Sonderzüge in den Tod. Die Bielefelder Deportationen 1938 – 1945

Unter dem Ausstellungstitel "Sonderzüge in den Tod. Die Bielefelder Deportationen" erinnern die Deutsche Bahn AG und der Initiativkreis Deportationsausstellung Bielefeld (e.V.) an das Schicksal von deportierten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus Bielefeld, die während der NS-Zeit von der Deutschen Reichsbahn in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager transportiert wurden. Die Ausstellung ist vom 30. Oktober bis 16. November 2009 im Historischen Saal der Ravensberger Spinnerei (VHS) in Bielefeld zu sehen.

Der erste Teil der Ausstellung, "Sonderzüge in den Tod", erinnert an die Rolle der Deutschen Reichsbahn in der NS-Zeit. Sie war durch die Deportation zahlloser Menschen unmittelbar am Holocaust beteiligt. Der zweite Teil der Ausstellung, "Die Bielefelder Deportationen", stellt die Geschichte der Deportationen aus Bielefeld und der Region Ostwestfalen-Lippe dar und soll das Thema vor allem für jugendliche Besucherinnen und Besucher greifbarer machen.

Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 stellte auch in Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe den entscheidenden Wendepunkt der Verfolgung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger während der NS-Zeit dar: Sie ist das Zeichen für den Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung hin zu Verfolgung, Deportation und Vernichtung. Für weit über zweitausend Menschen, meist jüdischen Glaubens, waren der Bielefelder Hauptbahnhof und der Güterbahnhof zwischen 1938 und 1945 Ausgangspunkt für die Fahrt in den Tod. Die Deportationszüge fuhren nach Buchenwald, Riga, Warschau, Auschwitz, Theresienstadt, Elben und Zeitz.

Die Deportation von Bielefeld nach Riga am 13. Dezember 1941 geschah am helllichten Tag: „Am 13.12.1941 wurden vom Bielefelder Hauptbahnhof 420 Juden aus der Region Minden-Ravensberg und Lippe nach Riga deportiert. Wenige Tage zuvor waren sie aufgefordert worden, sich mit dem nach strengen Vorschriften zusammengestellten Gepäck bereitzuhalten. Polizeibeamte brachten die Menschen in den Saal der Gaststätte Kyffhäuser am Kesselbrink, einem belebten Platz mitten in der Stadt. Auch wenn die Presse weder über das Sammellager noch über die bevorstehende Deportation berichtete, wusste die Bevölkerung von der Aktion. Am helllichten Tage wurden die Menschen per Autobus zum Bahnhof transportiert und mussten dort in einen aus Münster kommenden Zug einsteigen. Dieser erreichte vier Tage später das Ghetto im lettischen Riga. Nur 48 Menschen überlebten diese Deportation, unter ihnen 6 Juden aus Bielefeld.“ (vgl. Projekt „Erinnerungskultur“ des Stadtarchivs Bielefeld [2002] und Monika Minninger: „Bilder einer Abschiebung 1941– Eine Fotoserie zur Bielefelder Judendeportation“, 2008).

Der Initiativkreis Deportationsausstellung Bielefeld (e.V.) hat sich mit dem Ziel gegründet, mit einer regionalen Ausstellung an die Deportationen zu erinnern.

Kontakt:
Initiativkreis Deportationsausstellung Bielefeld e.V.
Postfach 144017
33634 Bielefeld
info@deportationsausstellung-bielefeld.de
www.deportationsausstellung-bielefeld.de

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