Vom Bistum Freising zum Erzbistum München und Freising

Das Bayerische Konkordat von 1817 und seine Umsetzung 1821.

Anlässlich des Jubiläums „200 Jahre Erzbistum München und Freising“ zeigen Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising seit dem 12. Februar 2021 erstmals eine Online-Ausstellung aus ihren Beständen. Unter dem Titel „Vom Bistum Freising zum Erzbistum München und Freising. Das Bayerische Konkordat von 1817 und seine Umsetzung 1821“ werden anhand von 52 Objekten die kirchengeschichtlichen Umbrüche vor 200 Jahren veranschaulicht.


Abb.: Titel der Ausstellung in Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising

Vor 200 Jahren begann in der bayerischen Kirchengeschichte eine neue Epoche: Durch die Säkularisation von 1802/03 war eine über tausendjährige Kirchenordnung untergegangen. Die Bischöfe waren nicht mehr zugleich Fürsten; im Fall ihres Todes wurden die Bistümer nicht mehr neu besetzt und nur provisorisch verwaltet.

Erst das 1817 zwischen dem Königreich Bayern und dem Heiligen Stuhl geschlossene Konkordat schuf ein neues Verhältnis zwischen Staat und Kirche. Umgesetzt wurde die Neuordnung 1821. Für das alte Bistum Freising brachte das besonders einschneidende Veränderungen: neuer Bischofssitz, neuer Dom, deutlich vergrößertes Bistumsgebiet und neuer Rang des Oberhirten (als Erzbischof).


Abb.: Das alte Bistum Freising

Diese vor 200 Jahren geschaffene kirchliche Ordnung war Grundlage des kirchlichen Lebens in Bayern bis zum Konkordat von 1924. In wesentlichen Punkten, wie der Bistumseinteilung, gilt sie bis heute.

Ausgehend von der Säkularisation des Bistums Freising 1802/03 geht es um die Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse in Bayern durch das 1817 zwischen dem Königreich Bayern und dem Heiligen Stuhl geschlossene Konkordat sowie um dessen schließlich 1821 vollzogene Umsetzung. Für das heutige Bistumsgebiet brachte dies besonders einschneidende Veränderungen mit sich:


Abb.: Der neue Bischofssitz

Der Bischofssitz wurde von Freising nach München verlegt, die Münchner Frauenkirche zum neuen Dom und das Bistum zum Erzbistum erhoben, der Bistumssprengel um fast die Hälfte durch ehemals salzburgische Gebiete erweitert.


Abb.: Das neue Erzbistum

Am 23. September 1821 verkündete der päpstliche Nuntius im Münchner Dom die Neuumschreibung aller bayerischen Diözesen, am 28. Oktober wurde das Metropolitankapitel München errichtet und am 5. November der erste, vom König ernannte Erzbischof Lothar Anselm von Gebsattel in sein Amt eingeführt. Weil diese Ereignisse die Struktur der bayerischen Kirche bis heute prägen, ist ihre Kenntnis zu deren Verständnis unerlässlich.


Abb.: Erzbischof und Metroplitankapitel

Unter den 52 Ausstellungsobjekten sind zahlreiche Dokumente, die erstmals zu sehen sind – etwa die Ernennungsurkunde für Erzbischof Gebsattel und das Dekret, mit dem der altehrwürdige Freisinger Dom auf den Rang einer Pfarrkirche zurückgestuft wurde. Besonderes Augenmerk gilt den Gebietsveränderungen zwischen dem Erzbistum Salzburg und dem Erzbistum München und Freising. So zeigt eine erst kürzlich im Archiv der Erzdiözese Salzburg entdeckte Karte die früheren Salzburger Zuständigkeiten auf bayerischem Territorium. Dank der Kooperation mit dem Metropolitankapitel München und dem Diözesanmuseum Freising können in der Ausstellung überdies einige ausgewählte Kunstwerke in digitaler Reproduktion präsentiert werden, darunter das goldene Kapitelkreuz des Domdekans. Das rührende Lied, das die Münchner Schuljugend 1821 zur Amtseinführung von Erzbischof Gebsattel sang, ist nicht nur als Notenblatt zu sehen, sondern in einer eigens für die Ausstellung erstellten Aufnahme auch zu hören, gesungen vom Vokalensemble der Jungen Domkantorei München unter Leitung von Domkantor Benedikt Celler.

Für die erstmalige Präsentation einer reinen Online-Ausstellung wurde das seit Juli 2019 bestehende Digitale Archiv des Erzbistums um einige Funktionalitäten erweitert. Insbesondere kann nun bei handschriftlichen Dokumenten parallel zur Reproduktion eine buchstaben- und zeilengetreue Umschrift angezeigt werden.


Abb.: Parallelansicht des Schreibens von Fürsterzbischof Hieronymus

Die Programmierung dieser innovativen Funktion wurde gefördert mit Mitteln des Förderprogramms „WissensWandel“, das Bibliotheken und Archive bei ihrer digitalen Weiterentwicklung unterstützt und Teil des Rettungs- und Zukunftsprogramms NEUSTART KULTUR der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ist. Zu den lateinischen Dokumenten gibt es eine deutsche Übersetzung, zumeist die erste, die überhaupt existiert. Bei allen entsprechenden Dokumenten und Büchern ist zusätzlich zu den ausgewählten Einzelseiten ein Link gesetzt, der zu einem Volldigitalisat des gesamten Aktes oder Bandes im Digitalen Archiv oder im Bibliotheksverbund Bayern führt. Die Ausstellungsobjekte sind durch Links auch untereinander verbunden, und Fachbegriffe werden durch externe Informationsquellen erklärt. Bei jedem Titel der zur Vertiefung angegeben Fachliteratur ist nachgewiesen, welche wissenschaftlichen Bibliotheken in Bayern ihn zur Ausleihe anbieten.

Die Funktionserweiterung und die gestalterische Einpassung in das Online-Erscheinungsbild der Erzdiözese wurden in Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Kommunikation des Erzbischöflichen Ordinariats und dem diözesanen Medienhaus Sankt Michaelbund konzipiert und realisiert.

Kontakt:
Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising
Dr. Benita Berning
Karmeliterstraße 1 (Eingang Pacellistraße)
80333 München
Tel.: 089 / 2137-1346
archiv@eomuc.de

Postadresse
Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising
Postfach 330360
80063 München

Quelle: Benita Berning, Archiv des Erzbistums München und Freising, 16.02.2021; Ausstellungstext Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising

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