Wanderausstellung »Kurt Gerstein – Widerstand in SS-Uniform« in Krefeld

Das Stadtarchiv Krefeld zeigt zwischen dem 26. April und 4. Juni 2010 die Ausstellung „Kurt Gerstein – Widerstand in SS-Uniform". Die Wanderausstellung des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen und des Förderkreises Kurt Gerstein in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand stellt die Biographie Kurt Gersteins (1905-1945) vor.

Gerstein, der in der „Bekennenden Kirche" aktiv war, wurde zu einem der wichtigsten Gegner des Nazi-Regimes, blieb aber gleichwohl ein Außenseiter des Widerstands. 1941 trat er der Waffen-SS bei. Er wollte die Verbrechen mit eigenen Augen sehen und dann „vor allen Leuten hinausschreien". Als Ingenieur und Mediziner machte Gerstein beim Hygiene-Institut der Waffen-SS Karriere und wurde in geheimer Mission in Vernichtungslager geschickt. Er sollte Vorschläge unterbreiten, wie Juden mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B vergast werden könnten. Gerstein versuchte fortan, die Giftlieferungen an die Vernichtungslager zu sabotieren. Laut dem Magazin „Der Spiegel" war er „am Tag der dienstbeflissene SS-Führer" und „am Abend der verbitterte Regime-Gegner".

Kurt Gerstein wurde von seinem Gewissen getrieben, Zeugnis abzulegen. Er informierte bereits 1943 ausländische Diplomaten und deutsche Kirchenvertreter über die Verbrechen. Sein später so genannter „Gerstein-Bericht" gelangte über den niederländischen Widerstand an die englische Regierung, doch blieben Reaktionen aus. Nach dem Krieg kam Gerstein in französische Gefangenschaft. Kurz darauf wurde er erhängt in seiner Zelle aufgefunden.

Gersteins widerspruchsvolle Lebensgeschichte diente als Vorlage für literarische Bearbeitungen, insbesondere für das Drama „Der Stellvertreter" von Rolf Hochhuth (1963). Die Rolle Gersteins im Gesamtspektrum des Widerstands war bis vor wenigen Jahren umstritten. Der Historiker Saul Friedländer urteilte über Kurt Gerstein: "Seine ‚Schuld\‘ bestand darin, dass er allein war."

Die Ausstellung im Stadtarchiv wird ergänzt durch den Zeitzeugenbericht Hans Georg Hollwegs, der am 29. April 2010 im Rahmen der Vortragsreihe der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld in der Villa Merländer um 19.30 Uhr stattfindet. Hollweg lernte Kurt Gerstein in seiner Jugend kennen und hat bis heute die Rezeption in der Öffentlichkeit sowie im privaten Umfeld Gersteins – nicht zuletzt auch aufgrund seiner persönlichen Verbindung – mit großer Anteilnahme verfolgt.

Begleitend zur Ausstellung werden im Stadtarchiv die Dokumentation „Kurt Gerstein – Der Christ, das Gas und der Tod" von Claus Bredenbrock/ Pagonis Pagonakis (2007) und der Film „Der Stellvertreter" von Constantin Costa-Gavras (2002/03; ab 12 Jahren) vorgeführt (jeweils donnerstags 18.30 – 21.00 Uhr, Termine werden noch bekannt gegeben).

Link: www.kurt-gerstein.de

Kontakt:
Stadtarchiv Krefeld
Konrad-Adenauer-Platz 17
47803 Krefeld
02151/862701
stadtarchiv@krefeld.de

Quelle: Stadt Krefeld, Pressemitteilung, April 2010

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