Das Chronos Film Archiv in Berlin

Auf dem Gelände am Nordrand von Babelsberg, auf dem vor 1945 das Althoff-Atelier seine Studios hatte, wohnt unter dem Firmennamen „Chronos“ das Gedächtnis Deutschlands, wird hier gepflegt und verwaltet. Eine kleine Gruppe von Archivaren ist derzeit damit beschäftigt, Bestandsaufnahme zu machen. Einige Millionen Meter Dokumentarfilm lagern in Tausenden Büchsen in einer kühlen Halle direkt hinter dem kleinen Haus, in Metallregalen aufeinandergestapelt, grob geordnet, aber noch nicht vollständig systematisch erfasst – historische Aufnahmen aus der Kaiserzeit, vom Aufstieg der Nationalsozialisten, von Parteitagen, Aufständen, von Revuen und alltäglichen Begebenheiten, vom Prozess gegen die Angeklagten des 20. Juli, all dies Material, das einst im Reichsfilmarchiv gesammelt und nach dem Zweiten Weltkrieg von den Siegermächten beschlagnahmt worden war.

Daneben türmen sich Filme aus den Geheimarchiven des KGB und der CIA, des polnischen, englischen und schwedischen Geheimdienstes, Dokumentaraufnahmen aus den Konzentrationslagern, vom Kampf um Berlin, aus den zerstörten deutschen Städten unmittelbar nach Kriegsende und vieles andere mehr.

Aufgespürt, erworben, eingetauscht, gesammelt und zum Teil selbst gedreht hat all dies ein Privatmann: Bengt von zur Mühlen. Nach vierzig Jahren ist aus seiner Sammlung eines der weltweit größten Privatarchive historischer Bildquellen geworden. Kaum ein Geschichtsfilm kommt ohne das Chronos Archiv aus, alle wichtigen Fernsehanstalten nicht nur aus Deutschland sind hier Kunden, dazu auch Filmemacher.

Vor einigen Jahren hat Bengt von zur Mühlen das Chronos Archiv an seinen Sohn Konstantin verkauft, da zur endgültigen Erfassung aller Teile, zur Pflege und vor allem zur Digitalisierung des vergänglichen Materials Investitionen nötig geworden waren, für die das Kapital fehlte. Konstantin von zur Mühlen, der vielleicht mit einem besseren Geschäftssinn als sein Vater ausgestattet ist, schwebt als ehrgeizigstes Produktionsvorhaben eine fünfzehnteilige DVD-Serie über die Geschichte Deutschlands vor. Im Augenblick aber konzentriert er sich auf die Entwicklung einer neuen Software für eine Filmdatenbank.

Kontakt:
Chronos-Film GmbH
Am Hochwald 30/3
14532 Kleinmachnow
Tel.: 033203 / 28201
Fax: 033203 / 28551
http://www.dhm.de/lemo/chronos/

Quelle: FAZ, 29.7.2003, S. 36.

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