Kölns Nachlässigkeiten

„Return to Spender“ übertitelt die FAZ ihren Artikel über die drohende Schließung der Abteilung Sammlungen und Nachlässe im Historischen Archiv der Stadt Köln, das lange als Flagschiff unter den deutschen Kommunalarchiven galt, zudem das größte und eines der ältesten ist (vgl. Bericht).

Im Juni hatte die Kölner Stadtverwaltung eine Beschlussvorlage über die Auflösung der Abteilung eingebracht. Die Bestände sollen eingemottet, Schenkungen zurückgegeben werden und künftige Erwerbungen unterbleiben.

Seit zehn Jahren bereits ist das Historische Archiv dem kommunalen Spardruck ausgesetzt. Von einst 50 Mitarbeitern sind 30 übrig geblieben. Die allmähliche Auszehrung bekam vor allem die Abteilung Sammlungen und Nachlässe zu spüren, da deren Archivierung – anders als die des amtlichen Schriftgutes – nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Doch gerade diese Sammlungen machen das Renommee des Kölner Stadtarchivs aus. Neben dem mit 380 Kartons größten Nachlass Heinrich Bölls liegen hier 700 private Einzelfonds.

„Das Vermächtnis der Sammler würde rückgängig gemacht“, erklärt der Leiter der Abteilung, Eberhard Illner, der um die eigene Glaubwürdigkeit fürchtet. Viele der Nachlässe sind Schenkungen, die mit der Zusicherung, das sie wissenschaftlich aufgearbeitet werden und öffentlich zugänglich gehalten werden, anvertraut wurden. Andere wurden mit Drittmitteln erworben. Diese Gelder müssten zurückgezahlt, Spendenbescheinigungen aberkannt werden. Den erwarteten Einsparungen in Höhe von 138.000 Euro stünden, so Illner, Regressansprüche von mehr als einer halben Million Euro gegenüber.

Doch weder dieses finanzielle Argument, noch Bedenken des Rechtsamtes konnten die Beschlussvorlage bisher kippen.

Siehe auch den Kommentar von Konrad Adenauer (CDU), Vorsitzender des Kölnischen Geschichtsvereins: „Ein Akt der Barbarei“ (KSTA, 28.7.2003)

Kontakt:
Historisches Archiv der Stadt Köln
Severinstr. 222-228
D-50676 Köln
Telefon: 0221-221-22329
Telefax: 0221-221-22480
hastk@netcologne.de
http://www.stadt-koeln.de/kulturstadt/

Quelle: FAZ, 25.7.2003, S. 33.

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