Die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ geht zu Ende

Die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944“ hat nach Ansicht von Jan Philipp Reemtsma eine Reihe wichtiger Ergebnisse gebracht. In einem dpa-Gespräch nannte der Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung die breite öffentliche Resonanz, eine Reihe von Anschlussforschungen und veränderte Kontroll-Standards für zeitgeschichtliche Ausstellungen. «Ohne den Wirbel um falsch zugeordnete Bildunterschriften zu Archivfotos in unserer ersten Wehrmachtsausstellung wäre das Bewusstsein für den Recherchebedarf auf diesem Gebiet nie so geschärft worden», sagte Reemtsma.

Wegen einiger fehlerhaft zugeordneter Bildlegenden hatte Reemtsma die 1995 gestartete erste Wehrmachtsausstellung des Instituts 1999 zurückgezogen. Eine völlig neu konzipierte Exposition zum selben Thema ging 2001 auf Tour und ist von diesem Donnerstag an bis zum 28. März zum letzten Mal in Hamburg zu sehen. «Bis dahin war es nicht ungewöhnlich – wenn auch immer kritisierbar – sich bei Fotos einfach auf Provenienzangaben der Archive zu verlassen.» Nach der öffentlichen Resonanz auf diese Missgriffe sei deutlich geworden: «Von nun an wird jeder zusätzlich zu den Archivangaben eigene Recherchen vornehmen müssen. Jetzt gelten andere Standards», sagte Reemtsma.

Ihm sei 1999 schnell klar gewesen, dass eine neue Ausstellung zum Thema Verbrechen der Wehrmacht ganz neu aufgebaut sein müsste. «Wir wollten darin auch über den völkerrechtlichen Kontext des Begriffs „Verbrechen“ aufklären und über die Dimension dieser Verbrechen. Wichtig war mir, das Moment der individuellen Handlungsspielräume zu thematisieren.» Er habe die Verantwortung empfunden, den Menschen klarzulegen, was richtig und was falsch gewesen war. «Durch die Krise der ersten Ausstellung war bei manchen der Eindruck entstanden, die These selbst sei fragwürdig. Es musste klargestellt werden, dass das nicht der Fall war», meinte Reemtsma.

Info:
Wehrmachtsausstellung
29.01.2004—28.03.2004
Kampnagel, Hamburg
http://www.verbrechen-der-wehrmacht.de/

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, 28.1.2004

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