125 Jahre »Per Express nach Fallingbostel«

Auch wenn die Geschwindigkeit nicht unbedingt expressmäßig war, die Eröffnung der knapp 26 Kilometer langen Eisenbahnstrecke Walsrode-Fallingbostel-Dorfmark-Soltau – einem Teilstück der „Heidebahn“ – vor 125 Jahren am 1. Oktober 1896 brachte überaus wichtige Impulse für die Entwicklung des Ortes Fallingbostel. Ohne die Eisenbahn, wäre das „Paradies der Heide“ im Dornröschenschlaf verblieben und hätte keinen Aufschwung als beliebter Fremdenverkehrsort gefunden.


Abb.: Postkarte „Grüße per Express“, gelaufen im Jahr 1905 (Stadtarchiv Bad Fallingbostel)

Allerdings mussten die Fallingbosteler lange Jahre warten, bis aus den Plänen Wirklichkeit wurde. Als dann 1891 endlich die Regierung die von den Fallingbostelern favorisierte Streckenführung genehmigte, wurden Böllerschülle vom Tütberg abgefeuert. Im Juni 1891 fand nach einem Fackelzug durch den Ort im „Hotel zur Lieth“ ein Eisenbahnfest statt, bei dem 600 Liter Freibier ausgeschenkt wurden und das „Lied der Fallingbosteler“ zum ersten Mal erklang, das der Bürstenmacher D. Pröhl in recht holprigen Versen gedichtet hatte. Auch wenn es noch weitere fünf Jahre dauerte, bis die Eisenbahnstrecke eingeweiht werden konnte, die Eisenbahnbegeisterung der Fallingbosteler kann man sich kaum besser eingefangen vorstellen, als in diesem Lied der Fallingbosteler:

Nun endlich kommt nach langer Wahl,
Die Eisenbahn ins Böhmetal,
Die das wollten hintertreiben,
Mögen uns gewogen bleiben,
Die Eisenbahn kommt bald, ja, ja,
Jupp heidi, jupp heida,
Ins Böhmetal hurra!

Ja, dann auf dem Fahrplan steht,
Wann es nach Fallingbostel geht,
Von Hannover, Kaltenweide
Nach dem Paradies der Heide
usw.

Auch steht’s in Möllers Kursbuch dann,
Auf welcher Station man kann,
Von der Uelzen-Bremer Strecke
Nach hier biegen um die Ecke.
usw.

Bringt sie uns dann von nah und fern,
Viel Fremde, sehen wir so gern,
Aus Hannover, Hamburg, Bremen
Und woher sie sonst noch kämen.
usw.

Denn doch ein Fremder gerne sieht,
Bei Fallingbostel mal die Lieth,
Klettert gar bei größter Hitze
Auf die Klinter Liethbergspitze.
usw.

Und wär’s auch einer gar vom Rhein,
Labt er sich an dem Liter Wein,
In dem Tale, wo so helle,
sprudelt die Gesundheitsquelle.
usw.

Ist die Bahn nur sekundär,
Sind dennoch dankbar wir gar sehr,
Allen, die behülflich waren,
Daß wir hier mit Dampf bald fahren.
usw.

Dann geht es schnell von Dorf zu Dorf,
Wo wird verladen Holz und Torf,
Und wir dann fahren zum Besuch,
Stracks über Dorfmark, Jettebruch.
usw.

Und weiter auch nach Soltau dann,
Wo dann, wenn wir kommen an,
Die Freunde rufen: Je mi ne,
Fallingbosteler je juch he!
usw.

In Soltau geht’s dann hopp, hopp, hopp,
Da wird getanzt im Schottsch-Galopp.
Und damit wir bleiben munter,
Trinken wir auch mal mitunter.
usw.

Und zwar bis jeder hat genug,
Und nicht verpaßt den letzten Zug,
Sondern schon im Wagen krimmelt,
Wenn die Glock zur Abfahrt bimmelt.
usw.

Und wenn dann keiner bricht das Genick,
Sind wir bald von dort zurück.
Werden, eh‘ wir’s uns versehen,
Wieder auf dem Bahnhof stehen.
usw.

Drum schwingen wir heut wohlgemut,
Hoch unsere Mützen, hoch den Hut,
Singen, daß es laut erschalle
Und es weithin wiederhalle:
Die Eisenbahn kommt bald, ja, ja,
Jupp heidi, jupp heida,
Ins Böhmetal, hurra!

Kontakt:
Stadtarchiv Bad Fallingbostel
Dr. Wolfgang Brandes
Vogteistraße 1
29683 Bad Fallingbostel
Tel.: 05162 / 40118
stadtarchiv@badfallingbostel.de

Quelle: Stadtarchiv Bad Fallingbostel, Archivalie des Monats Oktober 2021

Der Emsländische Renn- und Pferdezuchtverein von 1920

Der Pferderennsport hat eine lange Tradition. Das erste Rennen wurde 1822 in Deutschland im mecklenburgischen Bad Doberan durchgeführt. Der Pferderennsport breitete sich im Land aus und fand viele Anhänger. In rascher Folge entstanden Rennbahnen, so in Münster, Castrop, Burgsteinfurt und in Quakenbrück. Auch in Lingen begann man sich für den Pferderennsport zu interessieren. Die Geschichte des Emsländischen Renn- und Pferdezuchtvereins beginnt am 4. Juli 1920. An diesem Tag fand in der Gastwirtschaft Tieding eine Versammlung von Freunden der Pferdezucht und des Rennsports statt.

Initiator der Versammlung war der Lingener Hoffschrör, der vorschlug, zur Veranstaltung von Pferderennen und zur Förderung der Pferdezucht einen Verein zu gründen. An einer Vereinsmitgliedschaft Interessierte konnten sich in einer bei Tieding ausliegenden Liste eintragen. Bald konstituierte sich ein vorbereitender Ausschuss, bestehend aus Landrat Albert Pantenburg und Emanuel Graf von Galen.


Abb.: Pferderennverein, o.D. (Foto: Heimatverein Lingen)

Wenige Tage nach dem ersten Treffen bat von Galen die Stadt um ein Grundstück zur Errichtung einer Pferderennbahn. Er dachte an ein mit Fichten bestandenes Gelände am Kleinbahnübergang der Haselünner Straße, also im Bereich der heutigen Schillerstraße. Die Stadt reagierte wohlwollend, sie hoffte auf steigenden Fremdenverkehr und entsprechende Steuereinnahmen. Nach einer Geländebesichtigung stimmten die städtischen Kollegien zu, am 10. Oktober erfolgte die offizielle Vereinsgründung, und am 25. Februar 1921 kam es zum gemeinsamen Vertragsschluss. Demnach stellte die Stadt das Grundstück kostenlos zur Verfügung, die Kosten für die Anlegung einer Rennbahn aber sowie die Errichtung einer Tribüne hatte der Verein selbst zu finanzieren. Die Bauarbeiten auf dem bereits mit einem Dampfpflug bearbeiteten Gelände begannen zügig, eine rund 1270 Meter lange und 25 Meter breite Rennbahn für Flach- und Hindernisrennen entstand ebenso wie eine überdachte Tribüne für 400 Personen mit Verwaltungs- und Restaurationsräumen und ein Totalisatorgebäude für die Annahme von Pferdewetten.

Und so konnte vor nunmehr hundert Jahren – am 11. September 1921 – das erstes Pferderennen stattfinden. In gewisser Hinsicht war die Veranstaltung auch ein Erfolg: sie wurde bemerkenswert gut besucht. Genaugenommen wurde sie zu gut besucht. Denn wegen des enormen Andrangs gelang es nicht, die öffentliche Ordnung am Rennplatz und auf den Zufahrtswegen aufrechtzuerhalten. Die Lingener Polizei war schlichtweg überfordert. Die Kassen waren völlig überlaufen, und angesichts fehlender Ordner strömten die Zuschauer schon vor Rennbeginn ins Innere der Rennbahn. „Ein Wunder, daß kein Unglück passiert ist“, kommentierte später der Lingener Volksbote. Für das zweite Rennen am 21. Mai 1922 mussten zwanzig Beamte der Schutzpolizei Osnabrück angefordert werden, und Feuerwehrleute sollten verhindern, dass niemand mit Zigarette im Wald herumlief. Der zusätzliche Aufwand kostete, und so befand sich der Verein von Anbeginn in einer finanziell schwierigen Lage. Die immer stärker anziehende Inflation tat ihr Übriges. Entsprechend finanzierte der Verein auch die vergebenen Preise nicht selbst, jedes Mal musste die Stadt erneut um Beihilfe gebeten werden. Die gewährte anfangs großzügig 1500 Mark, doch von Rennen zu Rennen sank der Betrag.


Abb.: Auf der Lingener Rennbahn um 1924 (Foto: Stadtarchiv Lingen)

Faktisch war der Fortbestand des Vereins wesentlich vom Erfolg der nächsten Rennveranstaltung abhängig. So konzentrierte man sich auf die Frühlingsrennen, die Herbstrennen 1922 und 1923 fielen aus. Nach einem finanziell unbefriedigenden Rennen stand man Mitte 1924 schließlich mit 26.000 Mark Schulden da. Einige Gläubiger zogen gar vor Gericht. Man fürchtete das Ende des Vereins und versuchte, die Tribüne auf Abbruch zu verkaufen, obwohl das ohne Zustimmung des Magistrats verboten war. Schließlich fand sich doch noch eine Lösung. Im Januar 1925 übernahm die Sparkasse des Kreises Lingen die Schulden des Vereins – inklusive der Schulden, die der Verein bei der Sparkasse selbst hatte – und wurde damit Eigentümerin sämtlicher Bauwerke auf dem Rennbahngelände. Der Verein durfte die Rennbahn jedoch weiterhin nutzen, und so fanden auch weiterhin Pferderennen statt. Mit dem Pferdezuchtverband Osnabrück holte man sich einen Partner ins Boot. Fortan stand auch eine Reichsverbandsstutenschau auf dem Programm. 1929 fanden noch einmal ein Frühjahrs- und Herbstrennen statt, 1930 noch eine Stutenschau, doch die finanzielle Situation des Vereins blieb prekär.

Im März 1931 beschloss die Sparkasse den Verkauf der Gebäude. Doch die Tribüne war reparaturbedürftig, der Verkauf des Abbruchmaterials hätte vielleicht noch 500 Mark eingebracht. Und der Abbruchwert des Totalisatorhäuschens hätte gerade ausgereicht, seinen Abbruch zu bezahlen. Die Stadt gab ein entsprechend niedriges Angebot ab, und so fiel der Verkauf aus. Was blieb, war eine Pferderennbahn, auf der keine regulären Pferderennen mehr stattfanden. Im Oktober 1931 veranstaltete der Reiterverein für Lingen und Umgebung noch ein einzelnes Rennturnier, und im September 1935 überließ man die Anlage der inzwischen in Lingen stationierten Garnison für ein Jagdreiten. Das letzte Rennen auf der dafür extra wieder hergerichteten Rennbahn, veranstaltet vom Lingener NS-Reiterkorps und der Lingener SA-Reiterschar, fand im Mai 1939 statt.

Bereits 1933 hatte der Landwirt Hermann Bojer, ohnehin längst Pächter dortiger Grünflächen, Interesse an dem Gelände angemeldet. Er wollte hier ein Bauernwohnhaus mit Stallung errichten. Aber die städtischen Kollegien lehnten das zunächst ab. 1936 erwarb er es dann doch – offenbar ohne jeden Vertrag. 1938 baute er einen Teil der Tribüne zu einem Bauernhaus um, 1940 den anderen Teil zu einem Wirtschaftstrakt. 1966 wurde das ganze Gebäude nach einem Blitzeinschlag abgerissen. Der Rennverein lässt sich 1934 zum letzten Mal belegen. Er dürfte wenig später in Konkurs gegangen sein.

Quellen und Literatur:

  • Stadtarchiv Lingen (StadtA LIN), Altes Archiv, Nr. 6630.
  • StadtA LIN, Fotosammlung.
  • StadtA LIN, Haus Beversundern (Dep.), Nr. 121.
  • StadtA LIN, Lingener Volksbote vom 28.8., 14.9. und 2.10.1920.
  • StadtA LIN, Lingensches Wochenblatt vom 6.7. sowie 12., 17. und 28.8.1920.
  • StadtA LIN, Stadt Lingen, Nr. 597.
  • Stephan Schwenke: Der Emsländische Renn- und Pferdezuchtverein aus Lingen, in: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes 56 (2010), S. 115-133.

Kontakt:
Stadtarchiv Lingen (Ems)
Baccumer Straße 22
49808 Lingen (Ems)
Tel.: 0591 / 91671-11
stadtarchiv@lingen.de

Quelle: Stadtarchiv Lingen, Archivalie des Monats Oktober 2021; Heimatverein Lingen / Dr. Stephan Schwenke, Archivalie des Monats Juni 2009

Traunsteiner Hindukusch-Expedition 1961

„Wie wir bereits ausführlich berichteten, rüsten seit Wochen fünf junge Traunsteiner zu einer großangelegten Kundfahrt in den Hindukusch. Nun ist es so weit, sie sind unterwegs. Am Mittwoch stellten sie sich noch einmal dem Fotografen, und am gleichen Tag ging es los. Erstes Ziel ist Jugoslawien, dann geht’s durch Griechenland und über den Bosporus, durch die Türkei, nach Persien und von dort zum Ziel in Afghanistan. […] Kabul ist die letzte größere Stadt, bis die fünf jungen Traunsteiner die Fahrt in die Wildnis des Hindukusch-Gebirges wagen. Sie sind in ihren [sic] Volkswagen-Bus gut ausgerüstet. Als sie am Mittwoch Traunstein verließen, erregte der vollgepackte Bus Aufsehen, schon durch die Aufschrift: ‚Traunsteiner Hindukusch-Expedition‘. Alsdann ‚Gute Fahrt‘ […].“ So stand es vor sechzig Jahren, am 7. Juli 1961, im Traunsteiner Wochenblatt zu lesen.


Abb.: Die Teilnehmer (von links) Fritz Wagnerberger (†), Karl Brenner, Dietrich von Dobeneck (†), Otto Huber und Karl Winkler (†) vor dem Haus der Familie Dobeneck in Haslach, das „der Dietrich regelmäßig in ein ‚Expeditions-Basislager‘ verwandelte – geduldet von der toleranten Familie von Dobeneck“, so Otto Huber (Foto: Stadtarchiv Traunstein)

Zum 60. Mal jährt sich 2021 diese „Traunsteiner Hindukusch-Expedition“, und man darf sie mit Fug und Recht als „legendär“ bezeichnen. Einer der Teilnehmer war Dietrich von Dobeneck, der am 21. März 2021 verstorbene honorige Mäzen des Traunsteiner Kulturlebens. Ein Teil seines Nachlasses fand den Weg in das Stadtarchiv Traunstein (vgl. Archivale des Monats Juni 2021), darunter auch ein Fotoalbum zu besagter Expedition. Die darin enthaltenen Bilder sind von beeindruckender Schönheit und hohem dokumentarischen Wert. Nachfolgend wird der einleitende Text zu diesem Fotobuch, verfasst von Otto Huber, einem weiteren Expeditionsmitglied, im Wortlaut (nur die Rechtschreibung wurde den heutigen Regeln angepasst) wiedergegeben, illustriert mit einigen wenigen ausgewählten Aufnahmen – alle wären es wert, hier gezeigt zu werden. Sie stammen von Karl Brenner und Fritz Wagnerberger, zwei weiteren Teilnehmern. Text und Bilder schildern eine beeindruckende, ja atemberaubende Landschaft mit freundlichen Bewohnern. Dies berührt umso mehr angesichts der gegenwärtigen politischen Situation in Afghanistan; ein Land, das weltmachtpolitische Interessen und religiöser Fanatismus an den Rand des Abgrunds geführt haben.

Am 5. Juli 1961 starteten fünf Mitglieder der Traunsteiner AV-Jungmannschaft, Karl Brenner, Fritz Wagnerberger, Karl Winkler, Dietrich v. Dobeneck und Otto Huber zur „Traunsteiner Hindukusch-Expedition. Mit zwei VW-Bussen erreichten wir nach 25-tägiger Fahrt durch Österreich, Jugoslawien, Griechenland, die Türkei und Persien Kabul, die Hauptstadt Afghanistans. Zahlreich waren die Pannen auf den zeitweise sehr schlechten Straßen, und einen Bus mussten wir 700 km vom Ziel entfernt mitten in der Wüste mit Motorschaden liegen lassen.


Abb.: Die Traunsteiner Hindukusch-Expedition 1961 (Foto: Stadtarchiv Traunstein)

Der Hindukusch, unser bergsteigerisches Ziel, liegt etwa 300 km nordöstlich von Kabul, entlang der Grenze nach Pakistan. Wir hatten in der Zwischenzeit unseren ursprünglichen Plan, von Süden her über den Anjuman-Pass vorzudringen, aufgegeben und wollten nun den ganzen Gebirgszug umfahren und von Norden durch das Kokča-Tal direkt in den Zentralhindukusch gelangen. Am 14. August erreichten wir Jurm, den Ausgangspunkt für unsere Expedition.

Unser Anmarschweg führte uns zuerst durch die wildromantische Kokča-Schlucht. Hoch über dem reißenden Gletscherfluss verlief ein kühn angelegter Steig nach Süden. Am Abend des 3. Tages erreichten wird das Bergwerk Sarsang. Hier, in 2500 m Höhe, werden die weltberühmten Lapislazuli, die blauen Halbedelsteine Afghanistans, gewonnen. Unter strenger Bewachung werden hier täglich bis zu 35 kg dieses wertvollen Steins gefördert. Trotz der Argusaugen des leitenden Ingenieurs gelang es uns, einige Splitter unbemerkt in der Hosentasche verschwinden zu lassen. Vier Tage marschierten wird durch die Kokča-Schlucht. Dann traten die steilen Felswände zurück und vor uns breitete sich das weite Munjan-Tal aus. Grüne Wiesen, weidende Kühe, Terrassenfelder und der ruhig dahinplätschernde Fluss ließen Erinnerungen an unsere heimatliche Bergwelt wach werden. Freundlich wurden wir von den Bewohnern der einsamen Bergdörfer empfangen.

Von den hohen Bergen sahen wir vorerst allerdings noch nichts. Über den 3200 m hohen Padjukan-Pass erreichten wir dann 2 Tage später das Dorf Deh-Ambi am Fuß des Zentralhindukusch. Das Dorf Deh-Ambi wurde zum Ausgangspunkt unserer Bergtouren. Tags zuvor hatten wir ein Hochtal erkundet, das uns für die Errichtung des Hauptlagers ganz geeignet erschien.

Mit Pferden war allerdings die untere Schlucht nicht zu begehen. Also zogen wir mit 13 Trägern los und schlugen auf einem der letzten Wiesenflecken in 3700 m Höhe unser Basislager auf. Schon am Abend des nächsten Tages standen unsere 2 Hochlagerzelte auf einem Gletscher in 4750 Meter Höhe. Rings um uns reckten sich die Gipfel der Achmed-Baba-e-Dewana-Kette bis 5800 m in den Himmel. Fast überall abweisende Hängegletscher, steile Felsgrate und unbegehbare Wandfluchten. Mit solch schwierigen Anstiegen hatten wir eigentlich nicht gerechnet.

Karl Winter, Fritz Wagnerberger und Karl Brenner begannen am nächsten Tag mit dem Aufstieg auf den 5620 m hohen Kollae Pierjach. Dietrich und ich wollten erst morgen nachfolgen. Den ganzen Tag konnten wir die Dreierseilschaft in der 600 m hohen Eiswand beobachten. Nur langsam kamen sie in dem blanken Eis voran. In 5400 m bezogen sie ihr erstes Biwak. Es wurde ein klare, kalte Nacht. Immer wieder mussten wir an die Kameraden denken, denn ein Biwak in solcher Höhe zählt nicht zu den erfreulichsten Dingen.

Am nächsten Tag brachen Dietrich und ich auf, um den etwas weiter östlich gelegenen Kollae Achmed Baba (5880) zu besteigen. Über einen Felssporn erreichten wir relativ leicht einen Eiswulst in etwa 5200 m Höhe. Mit Hilfe einiger Eishaken konnten wir den Wulst überwinden und kamen auf ein riesiges Büßerschneefeld. Mühsam arbeiteten wir uns dann durch die teilweise mannshohen Schneesäulen.

Die Luft wurde merklich dünn. Alle paar Meter blieben wir stehen um zu verschnaufen. Ein kurzer Felsgrat noch und dann standen wir auf unserem ersten Fünftausender. Wir mussten über eine ca. 400 m hohe Eiswand absteigen, wobei wir meist nur mit den vordersten Zacken unserer Steigeisen Halt fanden. Spät am Abend erreichten wir das Hochlager. Die anderen drei schafften den Abstieg an diesem Tag nicht mehr und mussten ein weiteres Biwak beziehen. Erst am nächsten Vormittag erreichten sie todmüde die Zelte. Im weiteren Verlauf gelang es uns noch, 5 Fünftausender der Achmed-Baba-e-Dewana-Gruppe zu besteigen. Für den Anfang war das sehr ermutigend.

Von der Achmed-Baba-Gruppe aus sahen wir weiter östlich 2 herrliche Berge stehen. Der elegante Doppelgipfel Sarguna und der wuchtige Klotz des Sakh-i-Kabud – beide über sechstausend. Am 30. August war erneut das Hauptlager errichtet. Im Darrah-i-Sahran stand es in 3700 m Höhe an einem wunderschönen Bergsee. Bereits am Tag darauf brachen wir mit 5 ausgesuchten Trägern auf und schlugen in 4500 m Höhe auf einer Felsterrasse unser Hochlager auf. Diesmal wollten wir auf dem Sattel zwischen den beiden großen Bergen in ca. 5100 m ein weiteres Hochlager errichten. Eine steile Eisrinne führte zu dem Sattel empor. Schon nach den ersten Metern mussten wir allerdings einsehen, dass wir mit unseren schweren Rucksäcken einfach nicht in der Lage waren, dieses teilweise blanke Eis-Coloir zu bewältigen. Nach kurzer Beratung beschlossen wir, auf ein zweites Lager zu verzichten und ein Biwak in großer Höhe zu riskieren. Diese Methode bewährte sich auch sehr gut. Noch am gleichen Tag stand wir um halb 6 Uhr abends nach teilweise schwieriger Kletterei auf dem 6060 m hohen Gipfel.

Beim Abstieg mussten wir einmal biwakieren und erreichten erst am Nachmittag des zweiten Tages wieder unser Hochlager. Am 5. September standen wir erneut auf dem 5100 m hohen Sattel. Die anstrengende Eisrinne lag bereits hinter uns. Diesmal wandten wir uns nach rechts, um den wuchtigen Sakh-i-Kabud über den Ostgrad anzugehen. Schon die Kletterei auf den ersten Vorgipfel (5650) ließ uns deutlich werden, dass dies unsere schwierigste Besteigung werden würde. Luftige Felsgrate, brüchige Bänder und Blankeisrinnen wechselten sich ab. Die Sonne war längst verschwunden, und wir hatten erst ca. zwei Drittel des Anstiegs geschafft. In der Scharte zwischen Kabud-Turm (5800 m) und dem Gipfelaufbau hakten wir in das Eis einen Biwakplatz, der gerade so groß war, dass wir sitzen konnten. Es wurde empfindlich kalt, doch die Gewissheit, morgen auf einem der höchsten Gipfel des Hindukusch zu stehen, bewahrte uns unsere gute Stimmung. Endlos dauerte die Nacht, im Osten, im Karakorum, wetterleuchtete es gespenstisch. Am nächsten Morgen machten wir uns mit steifgefrorenen Gliedern daran, die eigentliche Schlüsselstelle, einen ca. 150 m hohen Felspfeiler, anzugehen. Die Kletterei in knapp 6000 m Höhe (Schwierigkeitsgrad 4) war keine Kleinigkeit. Gegen Mittag erreichten wir die Schulter, von der ein Firngrat relativ leicht weiterführte. Um 2 Uhr nachmittags des 6. September standen wir auf dem 6100 m hohen Gipfel des Sakh-i-Kabud. Erst am Nachmittag des nächsten Tages erreichten wir wieder unser Hochlager. Insgesamt 57 Stunden hatten wir am Berg verbracht und unser einziger Wunsch war schlafen, schlafen und nochmals schlafen …

In der Zwischenzeit hatten sich leider die seit langem schwelenden Grenzstreitigkeiten zwischen Afghanistan und Pakistan verschärft und zum offenen Konflikt geführt. Uns traf dieser Streit insofern, als wir keine weitere Genehmigung zu Bergbesteigungen im Grenzgebiet mehr erhielten. Greifbar nahe stand im Südosten der wahrscheinlich letzte noch unbestiegene Sechstausender im Zentralhindukusch. Schweren Herzens mussten wir auf ihn verzichten.

Die fünf Bergsteiger erfüllten sich ihren Traum und fuhren mit ihrem VW Bus 7600 Kilometer weit bis zum Hindukusch. Einer der Abenteurer hatte auch eine Filmkamera dabei. 2013 wurden dessen Aufnahmen zum ersten Mal im Fernsehen gezeigt.

Kontakt:
Stadtarchiv Traunstein
Stadtplatz 39
83278 Traunstein
Tel.: 0861 / 65-250 und 0861 / 65-287
Fax: 0861 / 65-201
franz.haselbeck@stadt-traunstein.de

Postanschrift:
Stadtverwaltung Traunstein
Stadtarchiv
83276 Traunstein

Quelle: Stadtarchiv Traunstein, Archivale des Monats Oktober 2021; OVB online, 8.11.2013

Schroff-Archiv Villingen-Schwenningen

Nach jahrelanger Tätigkeit als Fotograf und Sammler hinterließ Herbert Schroff (1924-2011) einen umfangreichen Nachlass von eigenen Fotos, Reproduktionen und Postkarten. Schon zu Lebzeiten wurden die ersten Bilder daraus veröffentlicht. Nach zwei Büchern wurde 2007 ein Teil der Sammlung digitalisiert und auf der Internetseite www.bilderarchiv-schroff.de online gestellt. Mehrere Personen trieben das Projekt voran, die dafür gemeinsam die Nutzungsrechte der Bilder von Herbert Schroff erworben hatten. 2016 ging die erste Internetseite mit Schroffs Bildern überraschend wieder offline. Mit der neuen Online-Präsentation des Stadtarchivs Villingen-Schwenningen soll es interessierten Bürgern langfristig und sicher ermöglicht werden Bilder aus dem Nachlass anzusehen.


Abb.: https://www.schroff-stadtarchiv.de/

Nach dem Tod von Herbert Schroff im Jahr 2011 ging sein Erbe zunächst an seine Tochter über, die den Nachlass schon 2015 dem Stadtarchiv übergab, um die Nutzung für wissenschaftliche und heimatkundliche Zwecke zu ermöglichen. Davon ausgenommen waren allerdings noch die Nutzungsrechte, die es für eine Online-Präsentation benötigte. Aufgrund der schwierigen rechtlichen Lage mit mehreren Vertragsparteien konnten die vollständigen Eigentums- und Nutzungsrechte für die Sammlung erst 2018 an das Stadtarchiv übertragen werden. Für die Internetpräsentation wurden außerdem neue hochwertige Digitalisate erstellt und zunächst eine gezielte kleinere Auswahl von Bildern getroffen, die kommentiert online gestellt werden. Durch die Kommentierung und Verschlagwortung ist eine leichtere Suche innerhalb der Sammlung möglich.

Was beinhaltet der Bestand?
Insgesamt handelt es sich dabei um ca. 10.000 Bilder. Darunter befinden sich allerdings auch viele Motive mehrfach und private Aufnahmen, die sich nicht für eine Veröffentlichung eignen. Inhaltlich konzentriert sich die Sammlung auf Motive aus Villingen, insbesondere der historischen Innenstadt. Außerdem sind gesellschaftliche Anlässe und das kulturelle Leben in Villingen dokumentiert. Eine besondere Rolle spielt zudem die Firma SABA, für die Schroff lange Zeit arbeitete und während dieser Zeit Aktivitäten der Firma fotografisch festhielt.

Die hier gezeigten Bilder wurden thematisch bestimmten Oberkategorien zugeordnet, die eine erste Orientierung geben, wenn ein bestimmtes Motiv gesucht wird. Folgende Oberkategorien sind bisher vorhanden:
Innenstadt, Handwerk und Geschäfte, Gasthäuser und Hotels, Luftbilder, Kirchen, Kneippbad, Schwimmbäder, SABA, Technik, Fastnacht, Ereignisse und Feiern, Grußkarten, Gruppen und Vereine, Nationalsozialismus und Nachkriegszeit. – Nutzerinnen und Nutzer der Seite haben die Möglichkeit, alle gezeigten Bilder zu kommentieren.

Herbert Schroff – Der rasende Reporter aus Villingen
Herbert Schroff wurde am 23. September 1924 in Villingen geboren und wuchs in der Villinger Innenstadt auf. Während des Zweiten Weltkriegs war er als Marine-Funker im Einsatz und geriet in britische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg lebte er zunächst in Münster, wo er auch seine Frau Martha kennenlernte. Mit ihr und seiner Tochter kehrte er 1952 in seine Heimatstadt zurück und begann bei SABA als Lastwagenfahrer zu arbeiten. Mit großem Engagement nahm er am Firmenleben teil. Er leitete die Firmen-Theatergruppe und gründete eine Werkszeitung sowie später den Werksfunk. Auch die ‚Saba Prominentenelf‘ mit bekannten Fußballern der Weltmeisterschafts-Mannschaft von 1954 wurde von Schroff betreut und er begleitete sie auf über 100 Spielen für einen guten Zweck.

Freiberuflich war Schroff außerdem für den Südkurier tätig. Seine Berichte und Bilder waren bald in der ganzen Stadt bekannt. Neben seinen Fotografien sammelte er auch Postkarten und andere Aufnahmen aus Villingen. Gemeinsam mit Werner Jörres veröffentlichte er zwei Bücher mit historischen Bildern aus Villingen. Für sein Engagement und seine Verdienste um die Heimatstadt erhielt Herbert Schroff 1999 die Bürgermedaille der Stadt. Bis ins hohe Alter nahm er am gesellschaftlichen Leben teil bevor er am 14. Januar 2011 verstarb.

Kontakt:
Amt für Archiv und Schriftgutverwaltung
Winkelstraße 7, Bau D, 3. OG
78056 Villingen-Schwenningen

Abteilung Stadtarchiv
Lantwattenstraße 4
78050 Villingen-Schwenningen

Postanschrift:
Postfach 12 60
78002 Villingen-Schwenningen
Tel.: 07721 / 82-1810
FAX: 07721 / 82-1817
stadtarchiv@villingen-schwenningen.de
archivbibliothek@villingen-schwenningen.de

Quelle: Stadtarchiv Villingen-Schwenningen: https://www.schroff-stadtarchiv.de/; Schwarzwälder Bote, 1.9.2018

Lutherbilder aus sechs Jahrhunderten

Martin Luther (1483-1546) gehört zu den am häufigsten dargestellten Personen der deutschen wie auch der Weltgeschichte. Die Lutherhalle Wittenberg bewahrt ca. 2400 verschiedene Lutherbilder auf. Allein zu Luthers Lebzeiten entstanden rund 500 Bilder.


Abb.: Der Große Hörsaal im Lutherhaus in Wittenberg. Das Lutherhaus ist einst als Augustinerkloster erbaut worden. Es diente über 35 Jahre als Wohnhaus der Familie Luther und war die Hauptwirkungsstätte Martin Luthers (Foto: Stiftung Luthergedenkstätten)

Als Thema protestantischer Bilderwelten hat Martin Luther das visuelle Bewusstsein evangelischer Kreise und seit dem 19. Jahrhundert das der Deutschen insgesamt maßgeblich geprägt. Lutherdarstellungen begegnen bis heute im öffentlichen, kirchlichen und häuslichen Raum. Bei aller Verschiedenheit fußen sie auf Grundtypen aus der Werkstatt des älteren Lucas Cranach (1472-1553) und des jüngeren Lucas Cranach (1515-1586).

Abb.: Martin Luther als Professor 1529 (Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren, 1528, Sammlung Lutherhaus Wittenberg)

Jede Zeit schafft sich ihr eigenes Lutherbild. Als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten deutscher Geistes- und Kulturgeschichte bot Martin Luther sich dabei immer auch als Gegenstand von Verherrlichung und Instrumentalisierung an. Die Auseinandersetzung mit ihm folgt dem kulturellen Wahrnehmungsraster der jeweiligen Zeit. Ihr geistiges Leben, in dessen breiter Strömung sich auch die Kunst bewegt, findet im Lutherbild seinen Ausdruck. Im Laufe der Jahrhunderte haben etliche Rezeptionsschichten die historische Gestalt des Reformators überlagert und ihn zu einer nachgerade mythischen Figur werden lassen.

Mit Unterstützung des Verbandes kirchlicher Archive wurde die Ausstellung „Lutherbilder aus sechs Jahrhunderten“ zum Lutherjubiläum 2017 als Wanderausstellung durch die Republik geschickt. Sie ist auch jetzt noch über das Landeskirchliche Archiv Stuttgart ausleihbar.

Die nunmehrige Online-Ausstellung präsentiert bekannte und unbekannte Lutherbilder aus sechs Jahrhunderten in 14 weitgehend chronologisch angelegten Stationen. Eine ausführliche Interpretation der Lutherdarstellungen bietet der Katalog zur Ausstellung, der insgesamt 100 Luthermotive aus ganz Deutschland umfasst.

Kontakt:
Verband kirchlicher Archive
Dr. Henning Pahl (kommissarische Leitung)
c/o Evangelisches Zentralarchiv in Berlin
Bethaniendamm 29
10997 Berlin
Tel.: 030 / 22 50 45-0
Fax: 030 / 22 50 45-40
archiv@ezab.de

Quelle: https://lutherbilder.de

1700 Jahre jüdisches Leben in der Region Rhein-Erft-Rur

Im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen im Rhein-Erft-Kreis hat die Arbeitsgemeinschaft der Archive in den Kreisen Düren und Rhein-Erft eine Ausstellung mit dem Titel „Shalom Chaverim – 1700 Jahre jüdisches Leben in der Region Rhein-Erft-Rur“ realisiert.

Mit dem Dekret des Jahres 321 nach der Zeitenwende ist jüdisches Leben nördlich der Alpen erstmals nachweisbar. Auch der Rhein-Erft-Kreis war und ist Heimat von Jüdinnen und Juden. Die Ausstellung zeichnet auf insgesamt zwölf Tafeln die Entwicklungslinien der jüdischen Geschichte im Rhein-Erft-Kreis vom Mittelalter bis zur Verfolgung unter dem NS-Regime aufgezeigt, sondern auch das Thema der Widergutmachung in der Nachkriegszeit betrachtet. Neben bedeutenden Ereignissen sollen auch alltägliche Lebensbereiche wie Religionsausübung, Schulbildung und Freizeit dargestellt werden.

„Hallo, Freunde“ – so kann man im Alltagshebräisch etwa den Titel übersetzen. „Shalom“ bedeutet aber auch Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit und Friede. Den haben die Menschen jüdischen Glaubens sich immer gewünscht, auch wenn es über viele Jahrhunderte sehr schwer für sie war, in Sicherheit und Frieden zu leben. Die Ausstellung begibt sich auf Spurensuche in die Geschichte der jüdischen Gemeinden in unserer Region. Dabei thematisiert sie die ganze Bandbreite jüdischer Geschichte. Neben einem chronologischen Überblick über die Geschichte in den Regionen Rhein-Erft-Rur wird auch die Bedeutung von Synagogen und Friedhöfen in den Blick genommen.

Weiterhin wird die Frage nach dem Gedenken und nach einem heutigen Zusammenleben betrachtet. Eine Tafel gedenkt den Schicksalen der wenigen überlebenden Opfer des Holocaust in Bergheim, wo die Ausstellung im Citybüro (Hauptstraße 55, 50126 Bergheim) zeitgleich zu sehen ist. Zusätzlich behandelt die Ausstellung durch die Themenbereiche „Der jüdische Friedhof“ und „Die Synagoge“ die religiösen Lebensbereiche, welche die jüdische Kultur zum Teil so besonders machen.

Die Ausstellung kann bis zum 25.02.2022 im Foyer des Stadtarchivs Frechen zu den Gebäudeöffnungszeiten besucht werden. Der Eintritt ist frei. – Im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen findet zudem am 24.10.2021 die Führung „Einstiges jüdisches Leben in Frechen – dargestellt am heutigen Originalschauplatz“ statt, sowie am 27.10.2021 die Filmvorführung mit anschließender Diskussion „Shalom und Alaaf – Jüdinnen und Juden im Kölner Karneval“.

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Archive in den Kreisen Düren und Rhein-Erft, in der kommunale und staatliche Archive ebenso wie Firmenarchive vertreten sind, treffen sich mehrmals im Jahr sowohl zum archivfachlichen Informations- und Erfahrungsaustausch als auch zur Konzipierung und Realisierung von Projekten. Dabei geht es einerseits um Ausstellungen und Publikationen als wesentlichem Teil der archivischen Öffentlichkeitsarbeit, andererseits aber auch um aktuelle Entwicklungen im Bereich des Archivwesens, wie die Übernahme elektronischen Schriftguts, die Erörterung von Bewertungsmaßstäben oder die Sicherung der Bestände. – Eine Publikation der Arbeitsgemeinschaft ist der Archivführer „Fundgruben“, der als PDF-Download abgerufen werden kann.

Kontakt:
Stadtarchiv Frechen
Hauptstraße 110-112
50226 Frechen
Tel.: 02234/501-1239
archiv@stadt-frechen.de
www.stadtarchiv-frechen.de

Quelle: Rhein-Erft-Kreis, Grußwort Landrat Rock: Jüdische Kulturwochen; Herzog. Kultur- und Stadtmagazin, 5.10.2021; Rhein-Erft-Kreis, Pressemitteilung, 26.2.2021; Stadtarchiv Frechen: Ausstellungshinweise; Stadt Bergheim, Pressemitteilung, 1.10.2021

Bau eines Fallschirmsprungturmes in Bitterfeld

Die als Archivale des Monats ausgewählte Akte mit der Signatur HSTAB 2948 wird im Stadtarchiv Bitterfeld-Wolfen im Ortsteil Stadt Bitterfeld aufbewahrt und enthält Schriftstücke über den Bau eines Fallschirmsprungturmes aus den Jahren 1956 bis 1959. Die Akte beinhaltet unter anderem Schriftverkehr bezüglich der Standortgenehmigung zum Bau des Fallschirmsprungturmes. Daraus geht hervor, dass man mit den Bauarbeiten bereits beginnen wollte, ohne dass eine Bau- oder Standortgenehmigung vorlag.


Abb.: Bau des Fallschirmsprungturmes auf der Binnengärtenwiese Bitterfeld (Foto: Stadtarchiv Bitterfeld-Wolfen FA Btf 326)

Weiterhin befindet sich in der Archivale ein auf den 16.05.1956 datiertes „Gutachten über die Baugrund- und Gründungsverhältnisse“. Auftraggeber des Gutachtens war die Gesellschaft für Sport und Technik, Kreisleitung Bitterfeld. Die historische Endarchivakte enthält außerdem eine „Ingenieurgeologische gutachtliche Stellungnahme zur Planung eines Fallschirmsprungturmes in Bitterfeld“ sowie einen Prüfbericht zum Fundament.

Eine „Übersichtszeichnung des Fallschirm-Absprungturmes“ von 1955 veranschaulicht, wie der Sprungturm aussehen und welche Maße er haben sollte. Laut der Zeichnung war eine Höhe von 20 Meter angedacht. Am 13.11.1957 erteilte der Rat des Kreises Bitterfeld, Bezirk Halle, die Baugenehmigung für den Fallschirmsprungturm.

Im März 1959 erfolgte die Gebrauchsabnahme, die zu keinen Beanstandungen geführt hat. Der dazugehörige Gebrauchsabnahmeschein wurde jedoch erst am 22.6.1959 vom Rat des Kreises Bitterfeld ausgestellt.

Kontakt:
Stadtarchiv Bitterfeld-Wolfen
OT Stadt Bitterfeld
Markt 07
06749 Bitterfeld-Wolfen
Tel.: 03494 6660-240

Quelle: Stadtarchiv Bitterfeld-Wolfen, Archivale des Monats November 2021

Digitalisierungsprojekt des Landesarchivs Thüringen zur Weimarer Nationalversammlung

Als Friedrich Ebert am 6. Februar 1919 in Weimar im Deutschen Nationaltheater die konstituierende Sitzung der verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung eröffnete, hoffte ein Großteil der Wählerinnen und Wähler, die am 19. Januar 1919 an die Wahlurnen getreten waren, auf einen friedlichen und rechtsstaatlichen Übergang von den revolutionären Verhältnissen hin zu einer demokratischen Republik. Die Aufgaben, vor denen das neue Parlament stand, waren neu und zugleich elementar, die Bedingungen dafür denkbar schwierig.


Abb.: Tabellarische Darstellung der Wahlergebnisse der Wahl zur Nationalversammlung von 1919, geordnet nach Wahlkreisen (Ausschnitt) (LATh-HStA Weimar, Plakat- und Flugzettelsammlung Nr. K 615/1)

Die am 11. August 1919 im thüringischen Schwarzburg von Reichspräsident Friedrich Ebert (1871-1925) unterzeichnete und am 14. August 1919 in Kraft getretene Weimarer Reichsverfassung ist bis heute Gegenstand von Deutungen und Diskussionen. Sie war zugleich aber eine Voraussetzung für den Zusammenschluss der Thüringischen Staaten zum Land Thüringen. Daher schien es lohnenswert, in den Beständen aller Abteilungen des Landesarchivs Thüringen nach einschlägigen Archivalien zur Weimarer Nationalversammlung, zur Gründung der Weimarer Republik sowie des Landes Thüringen zu recherchieren, diese zu digitalisieren und online zu stellen. Zum anderen sollte auch der Frage nachgegangen werden, wie die politischen Vorgänge und Umbrüche – Thüringen und die Republik betreffend – jenseits von Weimar verfolgt, kommentiert und reflektiert wurden – nicht zuletzt deshalb, weil die im Hauptstaatsarchiv Weimar aufbewahrte Überlieferung des Freistaates Sachsen-Weimar-Eisenach in Folge eines Brandunglücks im April 1945 erhebliche Lücken aufweist.

Akten, Plakate, Fotografien – Schwerpunkte und Perspektiven
Die vorliegenden Dokumente sind als ein repräsentativer Querschnitt der Bestände des Landesarchivs Thüringen zu verstehen und bilden vor allem im Bereich der Akten nicht alle Quellen ab, die für Forschende von Interesse sein könnten. Insgesamt wurden 218 Datensätze und mehr als 18.000 Digitalisate ins Digitale Archiv exportiert, wo sie nun online für die interessierte Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Darüber hinaus lohnt sich nach wie vor die Recherche in den Findmitteln (einschließlich Archivportal Thüringen) sowie der klassische Besuch in den Lesesälen der relevanten Archive, um der einen oder anderen Fragestellung genauer auf den Grund zu gehen.


Abb.: Plakat, Wahlaufruf „Mädchen u. Frauen heraus aus der Finsternis!“ (LATh-StA Altenburg, Plakatsammlung Nr. 953)

Die digitalisierten Dokumente erlauben einen Einblick in die Vorgänge und Entwicklungen zwischen 1918 und 1924 aus verschiedenen Blickwinkeln. Während die Plakate vor allem die Wahlagitation der verschiedenen politischen Parteien anschaulich machen, gewährt ein Großteil der Akten der Thüringischen Kleinstaaten einen Einblick in die Vorbereitung, Organisation und Durchführung der Wahlen zur Nationalversammlung im Januar 1919. Persönliche Briefe Herzog Bernhards III. von Sachsen-Meiningen (1851-1928) aus dem Staatsarchiv Meiningen erlauben hier und da einen Einblick in das „Seelenleben“ eines entmachteten Souveräns und seine Haltung, die politischen Vorgänge betreffend. Andere Akten, die die großen politischen Fragen dokumentieren, wie etwa die Verfassungsfrage und die Friedensverhandlungen der Nationalversammlung mit den Siegermächten, spiegeln auch die alltäglichen Herausforderungen in Weimar wider. Dazu zählt etwa die Frage der Unterbringung und Versorgung der vielen Abgeordneten in und um Weimar herum. Vor allem die zu Beginn des Jahres 1919 als bedrohlich wahrgenommene Bierknappheit mutet dabei aus heutiger Perspektive eher skurril an. Ein Fotoalbum aus dem Bestand des Hauptstaatsarchivs Weimar enthält eine Vielzahl bisher nicht veröffentlichter Fotografien aus dem Jahr 1919, die vor allem die Vorgänge in Weimar plastisch beleuchten. Aus urheberrechtlichen Gründen können diese im Portal nicht angezeigt werden, die Metadaten sind jedoch abrufbar. Gleiches gilt auch für alle anderen berücksichtigten Fotografien. Nicht zuletzt beleuchten u. a. die kommentierten Entwürfe der von Prof. Dr. Eduard Rosenthal (1853-1926) ausgearbeiteten Verfassung des Landes Thüringen die komplexen Vorgänge, die den Zusammenschluss der Thüringischen Staaten hin zum Land Thüringen 1920 bedingten.

Kontakt:
Landesarchiv Thüringen
Marstallstraße 2
99423 Weimar
Tel.: +49 (0) 36 43 / 870-101
Fax: +49 (0) 36 43 / 870-100
landesarchiv@la.thueringen.de
https://landesarchiv.thueringen.de/

Quelle: Landesarchiv Thüringen/Romy Scharfe, Weimarer Nationalversammlung online, 16.9.2021

Friedhofsunterlagen erleichtern Familienforschung im Stadtarchiv Moers

»Wo komme ich her?« – Dieser Frage können Interessierte auch im Stadtarchiv Moers nachgehen. Im Stadtarchiv werden zahlreiche personengeschichtlich interessante Quellen aufbewahrt. So stehen Familienforschern insbesondere Personenstandsregister, Adressbücher, Einwohnermeldekarteien und Kopien von Kirchenbüchern für ihre Recherchen zur Verfügung.

Seit Kurzem vereinfachen Bücher der Moerser Friedhofsverwaltung und eine digitalisierte Meldekartei die Familienforschung. So ging vor einiger Zeit bei Daniela Gillner, Leiterin des Stadtarchivs, z.B. eine Anfrage aus Berlin ein: Die Dame war auf der Suche nach ihren Vorfahren um 1830. Eine spannende Aufgabe, denn es gab zahlreiche Dokumente zu den angefragten Personen. „Ich habe erst in der Meldekartei geschaut und dann in den Standesamtsunterlagen noch mehr Material gefunden. Außerdem haben mir die Kirchenbuchkopien mit Tauf- und Beisetzungsdatum weitergeholfen“, berichtet die Stadtarchivarin von der Recherche.


Abb.: Die Moerser Stadtarchivarin Daniela Gillner freut sich über neue Unterlagen der Moerser Friedhofsverwaltung im Stadtarchiv. (Foto: Stadt Moers)

Am Ende hat sich herausgestellt, dass eine Vorfahrin in Düsseldorf geheiratet hatte und sie konnte die Berliner Familienforscherin an das Stadtarchiv Düsseldorf verweisen, um die Spur zu verfolgen. Nicht nur aus Berlin schreiben Menschen an das Moerser Stadtarchiv, sondern aus ganz Deutschland, den Niederlanden, Polen, Tschechien und sogar aus den USA kamen bereits Anfragen.

Gute Buchführung seit 1798
In vielen Fällen können die Kolleginnen und Kollegen aus dem Stadtarchiv Moers weiterhelfen. Grundlage dafür sind die guten Überlieferungen aus dem Standesamt. „Wir haben seit 1798 sämtliche Informationen über Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle. Das wurde picobello gepflegt“, erzählt Daniela Gillner. Einige der Standesamtsbücher sind derzeit in der Werkstatt, weil sie ständig in Benutzung sind. Auch die ‚neuen‘ Lagerbücher der Friedhofsverwaltung sind sanierungsbedürftig und danach mit der Reparatur an der Reihe. Von allen Moerser Friedhöfen sind dort bis in die 1990er Jahre Informationen zu finden: Name, Alter, Wohnort, Datum der Beerdigung und sogar der Beruf – in manchen Fällen war der auch einfach ‚Ehefrau‘, ‚Berginvalide‘, ‚Witwe‘ oder bei vielen Moersern eben ‚Bergmann‘.

Besonders wertvoll sind die Lagerbücher der Friedhöfe in Kombination mit den großformatigen Flächenplänen zu den Grabplätzen. So kann anhand der Auflistung im Buch der damalige Grabplatz auch noch auf den heutigen Friedhöfen sehr genau bestimmt werden. „Die Lagerbücher und Karten sind wie einzelne Mosaikstücke, die man bei der Recherche zusammensetzt“, erklärt die Fachfrau.


Abb.: Der alte Lageplan eines Friedhofs lässt in Zusammenhang mit den jeweiligen Lagerbüchern Rückschlüsse darauf zu, wo wer begraben wurde. (Foto: Stadtarchiv Moers)

Ein weiteres Mosaikstück kann außerdem die Einwohnermeldekartei sein. Die Karten sind wie konzentrierte Informationsquellen, die man sich sonst mühsam zusammensuchen müsste. Vermerkt sind darauf nicht nur Infos zu der jeweiligen Person, sondern auch zu den Eltern, Kindern, der Ehepartnerin, deren Herkunft und den eigenen Umzügen im Laufe des Lebens.

„Die Einwohnermeldekartei ist sehr beliebt bei den Besucherinnen und Besuchern des Stadtarchivs. Deshalb gehen die einzelnen Karten immer mehr kaputt und wir sichern den Bestand, indem wir alles einscannen.“ Bisher ist das Archivteam bis zum Buchstaben B vorgedrungen. „Es wird noch einige Zeit brauchen, bis wir alle Meldekarten digitalisiert haben“, stellt Daniela Gillner in Aussicht.

Wer Einblick in die Meldekartei nehmen möchte, kann sich beim Stadtarchiv Moers melden. Die Kolleginnen und Kollegen suchen dann die entsprechenden Informationen heraus und/oder bieten einen Termin zur Einsichtnahme an.

Kontakt:
Stadtarchiv Moers
Hanns-Dieter-Hüsch-Bildungszentrum
Wilhelm-Schroeder-Straße 10
47441 Moers
Telefon: 02841 / 201-737
stadtarchiv@moers.de

Quelle: Stadt Moers, Pressemitteilung, 6.10.2021; RPonline, 6.10.2021

Turnverein schenkt seine historischen Unterlagen dem Stadtarchiv Biberach

Das Stadtarchiv Biberach versteht sich heute nicht mehr nur als Gedächtnis der Verwaltung, sondern als Gedächtnis der Gesellschaft. Deshalb werden neben der schriftlichen Überlieferung aus den städtischen Ämtern auch Archive von Vereinen, Firmen und gesellschaftlich oder historisch bedeutenden Privatpersonen in das Stadtarchiv aufgenommen.

Auf Anregung von Rainer Etzinger, dem damaligen Vereinsvorsitzenden, wurde bereits kurz nach dem 150-jährigen Jubiläum des Vereins im Jahr 1997 das Archiv der Turngemeinde Biberach 1847 e.V. an das Stadtarchiv übergeben.


Abb.: Die Turngemeinde Biberach, vertreten durch den Vorsitzenden Hans-Peter Beer (r.), übergab ihr Archiv offiziell an das Biberacher Stadtarchiv, vertreten durch Kulturdezernent Dr. Jörg Riedlbauer (Foto: Johanna Geist)

Erst jetzt konnten die Unterlagen erschlossen und für die Benutzung aufbereitet werden. Acht laufende Regalmeter Vereins-, aber auch Stadtgeschichte können nun von Forschern und historisch interessierten Bürgern im Lesesaal des Stadtarchivs eingesehen werden. Es handelt sich um Vereinsunterlagen wie Protokolle, die bis in das Jahr 1851 zurückreichen, Kassenbücher oder Mitgliederlisten, die das Vereinsleben und die Entwicklung des heute größten Biberacher Vereins in rund 150 Jahren aufzeigen.

Die Vereinsgründung erfolgte nur wenige Jahre nach der Aufhebung der sog. Turnsperre, also dem 1820 im Rahmen der Demagogenverfolgung erlassenen Verbot des Turnens. Bei Gründung des Biberacher Vereins am 10.5.1847 besaß dieser sogleich 21 Mitglieder, fünf Jahre später waren es bereits 60.

Dass der Sportverein auch einen großen Anteil am gesellschaftlichen Leben hatte, zeigen die umfangreichen Schriftstücke zur Fasnet in Biberach. Im Jahr 1938 gründete sich eigens eine „Biberacher Fasnet-Arbeitsgemeinschaft“ in der sich Turngemeinde, Liederkranz und Schützengilde zusammenschlossen, um gemeinsam Fasnetsveranstaltungen durchzuführen. Auch dem Singen fühlten sich die Mitglieder der TG verbunden. Von der 1924 gegründeten Sängerriege zeugt eine große Anzahl an Liederbüchern und Notenblättern.

Die mit dieser Schenkung übergebenen Dokumente umfassen den Zeitraum von 1851 bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Damit auch die neuere Vereinsgeschichte den zukünftigen Generationen zur Verfügung steht, werden das Stadtarchiv und die TG Biberach weiterhin in Verbindung bleiben. Im Jahr 2022 steht das 175-jährige Jubiläum des Vereins an, danach wird der Bestand „Turngemeinde Biberach“ sicherlich weiteren Zuwachs erhalten.

Kontakt:
Stadtarchiv Biberach
Waldseer Straße 31
88400 Biberach an der Riß
Telefon: 07351 51-327
Fax: 07351 5185327
stadtarchiv@biberach-riss.de

Quelle: Stadt Biberach, Aktuelles, 5.10.2021; Art.: Turnen, in: Wikipedia, 25.8.2021; TG Biberach: Chronik; Wochenblatt Biberach, 5.10.2021.

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