Podcast über die Prämonstratenser in Ratzeburg

Ratzeburgs Stadtarchivar Christian Lopau erinnert mit einer ersten Podcast-Archivale an das prägende Wirken des Prämonstratenserordens in Ratzeburg mit Blick auf dessen 900jährige Geschichte und seine maßgebliche Beteiligung bei der Erbauung des Ratzeburger Domes ab 1160 durch Bischof Evermod

Der romanische Dom ist das Wahrzeichen Ratzeburgs. Ganz gleich, ob man sich der Stadtinsel von Westen oder von Osten nähert, bestimmt der Dom die beeindruckende Silhouette der von Seen umgebenden Stadt. Vor dem Dom erinnert das Löwenstandbild an Herzog Heinrich den Löwen, der 1154 das Bistum Ratzeburg gründete und den Prämonstratenser Evermod zum ersten Bischof berief. Evermod, der zuvor Propst des Klosters ‚Unser Lieben Frauen‘ in Magdeburg und einer der wichtigsten Gefolgsleute Norberts von Xanten gewesen war, konnte um 1160 mit dem Bau des Doms beginnen, der heute als herausragendes Zeugnis der Backsteinarchitektur in Norddeutschland gilt. Rund sechs Jahrzehnte dauerte der Bau des Doms, ehe mit der Fertigstellung der Eingangshalle im Süden der Abschluss vollendet wurde (Abb.: Erbauung des Ratzeburger Doms unter Bischof Evermod in der niederdeutschen Sassen-Chronika von 1489).

Die Prämonstratenser in Ratzeburg:
Ein Podcast in fünf Teilen

  1. Teil: Die Prämonstratenser in Ratzeburg
  2. Teil: Die Prämonstratenser in Ratzeburg
  3. Teil: Die Prämonstratenser in Ratzeburg
  4. Teil: Die Prämonstratenser in Ratzeburg
  5. Teil: Die Prämonstratenser in Ratzeburg

Nach Norden schließen sich an den Dom die Klostergebäude an, deren Baubeginn um 1250 datiert wird. Hier lebten und wirkten die Prämonstratenser, aus deren Mitte fast alle Ratzeburger Bischöfe hervorgingen, ehe der letzte von ihnen zum Protestantismus übertrat und sein Amt aufgab. Drei der Ratzeburger Bischöfe wurden heiliggesprochen: Evermod, Isfried und Ludolph.

Von den insgesamt 29 Bischöfen des Bistums Ratzeburg wurden 25 im Ratzeburger Dom beigesetzt. 23 Grabplatten, zum Teil aufwendig gestaltet, sind bleibende Zeugnisse ihres Wirkens. Teile der Ausstattung des Doms stammen ebenso aus prämonstratensischer Zeit wie die Wandmalereien im Kreuzgang.


Abb.: Die Grabplatte von Bischof Evermod im Altarbereich des Ratzeburger Doms (Foto: Hans-Jürgen Wohlfahrt)

Den Orden der Prämonstratenser gibt es bis heute. 2021 begeht er sein 900jähriges Gründungsjubiläum, ein Ereignis, dass sich als prägend für Ratzeburgs Stadtgeschichte erweisen sollte. Mit diesem Archivale, die in Form eines Podcasts in mehreren Teilen gestaltet ist, soll an die Bedeutung der Prämonstratenser erinnert werden. Ergänzend sind Fotografien aus dem Bestand von Hans-Jürgen Wohlfahrt zu sehen, den das Ratzeburger Stadtarchiv verwaltet. Wohlfahrt hat 1978, im Zuge eines Besuchs von Mönchen des Prämonstratenserordens anlässlich des 800. Todestages von Bischof Evermod, Aufnahmen im Ratzeburger Dom zu diesem Thema gemacht.


Abb.: Mönche des Prämonstratenserordens im Ratzeburger Dom anläßlich des 800. Todestages von Bischof Evermod im Jahr 1978 in Ratzeburg (Foto: Hans-Jürgen Wohlfahrt)

Unter der reichen Innenausstattung des Domes ist das älteste Chorgestühl Norddeutschlands besonders bemerkenswert. Ein überdachter gotischer Dreisitz aus der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts zeigt an den Seitenwangen eine Reliefdarstellung der Wurzel Jesse bzw. einen Bischof (möglicherweise Evermod) mit Eichbaum darüber.


Abb.: Eine Darstellung Bischofs Evermods (Foto: Hans-Jürgen Wohlfahrt)


Abb.: Eine mögliche Darstellung Bischofs Evermods im gotischen Chorgestühl des Ratzeburger Doms (Foto: Hans-Jürgen Wohlfahrt)

Der Domhof als nördlicher Teil der Ratzeburger Stadtinsel strahlt bis heute die geistliche Prägung aus, die dieser Ort über Jahrhunderte erfahren hat. Zu dieser Atmosphäre der Ruhe und Besinnung tragen auch die zahlreichen kirchlichen und kulturellen Einrichtungen bei, die hier ihr Domizil haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg an der innerdeutschen Grenze gelegen, hat Ratzeburg nach der Grenzöffnung 1989 seine verbindende Funktion zwischen Ost und West wiedergefunden. Dies kam auch darin zum Ausdruck, dass im Dom 2012 die Gründung der Nordkirche vollzogen wurde.

Kontakt:
Stadtarchiv Ratzeburg
Unter den Linden 1
23909 Ratzeburg
Tel.: 04541 / 8000-350
lopau@ratzeburg.de

Quelle: Mitteilungen, Stadt Ratzeburg, Archivale 02/2021, Stadtarchiv Ratzeburg, 17.3.2021

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