Wohl bekomm\’s in Paderborn

Erich Kästner hatte die kluge Einsicht, dass Toren in fremden Ländern die Museen bereisen, Weise aber in die Tavernen gehen. Und er hat Recht: Hier spielt sich der gesellschaftliche Alltag ab, hier lernt man Land und Leute kennen. Deshalb ist die Geschichte der Gasthäuser, der Hotels und der kleinen Kneipen für eine Stadt so spannend und wichtig.

In Anlehnung an das Kästner-Wort hat Andreas Gaidt vom Stadtarchiv Paderborn auf der Grundlage der reichhaltigen Bildüberlieferung des Archivs einen \’Zug durch die Gemeinde\‘ unternommen und seine dabei gewonnenen Eindrücke zu einer Ausstellung verarbeitet. Auf 17 Bildtafeln hat er über 120 Ansichten Paderborner gastronomischer Einrichtungen zusammengestellt. Unter dem Titel \’Wohl bekomm\’s!\‘ wird dieser Streifzug durch die Paderborner Gastronomie von der \’guten, alten Zeit\‘ bis 1960 in der Galerie \’Bilderbogen\‘ im Paderborner Stadthaus Am Abdinghof gezeigt. Bis zum 6. September 2011 ist die Schau montags bis mittwochs von 8 bis 16 Uhr, donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr zu sehen.

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Abb.: Andreas Gaidt vom Paderborner Stadtarchiv (r.) erläutert Bürgermeister Heinz Paus eine der Bildtafeln, die über die Geschichte der Paderborner Gastronomie informieren (Foto: Stadt Paderborn).

Vom Grand Hotel über das gepflegte Gasthaus bis zur einfachen Schankwirtschaft wird das gesamte Spektrum gastronomischer Etablissements in Lithografien des 19. Jahrhunderts bis zur Werbefotografie des 20. Jahrhunderts gezeigt. Erinnerungen werden wach, vielleicht an eine Liebschaft oder sogar die eigene Eheanbahnung, an nicht nur politische Diskussionen, die sich womöglich auch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen entwickelten, oder an die Schmerz lindernde Currywurst nach der Schule.

Andreas Gaidt: \’Wir werfen einen Blick auf die Geschichte des Paderborner Brauwesens und begeben uns dann vom Bahnhof aus auf den Weg durch die Kernstadt, statten dem einen oder anderen Lokal einen intensiveren Besuch ab wie dem Haus Bracht am Neuhäuser Tor oder dem Hotel Löffelmann am Kamp.\‘ Ein Blick geworfen wird auch in die historischen Veranstaltungssäle, die in Paderborn schon immer sehr umstritten waren. Auch die Kneipen im Grünen und in den Stadtteilen spielen eine Rolle. Denn eins stehe fest, so Gaidt: die wichtigsten Gebäude im Dorf waren und sind die Kirche und die Dorfkneipe. Gegen Ende wird gezeigt, dass die Gastronomie auch ganz andere Einrichtungen umfasst: Jugendherbergen, die Grill-Station und anderes mehr.

Bürgermeister Heinz Paus, der die Ausstellung eröffnete, erinnerte sich durch die Fotos an seine Kindheit. Er sei in der Gaststätte seiner Eltern groß geworden. Der Blick in die Paderborner Gaststättengeschichte sei deshalb für ihn besonders interessant. Paus dankte dem Paderborner Stadtarchiv für die hervorragende Arbeit.

Der Macher dieser Ausstellung gab dann auch noch seine Lieblingsaufnahmen preis. Eine kleine Fotostrecke über den Wandel der Gastwirtschaft Am Bogen sowie das Bild von Broers Würstchenbude an der Königstraße; die eine sei ein gelungenes Beispiel für die Bildersammlungen des Stadtarchivs, das andere Foto wecke auch in ihm leckere Erinnerungen.

Gaidts Dank ging an seine Kollegen im Stadtarchiv und Hans-Jürgen Langmann vom Vermessungsamt der Stadt, der die ausgezeichneten Drucke besorgte. Die Bild-Überlieferung im Stadtarchiv sei nicht so gut, wie sie ist, ohne die Schenkungen und Leihgaben zahlreicher Paderborner Bürger, so Gaidt. \’Hierfür darf ich mich heute bedanken und hoffe, dass auch in Zukunft weitere Leihgeber ihre für die städtische Überlieferung interessanten Stücke dem Stadtarchiv dauerhaft zur Verfügung stellen.\‘

Nach dem 6. September verleiht das Paderborner Stadtarchiv die Ausstellung an interessierte Hotels, Gaststätten oder andere Einrichtungen. Wer hier Interesse hat, kann sich an Andreas Gaidt vom Stadtarchiv unter der Rufnummer 05251/881943 wenden.

Ausstellungsort:
Stadt Paderborn
Galerie "Bilderbogen"
Am Abdinghof 11
33098 Paderborn

Kontakt:
Stadtarchiv Paderborn
Pontanusstr. 55
33102 Paderborn
Telefon 05251 / 88-1943
Telefax: 05251 / 88 2047
stadtarchiv@paderborn.de

Quelle: Stadt Paderborn, Pressemitteilung, 21.7.2011

Neuer Archivar in Iserlohn

Am 1. Juli 2011 hat Rico Quaschny als Nachfolger von Götz Bettge seinen Dienst als Leiter des Stadtarchivs Iserlohn begonnen. Rico Quaschny wurde 1975 in Freiberg/Sachsen geboren. Nach Abitur und Zivildienst studierte er an der Fachhochschule Potsdam Archivwissenschaft. Während seines Studiums absolvierte er Praktika in Arnsberg (Stadt- und Landständearchiv; Archiv des Freiherrn von Fürstenberg-Herdringen), Münster (Westfälisches Archivamt) und Menden (Städtisches Museum). In seiner Diplomarbeit befasste sich Quaschny mit einer Beamtenkarriere im Herzogtum Westfalen des 17. Jahrhunderts.

Der Dipl.-Archivar leitete in den vergangenen dreizehn Jahren das Stadtarchiv Bad Oeynhausen, zugleich war er seit 2005 Stadtheimatpfleger und Vorsitzender des Arbeitskreises für Heimatpflege der Stadt Bad Oeynhausen e.V. Eine aktive Öffentlichkeitsarbeit sowie eine Reihe stadtgeschichtlicher Publikationen dokumentieren sein bisheriges Wirken.

In seiner Tätigkeit bei der Stadt Iserlohn sieht Rico Quaschny neue Herausforderungen, die mit den Aufgaben eines größeren Kommunalarchivs verbunden sind. Der neue Archivleiter wird von den bewährten Mitarbeiterinnen des Stadtarchivs, Tanja Marschall-Wach und Katrin Schnegelberger, unterstützt. Beratend zur Seite steht auch Stadtarchivar i.R. Götz Bettge, dessen umfangreiches Wissen sein Nachfolger sehr schätzt.

Kontakt:
Stadtarchiv Iserlohn
in der "Alten Post"
Theodor-Heuss-Ring 5
58636 Iserlohn
Tel. 02371 / 217-1920
Fax. 02371 / 2172982
 

Quelle: Stadt Iserlohn, Pressemitteilung, 20.7.2011

Zeitzeuge des Holocaust zu Besuch in Dinslaken

Wie jedes Jahr im Sommer war Fred Spiegel zu Besuch in seiner Geburtsstadt Dinslaken und bei Freunden in Hiesfeld. Diese Besuche sind nicht selbstverständlich, denn Spiegel wurde 1932 in eine jüdische Familie hineingeboren. Seinen Vater verlor er 1933. Als damals Sechsjähriger erinnert er sich gut an die Ereignisse im November 1938 in Dinslaken und die nachfolgende furchtbare Zeit. Seine Erinnerungen hielt er auf 170 Seiten unter dem Titel „Once the acacias bloomed“ fest. Der Band kann im Stadtarchiv Dinslaken eingesehen und in der Stadtbibliothek ausgeliehen werden.

Inzwischen ist Fred Spiegel vielen Schülern in dieser Stadt ein Begriff. Jahr für Jahr geht er seit den späten 1990er Jahren in die Dinslakener Schulen und erzählt als Zeitzeuge in gutem Deutsch, aber mit amerikanischem Akzent, aus seinem Leben, vom Überleben in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Viele Mitglieder seiner Familie kamen darin ums Leben. Spiegel wanderte in die USA aus. Dort geht der Zeitzeuge des Holocaust jährlich in etwa 80 Schulen und trägt dazu bei, dass die nationalsozialistischen Gräuel nicht vergessen werden.

Seine Eindrücke vom Besuch Spiegels schildert THG-Schüler Dennis Großmann (11. Klasse) so: "Wenn man den Mann fortgeschrittenen Alters in der Aula sieht, möchte man gar nicht glauben, dass man hier einen Überlebenden der Shoa vor sich hat. Fred Spiegel sitzt dort, fast schon ein bisschen schüchtern, und fängt an zu reden. Mit einer erstaunlich klaren Stimme erzählt er von seiner Kindheit und Jugend. Wie er im Stadtpark spielte, von älteren Jungen schikaniert wurde und deshalb mit den Kindern im Waisenhaus spielte. Wie er mit seiner Familie nach Holland flüchtete. Wie er von dort über das Transitlager Westerbork nach Bergen-Belsen kam. Und wie US-Soldaten später die Insassen des Gefangenenlagers fanden und sie, verwahrlost wie sie waren, nicht einmal für Menschen hielten." Warum er all dies den Jugendlichen erzähle, wird er gefragt. Nach kurzem Überlegen antwortet er: "Um euch die Möglichkeit zu geben, zu erfahren wie es wirklich war", und kurz später reicht er nach, "weil viel zu viele sich verschließen und nicht darüber reden wollen, was geschah."

Bürgermeister Dr. Michael Heidinger empfing Fred Spiegel gemeinsam mit der Ersten Beigeordneten Christa Jahnke-Horstmann im Rathaus. Heidinger drückte seinen Dank und seine Hochachtung für die Erinnerungsarbeit aus, die Spiegel in Dinslaken leistet, und wünschte sich, ihn noch oft begrüßen zu können. Ganz besonders denkt Michael Heidinger dabei an das Jahr 2013, das die Stadt zum Anlassnehmen wird, mit verschiedenen Veranstaltungen und Projekten an die Ereignisse in der Reichspogromnacht vor 75 Jahren zu erinnern.

Quelle: RP Online, 14.7.2011; Stadt Dinslaken – Pressestelle, Pressemeldung, 18.7.2011

Archivdelegation aus China zu Besuch im Südtiroler Landesarchiv

Eine hochrangige Archivdelegation aus der Volksrepublik China hat am 15. Juli 2011 das Südtiroler Landesarchiv besucht. Chefarchivarin Christine Roilo und Stellvertreter Gustav Pfeifer führten die Delegation mit an der Spitze Ji Hongsheng, Leiter des Archivs der AVIC (Aviation Industry Corporation of China), durch das Landesarchiv und gaben Einblick in das Archivvesen in Italien und in Südtirol.

Die fünfzehnköpfige Archivdelegation aus der Volksrepublik China, der ein Dolmetscher zur Seite stand, setzte sich aus Leitenden der Archiv- beziehungsweise Dokumentationsabteilungen großer staatlicher Institute und Betriebe zusammen, vornehmlich aus dem Bereich Luft- und Raumfahrt in Peking, Chengdu, Shenyang, Harbin und Xi An.

Die Direktorin des Landesarchivs Christine Roilo und ihr Stellvertreter Gustav Pfeifer führten die Delegation durch den Benutzerbereich, die Werkstätten (Photowerkstätte, Restaurierwerkstätte, Buchbinderei) und die Speicher, wo die interessierten Besucher aus der Volksrepublik China repräsentative Archivstücke aus der Zeit zwischen dem 13. und dem 20. Jahrhundert bestaunen konnten. In einer anschließenden Gesprächsrunde wurden allgemeine Fragen und Probleme des Archivwesens in China, in Italien und speziell in unserem Land besprochen. Die Delegation, die in den letzten Tagen auch das Bayerische Hauptstaatsarchiv in München besucht hatte, setzt ihre Reise Richtung Verona fort.

Kontakt:
Südtiroler Landesarchiv
Armando-Diaz-Straße 8
39100 Bozen
Tel. 0471 411940
Fax 0471 411959
www.provinz.bz.it/landesarchiv

Quelle: Südtiroler Landesarchiv, Pressemitteilung, 15.7.2011

Stadtarchiv Recklinghausen wegen Baumaßnahmen geschlossen

Das Stadtarchiv Recklinghausen ist vom 18. Juli 2011 bis voraussichtlich Ende September 2011 geschlossen. Grund sind bereits weit fortgeschrittene Baumaßnahmen. Mitte Juli begann die schrittweise Verlagerung und Neuaufstellung der Büros, der IT-Technik und größerer archivischer Bestände.

Die Wiedereröffnung des Stadtarchivs Recklinghausen für den Publikumsverkehr in den neuen, vergrößerten Räumlichkeiten findet voraussichtlich am Dienstag, 4. Oktober 2011, zu den regulären und gewohnten Öffnungszeiten statt.

Kontakt:
Institut für Stadtgeschichte / Stadt- u. Vestisches Archiv
Hohenzollernstr. 12
45659 Recklinghausen
Telefon 02361/48 79 443
Fax 02361/50-1903
Matthias.Kordes@recklinghausen.de

Quelle: Stadt Recklinghausen, Pressemeldung, 14.7.2011

Bundesarchiv mit Ausstellung zum Bau der Berliner Mauer

„Im Morgengrauen legten die Volkspolizisten die Stacheldrahtsperren an. Berlin erwachte auch und überlegte sich, ob es auf dem Weg wäre, erneut berühmt zu werden und ob dieser Ruhm nicht zu gefährlich wäre.“ So beschreibt der Historiker Michael Freund, dessen Nachlass im Bundesarchiv aufbewahrt wird, rückblickend den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961.

Zahlreiche Dokumente, Bilder und Plakate wurden für eine Ausstellung des Bundesarchivs zum Bau der Berliner Mauer ausgewählt, um 50 Jahre danach an ein Ereignis zu erinnern, das wie kaum ein anderes die deutsche Nachkriegsgeschichte prägte. Bei der Ausstellungseröffnung am 9. August 2011 um 18 Uhr wird Dr. Hans-Hermann Hertle, Zentrum für Zeithistorische Forschung, zum Thema sprechen. Er promovierte 1996 an der Freien Universität in Berlin über „Der Fall der Berliner Mauer. Eine historisch-empirische Studie zur Selbstauflösung des SED-Staates“. Danach arbeitete er als Sozialforscher und Publizist, als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FU und seit Dezember 1999 im Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Seine Mitwirkung an Dokumentarfilmen zur Friedlichen Revolution in der DDR wurde mit drei renommierten Fernsehpreisen gewürdigt.

Veranstaltungsdaten:
9. August 2011 – 15. Dezember 2011; montags bis freitags 9.00 Uhr bis 19.00 Uhr

Veranstaltungsort:
Bundesarchiv
Potsdamer Straße 1
56075 Koblenz

Kontakt:
Bundesarchiv
Potsdamer Straße 1
56075 Koblenz
Telefon: 0261/5050
Telefax: 0261/505226
poststelle@bundesarchiv.de
www.bundesarchiv.de

Quelle: Bundesarchiv, Pressemitteilung, 15.7.2011

Themenabend über Clemens von Bönninghausen im Stadtarchiv Münster

"Der Zulauf zu Bönninghausen wächst gewaltig an; er sieht schon ganz heruntergekommen davon aus, wie ich höre, der arme Schelm!" So charakterisierte die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff – die erste und wohl bekannteste Patientin – die Praxis des Laien-Homöopathen Clemens Maria Franz von Bönninghausen (1785-1864).

Beim nächsten Themenabend am 21. Juli 2011 im Stadtarchiv Münster wird es allerdings weniger um sie gehen. Dr. Marion Baschin wird vielmehr den Blick auf all diejenigen Kranken richten, die zwischen 1829 und 1889 die homöopathischen Dienste von Clemens und seinem Sohn Friedrich (1828-1910) in Anspruch nahmen. Die Droste schrieb, dass Bönninghausen "ein Doktor für vornehme Leute und sonderlich für Damen" sei. Waren also tatsächlich mehr Frauen bei ihm in Behandlung? Welche Bevölkerungsschichten nutzten die Dienste der beiden Freiherren? Wegen welcher Leiden wurden sie konsultiert?

Diese Fragen spricht die Referentin ebenso an wie die Frage nach dem Umfang der Praxen. Und danach, wie oft und wie lange Kranke die homöopathische Therapie nutzten. Baschin hat über die beiden berühmten münsterschen Bürger promoviert. Sie stellt am kommenden Donnerstag aktuelle Forschungsergebnisse vor. Verschiedene Akten zu Medizinalangelegenheiten des 19. Jahrhunderts aus den Magazinen des Archivs dokumentieren das Wirken der Wegbereiter der Homöopathie. Sie werden im Original gezeigt. Beginn des Vortrages ist um 18 Uhr im Stadtarchiv, An den Speichern 8, in der Speicherstadt Nord in Coerde. Der Eintritt ist frei.

Veranstaltungsdaten:
21. Juli 2011; Beginn 18.00 Uhr; Eintritt frei

Veranstaltungsort:
Stadtarchiv Münster
An den Speichern 8
48157 Münster

Kontakt:
Stadtarchiv Münster
An den Speichern 8
48157 Münster
Telefon: 0251/4924701
Telefax: 0251/4927727
archiv@stadt-muenster.de
www.muenster.de/stadt/archiv

Quelle: Presse- und Informationsamt der Stadt Münster, Pressemitteilung, 15.7.2011

Archivmitteilungen Nr. 20, 2010/11

Die neue Ausgabe der Archivmitteilungen des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen ist jetzt als Doppelheft für 2010/11 erschienen. Neben Beiträgen aus der Praxis der haupt- und der ehrenamtlichen kirchlichen Archivpflege in Westfalen beinhaltet das rund 250 Seiten umfassende Heft interessante Aufsätze u.a. zu den Herausforderungen und Chancen der Filmarchivierung, zur archivpädagogischen Arbeit mit Schülern mit geistlicher Behinderung sowie zu westfälischen Anteilen an der Leuenberger Konkordie (1973) und der innerprotestantischen Einigung.

Vom Ende vergangenen Jahres verstorbenen langjährigen Bochumer Kreissynodalarchivpfleger Superintendent i.R. Wolfgang Werbeck (1917-2010) stammt die berichtigte Transkription des Konventsbuches ("Liber confessionis") der lutherischen Classis Bochumensis, die zuletzt im Jahr 1900 im Jahrbuch des Vereins für die Evangelische Kirchengeschichte der Grafschaft Mark unternommen wurde.

Inhalt

Vorwort (4)

Claudia Brack
Bericht von der 18. Archivpflegetagung (5)

Daniel Raths
Herausforderungen und Chancen der Filmarchivierung (12)

Kristina Ruppel
Wie 40.000 Archivkartons, 5.000 Umzugskartons und 11 Mitarbeiter umziehen (27)

Jens Murken und Kerstin Stockhecke
Eröffnung des kirchlich-diakonischen Archivzentrums in Bielefeld-Bethel (32)

Harri Petras
Archivpflege beim Gesamtverband Evangelischer Kirchengemeinden Hattingen (36)

Herbert Schulte
Archivpflege in der Evangelischen Kirchengemeinde Herscheid im Jahre 2010 (41)

Kristina Ruppel
Schüler mit geistiger Behinderung im Archiv – Ein Konzept (44)

Bernd Hey †
Fabrikant und Pfarrer. Rudolf-August Oetker und Gerhard Spellmeyer, Ratsgymnasium und Kunsthalle (59)

Daniel Raths
„zu der schwedischen Satisfaction und abführung der Militz“ – Urkundlicher Nachweis über die Verschuldung der Stadt Herford wegen des Abzuges der schwedischen Truppen nach dem Dreißigjährigen Krieg (66)

Anna Warkentin
Im Archiv über das Archiv. Wertschätzung des Archivs in Archivquellen (74)

Claudia Brack
„Auf synodaler Grundlage“ – Ausstellung zur Geschichte der Westfälischen Landessynode (77)

Jens Murken
Ausstellung zum Jahr der Taufe 2011 (80)

Jens Murken und Kerstin Stockhecke
Bilder eines an Demenz erkrankten Künstlers im kirchlich-diakonischen Archivzentrum Bielefeld: Eberhard Warns (1927-2007) – „Ich will Freiheit beim Malen!“ (83)

Ingo Stucke
Union und Kirchengemeinschaft. Westfälische Beiträge zur Leuenberger Konkordie und innerprotestantischen Einigung (87)

Wolfgang Werbeck †
Das „Conventsbuch“ der lutherischen Classis Bochumensis (103)

Wolfgang Kosubek
Dem Schulstreit (1799-1824) folgte der Kirchhofstreit. Ein weiteres Beispiel für die Beharrlichkeit der Haller, wenn jemand ihnen Vorschriften machen will (136)

Jens Murken
Kirche im Lüdenscheider Raum in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs (143)

Andreas Flick, Hannegreth Grundmann und Kurt Perrey
Bibelfliesen und Fliesenbibel (159)

Hans-Georg Gaffron
Bibliographie Paul Girkon (163)

Ingrun Osterfinke
Bestandserhaltung. Ein Ratgeber für Verwaltungen, Archive und Bibliotheken – Rezension – (166)

Was ist wo? Übersicht über die verfilmten Kirchenbücher im Landeskirchlichen Archiv, Teil 8 (169)

Neue Findbücher (197)

Überarbeitete Findbücher (232)

Nachrufe (234)

Personalia (246)

Autorinnen und Autoren (249)

Info:
Archivmitteilungen,
hg. v. Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen, Nr. 20, 2010/11
249 Seiten, ISSN 1614-6468
Druck: Anzeigen und mehr, Bielefeld

Bezugsadresse:
Evangelische Kirche von Westfalen
– Landeskirchliches Archiv –
Bethelpatz 2
33617 Bielefeld
Tel.: 0521/594-164
archiv@lka.ekvw.de
www.archiv-ekvw.de

Ausstellung zur Luftbildfotografie im Stadtarchiv Nürnberg

Im Stadtarchiv Nürnberg wird am 15. Juli 2011 die Ausstellung „Nürnberg von oben – Luftbildfotografie damals und heute“ eröffnet. Die Ausstellung in der Norishalle möchte ihre Besucherinnen und Besucher hierbei zu einer Entdeckungsreise durch die Luftbildfotografie von Nürnberg einladen.

Luftbilder von Land- und Ortschaften gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert. Zuerst fertigten die Fotografen ihre Aufnahmen aus Ballons, später fotografierte man von Flugzeugen aus. Je weiter sich die Technologie in der Luftfahrt und der Fotografie entwickelte, desto professioneller wurden die Aufnahmen. Die Ausstellung „Nürnberg von oben – Luftbildfotografie damals und heute“ erläutert in einem ersten Teil die Geschichte und Entwicklung des Luftbildwesens.

Im zweiten Teil werden Aufnahmen von 1927 und 1959 Luftbildern der gleichen Örtlichkeiten aus den Jahren 2009 und 2010 gegenübergestellt. Hierbei handelt es sich um Bilder von Gebäuden, Industrieanlagen oder Freiflächen innerhalb des Stadtgebietes. Darunter befinden sich auch Aufnahmen des nach dem Zweiten Weltkrieg zerstörten Nürnbergs, aufgenommen durch US-Truppen. In einem dritten Teil erläutert die Ausstellung unter anderem die verschiedenen Bestände von Luftbildaufnahmen im Nürnberger Stadtarchiv. Ferner ist eine Publikation zur Ausstellung unter gleichnamigem Titel erschienen.

Info:
Michael Diefenbacher und Hajo Dietz,
Nürnberg von oben, emons-Verlag, Köln 2011,
248 Seiten, 32,95 €, ISBN: 978-3897057876

Veranstaltungsdaten:
15. Juli 2011 – 9. Oktober 2011; Montag bis Donnerstag 8.30 Uhr bis 17.00 Uhr, Freitag 8.30 Uhr bis 21.00 Uhr, Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr; Eintritt frei

Veranstaltungsort:
Stadtarchiv Nürnberg
Marientorgraben 8 (Norishalle)
90402 Nürnberg

Kontakt:
Stadtarchiv Nürnberg
Marientorgraben 8 (Norishalle)
90402 Nürnberg
Telefon: 0911/2312770
Telefax: 0911/2314091
stadtarchiv@stadt.nuernberg.de
www.stadtarchiv.nuernberg.de

Quelle: Nürnberger Zeitung, 14.7.2011

Straßennamen als Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur

Straßennamen erinnern und ehren. Aber wer darf auf´s Schild? Goethe, Schiller, Lessing – sie stehen außer Zweifel. Andere Personen lösen in etlichen Städten und Gemeinden seit vielen Jahren immer wieder heftige Kontroversen aus. Zumeist geht es um ihre Beziehung zu und ihre Rolle im Nationalsozialismus. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und der Westfälische Heimatbund haben die aktuellen Kontroversen zum Anlass für die Tagung "Fragwürdige Ehrungen" genommen. Rund 200 Vertreter westfälischer Städte und Gemeinden, der kommunalen Museen und Archive, der lokalen Heimatvereine, der Wissenschaft, der Schulen und anderer Bildungseinrichtungen haben am 12.7.2011 in Münster über ausgewählte "Grenzfälle" von Namensgebern, deren Leben und Wirken diskutiert.

"Die Tagung macht deutlich, nach welchen Kriterien Ehrungen in Form von Straßennamen erfolgten und wie nachfolgende Generationen mit der Zeit des Nationalsozialismus umgingen und umgehen", so LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch. "Der LWL gibt jedoch keine Empfehlungen zu einzelnen Namen und erstellt auch keine \’schwarze Liste‘. Entscheidungen über Umbenennungen müssen in den einzelnen Städten und Gemeinden von den gewählten Gremien und in enger Verbindung mit den Bürgern getroffen werden." Der LWL wolle mit seinen organisatorischen Möglichkeiten und mit den Experten aus seinen Kultureinrichtungen historisches Wissen bereitstellen und vertiefen und damit die Entscheidungen vor Ort erleichtern, so Kirsch weiter.

Etliche Personen – wie etwa die Schriftstellerin Agnes Miegel, der Heimatschützer Karl Wagenfeld, der Psychiater Hermann Simon oder der Sportfunktionär Carl Diem – wurden erst nach 1945, manche sogar erst während der 1970er Jahre auf Straßennamen geehrt. Allein Wagenfeld kommt heute in Westfalen rund 70 Mal auf Straßenschildern vor. "Neue, veränderte Sichtweisen auf den Nationalsozialismus stellen diese Straßenbenennungen in Frage. Geplante Umbenennungen werden wiederum als Eingriffe in die Erinnerung und das kollektive Gedächtnis einer Stadt kritisiert", so Dr. Matthias Frese vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte.

Kirsch, der auch Vorsitzender des Westfälischen Heimatbundes ist und in dieser Position in der Nachfolge von Wagenfeld steht, machte am Beispiel des Heimatschützers deutlich, wie schwierig die Einordnung von Namensgebern sein kann: "Respekt verdienen Wagenfelds Anstrengungen um die Organisation der Heimatbewegung in Westfalen ebenso wie sein ungeheurer Arbeitseifer. Doch wird man sich bei aller Würdigung seiner Originalität und seiner Leistungen von bestimmten Anschauungen und Äußerungen distanzieren müssen. Wagenfeld hat in vielen Äußerungen in Sprachformen seiner Zeit und im völkischen Zeitgeist argumentiert. An vielen Stellen hat er aber die Grenzen überschritten und eine deutliche Nähe zur nationalsozialistischen Ideologie gezeigt. Eine fundierte Analyse seiner Schriften und insbesondere seiner Vorträge ist noch zu leisten."

Hintergrund
Mit dieser geschichtspolitischen Tagung hat der LWL Anregungen und Anfragen aus den westfälischen Städten und Gemeinden aufgegriffen. Für die Tagung kooperiert das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte mit der LWL-Literaturkommission für Westfalen und dem Westfälischen Heimatbund. Alle Einrichtungen haben ihre Spezialkenntnisse zu einigen der diskutierten Personen beigetragen und haben ihre Unterlagen der Forschung geöffnet. Der LWL verfügt mit seinen Kultureinrichtungen über ein weit gefächertes Netz an Kompetenzen auf dem Feld der Erinnerungskultur mit seinen Museen, der Denkmalpflege, dem Archivwesen, dem Medienzentrum, den wissenschaftlichen Kommissionen und dem LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte.

Kontakt:
LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte
Karlstr. 33
48147 Münster

Quelle: LWL, Presse-Infos | Kultur, 12.7.2011