Archivalien des Stadtarchivs Geseke sind »in Kur«

Das Stadtarchiv Geseke nimmt erstmals an der Landesinitiative Substanzerhalt (LISE) zur Bestandserhaltung von Archivgut teil. Akten und andere Archivunterlagen des 19. und 20. Jahrhunderts bestehen meist aus säurehaltigem Papier, das sich selbst bei optimalen Lagerbedingungen im Laufe der Zeit zersetzt.

Stadtarchiv (Foto: Stadt Geseke)

Das Problem ist seit mehreren Jahrzehnten bekannt. Wird nichts dagegen unternommen, sind die Archivbestände unwiederbringlich verloren. Auch wenn Archivalien zunehmend digitalisiert werden, ist der Erhalt der Originale unverzichtbar, da ein Original immer mehr Informationen enthält, als durch das bloße Abbild eines Digitalisats vermittelt werden kann.

Die Archive, deren gesetzliche Hauptaufgabe darin besteht, Archivgut auch für die Zukunft zu bewahren, stehen dabei unter Zeitdruck. Eine Entsäuerung muss unbedingt vor dem Zeitpunkt durchgeführt werden, an dem das Papier jegliche Flexibilität und Festigkeit verloren hat. Wird dieser Zeitpunkt verpasst, ist eine Entsäuerung sinnlos. Das Original ist dann nur noch mit enormem finanziellem Aufwand zu restaurieren. Restaurierung ist aber ungefähr vierzigmal teurer als Entsäuerung.

Erstmals nimmt das Stadtarchiv Geseke daher an der Landesinitiative Substanzerhalt teil. Die Landesinitiative Substanzerhalt des Landes Nordrhein-Westfalen, kurz LISE genannt, fördert in Kooperation mit den beiden Landschaftsverbänden Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) seit Oktober 2006 die Massenentsäuerung nicht-staatlichen, hauptsächlich kommunalen Archivguts mit einem Förderanteil von 60%. Neuerdings umfasst das LISE-Programm neben der Papierentsäuerung auch andere Maßnahmen zur Bestandserhaltung von Archivgut wie Reinigung und Dekontamination, die sachgerechte (Neu-)Verpackung und die Behebung mechanischer Schäden.

Die organisatorische Durchführung obliegt für den Landesteil Westfalen-Lippe dem LWL-Archivamt für Westfalen. Möchte ein westfälisches Archiv im Rahmen der LISE Archivgut entsäuern lassen, so beginnt das Verfahren nach Antrag mit der Auswahl geeigneter Archivalien und dem vom LISE-Team organisierten Transport der Unterlagen zum LWL-Archivamt. Dort werden die Archivalien für die Entsäuerung vorbereitet. Nach dem Weitertransport zu Dienstleistern erfolgt die Entsäuerung entweder im Einzelblatt- oder Blockverfahren. Für die fadengehefteten Akten oder als Buch gebundenen Protokollbände des Geseker Stadtarchivs kommt dieses Mal nur das Blockverfahren in Frage.

Im Blockverfahren wird die gesamte Akte mit der nicht-wässerigen Entsäuerungsflüssigkeit geflutet, im Folgenden Vakuum-getrocknet und gegebenenfalls rekonditioniert. Zur Nachbereitung werden die entsäuerten Archivalien zurück zum LWL-Archivamt transportiert. Dort findet eine abschließende Qualitätskontrolle statt, nach der die fertig entsäuerten Archivalien zurück an das Archiv geliefert werden.

Bereits 2020 wurde der Antrag gestellt, an der 2021 stattfindenden Entsäuerungsmaßnahme teilnehmen zu können. Ebenfalls noch 2020 besuchte die LISE-Projektleiterin Gabriele Rotkegel das Geseker Archiv und begutachtete den von Stadtarchivarin Evelyn Richter zur Entsäuerung vorgeschlagenen Bestand. Da die Fördermittel des Landes begrenzt sind, erhält jedes teilnehmende Archiv ein bestimmtes festes Kontingent zugewiesen. Deshalb konnte das Stadtarchiv Geseke jetzt „nur“ 299 Kilogramm entsprechend vorbereitete Akten des Bestandes B – das entspricht immerhin 65 Archivkartons – an den Mitarbeiter des LWL-Archivamtes übergeben.


Abb.: Das Archivgut, dass zur Entsäuerung abgeholt wurde (Foto Stadtarchiv Geseke)

Von dort werden die Archivalien weiter zum ZFB (Zentrum für Bucherhaltung) in Leipzig und schließlich nach Abschluss der Maßnahme in ca. einem halben Jahr wieder nach Geseke zurück transportiert. Nach ihrer Rückkehr aus dem „Kuraufenthalt“ in Leipzig werden die Archivalien wieder der Benutzung durch Archivbesucher zur Verfügung stehen. Die Entsäuerung des gesamten gefährdeten Geseker Archivbestandes wird jedoch noch viele Jahre dauern.

Zur Zeit ist das Stadtarchiv Geseke allerdings geschlossen. Da es im obersten Stockwerk der Dr. Adenauer-Grundschule untergebracht ist, leidet es unter massiven Platzmangel. Deshalb werden im Moment Umbauarbeiten im Lesesaal durchgeführt. Für Anfragen ist Stadtarchivarin Evelyn Richter aber weiterhin erreichbar.


Abb.: Blick auf die Bauarbeiten im Lesesaal des städtischen Archivs. Hier wird Raum für ein neues Magazin geschaffen. (Bild: Stadtarchiv Geseke)

Eine Trennwand wird eingezogen, um auf diese Weise im abgetrennten Teil einen zusätzlichen Magazinraum zu schaffen. Der neue Raum wird künftig als Magazin für die Archivbibliothek dienen. Dafür werden weitere Regale beschafft und die Fenster zusätzlich mit UV-Schutzfolien verkleidet. Im Lesesaal werden Steckdosen und der Benutzercomputer-Anschluss neu verlegt sowie Reparaturmaßnahmen an den Außenjalousien von Lesesaal, Bibliotheksmagazin und Archivbüro vorgenommen. Die Anzahl der Besucherarbeitsplätze wird durch den Umbau dennoch nur geringfügig verringert.

Nicht nur das Stadtarchiv auch die Archivbesucher profitieren von dem Umbau. Künftig wird den Benutzern im Lesesaal WLAN zur Verfügung stehen und an jedem Besucherarbeitsplatz wird zudem unmittelbar eine Steckdose für den Laptop vorhanden sein. Auch hierfür werden derzeit die technischen Voraussetzungen geschaffen.

Kontakt:
Stadtarchiv Geseke
Ostmauer 2
59590 Geseke
Tel.: 02942 / 500-793
evelyn.richter@geseke.de

Postadresse:
Stadtverwaltung Geseke, Stadtarchiv
Postfach 14 42
59585 Geseke

Quelle: Stadt Geseke, Pressemitteilung, 25.3.2021; Stadt Geseke, Pressemitteilung, 8.3.2021

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