„Tag der offenen Tür“ im Sächsischen HSTA Dresden

Am 23. August 2003 beteiligt sich das Hauptstaatsarchiv Dresden in diesem Jahr erstmals mit einem „Tag der offenen Tür“ am „Tag des Gläsernen Regierungsviertels“. Wer sich dafür interessiert, wie die Unterlagen der Ministerien, der Gerichte und Behörden im Regierungsbezirk Dresden archiviert werden, welchen wichtigen Beitrag Archive leisten, um Verwaltungshandeln transparent zu machen und wie sie den Informationsanspruch von Bürgern, Wissenschaft und Verwaltung sichern, ist an diesem Tag herzlich zu einem Besuch eingeladen.

Es wird darüber informiert,

  • welche Unterlagen ins Archiv kommen und wie sie ausgewählt werden,
  • was Archivare tun, um die Unterlagen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen,
  • welche Maßnahmen Archivare und Restauratoren ergreifen, um die Unterlagen auch für die nächsten 1000 Jahre zu erhalten,
  • wie man die Dienstleistungen des Archivs als Benutzer in Anspruch nehmen und
  • wie man Archivar oder Archivarin werden kann.

Außerdem kann man auf einem Rundgang über 12 Stationen einmalige Originale aus der sächsischen Geschichte betrachten, beim Buchbinden selbst Hand anlegen, historische Filme ansehen oder erfahren was es heißt, 40.000 Meter Archivgut zu verpacken. Diese und viele andere Informationsangebote werden dafür sorgen, dass der „Tag der offenen Tür“ im Hauptstaatsarchiv ein echter Publikumsmagnet sein wird.

Zum „Tag der offenen Tür“ ist das Hauptstaatsarchiv von 11.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Gruppen, die an Führungen teilnehmen wollen, werden um Voranmeldung gebeten.

Kontakt:
Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden
Frau Dr. Andrea Wettmann
Archivstr. 14
01097 Dresden
Tel.: 0351/8006-138
andrea.wettmann@archive.smi.sachsen.de
www.sachsen.de/archiv

DER ARCHIVAR 3/2003

Die Juli-Ausgabe 2003 von DER ARCHIVAR beinhaltet neben Beiträgen aus der Archivtheorie und Archivpraxis (hierin u.a. ein Erfahrungsbericht von Sigrid Peters über die Erarbeitung eines Thesaurus für die Stasi-Unterlagen) sowie Berichten aus dem Ausland (mit einem Situationsbericht Josef Nössings über von der Schließung bedrohte italienische Archive) folgende Aufsätze:

  • Qualitätsparameter archivischer Arbeit – Überlegungen zur Dienstleistung und Ressourcengewinnung (Gabriele Stüber)
  • Staatliche Archive als bürgernahe Einrichtungen mit kulturellem Auftrag (Robert Kretzschmar)
  • Kulturarbeit – eine Kernaufgabe der Kreisarchive? (Irmtraud Betz-Wischnath e.a.)
  • Die Verfolgung der Sinti und Roma im Natzionalsozialismus in Niedersachsen: Zur Aussagekraft von „Wiedergutmachungsakten“ (Raimond Reiter)
  • Archive in Chemnitz
  • Archivbericht Frankreich 200-2002: EDV und Archive (Wolfgang Hans Stein)

DER ARCHIVAR Heft 3, Juli 2003
hg. vom NRW-Hauptstaatsarchiv
Zweigarchiv Schloss Kalkum
Oberdorfstr. 10
40489 Düsseldorf
http://www.archive.nrw.de/archivar

Digitale Bibliothek Deutschland

Als zentrale Anlaufstelle für wissenschaftliche Literatur und Online-Fachinformationen haben jetzt nach einem Bericht von heise.de 37 Bibliotheken, Forschungsinstitute und Fachinformationszentren ein fächerübergreifendes Internet-Portal eingerichtet. Unter dem Kunstnamen vascoda, der Assoziationen zu dem portugiesischen Seefahrer und Entdecker Vasco da Gama (1469 bis 1524) weckt, soll es Anfang August zur internationalen Bibliothekskonferenz IFLA den Betrieb aufnehmen. 

Vascoda bündelt die in Deutschland mit öffentlichen Mitteln aufgebauten Informationsdienstleistungen der Wissenschaft unter einem gemeinsamen Internet-Zugang mit einer einfach zu handhabenden Suchmaschine. Die Benutzung ist unentgeltlich, auch wird ein Großteil der Informationen, die sämtlich aus geprüften Quellen stammen, kostenlos zu beziehen sein. Daneben sind aber ebenso Angebote von Verlagen und kommerziellen Datenbanken kostenpflichtig verfügbar. Die Abrechnung erfolgt in diesen Fällen über die Registrierungs- und Zugangsmechanismen der jeweiligen Anbieter.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Wissenschaftsportal sind unter anderem 23 Virtuelle Fachbibliotheken – wie MathGuide und ViFaPhys -, die vier großen Informationsverbünde EconDoc (Wirtschaft), GetInfo (Naturwissenschaft und Technik), infoconnex (Pädagogik, Sozialwissenschaften, Psychologie) und Medizin sowie die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) an der Universitätsbibliothek Regensburg beteiligt.

Quelle: Heise.de, 24.7.2003.

Kölns Nachlässigkeiten

„Return to Spender“ übertitelt die FAZ ihren Artikel über die drohende Schließung der Abteilung Sammlungen und Nachlässe im Historischen Archiv der Stadt Köln, das lange als Flagschiff unter den deutschen Kommunalarchiven galt, zudem das größte und eines der ältesten ist (vgl. Bericht).

Im Juni hatte die Kölner Stadtverwaltung eine Beschlussvorlage über die Auflösung der Abteilung eingebracht. Die Bestände sollen eingemottet, Schenkungen zurückgegeben werden und künftige Erwerbungen unterbleiben.

Seit zehn Jahren bereits ist das Historische Archiv dem kommunalen Spardruck ausgesetzt. Von einst 50 Mitarbeitern sind 30 übrig geblieben. Die allmähliche Auszehrung bekam vor allem die Abteilung Sammlungen und Nachlässe zu spüren, da deren Archivierung – anders als die des amtlichen Schriftgutes – nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Doch gerade diese Sammlungen machen das Renommee des Kölner Stadtarchivs aus. Neben dem mit 380 Kartons größten Nachlass Heinrich Bölls liegen hier 700 private Einzelfonds.

„Das Vermächtnis der Sammler würde rückgängig gemacht“, erklärt der Leiter der Abteilung, Eberhard Illner, der um die eigene Glaubwürdigkeit fürchtet. Viele der Nachlässe sind Schenkungen, die mit der Zusicherung, das sie wissenschaftlich aufgearbeitet werden und öffentlich zugänglich gehalten werden, anvertraut wurden. Andere wurden mit Drittmitteln erworben. Diese Gelder müssten zurückgezahlt, Spendenbescheinigungen aberkannt werden. Den erwarteten Einsparungen in Höhe von 138.000 Euro stünden, so Illner, Regressansprüche von mehr als einer halben Million Euro gegenüber.

Doch weder dieses finanzielle Argument, noch Bedenken des Rechtsamtes konnten die Beschlussvorlage bisher kippen.

Siehe auch den Kommentar von Konrad Adenauer (CDU), Vorsitzender des Kölnischen Geschichtsvereins: „Ein Akt der Barbarei“ (KSTA, 28.7.2003)

Kontakt:
Historisches Archiv der Stadt Köln
Severinstr. 222-228
D-50676 Köln
Telefon: 0221-221-22329
Telefax: 0221-221-22480
hastk@netcologne.de
http://www.stadt-koeln.de/kulturstadt/

Quelle: FAZ, 25.7.2003, S. 33.

Einblicke ins Schweriner Stadtarchiv

Das gute Stück ist in Leder und Holz gebunden und mit Messingschließen bewehrt: Das Stadtbuch von 1424 ist das älteste Stück im Schweriner Stadtarchiv in der Stellingstraße, wo sieben Mitarbeiter die Bestände pflegen. Die Urkunde über die Gründung Schwerins durch Heinrich den Löwen 1160 existiert nicht mehr. „Schwerin ist im 16. und 17. Jahrhundert dreimal abgebrannt“, erklärt Archivleiter Dr. Bernd Kasten. Da hätten die damaligen Archivare nur gerettet, was wichtig war. „Im Stadtbuch waren Grundstücksgeschäfte und Hypotheken verzeichnet.“ Es ging um Geld, deshalb hat der Foliant überlebt. Allerdings sind die uralten Akten aus Pergament oder Hadernpapier (aus Textilabfällen hergestellt) auch haltbarer als die Unterlagen der späteren Jahre.

Besonders Bestände ab etwa 1850 sind vom Zerfall bedroht – auch in Schwerin. „Damals wurde Holzpapier eingeführt“, erläutert Dr. Kasten. Es ist stark säurehaltig und wird mit der Zeit brüchig.

Das Verfahren zur Konservierung kostet 10 bis 15 Cent pro Blatt. Da die betroffenen Bestände hunderte Regalmeter füllen, ist die Konservierung eine finanzielle und handwerkliche Mammutaufgabe. Dr. Kasten kündigt an: „Vom nächsten Jahr an wollen wir unseren Restaurierungs-Haushaltstitel für die Papierkonservierung verwenden.“ Bücher und Karten sind bereits restauriert, die alten Zeitungen sind mikroverfilmt.

81 Regalmeter Akten sind 2002 ins Stadtarchiv gewandert, in der Archiv-Außenstelle in der Weststadt haben sich Bestände auf 2.000 Regalmeter Länge angesammelt. Auf fünf Prozent beziffert Dr. Kasten den Anteil, der schließlich als Päckchen wohlverschnürt in die endlosen Regalschluchten wandert, beschriftet mit Zahlen und Buchstaben, die nur dem Eingeweihten den Weg weisen. Manche Päckchen werden nie wieder aufgeschnürt.

Man solle sich aber nicht täuschen, sagt Dr. Kasten. „Ich dachte auch, die Korrespondenz der Kleingärtner mit dem Liegenschaftsamt aus dem 19. Jahrhundert werde nie jemand brauchen.“ Schon eine Woche später habe der Kleingärtner-Kreisverband nachgefragt… „Wir beurteilen, was irgendwann wichtig sein könnte“, erklärt Dr. Bernd Kasten die Herausforderung seines Berufes. „Irgendwann“ wird dabei in Jahrhunderten gemessen, deutsche Archive reichen bis zu 1.000 Jahre zurück. „Was einmal ins Archiv einsortiert ist, bleibt dort für immer.“

Kontakt:
Landeshauptstadt Schwerin
Stadtarchiv
19053 Schwerin
Tel.: (03 85) 56 29 70

Ansprechpartner:
Benutzerdienst: Jens-Uwe Rost
Tel.: 5 93 62 44
Rainer Blumenthal
Tel.: 59 80 10 61
Archivleiter: Dr. Bernd Kasten
E-Mail: Stadtarchiv@schwerin.de

Außenstelle (Bauakten- und Grundbucharchiv)
Willi-Bredel-Str. 18
19059 Schwerin
Tel.: 7 45 28 30
Ansprechpartner: Jörg Moll

Quelle: SVZ, 23.7.2003

NRW-Pilotprojekt für E-Government abgeschlossen

Zwölf nordrhein-westfälische Städte haben ausgewählte Verwaltungsverfahren auf elektronische Abwicklung umgestellt. Das Gemeinschaftsprojekt e-Government NRW wurde vom Städte- und Gemeindebund NRW initiiert. Beteiligt waren Microsoft Deutschland und die Bertelsmann-Stiftung. Dabei seien Lösungen geschaffen worden, die kostengünstig, auf andere Kommunen übertragbar und leicht auszubauen seien. „Damit ist der Grundstein zum Virtuellen Rathaus in Nordrhein-Westfalen gelegt“, erklärte heute der Präsident des Städte- und Gemeindebundes NRW (StGB NRW), Bergkamens Bürgermeister Roland Schäfer, in Düsseldorf zum Abschluss des Projektes. 

Die Städte Bergisch Gladbach, Bergkamen, Coesfeld, Gütersloh, Herten, Lippstadt, Olsberg, Paderborn, Ratingen, Rees, Rietberg und Siegburg haben in acht Teilpilotprojekten den Verwaltungsvorgang auf elektronische Bearbeitungsweise umgestellt und damit den herkömmlichen Behördengang überflüssig gemacht, heißt es beim Städte- und Gemeindebundes. Zu den Teilprojekten gehören Bauleitplanung, Melderegisterauskunft und Personenstandswesen.

Das Pilotprojekt sei präzise dokumentiert worden. Dadurch und mit Hilfe der neu entwickelten Software E-Government Starter Kit könnten auch kleinere Städte und Gemeinden ohne größere Investitionen elektronische Verwaltungsverfahren für Bürger und die örtliche Wirtschaft einrichten. „Das wichtigste Ziel, die Übertragbarkeit der Ergebnisse, wurde damit erreicht. In Zeiten knapper Kassen kann auf diese Weise durch e-Government Geld gespart werden“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des StGB NRW, Bernd Jürgen Schneider.

Quelle: Heise.de, 22.7.2003.

Kertészs Archiv zugänglich

Das künstlerische Archiv des Literaturnobelpreisträgers Imre Kertész ist laut dpa jetzt in der Berliner Akademie der Künste (www.adk.de) auch der Forschung zugänglich. Der 1929 geborene Schriftsteller hatte seine Werkmanuskripte, Korrespondenzen und Notizen bereits Ende 2001 der Akademie als Depositum übergeben. Dazu gehören etwa die Manuskripte des „Romans eines Schicksallosen“, des „Spurensuchers“, des „Galeerentagebuchs“ und von „Ich, ein anderer“.

Die Beschäftigung mit der Shoah ist ein zentrales Thema der Akademie, wo auch große Bestände zur Künstleremigration während der NS-Zeit und zum Jüdischen Kulturbund in Deutschland betreut werden.

Kontakt:
Akademie der Künste
D-10557 Berlin-Tiergarten 
Hanseatenweg 10
Tel: 030.390 76-0
Fax: 030.390 76-175
info@adk.de

Aus evangelischen Archiven Nr. 43/2003

Der aktuelle Jahresband 2003 „Aus evangelischen Archiven“ ist erschienen. In den Beiträgen erörtert u.a. Dieter Klose die Möglichkeit historischer Bildungsarbeit in Kirchenarchiven. Er überprüft dabei Anforderungen und Charakteristika der allgemeinen Archivpädagogik für den Bereich der kirchlichen Archive, d.h. Archive als schulische und außerschulische Lernorte, Bedingungen für Projektarbeit sowie spezifische archivtechnische und pädagogische Rahmenbedingungen.

Mit Sicherheit auch von Kirchenarchiven zu leisten sind nach Kloses Einschätzung zumindest folgende Aspekte: Informationsvermittlung über die Aufgaben des Archivs und über die fachliche Ausbildung der Archivmitarbeiter; Vorstellung einzelner Archivalientypen; Themenführungen; Betreuung von Referaten, Fach- und Abschlussarbeiten; Ausstellungshinweise; Vermittlung einer historischen Dimension gemeindlicher Existenz.

Inhalt des Heftes Nr. 43:

  • Editorial (5)
  • Rainer Hering: Kirchen in Monarchie, Republik und Demokratie. Neuerscheinungen zur neueren und neuesten Kirchengeschichte Deutschlands (7)
  • Jens Murken: Erinnerungskultur und Biographie. Zur kommunikativen Praxis der Geschichte (37)
  • Anette Neff: Mündliche Lebensberichte im Zentralarchiv der EKHN. Methoden der Erfassung, Aufbewahrung und Benutzung (55)
  • Bernd Hey: Reduktionen und Pointierungen. Erfahrungen mit den biographischen Ausstellungsprojekten Ehmann, Wilm und Gerstein (73)
  • Dieter Klose: Archivpädagogik – Chance für kirchliche Archive? (81)
  • Andreas Metzing: Die Überlieferungen der linksrheinischen evangelischen Lokalkonsistorien der napoleonischen Zeit (99)
  • Alexandra Mittmann: „… es soll unser Bestreben sein, von der leidvollen Vergangenheit frei zu werden …“ Das Archiv der Kirchengeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft Minden e.V. (109)
  • Jörg Rohde: Pfarrbüchereien im Bereich der Hannoverschen Landeskirche (113)
  • Paul Peucker: Die Erschließung der Topographischen Sammlung des Unitätsarchivs in Herrnhut (123)
  • Gerhard Paasch: Unterstützung – Ablehnung – Anpassung. Hamburger Kirchengemeinden im Nationalsozialismus (131)
  • Werner Jürgensen: Rechtsfragen zur Präsentation von Archivgut im Internet (137)
  • Wolfgang Günther: Neues Archiv- und Kirchenbuchrecht in der westfälischen Landeskirche (153)
  • Jens Murken: Tagungsbericht: Erinnerungsorte und Erinnerungskultur im deutschen Protestantismus des 20. Jahrhunderts (181)

Aus evangelischen Archiven Nr. 43/2003
ISSN: 1617-8238

Bezugsadresse:
Verband kirchlicher Archive
Geschäftsführung
Landeskirchliches Archiv Hannover
Goethestraße 27
30169 Hannover

Eindrücke eines Archivars zu „.hist 2003“

Vom 9. bis 11. April 2003 fand in Berlin die Tagung „.hist 2003“ statt, bei der es um die Bedeutung und den Einsatz der Neuen Medien in den Geschichtswissenschaften ging. Neben einem Tagungsbericht brachte H-Soz-u-Kult jetzt auch ein Statement von Dr. Thomas Aigner (St. Pölten), in dem er seine Eindrücke von der Berliner Veranstaltung aus archivarischer Sicht schildert.

Die Tagung „.hist 2003. Geschichte und neue Medien“ hat seiner Ansicht nach sehr eindrucksvoll den Unterschied zwischen dem Frohlocken der Historiker über die und den archivarischen Zweiflern an der Dauerhaftigkeit digitaler Informationen und Speichermedien unter Beweis gestellt, wenngleich natürlich nicht der grundsätzliche Einsatz von EDV zur Diskussion gestanden hat. Es ging im wesentlichen um die Präsentation diverser Möglichkeiten der Digitalisierung und der Schaffung von Vernetzungen, insbesondere durch das Internet. So standen als wichtigste Aspekte die Bereitstellung von historischer Information, sei es direkt aus Quellen oder von Wissen ganz allgemein, sowie deren gezielte Strukturierung zwecks effizienter Benützung im Mittelpunkt.

Als Stätten, die historische Informationen verwalten und diese für die Historikerschaft bereitstellen, sind in erster Linie Archive, Bibliotheken und Museen zu betrachten. .hist 2003 habe deutlich gezeigt, dass der Bereich des „Providing Information“ zwar bereits eine ansehnliche Menge an Einzelprojekten aufweise, dass diese zumeist jedoch noch in den Kinderschuhen stecken, weil ihnen Standards fehlen, wie es sie beispielsweise im Bibliotheksbereich durch die Herauskristallisierung einzelner Systeme und international verbindlicher Erschließungsregeln ansatzweise schon gibt.

In Bezug auf einen zweiten Aspekt, des „Using Information“, sei es eine wesentliche, für alle Projekte geltende Forderung, dass die zukünftigen Benutzer verstärkt beim Aufbau von Onlinesystemen einbezogen werden müssten. Ein System sei eben nur dann gut, wenn es „einfach“ zu handhaben sei.

Zuwachs im Stadtarchiv St. Gallen

Das St. Galler Stadtarchiv, dessen Bücher und Akten nebeneinandergestellt eine zwei Kilometer lange Reihe ergeben würden, erhielt im letzten Jahr ganz besonders viele neue Akten. »Ihr besonderer Wert liegt darin, dass sie nicht die amtliche Sichtweise wiedergeben«, sagt Stadtarchivar Stephan Sonderegger gegenüber dem Tagblatt. Erhielt das Archiv  im Jahr 2000 einen Zuwachs von 23 und 2001 von 41 lfd. Metern Akten, so waren es im letzten Jahr 140 Laufmeter. Der markante Anstieg ist auf wenige überdurchschnittliche Ablieferungen zurückzuführen. Zu den jüngsten Zuwächsen gehört der Nachlass des über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Historikers Ernst Ehrenzeller, von dem z.B. die Geschichte der Stadt St. Gallen (1988) stammt.

Private Nachlassbestände wiesen im Besonderen die angesprochene »nicht-amtliche Sichtweise« auf: Tagebücher wie etwa jene von Hans Richard von Fels, Fotosammlungen wie die Gross'sche oder persönliche Notizen von Menschen, die vor unserer Zeit gelebt haben, seien wichtige Quellen für die Kultur-, Ideen- und Mentalitätsgeschichte und Elemente einer umfassenden Geschichtsschreibung.

Dem Stadtarchiv wurden in jüngster Zeit mindestens ein halbes Dutzend Privatnachlässe überantwortet. Zu den Bedingungen einer Übernahme gehöre aber etwa die Freiheit des Archivars, nicht das gesamte Material übernehmen zu müssen – ein Archiv ist eben keine Gratisentsorgung. Es gibt auch Regeln, nach denen diese Privatarchive zu Forschungszwecken benutzt werden können. Sensible Daten oder Namen dürfen nicht verwendet werden.

Natürlich beherbergt das Stadtarchiv St. Gallen aber auch jene altehrwürdigen Dokumente, die man typischerweise mit einem Archiv assoziiert: Die ältesten Schriftstücke wurden im 13. Jahrhundert geschrieben. »Das sind wertvolle historische Quellen«, sagt Sonderegger und öffnet ein Zinsbuch aus dem 15. Jahrhundert. Es ist die Buchhaltung des Heiliggeistspitals, das in der Region verschiedene Güter besass und mit den dort angepflanzten Produkten handelte. Belege zeigen auf, dass pro Jahr bis zu 200 Prozent Umsatzsteigerung erzielt wurde.

Kontakt:
Stadtarchiv (Vadiana) St.Gallen
Notkerstrasse 22
CH-9000 St.Gallen
TEL ++41 71 224 62 23 und ++41 71 244 08 17
FAX ++41 71 244 07 45
stadtarchiv.sg@bluewin.ch