Mehr Platz fürs Zürcher Staatsarchiv

Das Staatsarchiv des Kantons Zürich stöhnt unter der Last kilometerlanger Aktenstapel. Deshalb ist ein Erweiterungsbau vonnöten, der voraussichtlich 2006 bezugsbereit sein soll. Gestern fiel der Startschuss mit dem ersten Spatenstich in den frostigen Boden des Irchelparks.

Das Staatsarchiv Zürich ist sozusagen das Gedächtnis des Kantons, oder, laut Staatsarchivar Otto Sigg, dessen «Erbe». In diesem Gebäude wird alles Mögliche an Akten aufbewahrt – von Urkunden aus der Karolingerzeit im 9. Jahrhundert bis hin zu aktuellen Dokumenten aus Politik, Schule, Kirchen, Vereinen oder Gemeinden – und vieles, vieles mehr. Insgesamt haben sich 20 Laufkilometer Akten angesammelt, und jedes Jahr kommt ein weiterer Kilometer hinzu. Das braucht Platz.

Doch der heutige Bau, der 1982 bezogen wurde und der damals, als man aus dem engen Predigerchor in den Irchelpark zügelte, für die nächsten 50 Jahre hätte herhalten sollen, ist längstens übervoll – und zwar sowohl das Hauptgebäude als auch unterirdisch der Milchbucktunnel, ja sogar ein Aussenlager in Oerlikon wurde schon gefüllt. Deshalb kommt nun – mit der ideellen und finanziellen Unterstützung des Parlaments, welches hierfür, bei nur zwei Gegenstimmen, einen Kredit von 20,4 Millionen Franken sprach – bis 2006 ein Erweiterungsbau zustande.

Die Planungszeit sei lange gewesen und habe einer Odyssee geglichen, so Regierungsrat Markus Notter am gestrigen Spatenstich. Schliesslich werde so ein Staatsarchiv ja nicht alle Tage gebaut. «Archivbauten sind massgeschneidert, und es gibt wenig Vorbilder», so Notter. Es benötige Räume zur Aktenbewirtschaftung, Erfassung, Verarbeitung und Benutzung der Dokumente, dazu Spezialräume für Mikrofilme und andere neue Medien. Zudem werde der Erweiterungsbau nach neuestem Kenntnisstand erdbebensicher gebaut und müsse als Betongebäude mit dem bestehenden Altbau optisch «ein Ensemble» bilden, so Kantonsbaumeister Stefan Bitterli. Und nicht zuletzt soll er zeitlich und finanziell genau in den vorgegebenen Rahmen passen.

Am wichtigsten ist aber sozusagen die innere Beschaffenheit, welche «technisch anspruchsvoll» sei, führte Bitterli während der Medienorientierung weiter aus. Denn: «Die Dokumente sind empfindlich.» Solches bestätigte auch Staatsarchivar Otto Sigg, der sich verschiedene solcher Bauten in Europa und sogar in den Vereinigten Staaten angesehen hat. Dort habe man nützliche Werte zur Klimatisierung der Räume mit auf den Weg bekommen: «Die Temperatur muss etwa 18 Grad betragen und die Luftfeuchtigkeit 45 Prozent», erklärte Sigg.

Obschon man 1982 von der Uni Irchel «nicht gerade mit offenen Armen» auf dem Parkareal empfangen worden war, sei nun das Verhältnis beider Institutionen gut. Das Staatsarchiv hüte nämlich auch das Archiv der Uni, betonte Otto Sigg. Doch wie beim Altbau habe man auch beim Erweiterungsbau darauf geachtet, optisch «unauffällig zu bleiben und nicht gewaltig aufzutreten», damit das Gesamtbild des universitären Geländes nicht noch mehr vom Staatsarchiv geprägt sei.

Kontakt:
Staatsarchiv des Kantons Zürich
Winterthurerstr. 170
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Telefon 01/635 69 11     
Fax 01/635 69 05
staatsarchivzh@ji.zh.ch

Quelle: Der Zürcher Oberländer, 3.3.2004

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