Protokolle der Metallwerke Unterweser AG entdeckt

Der Zufall fördert zuweilen längst verloren geglaubte Dinge ans Tageslicht. Dazu zählten bis vor wenigen Monaten die Protokollbücher der Aufsichtsratssitzungen der im Jahre 1906 gegründeten Metallwerke Unterweser AG. Bei der Renovierung des aus der Gründerzeit stammenden Verwaltungsgebäudes waren die Protokolle in einem eisernen Geldschrank wieder aufgetaucht. Was die Aufsichtsräte bei ihrer ersten Versammlung am 26. September 1906 beschlossen, ist jetzt im Archiv des Rüstringer Heimatbundes nachzulesen.

Dr. Rainer Menge, Geschäftsführer des Schweizer Unternehmens „Xstrata“ in Friedrich-August-Hütte, zu dem die ehemaligen Metallwerke seit Dezember 2002 gehören, überreichte zwei Protokollbücher an den Archivar des Rüstringer Heimatbundes, Wolfgang Engelhardt. Das sei Stadtgeschichte pur, schwärmte Engelhardt bei der Durchsicht der zunächst in tadelloser Deutscher Schrift geführten Protokolle. Die beiden Kladden umfassen die Jahre 1906-1917 und 1917-1953. Insgesamt sind 113 Sitzungen des Aufsichtsrates darin festgehalten.

Gleich auf den ersten Seiten befindet sich der Vertrag mit der Großherzoglichen Regierung in Oldenburg und den Metallwerken Unterweser AG über den Verkauf von Ländereien und die Errichtung von industriellen Anlagen. Neben den Notizen über Ankäufe von Bauland sowie den Berichten über das jeweilige Geschäftsjahr werde auch die soziale Verantwortung des Unternehmens deutlich, so Engelhardt weiter. Für die tausend Arbeiter bauten die Manager der „Hütte am Meer“ Wohnungen in Phiesewarden, später in Friedrich-August-Hütte.

Die Zinkherstellung in Deutschland begann um 1800 in Oberschlesien. Die Gründer der Hütte – Geschäftsführer Dr. Wiegand vom Norddeutschen Lloyd und Dr. Sondheimer, Geschäftsführer eines Frankfurter Bankhauses –, hofften, dass sich die Zinkproduktion auch in Nordenham zu einem lukrativen Geschäft entwickeln würde. Lag die jährliche Produktion zunächst bei 10.000 Tonnen, wurde sie auf 40.000 Tonnen gesteigert. Zum Vergleich: „Zurzeit werden jährlich 140.000 Tonnen produziert“, betonte Menge.

Die wechselvolle Geschichte der Metallwerke Unterweser ist in den Büchern dokumentiert: die miserable Wirtschaftslage in der Weimarer Republik ebenso wie der Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst durch den Koreakrieg (1950-1953) zog die Produktion in Nordenham wieder kräftig an.

Kontakt:
Rüstringer Heimatbund e.V.
Hessenstraße 7
26954 Nordenham

Quelle: Nordwest-Zeitung, 26.9.2003

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