Gegenwart und Zukunft am Deutschen Archiv für Theaterpädagogik (DATP)

Das Deutsche Archiv für Theaterpädagogik (DATP) ging aus einer internationalen Konferenz zur Geschichte der Theaterpädagogik im Jahr 2005 hervor und wurde 2007 an der Hochschule Osnabrück gegründet. Das DATP sichert als archivwürdig bewertete Dokumente aus der jüngeren und älteren Geschichte des Fachs als Schriftgut, Ton-, Bild- und Filmdokument sowie elektronisch gespeicherte Information und stellt sie für Forschung, Lehre, künstlerische Praxis und Öffentlichkeitsarbeit bereit. Es vereint aktuell auf fast 250 laufenden Metern einen 25 Sammlungen umfassenden Bestand und eine Archiv-Bibliothek, dessen Schwerpunkt die Geschichte der Theaterpädagogik in den deutschsprachigen Ländern von 1945 bis in die Gegenwart bildet.

Das DATP ist dem Institut für Theaterpädagogik der Hochschule Osnabrück/ Campus Lingen angegliedert. Es hat damit den Vorzug, Teil der Lehre des Studiengangs Theaterpädagogik sein zu können. Als bundesweit einzige Einrichtung betreibt das Archiv seit seiner Gründung 2007 systematisch Forschung auf dem Gebiet der Geschichte der Theaterpädagogik. Grundlegende theaterpädagogische, historische Vorarbeiten gingen aus dem 2003 von Prof. Dr. Marianne Streisand initiierten Forschungsprogramm Archäologie der Theaterpädagogik hervor.

Der Erarbeitung an einer Forschungskonzeption gingen weitere Meilensteine der Gründungs- und Aufbauphase des DATP voraus: Dazu zählen – als erste Etappe – neben der Sicherung der Grundfinanzierung des Archivs (durch die Stiftung der Fachhochschule Osnabrück) der Aufbau, die Sammlungs-Übernahmen sowie die Erstellung, Grobverzeichnung und Pflege des Bestands. Zu den 25 Sammlungen zählen neben drei Schwerpunkt-Sammlungen (1. Lehrstückarchiv, 2. Texthefte und 3. Programmhefte) weitere 22 persönlich-gebundene Sammlungen (insbesondere Vor- bzw. Nachlässe renommierter Theaterpädagoginnen und Theaterpädagogen).

Bernd Oevermann arbeitet seit 2007 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Archiv für Theaterpädagogik der Hochschule Osnabrück. Er hat das Archiv mit der Gründerin und ehemaligen Leiterin, Prof. Dr. Marianne Streisand bis 2019 und in der Nachfolge seit 2020 mit Prof. Dr. Andreas Wolfsteiner aufgebaut und wissenschaftlich begleitet. Nach 14 Jahren ist das DATP eine namhafte Forschungs- und Dokumentationseinrichtung für die Theaterpädagogik in der Fachwelt. Zum Ende des Jahres 2021 beendet Bernd Oevermann die beruflichen Aktivitäten mit Erreichen der Rentenaltersgrenze.

Bernd Oevermann vom Deutschen Archiv für Theaterpädagogik an der Hochschule Osnabrück (Foto: Miriam Kronen)

Anlässlich des bevorstehenden Abschieds sprach Miriam Kronen (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule Osnabrück) mit Bernd Oevermann:

Was macht Ihre Arbeit im DATP aus?

Das Archiv stellt eine Brücke und Dialog zwischen Materialgeberinnen und -gebern, Studierenden und Interessierten aus der künstlerischen Öffentlichkeit dar. Persönliche Kontakte und Gespräche mit Theatermacherinnen und -machern aus dem Profi- und Amateurbereich oder mit Lehrenden der Theaterpädagogik etc. aus dem deutschsprachigen Raum sind Kennzeichen für dieses Archiv. Wir kennen die Personen, die hinter dem Material stehen. Eine Intensivierung bilden die „Erzählcafes“, wo das übergebene Archivgut durch persönliches Erscheinen der „Vorlassgeber“ der interessierten Zuhörerschaft näher gebracht wird. Beratende Gespräche für wissenschaftliche Arbeiten oder Einarbeitung von Archivmaterial für künstlerische Projekte sind weitere Inhalte der Archivarbeit. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Sichtung, Ordnung und Verzeichnung vorliegender Schrift-, Bild- und Tondokumente, aber auch einer umfangreichen Maskensammlung bis zu Medaillen von Arbeiterfestspielen aus der ehemaligen DDR.

Woran werden Sie sich besonders erinnern?

Die Beteiligung und auch das Wagnis am Aufbau eines Archivs und seinem Alleinstellungsmerkmal, das es bis zum Jahre 2007 noch nicht gegeben hat.

Was ist Ihr Wunsch für das DATP in der Zukunft?

Ich freue mich über die bereits begonnene Komplettdigitalisierung der vorhandenen Sammlungen, die damit komfortabel von jedem Ort der Welt eingesehen und unter Berücksichtigung von Datenschutz und Archivverordnungen für Forschung, Lehre und künstlerische Praxis zur Verfügung stehen. Mit dem Vorstoß in die Digitalisierung ist das DATP für die Zukunft gerüstet und hat eine solide Basis für die nächsten Jahre und Jahrzehnte.

Mit der aktuell laufenden Digitalisierung der Materialien, ihrer Zugänglichmachung sowie der potentiellen Einbindung der Meta-Daten in zentrale Archivportale sollen solche nicht unwesentlichen Fundstellen für aktuelle Diskurse sichtbar gemacht bzw. die Sichtbarkeit erhöht und v. a. eine ortsunabhängige Nutzung ermöglicht werden. Seit der Übernahme der wissenschaftlichen Leitung des Archivs durch Prof. Dr. Andreas Wolfsteiner im März 2020 wurden entsprechende Schritte eingeleitet. Das DATP bietet jedoch nicht nur ein Datenrepositorium, das es nun gänzlich digital verfügbar zu machen und zu halten gilt. Nach seiner Gründungsphase soll es durch weitere Maßnahmen zu einer Forschungsstelle von internationaler Bedeutung weiterentwickelt werden.

Kontakt:
Deutsches Archiv für Theaterpädagogik
Baccumer Str. 3
49808 Lingen/ Ems
Tel. 0591 80098-428
datp@hs-osnabrueck.de
www.archiv-datp.de

Quelle: Katharina Kolar/Bernd Oevermann: Das Deutsche Archiv für Theaterpädagogik (DATP), in: Andreas Wolfsteiner / Ekaterina Trachsel / Anselm Heinrich/Michael Bachmann (Hg.): Live Art Data. New Strategies in Theatre Archiving / Neue Strategien der Theaterarchivierung, Scotland / Niedersachsen, unter Mitarbeit von Anne Küper und Frida Stein, Universitätsverlag Hildesheim 2021, S. 26-30; Miriam Kronen: „Wir kennen die Personen, die hinter dem Material stehen“. DREI FRAGEN AN Bernd Oevermann hat das Deutsche Archiv für Theaterpädagogik mit aufgebaut, in: Lingener Tagespost, 28.10.2021, 11 (mit frdl. Genehmigung der Autorin).

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