München behält Stadtarchiv und bekommt Institut für Stadtgeschichte

Das Stadtarchiv München bleibt unabhängig und wird weiterhin archivfachlich geleitet. Zusätzlich wird zum 1.1.2022 im Kulturreferat ein „Institut für Stadtgeschichte und Erinnerungskultur“ gegründet. Zu diesem Zweck werden die Aufgaben und Kapazitäten des Sachgebietes „Zeitgeschichte“ des Stadtarchivs zum genannten Zeitpunkt auf das Münchner Kulturreferat übertragen.

Dieser nunmehr gegen die Stimmen von CSU, ÖDP/München Liste, Freie Wähler, FDP – BAYERNPARTEI, DIE LINKE und AfD gefasste Beschluss des Münchner Stadtrats in der öffentliche Sitzung der Vollversammlung am 28.7.2021 dürfte überregional Beachtung finden, mutmaßt die Süddeutsche Zeitung: „Schließlich hatte sich die grün-rote Koalition vorgenommen, das größte Kommunalarchiv Deutschlands grundlegend umzukrempeln und umzusiedeln. Das war auf scharfe Kritik in Fachkreisen gestoßen. Der nun verabschiedete Kompromiss soll die unabhängige Dokumentation des behördlichen Alltags erhalten und die geschichtliche Aufarbeitung der Vergangenheit der Stadt noch einmal stärken.“


Abb.: Blick in den Lesesaal des Stadtarchiv München (Foto: Stadtarchiv München)

Der von der Stadtregierung unter Oberbürgermeister Dieter Reiter eingebrachte Beschluss modifizierte dabei einen zwei Jahren alten Antrag der Fraktion Die Grünen – Rosa Liste, der vorgesehen hatte, das Stadtarchiv München zu einem Institut für Stadtgeschichte weiterzuentwickeln.

Die ausführliche Beschlussvorlage legte das Aufgabenspektrum des Stadtarchivs dar und beschrieb u.a. die Aktivitäten auf dem Gebiet der Erinnerungskultur: Durch eigene Ausstellungen und Publikationen leiste das Stadtarchiv wichtige Forschungsarbeit. Es erstelle Gutachten für die Stadtverwaltung, stelle Unterlagen für die Benutzung durch ein breites Publikum bereit und vermittele seine Bestände auch durch Vorträge, Medienbeiträge und Publikationen an die historisch interessierte Öffentlichkeit. Durch schulpädagogische Veranstaltungen und Seminare in den Hochschulen und der Erwachsenenbildung würden Interessenten an die Arbeit mit Archivalien herangeführt, elementare Kenntnisse der Historischen Grundwissenschaften sowie Themen aus der Münchner Stadtgeschichte vermittelt. In enger Zusammenarbeit mit der Israelitischen Kultusgemeinde, u.a. bei der Beratung über Gedenktafeln, Denkmäler oder Inschriften im städtischen Fachgremium AG Gedenktafeln und bei Straßenbenennungen, leiste das Stadtarchiv seit vielen Jahren auch einen wesentlichen Beitrag zur Münchner Erinnerungskultur. Das Stadtarchiv München arbeite aber nicht nur mit dem Kulturreferat eng zusammen, sondern auch mit anderen Referaten. So bestünde z.B. mit dem Kommunalreferat eine enge und beständige Kooperation beim Thema Straßennamen und Straßenumbenennung, ebenso mit dem IT-Referat beim Thema E-Akte.

Mit dem jetzt gefassten Beschluss verbleibt das in Schwabing angesiedelte Stadtarchiv München mit seiner Querschnittsfunktion im Direktorium und damit in der Verantwortung des Oberbürgermeisters. Nunmehr muss noch eine neue Archivleitung für das Stadtarchiv mit seinen rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gefunden werden. Im Rathaus gehe man davon aus, so wusste es die SZ, dass eine interne Besetzung jetzt sehr schnell geschehen könnte.

Kontakt:
Landeshauptstadt München
Direktorium
Stadtarchiv
Winzererstraße 68
80797 München
Leitung: Dr. Manfred Heimers (kommissarisch)
stadtarchiv@muenchen.de

Quelle: SZ, 3.8.2021; Stadtrat München, Öffentliche Sitzung der Vollversammlung, 28.7.2021

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