Sommerprogramm der Museen Göppingens sehr gut besucht

Das Interesse an der Stadtgeschichte Göppingens ist groß. Die Veranstaltungen im Sommerprogramm des Archivs und der Museen waren bestens besucht. Doch ausgerechnet zur 850-Jahr-Feier der Stadt wird das Budget für derlei Extras knapp.

Zum ersten Mal haben das städtische Archiv und die Museen in den Ferien ein „Sommerprogramm“ angeboten. Jeden Donnerstag um 18 Uhr wurden Veranstaltungen zur Stadtgeschichte durchgeführt. Mal eine Führung zu den Wurzeln der Staufern am Hohenstaufen, mal ein Blick ins Stadtarchiv, mal ein Abend über den verheerenden Stadtbrand und den Neuaufbau Ende des 18. Jahrhunderts.

„Die Veranstaltungen waren allesamt sehr gut besucht“, blickt der Stadtarchivar Karl-Heinz Rueß auf das Sommerprogramm zurück. Manche Führungen wie den Stadtspaziergang auf den Spuren des Baumeisters Heinrich Schickhardt hätte man gar dreimal anbieten können, so groß war der Andrang. „Wir hatten bestimmt 100 Interessenten, aber mit mehr als 30 Personen kann man nun mal nicht den Turm der Stadtkirche besteigen oder das Badhaus im Christophsbad besichtigen“, erklärt Rueß. Die Donnerstagsveranstaltungen waren aber längst nicht alles.

Trotz regnerischem Wetter waren am vorvergangenen Wochenende rund 2000 Besucher zum Museumsfest in den Garten des städtischen Museums gekommen. Zu Beginn der Ferien fand beim Naturkundemuseum in Jebenhausen das schon traditionelle Steinzeitwochenende statt, und erst am Samstag im jüdischen Museum zum europäischen Tag der jüdischen Kultur ein Vortragsabend.

Die Fülle der Angebote ist erstaunlich, denn immerhin mussten auch Stadtarchiv und Museen zu Beginn des Jahres eine Budgetkürzung hinnehmen. „Das waren zwar nur 20 000 Euro, doch wenn man bedenkt, dass wir insgesamt in unserem Budget nur etwa 90 000 Euro für Sachkosten, Werbung, Veröffentlichungen, Ausstellungen und Ähnliches frei zur Verfügung haben, dann macht das schon viel aus“, so Rueß.

Vor allem bei den Publikationen und im Archiv will er das Geld einsparen. „Dann wird halt die eine oder andere Restaurierung geschoben“, so Rueß. Am Veranstaltungsprogramm will er aber vorerst keine Abstriche machen. „Wir brauchen das Publikum. Wenn wir eine Ausstellung streichen, dann kommen keine Leute ins Museum, dann verkaufen wir auch weniger“, so der Stadtarchivar.

„Die ganzen Veranstaltungen wären aber ohne ehrenamtliche Helfer in der Form nicht machbar“, erklärt Karl-Heinz Rueß. Für das Museumsfest seien die Helfer das ganze Wochenende über auf den Beinen gewesen. Bestes Beispiel für die ehrenamtliche Mithilfe sei aber wohl der für das museumspädagogische Programm so wichtige Steinzeitgarten beim Naturkundemuseum, den Winfried Poltrack in ehrenamtlicher Arbeit nahezu im Alleingang aufgebaut habe.

Außerdem kann Karl-Heinz Rueß gleich auf die Unterstützung mehrerer Vereine zurückgreifen. „Wir arbeiten eng mit dem Geschichts- und Altertumsverein, der Gesellschaft für staufische Geschichte und dem Naturkundeverein zusammen“, sagt Rueß. Ein Ergebnis dieser Vernetzung ist das „GP“, das Göppinger Geschichtsprogramm.

In enger Absprache koordinieren die unterschiedlichen Akteure auf dem Terrain der Heimatgeschichte ihre Veranstaltungen. So entsteht ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Programm, das jetzt mit dem Vortrag im jüdischen Museum in das letzte Jahresdrittel gestartet ist und am kommenden Sonntag mit Führungen über den jüdischen Friedhof in Jebenhausen, den Hauptfriedhof und in der Oberhofenkirche fortgesetzt wird. „Mit diesem Programm erreichen wir mehr Leute, als wenn jeder Verein nur seine eigenen Mitglieder anschreibt“, so Rueß.

Auf diesen Rückhalt zählt Karl-Heinz Rueß auch im kommenden Jahr. Immerhin stehen die Feiern zum 850-Jahr-Jubiläum der Stadt an. Mehr Geld hat das Stadtarchiv im Jubiläumsjahr allerdings nicht zur Verfügung. „Wir hoffen auf das gleiche Budget wie in diesem Jahr. Allerdings haben wir jetzt noch von den Budgetresten von 2002 zehren können. Das ist nicht mehr möglich“, so Rueß. Beklagen will er sich aber nicht.

Stattdessen wird eifrig am Jubiläumsprogramm gebastelt. „Es gibt viele Ideen, und im Sommer werden wir im Storchen auf jeden Fall eine Ausstellung zur Stadtgeschichte im Zeitraffer machen, kündigt er an. „Dazu könnte man auch Filmdokumente aus Göppingen von 1909 bis heute zu einem kleinen Film zusammenstellen, aber ob wir das finanzieren können, ist noch offen“, so Rueß.

Kontakt:
Hausanschrift: Schlossstraße 14, Alter Kasten, 73033 Göppingen
Postanschrift: Stadt Göppingen Archiv und Museen, Postfach 11 49, 73011 Göppingen
Telefon:
Archivleiter Dr. Karl-Heinz Rueß: 07161 / 97 95 22
Dipl.-Archivar (FH) Martin Mundorff: 07161 / 97 95 20
Telefax: 07161 / 97 95 21
eMail: archiv-museen.stadt.goeppingen@t-online.de

Quelle: Stuttgarter Zeitung, 9.9.2003

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