Doppeljubiläum der Dessauer Franzschule und ihres Direktors David Fränkel 1849

Im Jahr 1849 feierte die renommierte israelitische Franzschule in Dessau gleich zwei Jubiläen, den 50. Jahrestag ihres Bestehens und das 50-jährige Dienstjubiläum ihres Direktors Dr. David Fränkel. David Fränkel, ein Großneffe des gleichnamigen Rabbiners, gehörte zu einem Verein jüdischer Intellektueller, die 1799 nach dem Vorbild Mendelssohns in Berlin eine jüdische „Frey-Schule“ in Dessau gründeten.

Bis Ende des 18. Jahrhunderts beschränkte sich die traditionelle jüdische Bildung auf die Vermittlung religiöser Kenntnisse. In der 1801 fürstlich sanktionierten Freischule hingegen sollten die Schüler eine umfassende Allgemeinbildung erhalten, die sich an den Lehrmethoden bekannter Reformpädagogen orientierte. Neben Hebräisch und jüdischer Religion wurden nun auch Deutsch, moderne Fremdsprachen und naturwissenschaftliche Fächer als Voraussetzung für eine spätere Erwerbstätigkeit unterrichtet. Die Schule erwarb sich schnell einen ausgezeichneten Ruf und wurde in ganz Deutschland als eine Stätte moderner Bildung bekannt. Als die ausschließlich aus Beiträgen, Spenden und Schulgeldern finanzierte „Israelitische Hauptschule“ 1815 in finanzielle Schwierigkeiten geriet, gewährte Herzog Franz ihr einen jährlichen staatlichen Zuschuss und dem Direktor Fränkel erstmals ein Gehalt. Ein Jahr später wurde eine neue Schulordnung genehmigt. Die Lehranstalt durfte sich nun offiziell „Franzschule“ nennen.

Das Jubiläumsjahr 1849 markierte eine einschneidende Zäsur für die Schule. Infolge der Revolution von 1848/49 erhielten die Anhalt-Dessauer Juden ihre bürgerlich-rechtliche Gleichstellung. Jüdische Kinder durften nun staatliche Schulen besuchen. Um den Fortbestand der Franzschule zu sichern, schlug David Fränkel dem Anhaltischen Staatsministerium ihre Umwandlung in eine staatliche Handelsschule vor. In einem Bericht vom 26. Oktober 1849 informierte das Staatsministerium den Herzog über die Eröffnung der neuen Handelsschule anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten am 5. November 1849.


Abb.: Festordnung anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten am 5. November 1849 (Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Z 104, Nr. 437)

Die dem Bericht beigefügte „Festordnung“ wird als Archivale des Monats Juni 2021 in den Räumlichkeiten des Archivverbunds Dessau zu sehen sein. Die Quellen zur Geschichte der Franzschule sind online recherchierbar und in der Abteilung Dessau des Landesarchivs Sachsen-Anhalt einsehbar.

In der Abteilung Dessau des Landesarchivs Sachsen-Anhalt hat ein Wechsel in der Leitung stattgefunden. Am 3. Mai 2021 hat Dr. Hermann Kinne die Leitung der Abteilung 4 (Dessau) des Landesarchivs Sachsen-Anhalt übernommen.


Abb.: Dr. Hermann Kinne, Leiter der Abteilung Dessau des Landesarchivs Sachsen-Anhalt (Foto: privat)

Herr Kinne folgt auf Dr. Andreas Erb, der die Abteilung seit 2008 leitete und jetzt als Leiter zum Stadtarchiv Amberg gewechselt ist. Dr. Hermann Kinne, geboren 1977 in Leipzig, studierte in Leipzig Geschichte, Historische Hilfswissenschaften, Archivwissenschaften und Namenkunde. Promoviert wurde er mit einer Untersuchung zum Kollegiatstift St. Petri zu Bautzen von dessen Gründung vor 1221 bis zum Jahr 1569. Er war u. a. wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Leipzig, nach dem Archivreferendariat in Detmold und Marburg Mitarbeiter des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen, beim Bundesbeauftragen für Stasiunterlagen in Berlin und von 2017 bis 2021 in der Abteilung Merseburg des Landesarchivs Sachsen-Anhalt tätig.

Für die kommenden Jahre sieht Hermann Kinne einen Schwerpunkt bei der Entwicklung und Erprobung neuer Angebote für Nutzer und Nutzerinnen des Archivs. Mit der Digitalisierung und Online-Stellung verschiedener Bestände auch der Abteilung Dessau hat man bereits heute die Möglichkeit, von überall auf Archivalien des Landesarchivs Sachsen-Anhalt zuzugreifen. Die digitale Nutzung muss zugleich durch erweiterte Zugänge zu demjenigen – deutlich größeren – Teil des Archivguts ergänzt werden, der noch immer und dauerhaft nur in analoger Form benutzbar sein wird. Die auch in Dessau veränderten Nutzungsgewohnheiten werden konsequent in die Planung und Ausrichtung der Abteilung sowie die Umsetzung angepasster archivischer Angebote einfließen.

Kontakt:
Landesarchiv Sachsen-Anhalt – Abteilung Dessau
Heidestraße 21
06842 Dessau-Roßlau
Tel.: 0340/519896-13
Fax: 0340/519896-90
dessau@la.sachsen-anhalt.de

Quelle: Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Pressemitteilung, 11.05.2021; Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Neue Abteilungsleitung in Dessau

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