Neues zur Zerschlagung des Volksaufstandes 1953

„Generalstreik“ forderten am 16. Juni 1953 die Bauarbeiter in Berlin als Antwort auf die Gesprächsverweigerung der SED-Führung über die Lohnsenkung („Normenerhöhung“). Doch nicht der FDGB verhinderte den Generalstreik, sondern der Ausnahmezustand der sowjetischen Besatzungsmacht. Deren Vorgehen wird in den erstmals veröffentlichten 17 Telegrammen des sowjetischen Hohen Kommissars an die Moskauer Regierung dokumentiert. In seinem neuen Buch „Die Streikbrecherzentrale“ geht Manfred Wilke, der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin u.a. der Frage nach der Befehlskette bei der blutigen Zerschlagung des Volksaufstandes in der DDR vom 17. Juni 1953 (weitere Lit.) nach.

Aufschlussreich erwiesen sich vor allem noch unveröffentlichte Dokumente aus dem Archiv des Moskauer Außenministeriums, die aus dem Nachlass des verstorbenen Historikers Gerhard Beier stammen. Dabei handelt es sich um Schriftstücke des Hohen Kommissars der Sowjetunion in der noch nicht souveränen DDR, Wladimir Semjonow, und des sowjetischen Marschalls Wassilij Sokolowski. Semjonow erhielt, so berichtet Die WELT, die Weisung, „militärische Standgerichte einzurichten und zwölf Rädelsführer zu erschießen. Die Mitteilungen über die Exekutionen sollten in der Stadt ausgehängt werden.“ In einem Telegramm von Sokolowski und Semjonow an den Kreml hieß es: „Insgesamt wurden von unseren Truppen in der Republik 3361 Menschen verhaftet. Außerdem wurden in der Verantwortung des Ministeriums für Staatssicherheit 909 Verhaftungen gemacht, davon 521 in Berlin.“

Info:
Manfred Wilke: Die Streikbrecherzentrale. Der FDGB und der 17. Juni, Reihe: Diktatur und Widerstand, Bd. 8, 328 S., 29.90 EUR, gb., ISBN 3-8258-7775-2

Kontakt:
Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin
Abteilung Malteserstraße
Malteserstr. 74-100
12249 Berlin
 
Leitung: Prof. Dr. Manfred Wilke
Tel 030/83870-232/234/237
Fax 030/83870-736
wilk@zedat.fu-berlin.de

Quelle: Die WELT, 17.6.2004

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