Seit 80 Jahren vermisste Original-Manuskripte einer Kantate von Johann Sebastian Bach sind im Nachlass einer japanischen Pianistin entdeckt worden. Dabei handelt es sich um acht Seiten der Hochzeitskantate von 1728 (BWV 216), wie der Musikwissenschaftler Tadashi Isoyama jetzt in Tokio mitteilte.
Für die Wissenschaft ist der Fund von hohem Wert, da bisherige Kopien der Noten in einigen Details vom Original abweichen. Es wird vermutet, dass die Handschrift von Bach-Schülern unter der Aufsicht des Meisters erstellt wurde und auch der Uraufführung der Kantate zugrunde lag.
Bis 1926 war das Manuskript mit Alt- und Sopran-Stimmen im Besitz der Nachfahren des Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy und galt seitdem als verschollen. Aufgetaucht ist es jetzt im Nachlass der Pianistin Chieko Hara, die vor allem in Europa auftrat und vor drei Jahren verstarb.
Hara war mit dem spanischen Cellisten Gaspar Cassado (1897-1966) verheiratet. Es wird vermutet, dass der Cellist die Noten einst von der Familie Mendelssohn erhalten hat. Die Musikhochschule Kunitachi in Tokio plant jetzt eine Faksimile-Edition der wertvollen Notenhandschrift.
Quelle: ORF.at, 4.4.2004
