Die „Machtergreifung“ 1933 in Rhein-Main

Neue Broschüre beleuchtet politische Ereignisse in der Region.

Vor 91 Jahren, am 30. Januar 1933, wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Mit der sogenannten „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten fand die Weimarer Republik ihr gewaltvolles Ende. Die Demokratie wich einer menschenverachtenden Diktatur. Heute zeigen sich vielerorts wieder Ausgrenzung, Gewalt, Hassrede, Rassismus und Antisemitismus. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken braucht es die Initiative einer selbstbewussten demokratischen Zivilgesellschaft. Dazu gehört auch die kritische Auseinandersetzung mit den historischen Gegebenheiten und Entwicklungen vor Ort.


Abb.: Fahnenschmuck am neuen Rathaus nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933 (Foto: Stadtarchiv Wiesbaden; Digitales Multimediaarchiv Foto-Nr. 000036. Fotograf unbekannt)

Anlässlich des 90. Jahrestages nahm vor einem Jahr ein interregionales Symposion die „‘Machtergreifung‘ 1933 in Rhein-Main“ in den Blick. Eingeladen hatten das Projekt „Geist der Freiheit – Freiheit des Geistes“ der KulturRegion FrankfurtRheinMain, das Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, die Hessische Landeszentrale für politische Bildung, der Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945 und die Volkshochschule Aschaffenburg. Das öffentliche Interesse war groß, über 150 Interessierte nahmen an der Tagung auf Schloss Johannisburg in Aschaffenburg teil. Nun liegt der druckfrische Sammelband mit Beiträgen des Symposions vor.

Auf 112 illustrierten Seiten beleuchtet die Publikation in acht Beiträgen und vier Impulsen grundlegende Fragen zu den politischen Ereignissen vor 91 Jahren in der Region: Unter welchen Umständen hat sich die Umwandlung von Demokratie hin zur Diktatur auf lokaler und regionaler Ebene vollzogen? Wie agierten Verwaltungen, Presse und Lehranstalten? Wer waren die zentralen Akteurinnen und Akteure? Welche Spielräume gab es für Widerstand? Die Beiträge von haupt- und ehrenamtlich Engagierten in der regionalen Geschichtsforschung, der Erinnerungskultur und der Geschichtsvermittlung berichten etwa von den „Chaostagen“ in Großostheim über die gewalttätigen Auseinandersetzungen im „roten Offenbach“ bis zur Gleichschaltung an der Preußischen Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Geisenheim.

Ein besonderes Augenmerk gilt der Analyse der „Machtergreifung“ im öffentlichen Raum. Die Beiträge ermöglichen einen Einstieg in die Thematik und bieten Anregungen zur Vertiefung und für die Geschichtsvermittlung.

„Die ‚Machtergreifung`1933 in Rhein-Main. Forschungen, Werkstattberichte und Impulse“ wird herausgegeben von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg und der KulturRegion FrankfurtRheinMain. Der Band steht in Kürze in den Bibliotheken der hessischen Hochschulen sowie in sämtlichen kommunalen Bibliotheken und Archiven in der Rhein-Main-Region zur Verfügung. Kostenfreie Exemplare sind über die Hessische Landeszentrale für politische Bildung, die Geschäftsstelle der KulturRegion FrankfurtRheinMain und das Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg erhältlich. Darüber hinaus steht die Publikation zum Download unter www.krfrm.de zur Verfügung.

Kontakt:
Stadt- und Stiftsarchiv
der Stadt Aschaffenburg
Wermbachstraße 15
63739 Aschaffenburg
Tel.: 06021 / 330-2420
E-Mail:

Quelle: Stadt Aschaffenburg, Presseinformation, 30. Januar 2024

Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ bestätigt Stefan Querl im Bundesvorstand

Vorsitzender Andreas Voßkuhle besucht am 8. Mai Münster zum Doppeljubiläum der Villa ten Hompel.

Freude über ein einstimmiges Freiburger Votum: Andreas Dickerboom, Koordinator beim Deutschen Rundfunkarchiv in Potsdam, und Stefan Querl, Leiter des Geschichtsortes Villa ten Hompel in Münster, sind in ihren Ämtern im Vorstand von „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ bestätigt worden. Gemeinsam vertreten beide die Belange der regionalen Arbeitsgruppen in der parteiübergreifenden Vereinigung in Deutschland, wie die Sprecherinnen und Sprecher während der Bundesversammlung in Baden-Württemberg beschlossen.


Abb.: Andreas Dickerboom (r.), Koordinator beim Deutschen Rundfunkarchiv in Potsdam, mit Stefan Querl (l.), Leiter des Geschichtsortes Villa ten Hompel in Münster (Foto: Silvie Kühne).

Vorsitzender von „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ ist der Freiburger Staatsrechtler und frühere Verfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle, der während der Versammlung einen Besuch in Münster für Mittwoch, 8. Mai, ankündigte. Zum Doppeljubiläum der Villa ten Hompel (25 Jahre Geschichtsort und 100 Jahre Existenz des Gebäudes am Kaiser-Wilhelm-Ring) wird er einen Gesprächsabend bestreiten und dabei auch an die Verabschiedung des Grundgesetzes vor 75 Jahren erinnern. Das Programm findet in der katholisch-sozialen Akademie Franz Hitze Haus, Kardinal von Galen-Ring 50, statt. Die Akademie ist eine der frühesten und agilsten Kooperationspartnerinnen der Villa ten Hompel, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Ebenso wie der Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, das sich seit 30 Jahren bundesweit für aktive Geschichtskultur, politische Bildung und gegen Rechtsextremismus engagiert. Infos und Anmeldungen sind zu der Veranstaltung am 8. Mai online: https://www.franz-hitze-haus.de/info/24-514

Kontakt:
Geschichtsort Villa ten Hompel
Kaiser-Wilhelm-Ring 28
48145 Münster
Tel. 02 51/4 92-71 01
Fax 02 51/4 92-79 18
tenhomp@stadt-muenster.de

Quelle: Villa ten Hompel, Pressemitteilung, 17. Januar 2024

Programm zum Doppeljubiläum der Villa ten Hompel erschienen

2024 stehen bei der Villa ten Hompel gleich zwei Jubiläen an: Vor 100 Jahren, 1924 in den „Goldenen Zwanzigern“ der Weimarer Republik, wurde mit dem Bau der Industriellenvilla von Rudolf und Johanna ten Hompel begonnen und vor 25 Jahren wurde der Geschichtsort Villa ten Hompel eröffnet. Über das Jahr verteilt werden im Rahmen des öffentlichen Veranstaltungsprogramms zentrale Themen- und Arbeitsschwerpunkte des Geschichtsorts durch neue Impulse gestärkt.


Abb.: Eine internationale Tagung fragt nach Genderperspektiven auf Nationalsozialismus und Holocaust. Bei sexualisierter Gewalt spielten Männlichkeitsrituale von Soldaten und Polizisten wie exzessives Trinken nicht selten eine große Rolle. (Foto: Villa ten Hompel)

Im Bereich Forschung wird sich am Donnerstag und Freitag, 21. und 22. März, eine zweitägige internationale Tagung mit Referentinnen und Referenten aus den USA, Großbritannien, der Ukraine, Frankreich und Deutschland mit Genderperspektiven auf Nationalsozialismus und Holocaust befassen, um so neue Verständniszugänge zu Themenkomplexen wie sexualisierter Gewalt oder Weiblichkeits- und Männlichkeitskonstruktionen zu öffnen. Dabei wird Professorin Elissa Mailänder aus Paris ihr aktuelles Buch über Intimität und Partnerschaft im Nationalsozialismus im Rahmen eines öffentlichen Abendvortrages im Saal des Erbdrostenhofes am Donnerstag, 21. März (Beginn 19 Uhr, freier Eintritt), vorstellen, moderiert von Professor Thomas Pegelow Kaplan von der University of Colorado, Boulder.


Abb.: Reinhold Beckmann liest am 28. April im Theater im Pumpenhaus aus seinem Bestseller „Aenne und ihre Brüder“ (Foto: Steven Haberland)

Ein besonderer Gast wird am Sonntag, 28. April Reinhold Beckmann sein, einem breiten Publikum eigentlich bekannt als Fernseh-Talkmaster und Fußballexperte. Beckmann hat sich in seinem aktuellen Spiegel-Sachbuchbestseller aber auf Spurensuche in der eigenen Familie begeben und über seine Mutter Aenne und ihre vier im Zweiten Weltkrieg gestorbenen Brüder recherchiert. Angesichts vieler aktueller Kriegs- und Krisensituationen regt Beckmanns Buch dazu an, gegen Krieg und Gewalt persönlich Haltung zu zeigen. Karten können ab dem Donnerstag, 1. Februar, über das Theater im Pumpenhaus (www.pumpenhaus.de) erworben werden.

Auch die traditionsreiche Vortragsreihe „Mittwochsgespräche“ greift das Thema der familiengeschichtlichen und biografischen Zugänge zur NS-Geschichte und die Relevanz für die Gegenwart mit mehreren Veranstaltungen auf. So wird am Mittwoch, 6. März (19 Uhr Hörsaal F2 im Fürstenberghaus, Domplatz, freier Eintritt), Katrin Himmler über „die Brüder Himmler“ sprechen. Die Berliner Politikwissenschaftlerin und Autorin ist die Großnichte des berüchtigten SS- und Polizeichefs Heinrich Himmler. Sie fragt, warum der Nationalsozialismus für die meisten Deutschen so attraktiv war und viele zu (Mit)-Tätern wurden und was das familiäre Beschweigen der NS-Vergangenheit für die nachkommenden Generationen bedeutet.

Wer Interesse an der Erforschung der eigenen NS-Familiengeschichte hat, der kann ab dem Montag, 15. April, in einem partizipativen Geschichtslabor „auf Spurensuche“ gehen oder am Mittwoch, 5. Juni (10 bis 17 Uhr), an einem Workshop zum Thema „wahr, falsch, imaginiert“ über Erinnerungsnarrative in Familien teilnehmen, bei dem der Berliner Historiker und Recherchespezialist Johannes Spohr zu Gast sein wird. Anmeldungen sind ab Freitag, 1. März, über tenhomp@stadt-muenster.de oder 02 51/4 92 – 71 01 möglich.

Das vollständige Veranstaltungsprogramm der Villa ten Hompel für das erste Halbjahr 2024 und alle weiteren Informationen können unter www.villatenhompel.de abgerufen werden.

Kontakt:
Geschichtsort Villa ten Hompel
Kaiser-Wilhelm-Ring 28
48145 Münster
Tel. 02 51/4 92-71 01
Fax 02 51/4 92-79 18
tenhomp@stadt-muenster.de

Quelle: Villa ten Hompel, Pressemitteilung, 19. Januar 2024

Ein historischer „Altbestand“ im neuen Gewand

Fachgespräch zum Abschluss des DFG-Projekts „Digitalisierung eines historischen Kernbestandes: Das ‚Stadtarchiv Mainzer Zeit (SMZ)‘ im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg“.

Mit dem DFG-Projekt zur Digitalisierung des „Stadtarchivs Mainzer Zeit“ kann im Jahr 2024 ein umfangreiches Gesamtvorhaben zur wissenschaftlichen Nutzung dieses Altbestands im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg abgeschlossen werden. Das „Stadtarchiv Mainzer Zeit“ war bis vor wenigen Jahren aufgrund einer unzureichenden Erschließung nicht für die Nutzung und wissenschaftliche Auswertung verfügbar – und somit letztlich ein historischer Bestand „im Verborgenen“. Obwohl größere Teile des städtischen Archivschriftguts der kurmainzischen Zeit verloren gegangen sind, umfasst das „Stadtarchiv Mainzer Zeit“ wichtige Archivalien, Akten und Amtsbücher seit dem späten Mittelalter. Für die Erforschung der Residenzstadt Aschaffenburg seit dem späten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit bis hin zur Geschichte des rheinbündischen Dalberg-Staates kommt dem „Stadtarchiv Mainzer Zeit“ eine erhebliche Bedeutung zu.


Abb.: Stadtarchiv Mainzer Zeit: Exemplarische Ansicht aus SMZ Nr. 1219, Handschrift zum Fischereiwesen in der Stadt Aschaffenburg (Foto: Stadt- und Stiftsarchiv der Stadt Aschaffenburg).

Die seitens der Deutschen Forschungsgemeinschaft in den Jahren 2022 bis 2024 geförderte Digitalisierung des gesamten „Stadtarchivs Mainzer Zeit“ war nur möglich, weil zuvor weitere Projekte die Erschließung und konservatorische Bearbeitung des Altbestands ermöglicht hatten. Die Förderung dieser Projekte erfolgte seitens der Unterfränkischen Kulturstiftung (Würzburg) sowie der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK, Berlin). Diverse weitere Einrichtungen, Vereine und universitäre Stellen waren in die Vorbereitung und Durchführung des gesamten Vorhabens involviert und hatten den DFG-Antrag sowie die Gesamtplanung unterstützt.

Vorläufiges Programm

Anmeldung

Die Teilnahme ist kostenfrei.

Kontakt:
Stadt- und Stiftsarchiv
der Stadt Aschaffenburg
Wermbachstraße 15
63739 Aschaffenburg
Tel.: 06021 / 330-2420
E-Mail:

Quelle: Stadt- und Stiftsarchiv der Stadt Aschaffenburg, Blogbeitrag

„… würdiger als alle Bürger irgendeiner Stadt“: Bedeutende Wormser Urkunde wird 950 Jahre alt

Stadtarchiv Worms feiert das Jubiläum mit verschiedenen Veranstaltungen.

Vor exakt 950 Jahren passierte in Worms etwas nie Dagewesenes: Nachdem die Wormser ihren Stadtherrn, Bischof Adalbert II., aus der Stadt verjagt hatten, unterstützten sie gemein­­schaftlich militärisch den jungen König Heinrich IV. und ließen ihn und sein Gefolge in die ummauerte Stadt. Nachdem Heinrich bei einem Aufstand in Sachsen fast sein Königtum verloren hatte, retteten die Wormser damit seinen Thron. Im Gegenzug reagierte der Herr­scher in spektakulärer Weise: In einer feierlichen, lateinischen Herrscherurkunde räumte er den jüdischen wie christlichen Wormsern unter großem rhetorischem Aufwand als Dank für die Hilfe und Unterstützung wirtschaftlich höchst willkommene Zollfreiheiten ein und forderte andere Städte ausdrücklich zur Nachahmung auf.


Abb.: Die Urkunde Heinrichs IV. an die Wormser von 1074 dokumentiert eine besondere Anerkennung für die Bürgerschaft (Foto: Stadtarchiv Worms)

Erstmals überhaupt stellte ein König damit am 18. Januar 1074 zusammen mit seinem nur kleinen Gefolge einer noch ganz in den Anfängen stehenden Gemeinschaft von Bürgern in Worms eine Urkunde aus, steigerte ihr Selbstwertgefühl, erkannte sie als rechtsfähig an und zeichnete sie damit in einer beispiellosen Weise aus. Das feierliche und aufwendig gestaltete Pergament, das mit dem gut erhaltenen Siegel des Herrschers beglaubigt wurde, wird seitdem von der Stadt Worms verwahrt. Es gilt heute als ein herausragender Beleg für die wachsende Bedeutung der Städte auch und gerade für die Herrschaft des Königtums im ‚Game of Thrones‘ des Mittelalters. Zugleich dokumentiert das Stück die Entstehung einer erst noch in den Anfängen stehenden, rechtlich verfassten Gemeinschaft von Bürgern. Zudem belegt es den Radius des ausgreifenden Wormser Fernhandels rheinabwärts und in Richtung Westfalen/Sachsen.

Das Wormser Stadtarchiv, das dieses einzigartige Dokument verwahrt, lädt zum Jahrestag im Januar 2024 an zwei Tagen dazu ein, das Pergament im Original zu bewundern. Eingehende Hintergrundinformationen werden dabei geboten und Fragen beantwortet. Eine neue Gesamtdarstellung über das Stück mit Übersetzung und ausführlichen Hintergrund­informationen ist inzwischen erschienen und wird am Jahrestag im Rahmen eines Festakts bei freiem Eintritt der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.

Veranstaltungen anlässlich des Jubiläums:

Sa., 13. Januar 2024, 10.30 bis 16.30 Uhr: Präsentation der Urkunde 1074
mit Kurzvorstellung der Urkunde durch Dr. Gerold Bönnen um 14 und 15 Uhr
Jüdisches Museum Raschi-Haus, Hintere Judengasse 6, Eintritt ist frei

Do., 18. Januar 2024, 10.30 bis 17 Uhr: Präsentation der Urkunde 1074
mit Kurzvorstellung der Urkunde durch Dr. Gerold Bönnen um 14 und 15 Uhr
Jüdisches Museum Raschi-Haus, Hintere Judengasse 6, Eintritt ist frei

Do., 18. Januar 2024, 18 Uhr: Feierstunde
Begrüßung Oberbürgermeister Adolf Kessel
Vortrag Stadtarchivleiter Prof. Dr. Gerold Bönnen: „… würdiger als alle Bürger irgendeiner Stadt“. 950 Jahre Urkunde König Heinrichs IV. für Worms 1074–2024 (mit Vorstellung einer neuen Publikation zu den Hintergründen des Ereignisses)
Einladung zu einem Umtrunk im Foyer
Wormser Tagungszentrum, Großer Liebfrauensaal, Rathenaustr. 11, Eintritt ist frei

Kontakt:
Stadtverwaltung Worms
Marktplatz 2
67547 Worms
Telefon: (0 62 41) 8 53 – 0
Telefax: (0 62 41) 853 – 17 99
Kontaktformular

Quelle: Stadt Worms, Pressemeldung, 2.1.2024

Archiv und Wirtschaft 4/2023

In Kürze erscheint die neueste Ausgabe 4/2023 der Zeitschrift „Archiv und Wirtschaft“ der Vereinigung der Wirtschaftsarchivarinnen und Wirtschaftsarchivare e.V. (VdW).

Ausgabe 4/2023 widmet sich als Themenheft einem nach wie vor aktuellen Thema: dem Umgang von Unternehmen mit der eigenen NS-Vergangenheit. Anhand verschiedener Beispiele beleuchtet es dabei die besondere Rolle von Unternehmens- und Wirtschaftsarchiven. Wie nehmen Unternehmen heute ihre Verantwortung wahr, die sich aus ihrer Geschichte ergibt? Und mit welchen Initiativen, Aktivitäten und Projekten unterstützen Archivmitarbeiterinnen und -mitarbeiter ihre Unternehmen beim Prozess der Aufarbeitung?

Inhaltsverzeichnis „Archiv und Wirtschaft“ 4/2023
Themenheft: „Unternehmen im Nationalsozialismus – aktuelle Beispiele zur Rolle von Unternehmensarchiven bei der Aufarbeitung“

Editorial (191)

Ralf Banken: Zwischen Zwang und Eigeninitiative. Die Forschungsdiskussion um unternehmerische Handlungsspielräume im „Dritten Reich“ (192–207)

Fabian Engel und Thore Grimm: Transformation der Erinnerungskultur in der Bayer AG (208–220)

Andrea Hohmeyer: Verantwortung ernst nehmen – Die Erinnerungskultur von Evonik und die Rolle des Konzernarchivs (221–230)

Martin L. Müller: Dem Einzelschicksal auf der Spur: neuere Forschungen zu den jüdischen Angestellten der Deutschen Bank (231–238)

Georg Rigele: Ein Elektrizitätsversorger im Nationalsozialismus. Die Geschichte der EVN 1938–1945 und das EVN Archiv, Maria Enzersdorf (239–252)

Rezensionsliste (253–254)
Impressum (256)

Kontakt:
Dr. Martin Münzel
Redaktion „Archiv und Wirtschaft“
c/o F. Hoffmann-La Roche AG | „Archiv und Wirtschaft“
Bau 52/111 | 4070 Basel | Schweiz
Telefon: +49 159 06825241
martin.muenzel@wirtschaftsarchive.de
https://www.wirtschaftsarchive.de/publikationen/archiv-und-wirtschaft/

 

Archivischer Umgang mit DMS und E-Akten

Neue Handreichung barrierefrei zum Download verfügbar.

Eine rasch wachsende Zahl nichtstaatlicher Archive sieht sich mit den Chancen und Herausforderungen der Einführung elektronischer Schriftgutverwaltung durch ihre Trägerinstitutionen konfrontiert. Das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum stellt Archivarinnen und Archivare einen Leitfaden zur Verfügung, um ihnen die Sicherstellung von Überlieferungsbildung und Übernahme elektronischer Unterlagen zu erleichtern. Die bewusste Reduzierung auf die notwendigen Basisinformationen dient dem Ziel, einen allgemeinverständlichen und lesbaren Überblick zu bieten, der im Rahmen von Behördenberatung und Einführungsprojekten auch von Nicht-Archivaren zur Kenntnis genommen wird.

Die Handreichung erläutert die grundsätzliche Rolle von Dokumentenmanagementsystemen (DMS) und elektronischen Akten (E-Akten). Vor allem aber bietet sie eine Orientierung, welche technischen und organisatorischen Voraussetzungen durch die Trägerverwaltungen bei Einführung und während des Betriebes von DMS aus archivischer Sicht unbedingt erfüllt werden müssen. Darüber hinaus wird aufgezeigt, wie sich ein Archiv aktiv an der Einführung des DMS beteiligen und an Verbesserungen der elektronischen Schriftgutverwaltung mitwirken kann. Eine Checkliste erleichtert die Überprüfung der Voraussetzungen und Beteiligung im eigenen Zuständigkeitsbereich.

Die Handreichung wurde mit Hilfe von Kommunalarchivarinnen und -archivaren erarbeitet, die über einschlägige Praxiserfahrungen bei der Einführung von DMS verfügen. Ein besonderer Dank gilt Hendrik Mechernich (vormals Stadtarchiv Frechen, jetzt Universitätsarchiv Bonn) und Kirsten Lehmkuhl (Stadtarchiv Voerde/Hünxe).

Zur Handreichung gelangen Sie hier (PDF, 572 KB)

Kontakt:
LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum
Postfach 2140
50250 Pulheim
Tel 02234 9854-0
Fax 02234 9854-202
afz@lvr.de

Quelle: LVR-AFZ, Pressemeldung, 10.10.2023

Verdener Gedächtnisinstitutionen proben Ernstfall

Angeleitete Übung simuliert Wasserschaden.

Stadtarchiv Forst erhält Notfallboxen

Das Stadtarchiv der Stadt Forst (Lausitz) ist einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung „Notfallmanagement“ gegangen.

Neben dem vorgesehenen Beitritt zum „Notfallverbund Kulturgutschutz Cottbus-Spree-Neiße“ wurden Notfallboxen angeschafft. Die mit Fördermitteln der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (kurz KEK) finanzierten Boxen bieten dem Stadtarchiv eine größere Absicherung im Auftreten eines Notfalls.


Abb.: Archivleiterin Elena Boßmeyer mit den Notfallboxen (Foto: Stadt Forst / Lausitz)

Trotz aller Präventivmaßnahmen und der gebotenen Einhaltung der geforderten Sicherheitsvorkehrungen sind Archive nicht vor unvorhersehbaren Ereignissen gefeit. Vor allem Wasserschäden, kleinere Havarien verursacht durch Rohrbrüche, können in jedem Archiv auftreten.

Die Notfallboxen sollen dabei helfen, schützende Maßnahmen im Notfall mit dem richtigen Werkzeug zu unterstützen. Zu dem umfangreichen Equipment gehören u.a. Schutzanzüge, Handschuhe, Warnwesten, eine Kabeltrommel, Stretchfolie und anderes Zubehör.

Am 6. September.2023 wurden die Boxen durch das Team des Stadtarchiv Forst (Lausitz) entgegengenommen.

Kontakt

Quelle: Pressemitteilung, Stadt Forst (Lausitz), 25.10.2023

Stadtarchiv Zwickau schließt zum 1. Januar aufgrund von Umzugsvorbereitungen

Neueröffnung voraussichtlich Ende 2024.

Das Stadtarchiv Zwickau wird 2024 an seinen neuen Standort in der Crimmitschauer Straße 1 / 1a in Zwickau umziehen. Um die Umzugsvorbereitungen zum Abschluss zu bringen, ist es erforderlich, ab 1. Januar 2024 die bisherige Einrichtung in der Lessingstraße 1 zu schließen.


Abb.: Über 6 km Archivgut müssen verpackt werden. (Foto: Stadt Zwickau)

Schriftliche Anfragen können bis auf Weiteres per E-Mail an das stadtarchiv@zwickau.de gestellt werden. Bei der Bearbeitung kann es allerdings zu erheblichen Einschränkungen hinsichtlich des Bearbeitungszeitraums und der -intensität kommen.

Nicht betroffen von dieser Regelung sind Anfragen zu Erbschaftsangelegenheiten sowie im Bereich der Bauakten zu Kauf- und Baumaßnahmen, die eine Nutzung der vorhandenen Unterlagen notwendig machen. Auch hier sind die Anfragen wie bisher schriftlich per E-Mail an das stadtarchiv@zwickau.de zu richten.

Für die Zeit des Archivguttransports ist die Bearbeitung von Anfragen nicht möglich. Dazu erfolgt zu gegebener Zeit eine gesonderte Information.

Das Team des Stadtarchivs freut sich darauf, nach erfolgtem Umzug am neuen Standort unter verbesserten Bedingungen, sowohl für die Unterbringung der wertvollen Archivalien als auch für Nutzer und das Personal, arbeiten zu können.

Aktueller Stand der Umbaumaßname
Die Rohbau-, Putz-, Estrich- und Trockenbauarbeiten sowie die Abdichtung des Untergeschosses im Haus 1 sind im Wesentlichen abgeschlossen, ebenso der Austausch der vorgesehenen Fenster und Außentüren.


Abb.: Neuer Standort, um Altes aufzubewahren (Foto: Stadt Zwickau)

Aktuell findet der Innenausbau statt. Dazu gehören sämtliche Haustechnikgewerke, der Einbau von Innentüren, Bodenbelag und Malerarbeiten. Begonnen werden muss noch der Anbau der Fluchttreppe sowie der Einbau der Rollregalanlagen und der Kühlzelle.

Die Arbeiten liegen aktuell im Zeitplan. Die Übergabe an das Stadtarchiv ist voraussichtlich im Juli 2024 vorgesehen. Danach stehen der Umzug und voraussichtlich zum Jahresende die Eröffnung an. Wann genau, kann derzeit noch nicht benannt werden. Hierbei spielt insbesondere das Raumklima im neuen Objekt eine wichtige Rolle, welches sich nach Bauabschluss erst „einpegeln“ muss. Archivgut verlangt nach einer trockenen, kühlen und vor allem konstanten Raumtemperatur, um es dauerhaft erhalten zu können.

Kontakt

Quelle: Stadtverwaltung Zwickau, Medieninfo Nr. 439, 6.11.2023