»Undichte Stellen« – nächtliche Multimedia-Präsentation der BStU-Behörde

Fotografien, Filme und Töne prägen nachhaltig die Erinnerungskultur des 20. und 21. Jahrhunderts. Die UNESCO macht deshalb mit dem "Welttag des audiovisuellen Erbes" am 27.10.2011 auf die Bedeutung und die Gefährdung dieser Medien aufmerksam. Der BStU beteiligt sich seit 2009 an dieser Veranstaltung. In diesem Jahr lädt er die Öffentlichkeit in den Abend- und Nachtstunden zu der Archivgutpräsentation "Undichte Stellen" ein.

Am Ort der ehemaligen Machtzentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in der Normannenstraße in Berlin-Lichtenberg zeigt das Archiv des BStU auf den Fassaden Fotografien aus dem Dienstalltag der Staatssicherheit. Akustisch begleitet wird die Präsentation durch eine Toncollage aus Reden des ehemaligen Ministers für Staatssicherheit Erich Mielke, Protokollmitschnitten der Anrufe beim Offizier vom Dienst des MfS sowie aus Vernehmungen und Schulungen. Kooperationspartner ist das Stasi-Museum. Am 27.10.2011 öffnet es seine Ausstellung zusätzlich bis 21.00 Uhr. Die Ausstellung ist, anders als die Projektion "Undichte Stellen", nicht kostenfrei für Besucher.

Die über 1,1 Millionen Fotografien der ehemaligen MfS-Zentrale wurden aufgrund ihrer spezifischen Anforderungen an die Bestandserhaltung als Sammlungsbestand im Archiv des BStU zusammengefasst. Das MfS fotografierte seit Anbeginn sowohl mit Amateur- als auch mit professioneller Technik, zunächst vor allem um Beweisaufnahmen von tatsächlichen und vermeintlichen Verbrechen gegen die DDR zu fertigen. Später diente die Fotografie zunehmend als Methode der präventiven "Feindbeobachtung". So genannte "staatsfeindliche Handlungen" sollten bereits im Vorfeld dokumentiert werden. So entstanden unzählige Beobachtungs- und Überwachungsfotografien, aber auch Bilder aus dem Dienstalltag der Stasi, der bis 1989 für die Bürger doch so oft unsichtbar blieb. Ausgewählte Fotografien geben Einblicke in Leben und Arbeitsweise der Stasimitarbeiter am authentischen Ort. Ein Kaleidoskop aus Aufnahmen der Kategorien Kollegium, Ausbildung, Gebäude und Diensträume, Technik, Tarnung, Tradition und Rituale sowie Auflösung des Ministeriums setzt sich auf der Fassade der einstigen Machtzentrale zusammen.

Die Tonüberlieferung in den Archiven des BStU beläuft sich nach der Aussonderung von gelöschten und leeren Tonträgern zur Zeit auf ca. 27.000 Tonträger mit relevanten verwendbaren Aufnahmen, die man etwa vier Jahre lang ununterbrochen hören könnte. Seit den 50er Jahren wurden beim MfS u.a. Gerichtsprozesse, Vernehmungen, Veranstaltungen, Dienstkonferenzen und -beratungen mitgeschnitten und archiviert. Aus späteren Jahren (70er, 80er Jahre) sind zahlreiche Tondokumente, die die Arbeitsweise und -methode des MfS widerspiegeln, im Bestand. Dies sind vor allem Diktate von IM-Berichten, Raum-, Funk- sowie Telefonüberwachungen, Aufzeichnungen der Anrufe beim Offizier vom Dienst des MfS. Darüber hinaus ergänzen Mitschnitte von Sendungen der Rundfunk- und Fernsehanstalten Ost wie West als auch ausländischer Anstalten zum Zwecke der Information und Auswertung die Überlieferung. Technisch betrachtet handelt es sich nicht um einen einheitlichen Bestand, sondern er setzt sich aus allen Formen von analogen Tonträgern, die es in der Zeit von 1950 bis 1989 europaweit gab, zusammen. Eine Auswahl dieser Tonkonserven erlaubt es, auch akustisch einzutauchen in die Denkweise des Überwachungsstaates.

Veranstaltungsdaten:
26. Oktober 2011 – 30. Oktober 2011; 17:00 Uhr bis 06:00 Uhr; Eintritt frei

Veranstaltungsort:
Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen
Abteilung Archivbestände
Ruschestraße 103
10365 Berlin

Kontakt:
Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen
Abteilung Archivbestände
Ruschestraße 103
10365 Berlin
Telefon: 030/2324-6699
Telefax: 030/2324-6619
archivfuehrungen@bstu.bund.de
www.bstu.bund.de/DE/InDerRegion/Berlin/Archiv/archiv_berlin_node.html

Quelle: Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU), Veranstaltungsankündigung, 17.10.2011

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