Der Beginn des Zweiten Weltkriegs hinterließ auch in Muenster und Umgebung große Lücken auf dem Arbeitsmarkt, die ab Herbst 1940 zunächst durch Kriegsgefangene gefüllt wurden. Ab Sommer 1942 kamen erste zivile Arbeiterinnen und Arbeiter zum zwangsweisen Arbeitseinsatz nach Münster. Das Schicksal dieser mindestens 10.000 Männer, Frauen und Kinder, ihre Arbeits- und Lebensbedingungen sind Themen der vom Stadtarchiv Münster konzipierten Internetpräsentation. Jeder thematische Abschnitt wird eingeleitet durch Zeitzeugen-Aussagen. Dabei wird der Kriegschronist und Stadtarchivar Franz Wiemers zitiert, der die Wahrnehmung der „Fremden“ durch die Stadtgesellschaft wiedergibt. Dem gegenüber stehen die Aussagen zahlreicher ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, so dass die Seite der Betroffenen stets im den Vordergrund steht.
Das Angebot umfasst fünf Hauptgruppen:
- Nach Deutschland… mit vier Einzelportraets von Betroffenen, Erläuterungen zu der Frage, welche Gruppen zur Zwangsarbeit herangezogen wurden und einer Chronologie der Jahre 1939-2000, die allgemeine Ereignisse den speziellen Auswirkungen in Münster gegenüberstellt.
- Arbeit thematisiert die Zuteilung von Zwangsarbeitern und ihre Einsatzorte in der Landwirtschaft, im Handwerk sowie in der Bauindustrie, in Industrie und bei der Reichsbahn, bei der Stadtverwaltung und in Privathaushalten.
- Unterbringung Dieser Punkt stellt eine Besonderheit dar, da eine Datenbank zu 181 Lagern und Kartenmaterial zu den Lagerstandorten in Stadt- und Landkreis Münster eine besonders umfassende Recherche ermöglicht. Bei der Erarbeitung des Angebots sowie der Recherchen zu Erstellung von Zwangsarbeitsnachweisen fuer die Betroffenen fanden sich in zahlreichen Akten oder Publikationen Informationen oder Listen von Unterkünften und Lagern, in denen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Münster und Umgebung untergebracht waren. Diese ergaben durch ihre Zusammenführung in einer Datenbank ein umfangreiches Bild von den zwischen 1939 und 1945 vorhandenen Lagern und Unterkünften. Die Datenbank umfasst inzwischen 181 Datensätze.
Der Datenbestand bildete die Grundlage fuer die Erarbeitung des Kartenmaterials zur Unterbringung ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Stadt- und Landkreis Münster.
Gerade beim Thema Unterbringung ist der Diskurs mit den Nutzern per E-Mail erwünscht. - Disziplinierung: Die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, vor allem die aus Osteuropa, unterlagen einem dichten Netz aus Kontrolle und Bestrafung. Dieser Teil der Präsentation beschäftigt sich mit den verschiedenen Vorschriften, Formen der Ueberwachung und Bestrafungen, die auch in willkürlichen Hinrichtung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern gipfelten.
- Im Abschnitt Nach 1945 geht es um die Rueckfuehrung der Betroffenen in ihre Herkunftslaender. Sie mussten Jahrzehnte auf ihre politische Rehabilitierung und Entschädigungen von deutscher Seite warten. Informationen zu den Themen Entschädigung sowie zu muensterischen Projekten der der Begegnung mit ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern runden die Darstellung ab.
Neben dieser Internetpräsentation des Stadtarchivs Münster wurde zum Thema Zwangsarbeit in Münster und Umgebung 1939-45 vom Stadtarchiv Münster und dem Geschichtsort Villa ten Hompel eine Wanderausstellung, die vom 20. Januar bis 1. März 2003 zu sehen war, und eine Dokumentation, die noch im Juli 2003 erscheinen wird, erarbeitet.
Kontakt:
Stadtarchiv Münster
Anja Gussek-Revermann
Hörsterstr.28
48143 Münster
Tel.: 02 51-4 92-47 12 oder 47 04
E-Mail: gussek@stadt-muenster.de
http://www.muenster.de/stadt/archiv
Quelle: Mailingliste Westfälische Geschichte, 19.6.2003.
