Übergabe des Staatsopernarchivs an das Österreichische Staatsarchiv

Die Wiener Staatsoper übergab am 9. Februar 2010 ihre Bestände an historischen Akten und Dokumenten an das Österreichische Staatsarchiv in Wien. Damit wird die fachgerechte Verwahrung sowie wissenschaftliche Nutzung und Aufarbeitung der Archivalien aus der Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit durch das Österreichische Staatsarchiv gewährleistet.

„Bei diesen Dokumenten handelt es sich um äußerst wertvolle und vielsagende Unterlagen. Die Akten stellen einen unschätzbaren Wert für die Musikforschung dar. Mit deren Hilfe wird es möglich sein, ein großes Stück der Wiener Operngeschichte anhand von bisher unzugänglichem Archivmaterial neu zu schreiben“, so Ioan Holender, Direktor der Wiener Staatsoper.

Die übergebenen Dokumente datieren zum Großteil vom Jahr 1940 bis zum Beginn der elektronischen Datenverarbeitung. Teilweise zählen aber auch ältere Dokumente zu dem vielfältigen Bestand, der unter anderem Briefe, Protokolle, Verträge und Probenpläne umfasst. Interessante Einzelstücke sind etwa der Originalvertrag des Konzertmeisters Arnold Rosé aus dem Jahr 1897, das Manuskript der Eröffnungsrede von Ernst Marboe aus dem Jahr 1955 oder ein Aktenvermerk zur (später nicht realisierten) Aufführung des „Ring“ von Karl Böhm und Wieland Wagner aus dem Jahr 1965. Insgesamt wird es möglich sein, die Leistungsfähigkeit eines international renommierten Kulturbetriebes nachzuzeichnen und somit tiefere Einblicke in die Handlungsabläufe, die kreativen wie logistischen Prozesse an der Wiener Staatsoper zu erlangen.

Der Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs, Hon.-Prof. Dr. Lorenz Mikoletzky, dankte Direktor Holender für die Initiative der Übergabe. „Das Österreichische Staatsarchiv hat die Verpflichtung, die Vergangenheit für die Zukunft zu bewahren. Es ist unsere Aufgabe, historische Dokumente für die Wissenschaft, aber auch für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wir werden das Material daher zunächst sichten und ordnen, um den fachgerechten Zugang sicherzustellen. Die Grundinformationen über den Umfang werden, so wie auch bei allen anderen Beständen des Staatsarchivs, für Forscherinnen und Forscher über das Internet abrufbar sein. Wir werden überdies danach trachten, dass die in weiterer Folge produzierten Dokumente automatisch an das Staatsarchiv weitergeleitet werden“, so Mikoletzky.

Mit der Übergabe der historischen Akten und Dokumente wird zwar ein großer Teil des Archivs der Staatsoper im Österreichischen Staatsarchiv zugänglich gemacht, die Gesamtheit der erhaltenen Bestände befindet sich jedoch weiterhin in der Obhut verschiedener Institutionen. Die heute übergebenen Dokumente umfassen beispielsweise nicht jene Teile, die 1945 infolge des Brandes und der Kriegsschäden des Hauses am Ring in die Nationalbibliothek bzw. in das Theatermuseum ausgelagert wurden. „Ich würde mir wünschen, dass auch diese Teile eines Tages mit den im Staatsarchiv lagernden Beständen zusammengeführt werden“, so Holender.

Die im Dachgeschoss der Oper verwahrten Unterlagen waren überdies im Laufe der Jahre einem „gewissen Schwund“ ausgeliefert, sodass eine nicht näher zu quantifizierende Anzahl von Dokumenten und Schriftstücken offenbar abhanden gekommen ist. „Das Österreichische Staatsarchiv ist nicht nur verpflichtet, staatliches Aktenmaterial aufzubewahren, sondern wir versuchen auch, verlorengegangene Bestände zu erschließen und zusammenzuführen. In den heute übergebenen Unterlagen ruht vieles, was neue Einblicke eröffnen wird. Diese Bestände werden nach der erfolgten professionellen Aufarbeitung für alle Interessierte zugänglich sein“, so Mikoletzky abschließend.

Kontakt:
Österreichisches Staatsarchiv
Nottendorfer Gasse 2
A-1030 Wien
Tel.: +43-1-79540-0
Fax: +43-1-79540-109
webmaster@oesta.gv.at
www.oesta.gv.at

Quelle: Österreichisches Staatsarchiv Wien, Pressemitteilung, 9.2.2010

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