend sein Vortrag auch war, die anwesenden Verbandsvertreter und Praktiker aller Sparten schienen ihm einhellig zuzustimmen.

Der Nachmittag war mehreren Arbeitsgruppen unterschiedlicher Themen gewidmet, die von den Kollegen des Fachbereichs moderiert und von den drei Referenten begleitet wurden. Hier ging es um die Frage der Konsequenzen aus dem aktuellen Umbau des Wissenschaftssystems in Richtung auf E-Science und Open Access oder um die neue Bedeutung der Bildungsarbeit durch Archive und Bibliotheken bzw. um Fragen des Information Engineering im Unternehmen. Die Workshops hatten das Ziel, im kleineren Kreis gemeinsam mit den Praxisvertretern (z.B. aus den Ausbildungskommissionen der Verbände) die zukünftigen Anforderungen an Studium und Beruf zu diskutieren und neue Impulse in die kontinuierliche Studienreform einfließen zu lassen. Bewusst waren interdisziplinäre und nicht studiengangspezifische Themencluster vorgegeben worden, so dass auch sehr angeregt zwischen den Berufsfeldern diskutiert wurde. Auch Ehemalige des Fachbereichs und aktuell Studierende waren jeweils in den unterschiedlich großen Gruppen vertreten.

In der Arbeitsgruppe „Informationswissenschaften in Bildung und Gesellschaft (Informationskompetenz, soziale Integration)“ moderiert von Prof. Dr. Dagmar Jank und Prof. Dr. Susanne Freund wurde zunächst eine allgemeine Theorie-Praxis-Diskrepanz konstatiert. Die anwesenden Praxisvertreterinnen wiesen darauf hin, dass immer wieder zu beobach-ten sei, dass die Absolventen der Informationsstudiengänge mit falschen Erwartungen und auch nicht immer mit dem richtigen Rüstzeug ihren beruflichen Lebensweg beginnen. Bei der vertieften Diskussion des Konzepts der Informationsdidaktik wurde in diesem Zusammenhang dann auch immer wieder auf Kunden- und Zielgruppenorientierung als dem A&O von Schulungen, aber auch der Institutionen selber hingewiesen. Gerade auch in der Abschlussdiskussion im Plenum der Tagung wurde quasi als Resumée für alle Workshops die besondere Bedeutung von Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit betont. Die Kolleginnen des Fachbereichs stellten in der Arbeitsgruppe anschließend die geplanten Mastermodule „Kultur/Bildung/Gesellschaft“ vor und erläuterten, warum diese einem starken theoretischem Ansatz (inkl. historischem Rückblick) folgen: der Fachbereich geht davon aus, dass zukünftige Masterabsolventen eines konsekutiven informationswissenschaftlichen Master of Arts auf einem hohen Niveau konzeptionell bei der Gestaltung von Bildungsprozessen in und durch Informationseinrichtungen mitwirken können müssen. Bisher herrscht allerdings noch Verunsicherung über die neuen Abschlüssen in der Praxis, die teilweise sogar vermutet, dass es in Bezug auf die oberen Ebene des Öffentlichen Dienstes eine Art Enthierarchisierung geben wird und Bachelor und Master sich konkurrierend auf ähnliche Positionen bewerben werden. Vielleicht ergeben sich aber auch durch die Professionalisierung der Informationsberufe gänzlich neue Berufsfelder, die wir heute noch nicht sehen geschweige denn mit einem Namen belegen können. Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass es sich dabei für besonders qualifizierte Archivare, Bibliothekare und Informationswissenschaftler auch um eher freiberufliche Tätigkeiten außerhalb des Öffentlichen Dienstes handeln könnte.

Die Arbeitsgruppe „Änderungen im wissenschaftlichen Kommunikations- und Informationssystem (Open Access, E-Research, Multilingualität, Kooperation)“ geleitet von Prof. Dr. Stephan Büttner erweiterte zunächst die Palette des vorgeschlagenen Themenclusters um den Aspekt des Transfers und der visuellen Aufbereitung wissenschaftlicher Ergebnisse für Öffentlichkeit und Politik. Es wird bei steigender Bedeutung der Bildungsdebatte zunehmend wichtig, Wissenschaft auf für unterschiedliche Zielgruppen verständliche Weise zu vermitteln. Hierbei könnten gerade die komplexer werdenden Infrastruktureinrichtungen (wie Institutsbibliotheken, IT und Datenmanagementabteilungen) einen wichtigen Beitrag leisten. Die dafür notwendigen Kompetenzen, die die Ausbildung vermitteln muss, verschieben sich deutlich von den klassischen Fächern wie Katalogisierung hin zu IT und der Aufnahme tiefergehender Kenntnisse zu Einzelthemen z.B. im Zusammenhang mit XML. Hier entsteht die Ambivalenz der Notwendigkeit auch domänenspezifisch in die Tiefe gehen zu müssen und trotzdem die Metaebene übergreifend beherrschen zu können. Es kommt vor allem darauf an, zu verstehen wie es geht und gleichzeitig die Fähigkeit zu entwickeln, sich mit neuen Themen vertieft auseinandersetzen zu können. Wissensorganisation und -präsentation von teilweise sehr spezifischen Fachgebieten bleiben dabei die wesentlichen inhaltlichen Kompetenzen zukünftiger Bibliothekare und anderer Informationsspezialisten. Auch die geforderten Social Skills bekommen eine neue Nuancierung: zunehmende Interdisziplinarität und Kooperation in den Wissenschaften verlangen weiterhin in hohem Ausmaß Teamfähigkeit. Die steigende Bedeutung der Frage der Verwertung von Wissen und Information bedarf Absolventen, die vor allem die Kommunikation nach außen unterstützen können, z.B. auch gegenüber den Entscheidungsträgern und der breiteren Öffentlichkeit.

Die dritte (größte) Gruppe konstituierte sich mit dem Thema „Nachhaltiges Informations- und Wissensmanagement“ neu und wurde von Prof. Dr. Angela Schreyer und Prof. Dr. Rolf Däßler moderiert. Auch in dieser Gruppe wurde auf eine mögliche freiberufliche Tätigkeit in neuen Berufsfeldern hingewiesen, die in hohem Ausmaß BWL- und IT-Kenntnisse erfordert, aber ihren Kern weiterhin bei den Informationswissenschaften haben sollte. Als Kompetenzen wurden neben den klassischen Fertigkeiten zur Informationsrecherche, Informationsverdichtung und zur Organisation von Informationsprozessen gerade auch Kommunikations- und Analysefähigkeit und sowie die Kompetenz zum „Design“ von Informationsprozessen hervorgehoben. Diskutiert wurde, wie viel „Handwerkliches“ dabei die Basis bildet oder ob der Schwerpunkt auf der Verstehensebene liegt, wie dies ja auch in der zweiten AG thematisiert wurde. Gerade in dieser Gruppe wurde intensiv darüber debattiert, ob das Studium eher auf Positionen in der Wirtschaft oder im Öffentlichen Dienst vorbereiten soll. Quintessenz war schließlich, dass in der Wirtschaft ein Masterabschluss als wichtiger erachtet werden würde, während dieser im Öffentlichen Dienst aus tariflichen Gründen zu einer falsch verstandenen „Überqualifizierung“ führen könnte, es also Niveauunterschiede in der Anforderungen an den „Titel“ geben wird. Inhaltlich jedoch sind es die gleichen Anforderungen an die Aufgabengebiete, ob sie nun Records Management, Informations- oder Contentmanagement genannt werden würden. Der Unterschied zwischen den beiden Welten ist eher eine Frage des Labels bzw. der Zielgruppensprache, nicht des Studienprofils. Interessanterweise wurde gerade in dieser Gruppe intensiv das alte Fachreferentenmodell diskutiert, denn einzelne anwesende Praktiker betonten die Notwendigkeit einer „Öffnung der informationswissenschaftlichen Masterausbildung“ für andere Fachgebiete (was üblicherweise bei einem sog. konsekutiven Master, wie ihn der Fachbereich plant, nicht vorgesehen ist). Hier artikulierte sich auch ein deutlicher Fortbildungsbedarf der Praxis, denn es wurde mehrfach der Wunsch nach berufsbegleitenden Angeboten des Fachbereichs laut.

Konsens schien in dieser Diskussionsrunde zu sein, dass unter dem Label „Informationsmanagement“ auch auf Bachelor-Niveau am ehesten verstanden wird, was die Fähigkeiten eines „information professional“ sind und dies in allen drei Berufsfeldern: dem (wirtschaftsnahen) Archivwesen wie dem Dokumentations- und dem Bibliotheksbereich. Vehement wurde von einzelnen Diskussionsteilnehmern dieser Gruppe nach den konkreten Berufsperspektiven der zukünftigen Absolventen gefragt: („knallhart fragen, wo gibt\’s die Jobs?“) – um die (an sich schon sehr guten) Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Zum Abschlussplenum waren trotz vorgerückter Stunde an diesem sonnigen Freitagnachmittag immer noch fast die Hälfte der Teilnehmer anwesend. Hier wurde z.B. auf das alle drei Gruppen verbindende Element der Kommunikation und der überzeugenden Außendarstellung als notwendiger Kompetenz hingewiesen und die Frage der Langfristigkeit von Studiengangsentwürfen diskutiert. Dabei rechnete Matthias Ballod aus der Lehrerausbildung kommend vor, dass die im Hochschulstudium vermittelten Fertigkeiten und Kompetenzen generationenübergreifend im Grunde eine Haltbarkeit von „bis zu 90 Jahre“ haben sollten. Ulrich Kampffmeyer fasste dies abschließend zusammen, indem er betonte, dass es wichtig sei, sich unter diesem Aspekt gerade von zeitgebundenen Trendthemen fernzuhalten und ein Ausbildungsprofil zu Kompetenzbereichen anzubieten, die auch in zehn bis zwanzig Jahren noch Bestand haben werden, „weil sie grundsätzliche Methdodik darstellen“. Die Ausbildung zum Informationswissenschaftler produziert keine Programmierer, sondern eher so etwas wie „Weltretter“ (so Kampffmeyer), weil die Profession schon bei ihrer dokumentierenden und archivierenden Basistätigkeit ganz auf Nachhaltigkeit und Zukunft ausgerichtet ist.

Die eingangs gestellten Fragen wurden sicher nicht für alle beantwortet während der intensiven Debatten, dennoch gab die Tagung wichtige Impulse für die Diskussion in und mit den drei Berufsfeldern. Sie machte vor allem deutlich, welche Verantwortung gerade zukünftige Generationen von Informationswissenschaftlern haben werden. Der Career Service der Hochschule hat mit seiner Unterstützung der Tagung damit genau die Funktion übernommen, die mit ihm durch seine Förderung vom Europäischen Sozialfonds zugesprochen wird. Die Berufsfelddiskussion – die Frage, wohin die Reise gehen soll – wird innerhalb des Fachbereichs, aber auch in den verschiedenen Berufsfeldern weiter intensiv geführt werden. Mehrfach wurde betont, wie wichtig der Austausch zwischen den verschiedenen beteiligten Gruppen – Studierende, Berufsvertreter, Professoren – ist, so dass es sicher nicht das letzte Mal war, dass in und mit Potsdam darüber diskutiert wurde.

Die Diskussion findet naturgemäß schon jetzt in den „Social Media“ statt, aber auch die Printpresse berichtet(e) über die Tagung: Märkische Allgemeine Zeitung exklusiv am 14. Mai 2009. Die Vorträge sowie die Abschlussrunde sind als Videomitschnitt auf http://ecampus.klisch.net/?p=51 abrufbar.

Hans-Christoph Hobohm (Potsdam)

Mainzer Dom- und Diözesanarchiv erhält Vorlesungsmanuskripte

Professor Hermann Reifenberg, der Ehrenbürger der Stadt Mainz ist, hat dem Mainzer Dom- und Diözesanarchiv die Vorlesungsmanuskripte seiner jahrzehntelangen, liturgiewissenschaftlichen und pastoraltheologischen Arbeit zur Aufbewahrung übergeben. Am 8. Mai 2009 konnte der Direktor des Dom- und Diözesanarchivs, Dr. Hermann-Josef Braun, die Sammlung von 22 Ordnern aus Reifenbergs Nachlass, vor allem aus seiner Zeit als Professor für Liturgiewissenschaft an der Universität Bamberg, entgegen nehmen. Prof. Reifenberg kündigte an, dass er dem Archiv nach seinem Tod auch seine Korrespondenz zur Verfügung stellen werde, „aber das wird noch etwas dauern“, sagte der 80-Jährige. Dr. Hermann-Josef Braun dankte Professor Reifenberg für die Überlassung des Nachlasses. Er wies darauf hin, dass dem Archiv bisher noch nie vorab ein Nachlass zur Aufbewahrung übergeben worden sei. Professor Reifenberg habe vor allem zur Liturgie des Bistums Mainz „wichtige Grundlagenforschung“ betrieben, sagte Braun. „Um unsere Funktion als Gedächtnis des Bistums wahrnehmen zu können, sind wir auf solche Nachlässe angewiesen.“ Und weiter: „Wenn jemand uns etwas zur Aufbewahrung gibt, dann kann er davon ausgehen, dass es in den Wissenschaftsbetrieb mit einfließt.“

Hermann Reifenberg wurde am 6. Juni 1928 in Oppenheim geboren und war zunächst Priester im Bistum Mainz. Als Pfarrer von Ebersheim wurde ihm 1965 für seine Verdienste um die damals noch selbständige Gemeinde Ebersheim die Ehrenbürgerwürde verliehen. Er hatte unter anderem die Festschrift zur 1.500-Jahr-Feier des Ortes verfasst. Durch die Eingemeindung wurde er später auch Mainzer Ehrenbürger. Ab 1965 war er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1993 Professor für Liturgiewissenschaft an der Universität Bamberg. Seine Doktorarbeit mit dem Titel „Der Ordo Missae Moguntinus seit dem 14. Jahrhundert“ schloss er 1952 ab. Im Jahr 1963 legte er seine Habilitationsschrift „Stundengebet und Breviere im Bistum Mainz seit der romanischen Epoche“ vor. Unter seinen weiteren Veröffentlichungen ist auch ein zweibändiges Werk über „Sakramente, Sakramentalien und Ritualien im Bistum Mainz seit dem Mittelalter“ aus dem Jahr 1972.

Das Dom- und Diözesanarchiv in Mainz übernimmt als Archiv des Bistums die schriftliche Überlieferung des Bischöflichen Ordinariates, des Domkapitels sowie der kirchlichen Einrichtungen im Bistum. Es unterstützt außerdem die wissenschaftliche und heimatkundliche Erforschung des Bistums Mainz und seiner Pfarreien. So hat das Archiv beispielsweise bei der Gesamtausgabe der Werke von Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler viele bedeutende Originale zur Verfügung stellen können. Daneben unterstützt das Archiv die Bistumsverwaltung bei juristischen Problemen sowie historischen Fragestellungen, etwa bei Bau- oder Restaurierungsmaßnahmen. Außerdem ist das Diözesanarchiv auch Anlaufstelle für Privatleute aus aller Welt, die mehr über die Herkunft ihrer Familie erfahren möchten. Auf Dauer erhaltenswertes Schriftgut aus dem Bistum wird ins Archiv übernommen und zugänglich gemacht. Das Diözesanarchiv berät die Pfarrämter bei der Führung ihrer aktuellen Akten (Registratur) und der Pflege ihres eigenen Pfarrarchivs. Es übernimmt Pfarrarchive in der Regel nur dann, wenn eine Seelsorgestelle nicht besetzt ist. Außerdem verfügt das Archiv über eine landes- und kirchengeschichtliche Dienstbibliothek, die auch den Benutzern zur Verfügung steht.

Kontakt
Dom- und Diözesanarchiv
Heringsbrunnengasse 4
Rochusstift
55116 Mainz
Tel.: 06131 / 253 – 157 und – 432
Fax: 06131 / 253 – 807
archiv@bistum-mainz.de

Quelle: Pressemeldung Bistum Mainz, 8.5.2009

Museum in Theorie und Praxis

Im Mai 2009 beginnt das museumswissenschaftliche Forschungsprojekt \“wissen&museum", eine neue Kooperation zwischen dem Deutschen Literaturarchiv Marbach (DLA), dem Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft und dem Kunsthistorischen Institut der Universität Tübingen sowie dem Institut für Wissensmedien Tübingen (Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft). Ziel dieses bislang einzigartigen Projekts ist es, am Beispiel der Ausstellungen des Literaturmuseums der Moderne Übersetzungsvorgänge in Ausstellungen zu untersuchen und Theorien zu entwickeln, die über den Einzelfall hinaus Wissens- und Vermittlungsprozesse des Museums erklären können.

Das Forschungsprojekt " wissen&museum" bringt aktuelle Erkenntnisse und Methoden der Museumswissenschaft, der Kunst- und Bildwissenschaft sowie der Medien-, Informations- und Kognitionswissenschaft in produktiven Dialog mit den Beständen des DLA und deren Präsentation am Ort. Mit dieser neuartigen Form universitär-außeruniversitärer Zusammenarbeit soll der Transfer von Theorie und Praxis optimiert und qualifizierter Nachwuchs für das boomende Ausstellungswesen methodisch wie praktisch ausgebildet werden. So sollen die vier Wissenschaftlichen Mitarbeiter des Museums sowohl in der Museumsforschung als auch – im Rahmen eines Volontariats – in der praktischen Arbeit qualifiziert werden. Das Pilotprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und läuft über drei Jahre. Seinen Abschluss bildet eine gemeinsam konzipierte und theoretisch reflektierte Ausstellung zum Epochenjahr 1912, die im April 2012 im Literaturmuseum der Moderne eröffnet wird.

Den offiziellen Auftakt des Projekts macht ein Vortrag der Kunsthistorikerin Beatrice von Bismarck (Leipzig) zum Thema „Archiv in Bewegung. Christian Philipp Müllers ausstellendes Forschen“. Die Veranstaltung findet am Montag, dem 18. Mai 2009, um 18.30 Uhr im Humboldt-Saal des Deutschen Literaturarchivs Marbach statt. Beatrice von Bismarcks Vortrag reflektiert dieses Verhältnis von Ausstellungstheorie und -praxis am Beispiel des Künstlers Christian Philipp Müller. Die Arbeit mit kulturellen Archiven stellt einen wesentlichen Bestandteil seines künstlerischen Schaffens dar. Seit den späten 1980er Jahren nutzt der in der Schweiz geborene und in New York lebende Künstler gesammelte und gespeicherte Materialien, die er in aktuelle Zusammenhänge stellt und eng in die kuratorische Arbeit einbindet. Selbstreflexiv in der Anlage, verschränken die Arbeiten ästhetische, semantische, soziale und ökonomische Perspektiven miteinander und leisten damit einen entscheidenden Beitrag zu dem aktuellen Diskurs, der um kuratorisches Wissen geführt wird.

Kontakt
Deutsches Literaturarchiv Marbach
Museum
Postfach 1162
71666 Marbach am Neckar
Tel.: 07144 / 848 – 600
Fax: 07144 / 848 – 690
museum@dla-marbach.de

Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft
Prof. Dr. Bernhard Tschofen (Sprecher der Arbeitsgruppe)
Burgsteige 11 (Schloss)
72070 Tübingen
Tel.: 07071 / 29 – 72375
Fax: 07071 / 29 – 5330 
bernhard.tschofen@uni-tuebingen.de

Quelle: Pressemitteilung Uni Tübingen, 15.5.2009; Pressemitteilung DLA Marbach, 12.5.2009

Tag der offenen Tür in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main

Zu einem Blick hinter die Kulissen lud die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt am Main im Rahmen der hessenweiten Aktion \“Ein Tag für die Literatur" mit einem Tag der offenen Tür am 10. Mai 2009 ein. Führungen durch den Lesesaal und die unterirdischen, fußballfeldgroßen Magazine, Präsentationen des Deutschen Exilarchivs 1933 – 1945, Haustechnik-, Kunst- und IT-Führungen standen ebenso auf dem Programm wie Informationen zur Sammlung und zu den Dienstleistungen der Deutschen Nationalbibliothek. Ein Höhepunkt des Tages war die Lesung \“Meinem besten Porträtisten …\“. Der Frankfurter Schauspieler Jochen Nix präsentierte Texte und Porträts aus dem deutschsprachigen Exil. Die Führung durch die Ausstellung \“Buch Gestalten. Made in China\“ der Stiftung Buchkunst gewährte einen Einblick in die chinesische Buchgestaltung zwischen Tradition und Innovation.

Weitere Themen waren die Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, eine kleine Ausstellung mit Besonderheiten aus der Sammlung der Bibliothek sowie das Archiv und die Bibliothek des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die in der Deutschen Nationalbibliothek gepflegt werden. Die Bibliothek und das Historische Archiv des Börsenvereins sammeln möglichst umfassend gedruckte wie ungedruckte Materialien zum deutschen Buchhandel und Verlagswesen in Geschichte und Gegenwart, erschließen sie und machen sie jedem Interessierten zugänglich: Bücher und Zeitschriften ebenso wie zum Beispiel Autographen, Porträts und Plakate. Mit ihren umfangreichen Beständen zählen Archiv und Bibliothek des Börsenvereins auf diesem Gebiet zu den bedeutendsten Spezialsammlungen in Deutschland. Der Börsenverein übergab 2002 der Deutschen Nationalbibliothek die Bestände seiner Bibliothek und seines Historischen Archivs als Dauerleihgabe. Im Gegenzug verpflichtete sich die Deutsche Nationalbibliothek zur Weiterführung der Sammlungen und der damit verbundenen Dienstleistungen. Archiv und Bibliothek des Börsenvereins werden so in ihr nationalbibliothekarisches Umfeld und Überlieferungskontinuum eingebettet.

Kontakt
Deutsche Nationalbibliothek 
Archiv und Bibliothek des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels
Hermann Staub 
Adickesallee 1
60322 Frankfurt am Main 
Tel.: 069 / 1525 – 1545
Fax: 069 / 1525 – 1010 
h.staub@d-nb.de

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Nationalbibliothek, 30. April 2009 ; Archiv und Bibliothek des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

Restaurierungskosten für Kölner Stadtarchiv schwer absehbar

Die Bundestagsfraktionen haben ihre Solidarität mit den Mitarbeitern des Historischen Archivs in Köln zum Ausdruck gebracht. Während einer Sitzung des Kulturausschusses am 13. Mai 2009 betonten sie, der Einsturz des Archivs Anfang März 2009 sei \“ein Ereignis, was an Dramatik kaum zu übertreffen\“ sei. Die Direktorin des Archivs, Bettina Schmidt-Czaia, und der Kulturdezernent der Stadt Köln, Professor Georg Quander, hatten über den Stand der Bergungsarbeiten berichtet. Besonders erkundigten sich die Abgeordneten nach den Kosten und den Finanzierungsmöglichkeiten.

\“Es grenzt an ein Wunder, dass nur zwei Menschen ums Leben gekommen sind\“, sagte Quander. Inzwischen sei klar, dass vom Archivmaterial zwar \“nicht alles verloren, aber alles beschädigt\“ sei. Der Verlust scheine größer als nach dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar zu sein. Viele Helfer, auch aus dem Ausland, helfen dabei, die Bestände zu sichern und später zu sortieren, sagte Quander. 80 Prozent des Materials seien inzwischen geborgen. Schwierig sei es, an die Papiere zu gelangen, die im Grundwasser in bis zu 30 Meter Tiefe lägen. \“300 große Wannen mit Fragmenten\“ würden bisher bearbeitet. Wegen der unterschiedlichen Materialien, Typografien und Handschriften werde es besonders schwierig, die Stücke zusammenzusetzen. Allein die bisherigen Kosten für die Bergung des Archivgutes bezifferte Quander mit 1,39 Millionen Euro. Die Restaurierungskosten schätzte er \“auf einen dreistelligen Millionenbetrag\“, dessen genaue Höhe schwer zu beurteilen sei. Dazu kämen unter anderem Kosten für einen Neubau des Archivs. Um Versicherungsgelder erhalten zu können, müsse zunächst die Schuldfrage am Einsturz des Gebäudes geklärt werden. Schmidt-Czaia ergänzte, die Sortierung der Fundstücke sei auch deswegen schwierig, weil sich das Gebäude beim Einsturz gedreht habe. Von der ersten bis zur sechsten Magazinetage sei alles durcheinandergewirbelt und man könne nicht vorhersagen, wo sich welches Objekt befinde. 

Quelle: Pressemitteilung Deutscher Bundestag, 13.5.2009

Ausstellung zum 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy

Im Goethe- und Schiller-Archiv eröffnete am 6. Mai 2009 die Klassik Stiftung Weimar die Ausstellung »Es ist ein himmlischer, kostbarer Knabe …«. Der 200. Geburtstag des Musikers gibt den Anlass zu einer kleinen Schau kostbarer Autographen aus den Beständen des Goethe- und Schiller-Archivs, die von Bildnissen aus den Graphischen Sammlungen des Goethehauses begleitet werden.

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), Enkel des berühmten Philosophen Moses Mendelssohn, gehört zu den herausragenden Musikerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Die Hauptstationen auf seinem kurzen Lebensweg waren Berlin und Leipzig. Auf ausgedehnten Reisen empfing er Inspirationen für seine schon zu Lebzeiten gefeierten Kompositionen. Die wohl nachhaltigste Begegnung erlebte er als Zwölfjähriger mit Goethe in Weimar. Der Dichter, nicht minder beeindruckt von der außergewöhnlichen Musikalität und dem liebenswürdigen Wesen des „himmlischen, kostbaren Knaben“, wie er ihn Lea Mendelssohn Bartholdy gegenüber nannte, sollte den Meisterschüler seines Freundes und Leiters der Berliner Singakademie Carl Friedrich Zelter noch vier Mal im Haus am Frauenplan begrüßen dürfen. Auch nach dem Tod des Dichters brach die enge Verbindung Mendelssohns zu Weimar und seinem Weimarer Freundeskreis um Goethes Schwiegertochter Ottilie, ihre Schwester Ulrike Pogwisch und Adele Schopenhauer nicht ab. Das Weimarer Angebot des Hofkapellmeisteramtes in der Nachfolge Johann Nepomuk Hummels lehnte er jedoch ab, da er sich von der vertrauten Leipziger Wirkungsstätte nicht trennen wollte.

Die Ausstellung zeigt noch bis zum 16. Mai 2009 mehr als 70 Exponate, darunter Originalbriefe von Felix Mendelssohn Bartholdy, seinen Eltern und weiteren Familienangehörigen, zwei eigenhändige Notenmanuskripte, Stammbucheintragungen und eine kleine Bleistiftzeichnung des Komponisten. Neben zeitgenössischen Abschriften und Frühdrucken Mendelssohnscher Kompositionen werden auch ein Tagebuch seines Freundes Eduard Devrient und das Autograph der Komposition »Großes Konzertstück über Mendelssohns Lieder ohne Worte« für zwei Klaviere von Franz Liszt präsentiert. Am 13. Mai 2009 hielt Dr. Ralf Wehner (Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig) einen Vortrag unter dem Titel »Meine Großmutter hat da ein paar alte Noten …« Zu verschollenen und wieder aufgefundenen Kompositionen von Felix Mendelssohn Barthold. Zur Weimarer Museumsnacht am 16. Mai 2009 werden von 20.00 bis 23.00 Uhr stündlich Führungen angeboten.

Kontakt
Goethe- und Schiller-Archiv
Hans-Wahl-Straße 4
99425 Weimar
Tel.: 03643 / 545 – 240 / 241
Fax: 03643 / 545 – 241
gsa@klassik-stiftung.de

Quelle: Pressemeldung Klassik Stiftung Weimar, 30.4.2009

Stadt Köln informiert Nachlassgeber und Depositare über aktuelle Situation

Am 11. Mai 2009 informierte die Stadt Köln die Nachlassgeber und Depositare der im Historischen Archiv eingelagerten Archivalien über den aktuellen Sachstand. Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Fritz Schramma gab der Direktor der Kölner Berufsfeuerwehr, Stephan Neuhoff, einen Überblick über die aktuelle Situation an der Unglücksstelle und zur Bergung der Archivalien. Kulturdezernent Prof. Georg Quander stellte die Aktivitäten des Kulturdezernates im Zusammenhang mit der Bergung und Sicherung sowie die weiteren Schritte zur Restaurierung der Kulturgüter vor. Über 80 Prozent des Gesamtbestandes des Historischen Archivs konnten inzwischen geborgen werden.

Die Leiterin des städtischen Rechtsamtes, Ursula Herx, ging auf die rechtliche Thematik ein. Im Mittelpunkt der Informationen durch die Archivleiterin, Dr. Bettina Schmidt-Czaia, standen die Maßnahmen zur Versorgung der Archivalien sowie die aktuellen und in Planung befindlichen Einrichtungen des Historischen Archivs ,wie beispielsweise das Erstversorgungszentrum in Köln-Porz, der Mikrofilmlesesaal, der digitale Lesesaal und der geplante Wiederaufbau der Abteilung für Restaurierung und Digitalisierung.

Da nach dem Einsturz des Archivs neben der Vermisstensuche die Bergung und Sicherung der Archivalien im Vordergrund aller Aktivitäten stand, konnten erst nach und nach auch die Verwaltungsakten aus den stehen gebliebenen Büros geholt werden. Darunter befanden sich auch die Ordner mit den Adressen der über 800 Nachlassgeber und Depositare. Der Infoabend am Montag stellte somit die erste gemeinsame Kontaktaufnahme mit den Nachlassgebern dar und bildete den Auftakt zu einem weiteren engen Informationsaustausch mit ihnen. Zum Zustand der Nachlässe und Sammlungen, vor allem, um welche Bestände es sich genau handelt, kann erst nach Abschluss der Bergung und nach Auswertung der Erfassungslisten endgültig Verbindliches gesagt werden.

Quelle: Pressemitteilung Stadt Köln, 9.5.2009

Nominierungen für den Grimme Online Award

Das Portal \“Zwangsarbeit 1939-1945. Erinnerungen und Geschichte\“ ist am 12. Mai 2009 in Düsseldorf für den Grimme Online Award in der Kategorie Wissen und Bildung nominiert worden. Es zählt damit zu den 24 Websites, die aus über 1.700 Vorschlägen für die Endrunde ausgewählt wurden. Das Online-Archiv entstand in einem Kooperationsprojekt der Stiftung \“Erinnerung, Verantwortung und Zukunft\“ (EVZ) mit der Freien Universität Berlin und dem Deutschen Historischen Museum. Es öffnet den Zugang für die historisch-politische Bildung zu fast 600 Audio- und Video-Interviews mit Menschen aus 26 Ländern, die während des Nationalsozialismus Zwangsarbeit leisten mussten. Mit dem Preis zeichnet das Adolf-Grimme-Institut seit 2001 jährlich bis zu acht qualitativ hochwertige Websites in vier Kategorien aus. Der Grimme Online Award wird am 24. Juni 2009 in Köln vergeben.

In ihrem Statement zur Bekanntgabe der nominierten Online-Angebote sagte die Nominierungskommission: \“\’Zwangsarbeit 1939-1945\‘ sammelt die Lebensgeschichten von Zwangsarbeitern in ausführlichen Video- und Tondokumenten und leistet damit einen besonderen Beitrag dazu, die Erinnerung an über zwölf Millionen Menschen, die im nationalsozialistischen Deutschland zur Zwangsarbeit gezwungen wurden, wach zu halten. Die Login-Pflicht der Seite zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen zeugt von der besonderen Verantwortung der Betreiber und stand einer Nominierung nicht im Weg.\“

\“Wir freuen uns außerordentlich über diese ehrenvolle Nominierung\“, so Prof. Dr. Nicolas Apostolopoulos, der Leiter des Centers für Digitale Systeme an der Freien Universität Berlin, wo das Online-Archiv in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsbereich für die Geschichte Ostmitteleuropas von Prof. Dr. Gertrud Pickhan am Osteuropa-Institut der Freien Universität entsteht. \“Wir werden das Portal mit weiterem wissenschaftlichem Material und um Web-2.0-Funktionalitäten ergänzen und es so zu einem lebendigen Online-Archiv ausbauen. Mithilfe des Internet und der Stimmen der ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter kann heute die Aufarbeitung dieses Kapitels der deutschen Geschichte besonders gefördert werden.\“

\“Zwangsarbeit 1939-1945\“ wurde bereits seit 2004 von der Stiftung EVZ vorbereitet. 32 Teams internationaler Institutionen zeichneten insgesamt 2000 Bänder mit den Erinnerungen ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf und sammelten dazu viele weitere Dokumente wie Fotografien. 2007 schlossen die Stiftung EVZ, die Freie Universität und das Deutsche Historische Museum die Kooperation und begannen mit der Digitalisierung, Verschlagwortung, Erschließung und Archivierung des umfangreichen Materials. Seit Januar 2009 steht die Plattform nun online zur Verfügung und wird seitdem fortlaufend weiterentwickelt. Außerdem hat das Deutsche Historische Museum eine Multimedia-Station in die Ständige Ausstellung integriert, die beispielhaft die Lebensläufe einzelner Interviewten darstellt, und diese Inhalte auch in sein Webangebot übernommen.

Des Weiteren gehört das Digitale historische Archiv Köln zu den 24 Internetangeboten, die für den diesjährigen Grimme Online Award nominiert sind! Es geht in der Kategorie "Spezial" an den Start! Beim Einsturz des historischen Archivs in Köln ist ein großer Teil des Gedächtnisses der Stadt verloren gegangen, eine kulturhistorische Katastrophe. Die Betroffenheit war so groß wie die Welle der Hilfsbereitschaft: Aus ganz Deutschland reisen Archivare, Studenten und Wissenschaftler an, um bei der Rettung der zerstörten Archivgüter zu helfen. Aber auch per Internet ist Hilfe möglich. Jeder der Abschriften, Kopien, Mikrofilme oder digitale Fotografien der Kölner Archivbestände hat, kann sie im digitalen historischen Archiv hochladen und so helfen, die Kölner Sammlung wieder zu vervollständigen. Eine einzigartige Geschichts-Notfallhilfe, die große Resonanz findet: Allein in den ersten vier Wochen gab es über 1.000 Uploads. Jeder Nutzer und jede Nutzerin des Historischen Stadtarchivs kann vorhandenes Archivmaterial in das Digitale Archiv einspeisen.

Bereits wenige Tage nach dem Einsturz des Historischen Archivs gründeten Dr. Holger Simon und Dr. Andreas Rutz das Digitale historische Archiv Köln. Dieses ist ein Gemeinschaftsprojekt von "prometheus – Das verteilte digitale Bildarchiv für Forschung und Lehre e.V." und dem Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn, Abt. für Rheinische Landesgeschichte. Mit dem Historischen Archiv der Stadt Köln wurde ein Kooperationsvertrag geschlossen. Unterstützt wird das Projekt von zahlreichen Institutionen aus den Bereichen Archiv, Restaurierung, Geschichtswissenschaft und Kunstgeschichte, allen voran die Berufsverbände. Darüber hinaus haben sich mittlerweile fast 400 Privatpersonen aus aller Welt als Nutzer registriert, die das Digitale Historische Archiv Köln nutzen und laufend um weitere Dokumente ergänzen.

Das Digitale Historische Archiv Köln wird zu einem digitalen Lesesaal für die Geschichte der Stadt Köln ausgebaut. Der digitale Lesesaal ist ein Internetauftritt, in dessen Mittelpunkt die Archivalien des Historischen Archivs stehen. Die jetzige Datenbank bietet die Grundlage, die durch Digitalisierungsprogramme stark vergrößert wird und baldmöglichst auch die geretteten Archivalien in digitalisierter Form aufnehmen soll. Der Lesesaal bietet allen die Möglichkeiten zur eigenen Forschung und zur Kommunikation. Eine digitale Bibliothek mit Lexika, Zeitschriftenaufsätzen und Büchern ergänzt das Archiv zur Kölner Geschichte. 

Kontakt
Center für Digitale Systeme (CeDiS)
Prof. Dr. Nicolas Apostolopoulos 
Ihnestr. 24 — Raum 101 
14195 Berlin 
Tel.: 030 / 838 – 52050 
Fax: 030 / 838 – 52843 
napo@cedis.fu-berlin.de 

Adolf-Grimme-Institut
Eduard-Weitsch-Weg 25
45768 Marl
Tel.: 02365 / 9189 – 0
Fax: 02365 / 9189 – 89
info@grimme-institut.de

Quelle: Pressemitteilung Uni Berlin, 12.5.2009; Nominierte des Grimme Online Award 2009; Aktuelles Digitales historisches Archiv Köln, 12.5.2009; Projekt Digitales Historisches Archiv Köln; Koeln Nachrichten, 13.5.2009

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