Der »Hellseher« Arthur Orlop (1912-1984): Archivalien zu einem »medialen Berater« in der Nachkriegszeit

Ein kleiner, nunmehr erschlossener Aktenbestand im Archiv des Freiburger Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V. (IGPP) dokumentiert das Leben und Wirken des in den ersten Nachkriegsjahrzehnten in Deutschland berühmt gewordenen „Hellsehers“ Arthur Orlop (1912-1984). Die überlieferten Unterlagen zum Fall Orlop sind vor allem im Hinblick auf die Frage nach dem juristischen Umgang mit „medialen“ Anbietern in der Nachkriegszeit von größerem Interesse.

Arthur Orlop in einem Beitrag in der Zeitschrift

Abb.: Arthur Orlop in einem Beitrag in der Zeitschrift „Revue“ vom 28.4.1957 (IGPP)

Arthur Orlop wurde am 18.2.1912 in Mannheim geboren und war auch später durchgängig dort wohnhaft. Nachdem er eine Lehre zum Elektromechaniker abgebrochen hatte, absolvierte er eine Ausbildung als Schauspieler. Seit 1935 arbeitete er in diesem Beruf. Seit 1948 verlegte sich Orlop jedoch auf eine Tätigkeit als sogenannter „medialer Berater“ und erlangte damit im Verlauf der 1950er Jahre einen erheblichen Bekannheitsgrad.

Orlop wurde von zahlreichen Personen und Institutionen, u.a. durch Polizeibehörden, konsultiert, musste sich aber auch vor mehreren Karlsruher Gerichtsinstanzen verantworten. Schon Ende 1950 hatte man ihn wegen „Hellseherei“ belangt. 1959 wurde vom Verwaltungsgericht Mannheim gegen Orlop ein Berufsverbot als „Handschriftendeuter“ verhängt.

Die möglichen hellseherischen Fähigkeiten Orlops war zudem eine mehrfach diskutierte Forschungsfrage, verstärkt auch dem Karlsruher Gerichtsurteil. Mehrere Wissenschaftler führten wissenschaftliche Experimente mit ihm durch. Orlop selbst hatte das Interesse, durch die wissenschaftlichen Experimente eine offizielle Bestätigung seiner Fähigkeiten zu erhalten. Er arbeitete schwerpunktmäßig mit „psychometrischen Objekten“ (vor allem Handschriften), anhand derer er Aussagen über Personen, Orte oder Sachverhalte machte. Orlop war bis etwa Mitte der 1970er Jahre aktiv, dann wurde er durch einen schweren Unfall sehr beeinträchtigt.

Kontakt:
Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V.
Uwe Schellinger M.A.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Wilhelmstraße 3a
79098 Freiburg i.Br.
0761-20721-61
schellinger@igpp.de
http://igpp.academia.edu/UweSchellinger
http://www.igpp.de

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