Die vom Göttinger Stadtarchiv Anfang März veröffentlichte Multimedia-CD, in deren Mittelpunkt eine Rede Adolf Hitlers vom 21. Juli 1932 in der Universitätsstadt steht, hat für aufgeregte Diskussionen gesorgt (siehe Bericht). Diese greift Ulrich Kurzer in der Wochenzeitung FREITAG auf, um die Notwendigkeit der Heranziehung von sorgfältig editierten Originaldokumenten, wie es dem Göttinger Stadtarchiv mit der CD gelungen sei, für die sachgerechte historische Bildungsarbeit herauszustellen.
Die CD enthalte eben neben der Hitler-Rede zehn Tage vor der Reichstagswahl Ende Juli 1932 zudem erläuternde und kommentierende Texte, weiterführende Literatur über die NSDAP in Göttingen, die Geschichte der Stadt während der NS-Herrschaft und schließlich ausgewählte Dokumente aus dem Stadtarchiv, die im Zusammenhang mit dieser Rede entstanden (etwa die Anmeldung der Kundgebung durch die örtliche NSDAP oder die Verfügung der Ortspolizeibehörde zur Regelung des Verkehrs an diesem Tage).
Die Kritik des engagierten Göttinger DGB-Vorsitzenden Sebastian Wertmüller, der mit „Erstaunen“ auf die Ankündigung des Stadtarchivs, diese CD herauszubringen, reagiert hatte (siehe Bericht und Presserklärung) und von „Verkaufsförderung mit dem größten Verbrecher der deutschen Geschichte“ sprach, gehe dabei fehl, da die CD nach den Worten von Ernst Böhme, dem Leiter des Göttinger Stadtarchivs, nicht frei im Handel erhältlich sein wird, sondern vor allem im Schulunterricht zum Einsatz kommen soll (diese Information hatte allerdings in der gekürzten Presseerklärung des Stadtarchivs, die im Göttinger Tageblatt veröffentlicht worden war, gefehlt).
Wie denn anders, so fragt Kurzer, als auch unter Verwendung authentischer Originaldokumente könne Geschichte Schülerinnen und Schülern anschaulich gemacht werden? Was spreche gegen historische Originaldokumente, die mit sorgfältig bearbeiteten Begleittexten bereitgestellt werden und es so ermöglichen, einen „Zugang“ zum Gegenstand zu finden, der nicht durch vorweggenommene Interpretationen, wie beispielsweise in den Doku-Dramen des ZDF, verstellt wird?
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Quelle: Ulrich Kurzer, FREITAG 15 – Die Ost-West-Wochenzeitung, 2.4.2004
